© Dieter Wuschanski

Spielplan

Turandot

Sa
09.
März
Oper
Wiederaufnahme

Turandot

Dramma lirico von Giacomo Puccini
Libretto von Giuseppe Adami und Renato Simoni
Finale ergänzt von Franco Alfano

 
 

Prinzessin Turandot hat geschworen, das Eheversprechen nur einem Mann zu geben, der drei Rätsel lösen kann. Wem das nicht gelingt, dem wird der Kopf abgeschlagen. Dementsprechend hoch ist die Todesrate bei Hofe. Mit diesem nicht sonderlich sensiblen Vorgehen will die schöne chinesische Prinzessin den Tod ihrer Ahnin rächen, die einst Selbstmord beging, um dem männlichen Joch zu entfliehen. Doch die Freier lassen sich nicht abschrecken: Einer nach dem anderen stellt sich der grausamen Tortur. Auch Prinz Calaf entbrennt für die unnahbare Schöne. Kann er die geforderten drei richtigen Antworten geben und den eisernen Ring um Turandots Herz lösen?

Der Name Turandot stammt ursprünglich aus dem Persischen und taucht in der orientalischen Märchensammlung 1001 Tag auf. Carlo Gozzi bearbeitete den Stoff für die Commedia dell‘arte, Friedrich Schiller schrieb diese Fassung 1802 für die deutsche Bühne um. Puccini kannte beide Stücke und war glücklich, als nach einer lang andauernden und zermürbenden Sujet-Suche Renato Simoni, einer seiner Librettisten, das Märchen von Turandot vorschlug. Mit großer Leidenschaft widmete sich Puccini der Komposition, doch noch bevor er die Partitur zum Abschluss bringen konnte, erlag er seinem schweren Kehlkopfleiden. Franco Alfano, einer seiner Schüler, wurde vom Verleger Ricordi sowie vom italienischen Ministerpräsidenten persönlich gebeten, die Oper anhand von Puccinis Skizzen zu vollenden. Die Uraufführung fand im April 1926, knapp anderthalb Jahre nach Puccinis Tod, in der Mailänder Scala unter der Leitung von Arturo Toscanini statt.

Mit dieser Produktion kehrt Hinrich Horstkotte nach Chemnitz zurück. Hier waren bereits seine Inszenierungen von Verdis Maskenball und Mozarts Idomeneo im Opernhaus sowie von Don Giovanni als Figurentheaterproduktion zu sehen. Außerdem war er als Bühnen- und Kostümbildner bei Werken wie Cendrillon, Der Rosenkavalier und Das Mädchen aus dem goldenen Westen beteiligt. In den letzten Jahren inszenierte er u. a. in Dortmund, Saarbrücken, Dessau, Wien, Luxemburg und Taipeh/Taiwan.

Spielort:Opernhaus - Saal
Dauer:2 h 45 min / 1 Pause
Altersempfehlung:ab 14 Jahren
Information:Aufführung in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Premiere:24.09.2016
Einführung:30 Minuten vor Beginn jeder Vorstellung
Sa, 09. März | 19:00 Uhr
 

Weitere Termine

10.05.2019 Freitag 19:00 Uhr    
Opernhaus - Saal

Bilder zum Stückes

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Videomedien zum Stück

Video

Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam
Musikalische Leitung Attilio Tomasello

Inszenierung, Bühne und Kostüme Hinrich Horstkotte

Chor Stefan Bilz

Dramaturgie Carla Neppl

Besetzung des Stückes

Besetzung
Turandot
Iordanka Derilova 09.03.2019
Soojin Moon 15.03.2019
Irina Rindzuner 10.05.2019

