© Nasser Hashemi

Spielplan

Weiße Rose

Mo
04.
Februar
Oper

Weiße Rose

Kammeroper von Udo Zimmermann
nach Texten von Wolfgang Willaschek
Reduzierte Fassung von Arno Waschk

 
 

Das Musiktheater nimmt Udo Zimmermanns Kammeroper Weiße Rose zusätzlich in den Spielplan auf. In der Inszenierung von Nils Braun, der Ausstattung von Rebekka Bentzen und unter der musikalischen Leitung von Jakob Brenner singen Katharina Baumgarten und Andreas Beinhauer. Die Produktion entsteht in Zusammenarbeit mit der Städtischen Musikschule Chemnitz. Im Konzertsaal der Musikschule findet am 15. November die Premiere statt. In der Folgezeit wird das Werk sowohl dort als auch an verschiedenen Orten in der Region gezeigt. Es schildert die letzte Stunde der Geschwister Hans und Sophie Scholl vor ihrer Hinrichtung am 22. Februar 1943. Als führende Mitglieder der Widerstandsgruppe Weiße Rose kämpften sie bis zum Moment ihres Todes mutig gegen die nationalsozialistische Herrschaft. Angesichts dessen ist nicht zu verstehen, dass die weiße Rose, dieses antifaschistische Symbol, im September 2018 in Chemnitz bei einem populistischen „Trauermarsch“ direkt neben verbotenen Symbolen des Rechtsextremismus getragen wurde.

Die Aufführungsserie gehört zur Veranstaltungsreihe Gemeinsam stärker und – in Kooperation mit dem Programm neue unentd_ckte narrative des ASA-FF e. V. – zum Programm des Festivals Aufstand der Geschichten. Sie wird im Rahmen des Programms Demokratie Leben! vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert sowie von enviaM und ASA-FF unterstützt.

Spielort:Städtische Musikschule - Konzertsaal
Dauer:1 h 15 min / keine Pause
Altersempfehlung:ab 15 Jahren
Premiere:15.11.2018
Mo, 04. Februar | 10:30 Uhr
ausverkauft
 

Bilder zum Stückes

Bilder
© Nasser Hashemi
© Nasser Hashemi
© Nasser Hashemi
© Nasser Hashemi
© Nasser Hashemi
© Nasser Hashemi
© Nasser Hashemi
© Nasser Hashemi
© Nasser Hashemi
© Nasser Hashemi
© Nasser Hashemi
© Nasser Hashemi

Videomedien zum Stück

Video

Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam
Musikalische Leitung Jakob Brenner

Inszenierung Nils Braun

Bühne und Kostüme Rebekka Bentzen

Dramaturgische Realisation Teresa Stelzer

Besetzung des Stückes

Besetzung
Sophie Scholl
Katharina Baumgarten
Yuko Hayashi 04.02. / 05.02.2019

Hans Scholl
Andreas Beinhauer

Projektensemble Weiße Rose

Pressestimmen zum Stück

Pressestimmen

„Oper & Tanz“ schreibt in Ausgabe 01/2019

(…)
Das Theater Chemnitz hat sich – erstaunlich in der sonst so langfristigen Programmplanung – nach den aufsehenerregenden Ereignissen vom August sehr kurzfristig entschlossen, das Fest zum 875. Geburtstag der Stadt mit einer Ko-Produktion der ‚Weißen Rose‘ zu ergänzen. Gemeinsam mir der Städtischen Musikschule entstand daraus eine wache, auch: wachrüttelnde Inszenierung (…).
Hier sangen Katharina Baumgarten und Andreas Beinhauer in einer (…) jugendlich glaubhaften Besetzung. Die von Rebekka Bentzen entwickelte Ausstattung schaffte (…) optischen Eindruck, indem mit einer über und über beschrifteten Wandbespannung gearbeitet wurde. Regisseur Nils Braun ließ so die Entwicklungsvorgänge aus den zunächst ganz in Weiß gekleideten Figuren aufs Publikum übergehen. Extrem wurde dies deutlich, indem zum Schluss die Papierwände zerrissen und zerfetzt worden sind – ein Ausdruck größter Not, der hier aber nicht in Befreiung mündete, doch wie ein zeitlos gültiges Fanal wirken durfte.
(…)