Altoum
Edward Randall

Timur
Magnus Piontek 09.03. / 10.05.2019
Ulrich Schneider 15.03.2019

Calaf
Dario Prola

Liù
Leah Gordon

Ping
Andreas Kindschuh

Pang
Tommaso Randazzo

Pong
Sunnyboy Dladla 09.03. / 15.03.2019
Siyabonga Maqungo 10.05.2019

Ein Mandarin
Andreas Beinhauer

Erste Dienerin
Katharina Boschmann

Zweite Dienerin
Andrea Ahrens
Antje Gebhardt-Randazzo

Stimme des Prinzen von Persien
Gyung-Ha Choi

Der Prinz von Persien
Mitglied der Musiktheaterstatisterie

Chor, Extrachor und Chorergänzung der Oper Chemnitz

Mitglieder des Kinder- und Jugendchores

Damen und Herren der Statisterie

Robert-Schumann-Philharmonie

Pressestimmen zum Stück

Pressestimmen

Der „Online Merker“ schreibt am 15.11.2016

Bühnenhohes graues Gemäuer grenzt den Vorplatz des kaiserlichen Palastes ein. In den Schießscharten ähnelnden Aussparungen des Mauerwerks sind die abgeschlagenen Häupter der glücklosen Freier Turandots postiert. Später erweitern sich diese Nischen, um den Weisen des Landes Platz einzuräumen, die als Schiedsrichter der bislang für die Kandidaten stets letal verlaufenen Rätselshow fungieren. Bei jeder richtigen Antwort des Prinzen senken sich in die Farben Rot und Weiß getauchte meterlange Tücher aus diesen Fenstern zu Boden, das Einheitsgrau muss sich geschlagen geben. Hatte eingangs der Mandarin (Matthias Winter mit kraftvollem Bariton) den bevorstehenden Tod des jungen Persers angekündigt, bestimmen hernach die Vorbereitungen auf diese Hinrichtung äußerst wirkungsvoll en detail die Szene. Als der gleißende Mond und der überdimensionale Gong ihre Dienste verrichtet haben, geben sie den Blick frei auf ein mit Eis versehenes Rund, aus dessen Mitte Turandot gleich einer Schneekönigin den nächsten Freier ins Auge fasst. Eine steil aufsteigende, sie von Calaf trennende Schräge versinnbildlicht angestrebte Distanz. Nach jeder gelösten Frage die Schräge von beiden Seiten minimierende Stufen brechen diesen Abstand nahezu auf. Und über all dem thront Altoum, der Sohn des Himmels, quasi von diesem an Seilen herabgleitend und auf halber Bühnenhöhe über dem Geschehen schwebend – eine Marionette nur? Dem widerspricht die von Edward Randall der Figur verliehene feste tenorale Kontur, die bei weitem keinem Greise ähnelt. Vielleicht wollte Regisseur Hinrich Horstkotte (in Personalunion auch für Bühnenbild und Kostüme verantwortlich) sich aber auch nur einen Seitenverweis auf sein ausgesprochen inniges Verhältnis zum Figurentheater erlauben?

Das bisher Beschriebene verdeutlicht, wie genau und überzeugend die Regie das Werk befragt hat und mit ihren Antworten dem Publikum keineswegs einen Bären aufbinden möchte. Wenn trotzdem einige Ungenauigkeiten zu konstatieren sind, mindern diese den Wert der Inszenierung allenfalls marginal. So verwundert, wenn Liu (von Maraike Schröter vokal in allen Belangen beispielgebend gemeistert) während ihrer ersten Arie derart auf den Präsentierteller gelotst wird, dass jedermann ihre Beziehung zu Calaf wahrnehmen muss. Außerdem dürfte manchem Betrachter die dank Hydraulik in eine Art Hexenküche verlagerte umfangreiche Szene der drei Minister (André Riemer, Hubert Walawski, Andreas Kindschuh) sauer aufstoßen, wo mit dem Grauen nach britischem Muster Tollerei getrieben und aus den Gebeinen eines verblichenen Freiers ein fragwürdiger Sud angerichtet wird. Immerhin hatten die beteiligten Herren mit nimmer nachlassendem Spieleifer vollauf zu tun. Und wenngleich ich von dem Gebräu nicht naschen möchte, fand ich dessen Zubereitung recht unterhaltsam. (…)

Unter der anfeuernden Leitung von Felix Bender bot die ihm willig folgende Robert-Schumann-Philharmonie eine Puccini-Interpretation von bestechendem Niveau. Da wurden weder die brutal zupackenden Seiten noch die innigen Momente der Partitur vernachlässigt. Blech (ohne Patzer) und Schlagwerk feierten ihren großen Tag, Holz und Streicher brachten sich gleichermaßen inspiriert ein. Dennoch lief dieses überaus heißblütige Musizieren an keiner Stelle Gefahr, die Solisten zu übertönen. Klangvoll und von Stefan Bilz bestens präpariert meisterte der erweiterte Chor des Hauses seine nicht zu unterschätzenden Aufgaben.

In der Titelpartie war Morenike Fadayomi zu erleben, die den Wandel von der die Show dominierenden Diva zu einer tief verunsicherten Frau glaubwürdig nachvollzog. Den extremen Ansprüchen des Puccinischen Schwanengesanges erwies sie sich vollauf gewachsen, nahm den Zuschauer ebenso mit einem perfekten Forte für sich ein, wie sie andererseits der Wandlung zur liebenden Frau stimmlich emotionale Schattierungen beimengte. Als Timur stellte sich mit Magnus Piontek ein neues Ensemblemitglied vor, dessen sonorer Bass keine Wünsche offen ließ. (…)

Joachim Weise

„Der Neue Merker“ schreibt in Ausgabe 11/2016

Das von Calaf gesungene ‚Vincerò‘ klingt ungemein sieghaft. Was danach folgt, ist in Chemnitz ungewöhnlich und durchweg spannend. Hier greift man nämlich auf Alfonsos Original zurück, das Toscanini für zu lang hielt und gnadenlos kürzte. Aber gerade das Finale hat einen dramaturgisch wichtigen Stellenwert. Turandots Beweggründe für ihr unbarmherziges Handeln werden hier aufgezeigt und lassen szenische Freiräume zu, die man so eher selten sieht. Hinrich Horstkotte, der in Chemnitz kein Unbekannter ist, misstraut der Eisprinzessin. Puccini selbst hatte ständig neue Ideen, was das Finale anging. Hinrich Horstkotte lässt sich von der Musik leiten. Liùs Opfertod geht nicht spurlos an Turandot vorüber. Die von Eis umgürtete Prinzessin scheint an einen Schmelzpunkt gelangt zu sein. Im Duett mit Calaf offenbart sie sich. Dennoch tötet sie den fremden Prinzen. Vor allem Volk verkündet sie zwar: ‚Il suo nome è…Amor!‘ – wählt aber den Freitod. Dem Regisseur, der zugleich für die Gesamtausstattung verantwortlich ist, gelingen insgesamt beeindruckende Bilder mit viel Liebe zum Detail. Eindrucksvoll gelingt vor allem das Stellen und Beantworten der Rätsel. Mit jeder gelösten Frage entwickelt sich aus einer ehemals glatten Rutsche allmählich eine Treppe. Turandot und Calaf kommen sich immer näher. Nicht minder beeindruckend ist Turandots erster Auftritt. Sie erscheint quasi aus einer anderen Welt, ist in silbrige Kälte gekleidet. Dieses Wesen fasziniert. (…) Für die drei Minister findet der Regisseur eine recht eigenwillige Lesart. Makaber und witzig zugleich. Die stark aufgestellten Chöre (bestens einstudiert von Stefan Bilz) führt er gut. (…) Musikalisch gelingt den Chemnitzern eine ungemein beeindruckende Wiedergabe des Werkes. Felix Bender – vorerst kommissarischer Generalmusikdirektor – hat das Werk in der für ihn typischen Art und Weise einstudiert: akribisch, umsichtig und mit viel Sinn für Puccinis Klangpalette. Er hält den großen Apparat verlässlich zusammen und erzeugt mit der Robert-Schumann-Philharmonie eine faszinierende Klangwelt, die weder Wuchtiges noch Schwermütiges ausspart. Den Sängern ist er fabelhafter Begleiter. Er atmet mit ihnen, gibt ihnen Raum zum Phrasieren und verleiht ihnen auch Sicherheit in heiklen Passagen.

Selten wird einem so bewusst, dass Turandot und Liù eigentlich lyrisch und dramatisch zugleich sind. Jee Hye Han meistert die hohe Tessitura der Titelpartie mit ungewöhnlicher Flexibilität. Man hat nie das Gefühl, dass sie ihren Part heroisch-pompös gestaltet, sondern permanent das Wesen der Figur zum Ausdruck bringt. Die Stimme der Sopranistin verfügt über die entsprechende Strahlkraft, aber auch über berührende Zwischentöne, die die emotionalen Regungen der Figur erkennen lassen. Maraike Schröter ist alles andere als eine gefühlsduselige Sklavin. Sie weiß sich zu artikulieren. Turandot hört ihr zu. Nicht nur sie, sondern auch das Publikum ist bei ihrem Vortrag gebannt. Die stimmlichen Mittel, die Maraike Schröter einsetzt, sind beeindruckend. Jeffrey Hartman gab als Calaf in Chemnitz sein Europa-Debüt. ‚Nessun dorma!‘ beendet er mit einem hörenswerten und begeisternden H und auch sonst gefällt der Tenor mit strahlkräftigen Tönen. Eine Entdeckung! Wirkungsvoll gestaltete Magnus Piontek seine Auftritte als Timur. André Riemer, Hubert Walawski und Andreas Kindschuh haben als Minister sichtbaren Spaß daran, die szenischen Vorgaben von Hinrich Horstkotte umzusetzen. Anderas Beinhauer verschafft sich als Mandarin Achtung und Gehör. Edward Randall machte seine Sache als Kaiser Altoum gut. Das Chemnitzer Publikum war von der Aufführung begeistert. Man verzichtete auf störenden Zwischenbeifall, feierte aber in der Pause nach dem zweiten (!) Akt und am Ende alle Mitwirkenden gebührlich!