Michael Ernst

Die „Leipziger Volkszeitung“ schreibt am 19.11.2018

Zwei Sänger, sechs Musiker, ein intelligentes Produktionsteam und eine Theaterleitung, die dieses Projekt ausdrücklich fördert, reagieren auf die Ereignisse um das Tötungsverbrechen Ende August 2018 bei den Feiern zum 875. Geburtstag der Stadt Chemnitz.
In nur wenigen Wochen studierten Mitglieder des Theaters Udo Zimmermanns (…) Kammeroper ‚Weiße Rose‘ ein. (…) In der reduzierten Orchesterfassung, die Arno Waschk (…) eingerichtet hat, zeigt sich das Kammerensemble unter dem differenziert agierenden Jakob Brenner souverän. (…)
Auf der einfachen Bühne der Musikschule (…) konstruieren der junge Regisseur Bils Braun und seine Ausstatterin Rebekka Bentzen eine scharf skizzierte Labor-Situation über die Vergröberung politischer Ideale in Extremsituationen.
Sophie und Hans sind also nach ihrer Flugblatt-Aktion gegen den Naziterror in der Aula der Münchner Universität nicht nur Opfer. (…)
In ihrer weißen Kleidung, die wie ihre Hände immer mehr verschmutzen, sind Hans und Sophie Scholl Pfleger, Handwerker oder Therapeuten in einer sie von anderen Gemeinschaften trennenden weißen Box. Um diese Sozialstation ohne Klienten und die Musiker kreisen tumultuöse Farbspiele mit einem ähnlich intensiven Nuancenreichtum, wie ihn der Bariton Andreas Beinhauer und die Sopranistin Katharina Baumgarten mit ganz starker sängerdarstellerischer Kraft einbringen.
Erst schreiben Sophie und Hans enge Zeilen auf die weißen Papierwände, die sie am Ende zerreißen und sich so befreien. Aus Angst, seelischer Not und gärender Aggression wird der Wille zum Widerstand drängender und immer einfacher, verkürzt sich schließlich zum Aufschrei mit breitem Kreidestrich.
Beklemmung steht am Ende dieser beeindruckend geradlinigen Produktion. Denn thematisiert wird neben der emotionalen Grenzerfahrung eine Entwicklung, in der Ideen von einer präzisen Diskurshöhe durch Vereinfachung und Überhitzung zu leeren Parolen werden. Das biographische Lamento für Hans und Sophie Scholl spiegelt also auch den drastischen Absturz von Theorien in die populistische Deformierung. Ein packender Beitrag des Chemnitzer Theaters und überdies eine theatrale Klarstellung über das antifaschistische Symbol der Weißen Rose, die bei den populistischen ‚Trauermärschen‘ und in direkter Nachbarschaft mit verbotenen Symbolen des Rechtsextremismus getragen wurde.

Roland H. Dippel

Die „Freie Presse“ schreibt am 17.11.2018

(…) Die letzte Stunde der Widerstandskämpfer Sophie und Hans Scholl am 22. Februar 1943 vor Vollstreckung des gegen sie vom NS-Volksgerichtshof verhängten Todesurteils setzt der Komponist in schroffe, harte Wendungen, die Musik ist häufig atonal, lässt stellenweise Anklänge an Impressionismus und Spätromantik erkennen. Eines ist sie nicht: gefällig. Weder für den Zuhörer, noch für das sechsköpfige Instrumentalensemble aus Geigen (Dimitri Rutter, Andreas Winkler), Flöte (Katharina Böhm-Prokein), Horn (Damien Muller), Klavier (Leonard Martynek) und Schlagzeug (Conrad Süß), das unter Leitung von Jakob Brenner souverän komplizierteste Klangeffekte meistert.
Stimmliche und darstellerische Schwerstarbeit über eine Stunde lang leisten Katharina Baumgarten als Sophie Scholl und Andreas Beinhauer als ihr Bruder Hans. Im Angesicht des Todes ventilieren sie in Monologen, Visionen und Selbstreflexionen die Furcht vor dem Ende, traumatisierende Erlebnisse und Stationen ihres Lebens. Bedauerlicherweise leidet unter der beeindruckenden Kraft ihres Gesangs die Wortverständlichkeit - und die Oper ist nicht übertitelt. Das (...) geschieht, sobald die Oper im Großen Haus gespielt wird.
Die von Ausstatterin Rebekka Bentzen ganz in Weiß gekleideten Geschwister beschreiben mit einem Stück Kohle ihre papiernen Zellenwände mit Kernthesen aus Flugblättern der „Weißen Rose“. So mit dem Satz "Man kann sich mit dem Nationalsozialismus geistig nicht auseinandersetzen, weil er ungeistig ist." Zum Finale zerreißen sie die Wandbespannung in postkartengroße Fetzen und verteilen sie mit den Worten "Nicht schweigen, nicht mehr schweigen" im Publikum: Die letzte symbolische Flugblattaktion vor dem Ende. Dem folgten zur Premiere nach angemessen starkem Premierenbeifall Appelle der Darstellenden an ihr junges Publikum. Tenor: Wisst zu schätzen, welche Möglichkeiten euch das Land bietet, in dem ihr lebt. Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit.
Die Operninszenierung ist nicht nur ein wertvoller Beitrag, weil sie in Chemnitz eine aktuelle Lücke in Sachen zeitgenössisches Musiktheater füllt. Jenseits aller Fensterreden über die Bühne als Ort gesellschaftlicher Relevanz und moralische Anstalt ist „Weiße Rose“ ein Beispiel dafür, wie Theater heute wirksam werden, politischen Grenzüberschreitungen entgegentreten und für ein Gemeinwesen stellvertretend Position beziehen kann. Und: wie es Arsch in der Hose zeigen kann.

Torsten Kohlschein

Weitere Pressestimmen

Das sagt nmz.de (Neue Musik-Zeitung)

Startseite
Suche Zusatzinformationen
Teilen
nach oben eine Seite zurück

Was suchen Sie?

Suche schließen
Exit
nach oben eine Seite zurück