Christoph Suhre

Der „Stadtstreicher“ schreibt in Ausgabe 10/2016

Umjubelt, und das zu recht: Puccinis ‚Turandot‘

(…) Applaus, der ausbricht, bevor die Musik noch zu ihrem Ende gekommen ist. (…) Die ‚Turandot‘ hat noch einige Schlussakkorde zu absolvieren, aber (…) es bricht sich einfach Bahn und die Zuschauer jubeln der Bühne klatschend und Bravo-rufend zu. Diese ‚Turandot‘ ist eine wahrlich große, eine umfassend gelungene, mitreißende Aufführung. (…) Puccini (…) nimmt das Märchen von der chinesischen Prinzessin und deckt dessen Härte nicht etwa zu, sondern treibt sie eigens hervor, mit einem humanen Willen, das Unmenschliche auch in realen Verhältnissen zu erkennen und aufzuzeigen, den man kaum genug bewundern kann. (…) Ja, hier gelingt es gar, dass in dem Moment, wo (…) sämtliche Hindernisse zwischen dem prädestinierten Liebespaar beseitigt sind, nicht etwa alles klar, sondern erst recht alles offen und man bis zu allerletzt gespannt ist, wie es ausgeht. Das sollte man deshalb nicht verraten: So bleibt es, für eine Oper erstaunlich, wirklich spannend bis zu den letzten Akkorden.

Und das nun in Chemnitz auch dank der durchdachten und so überaus wirkungsvollen Inszenierung, Bühne und Ausstattung von Hinrich Horstkotte. Wie er das Geschehen jeweils erhellend mit der Musik verbindet, wie er es vermag, jede Situation durch Bewegungen, durch Farben und durch das Spiel mit dem Raum zu intensivieren, ist einfach sagenhaft. Ihm gelingt zum Beispiel das Wunder, den immer prekären, weil so vorhersehbaren Moment, wo sich der Tenor auf Anhieb in die Richtige verliebt, nicht nur verständlich, sondern eindringlich zu machen. Es ist bei ihm derselbe silberne Mond, mit dessen Erscheinen die Enthauptung des letzten Freiers einhergeht, auf welchem kurz darauf das Antlitz der eisigen Prinzessin erscheint: Wir sehen diese Schönheit als Bild gemeinsam mit dem Helden und sie schlägt uns genauso geheimnisvoll wie ihn in ihren Bann.

Der Chor spielt eine bedeutende Rolle und ist bis zur Jüngsten darin, von der ich zufällig weiß, dass sie Lilly-Marleen heißt, so kraftvoll, dass den Hörern in den ersten Reihen zeitweise die Ohren klingeln werden – muss aber sein. Und ja, jetzt käme eigentlich noch der Jubel über all die musikalischen Größen des Abends; kann ich vielleicht ein andermal nachholen.

Eske Bockelmann

Die „Neue Musikzeitung – nmz Online“ schreibt am 28.09.2016

textgleich auch auf MDR Kultur, 25.09.2016

(…) Die Liebe zur italienischen Oper füllte am Premierenabend verlässlich das Opernhaus, in dem die besondere Erwartungshaltung aber einerseits der Wiederkehr von Regisseur Hinrich Horstkotte an dieses Theater, vor allem aber dem Einstand von Felix Bender als Generalmusikdirektor galt. Bisher war er als 1. Kapellmeister verpflichtet, nun tritt er – vorerst kommissarisch – die Nachfolge von Frank Beermann an und erwies sich, dies gleich vorweg, als überaus prädestiniert für Amt und Oper.

Von Vorteil für ihn dürfte es dabei sein, dass die Robert-Schumann-Philharmonie musikalisch derzeit bestens aufgestellt ist. Sie glänzt mit ausgewogener Stimmkraft, verfügt über einen sauber agierenden Streicherton und spritzig-satte Bläserensembles. Felix Bender geht mit einer sehr jugendlichen Ausstrahlung ans Werk, agiert frisch, dennoch umsichtig, koordiniert gut, hält die Balance zwischen Bühne und Graben, ist geschickt im dynamischen Ausdruck, den er spannend gestaltet. (…)

Der glückliche Umstand einer durchweg achtbaren Sängerbesetzung ist dabei ganz auf seiner Seite, und auch die von Stefan Bilz präparierten Chöre (Opern- und Extrachor sowie Kinder- und Jugendchor) fügen sich in diese klangvolle Brillanz.

Die Titelpartie ist mit der Koreanerin Jee Hye Han sehr authentisch besetzt. Sie gibt eine ebenso stimmgewaltige wie schier uneinnehmbare Prinzessin, die ja bekanntlich all ihre Verehrer umbringen lässt, wenn sie die drei berühmten Rätsel nicht lösen.

Einzig Calaf, der fremde Prinz, ist so von ihr angetan, dass er die Fragen richtig beantwortet und die ihn liebende Liù ignoriert. Rein moralisch ist das natürlich schon in der Vorlage mächtig verwerflich. Aus offenherziger Liebe unterstützt diese gütige Sklavin den blinden Vater Calafs, den einstigen Tatarenkönig Timur. Der wird von Magnus Piontek grundanständig als altersschwacher Verlierer gesungen. Maraike Schröter aber als Liù ist überwältigend. Sie spielt voll ergreifender Demut und singt geradezu göttlich.

Jeffrey Hartman als von Turandot besessener Calaf (…) gab (…) einen starken, strahlkräftigen Tenor. Turandots Vater, dem Kaiser von China, wurde es von der Regie her schon schwer gemacht, Edward Randall musste diesen Part mit dem Rücken zum Publikum singen und obendrein gülden verpackt über dem ganzen Geschehen geradezu schweben. Eine Metapher über das Unten und Oben, über die Hierarchie im alten China.

(…) Insgesamt (…) wirkten Inszenierung und Ausstattung von Hinrich Horstkotte grundsolide. Er hat die Geschichte geradlinig erzählt und ein paar schöne Metaphern gefunden: Turandot kommt aus einer Art „magischem Auge“ ins Bild. Ein Eiskanal wie aus anderer Welt. (…)

Interessant(…) sind bühnenbildnerische Details wie eine Rätsel-Treppe, deren Stufen mit jeder gelösten Frage wegbrechen. (…)

Michael Ernst

Die „Freie Presse“ schreibt am 26.09.2016

Die Oper Chemnitz erzählt das Märchen von der grausamen Turandot in einem großen Abend der italienischen Oper. Diese ‚Turandot‘ öffnet Augen, Herz und Hirn und sorgt für aufregende zweieinhalb Opernstunden in italienischer Sprache. Wer Sorge hatte, dass nach dem Abschied von Frank Beermann (neun Jahre Generalmusikdirektor in Chemnitz) die dortige Oper durch ein tiefes Tal wandern muss, wurde eines Besseren belehrt. Felix Bender am Pult der Philharmonie gestaltet das emotional aufgeladene Werk mit allerhöchstem Anspruch, extremer Farbenreichtum kommt aus dem Orchestergraben. Aber auch darüber hinaus wurde die Puccini-Oper zur Premiere (...) umjubelt: Sie hatte Spannung und Energie, die Aufmerksamkeit war gebannt dank wunderbarer Sängersolisten, leistungsstarker, gut choreografierter Chöre und einer Inszenierung, die feinsinnig und verspielt bis ins Detail das grausame Märchen stringent erzählt und sein rätselhaftes Ende annehmbar interpretiert.

Regisseur Hinrich Horstkotte, der auch Bühnenbild und Kostüme entwarf, erwies sich als Glücksgriff für die Inszenierung. Er illustriert lustvoll das fesselnde Puccini-Klanggemälde. Stumme Nebenfiguren erhalten dabei Größe: Der Scharfrichter des kaiserliches Hofes, ein muskelbepacktes, ölig glänzendes Mannsbild, baut sich ostentativ abschreckend vor Freund und Feind auf. Barbusige Schönheiten versuchen schamlos, den Prinzen zu verführen. Kanzler Ping, Marschall Pang und Küchenmeister Pong - sonst oft langweilige, unbegreifliche Figuren, führen in Chemnitz messerscharf ins Hofgetriebe ein: In einer Spitzenszene richten diese Bonzen das Mahl gar mit abgeschlagenen Köpfen und Gliedmaßen. Ein finsteres Gruselkabinett!

Die wahre Liebe ist bei der Sklavin Liu, die für ihren Prinzen Calaf stirbt, um ihn zu schützen. Der Regieeinfall, bei dem sie zuvor Turandot das Messer in die Brust stößt, womit die grausige Prinzessin für einen Moment zum Fühlen gezwungen wird, ist einfach grandios im Sinne der Menschwerdung eines Eiszapfens. Turandot lernt durch Liu etwas über das wahres Frausein - trotzdem kann die traumatisierte Schöne vom Triumph, vom Sieg, vom Morden nicht lassen. Mit dem Tod Lius endet in der Oper auch der authentische Puccini, der Rest stammt von Franco Alfano, der das Werk zu Ende schrieb. Darum bietet der Schluss des dritten Aktes auch immer wieder Anlass zur Interpretation. In Chemnitz liegen am Ende nach sehr glaubhafter Hinführung drei Tote am Boden, zwei Liebende und eine grausame, indoktrinierte Person. Lee Hye Han als Turandot, Jeffrey Hartman als Calaf und Maraike Schröter als Liu nutzen alle Möglichkeiten, die Psyche ihrer Helden freizulegen.“ (Marianne Schultz)

"Christoph Dittrich (...), Generalintendant des Chemnitzer Theaters, ließ in der Pause zwischen dem zweiten und dem dritten Akt schon mal die Sektkorken knallen. Da hatte sich das vom Publikum famos gefeierte 'Turandot'-Ensemble bereits minutenlangen Applaus abgeholt. 'Die sind doch noch gar nicht fertig', flüsterte eine Dame ungläubig im Publikum. Nö, aber wenn der Chor so kraftvoll schmettert, die Robert-Schumann-Philharmonie offenkundig einen solchen Narren an ihrem amtierenden Chef Felix Bender gefressen hat - so steht das in der Kritik vom Theaterförderverein - und die Sänger so stimmgewaltig zu Gänsehaut und huch-ist-das-makaber-Schmunzeln anregen, ja, dann kann man in der Pause schon mal abklatschen wie beim Rockkonzert. Einhelliger Tenor auch auf dem Opernhausbalkon: Dort lobten Universitäts-Professor Rudolf Boch, Architekt Peter Waldvogel, Theater-Fördervereinschef Johannes Schulze und der langjährige Vorstand der Envia M, Wolfgang Ahlemeyer, die bis auf den letzten Platz ausverkaufte Aufführung.

Peggy Fritzsche

Die „Chemnitzer Morgenpost“ schreibt am 26.09.2016

Glanzvolle Premiere
Bravo-Rufe für die schillernde ‚Turandot‘
Frenetischer Beifall, Standing Ovations und nicht enden wollende ‚Bravo‘-Rufe: ‚Turandot‘ feierte (…) eine glanzvolle Premiere im ausverkauften Opernhaus. Giacomo Puccinis (1858-1924) letzte Oper in der Inszenierung von Hinrich Horstkotte löste beim Publikum wahre Begeisterungsstürme aus. (…)

Die Koreanerin Jee Hye Han singt die Turandot selbstbewusst und nuancenreich mit klarem Sopran. Maraike Schröter als Sklavin Liù ist das warmherzige Gegenstück zu Turandot, entsprechend berührend sind ihre Solopartien. Das Kräftedreieck Turandot – Liù – Calaf wird von Jeffrey Hartman komplettiert. Der Amerikaner war mit seinem weichen Timbre makellos. Abgerundet wird die Oper von einer überwältigenden Leistung des Chores und der Schumann-Philharmonie, die, unter der Leitung von Felix Bender, Puccinis exotisch-schillernde Musik zum Leben erweckt. Das monumentale Bühnenbild ist in grau gehalten mit nur wenigen roten Akzenten. Gleiches gilt für die Kostüme. Einzig Turandot und ihr Vater erstrahlen in Silber und Gold. (…)

Victoria Winkel

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