Spielplan

Rinaldo

Rinaldo

Opera seria von Georg Friedrich Händel
Libretto von Giacomo Rossi

 
 

Rinaldo, ein erfolgreicher Heerführer, liebt Almirena, die Tochter des Generals Goffredo. Die väterliche Genehmigung zur Hochzeit steht allerdings noch aus. Zuerst soll sich Rinaldo in der bevorstehenden Schlacht an der Spitze von Goffredos Truppen als siegreich erweisen. Doch dann kommt alles anders: Die Feinde erhalten Unterstützung von der Zauberin Armida, die zu allem Überfluss ein Auge auf Rinaldo geworfen hat und deshalb kurzerhand Almirena verschwinden lässt. Mit magischen Kräften versucht Armida, Rinaldo an sich zu binden, aber er trotzt tapfer ihrer Verführungskunst und kann Almirena befreien. Schließlich findet die geplante Schlacht doch noch statt. Rinaldo führt Goffredos Heer zum Sieg, so dass dem Happy End nichts mehr im Wege steht.

Georg Friedrich Händels künstlerisches Schaffen erstreckte sich auf alle musikalischen Genres seiner Zeit. In Halle an der Saale geboren, zog er mit 18 Jahren nach Hamburg und eroberte bereits einige Jahre später Italien und England. Rinaldo, seine erste Oper für London, war bei ihrer Uraufführung 1711 eine Sensation. Noch nie zuvor hatte das Londoner Publikum eine derart spektakulär und verschwenderisch ausgestattete Oper gesehen. Über Nacht wurde der 26-jährige Händel zum Star. Zu verdanken hatte er die Idee für dieses Werk dem gleichaltrigen Theaterunternehmer Aaron Hill, der erst kurze Zeit davor Direktor des Queen’s Theatre geworden war und dort etwas Besonderes bieten wollte. Nach der Vorlage von Torquato Tassos Kreuzfahrer-Epos Gerusalemme liberata (Das befreite Jerusalem) skizzierte er gemeinsam mit dem Librettisten Giacomo Rossi ein Szenarium, in dem jede Menge Theatereffekte vorgesehen waren, angefangen von Donner, Blitz und Feuerwerk bis hin zu über die Bühne fliegenden echten Vögeln. Händel schrieb dazu eine wirkungsvolle und mit Überraschungen gespickte Musik.

Die Inszenierung liegt in den Händen des Südafrikaners Kobie van Rensburg, der 2014 mit seiner fantasievoll-frechen Version von Rossinis La Cenerentola (Aschenputtel) den Saisonrenner im Opernhaus auf die Bühne brachte. 

Aufführung in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln 

Dauer:3 h 5 min / 1 Pause
Altersempfehlung:ab 14 Jahren
Premiere:25.03.2017
Einführung:30 Minuten vor Beginn jeder Vorstellung

Bilder zum Stückes

Bilder

Videomedien zum Stück

Video

Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam
Musikalische Leitung Felix Bender

Inszenierung und Video Kobie van Rensburg

Choreografie Sabrina Sadowska

Bühne Steven Koop

Kostüme Kristopher Kempf

Dramaturgie Carla Neppl

Besetzung des Stückes

Besetzung
Goffredo
Sophia Maeno

Almirena
Silvia Micu 20.01. / 24.02. / 25.02.2018
Katharina Boschmann 07.04. / 06.05. / 09.05.2018

Rinaldo
Vasily Khoroshev

Eustazio
Konstantin Derri

Argante
Andreas Beinhauer

Armida
Ina Yoshikawa 20.01. / 25.02. / 09.05.2018
Guibee Yang 24.02. / 07.04. / 06.05.2018

Der weiße Magier
Tiina Penttinen

Sirene I
Katharina Boschmann

Sirene II
Silvia Micu

Sirene III
Ina Yoshikawa 20.01. / 25.02.2018
Guibee Yang 24.02. / 07.04. / 06.05. / 09.05.2018

Damen und Herren der Statisterie

Robert-Schumann-Philharmonie

Pressestimmen zum Stück

Pressestimmen

"Das Opernglas" schreibt in Ausgabe 05/2017

Rasanter Händel
In der Uraufführung von Händels Oper ‚Rinaldo‘ 1711 im Londoner Theater am Haymarket gab es feuerspeiende Drachen, Flugmaschinen und fliegende Spatzen. Im Chemnitzer Opernhaus zeigte Kobie van Rensburg jetzt bei rasanter Videotechnik ,Baroque & Roll‘- und das kam gut an. Da gibt es regelrechte Rundflüge über die Baukastenwelten im märchenhaften Ambiente aus Tausendundeiner Nacht. Explosionen donnern wie in Videospielen, und dennoch bleibt die belagerte Heilige Stadt ganz heil. In der angewendeten Bluescreen-Technik können die Protagonisten wie von Zauberhand dank bestens eingerichteter Technik in die Leinwandlandschaften über ihnen projiziert werden. (…)
Der dunkel und sanft grundierte Countertenor Yuriy Mynenko überzeugte in der Titelpartie, klangschön, dynamisch, sicher in den Koloraturen. Der Bariton Andreas Beinhauer als Argante, König von Jerusalem, wusste Gesangskultur mit dramatischem Anspruch zu vereinen, gleiches galt auch für die Mezzosopranistin Anna Harvey als Goffredo, Anführer der Kreuzritter. Von besonderer Wirkung ist immer wieder die klagende Arie der Almirena ,Lascia ch’io pianga‘ , hier in ansprechender Interpretation durch Franziska Krötenheerdt. Genial in der Inszenierung und in der musikalischen Gestaltung war es, wenn die Zauberin Armida (Guibee Yang mit ihrem sehr hellen Sopran), um Rinaldo zu betören, eben diese Arie noch einmal singt. Der Countertenor Jud Perry überzeugte als jüngerer Bruder Goffredos, wie vor allem auch die vielseitige Tiina Penttinen in komischer Ironie als weißer Magier.
Gefeiert wurde auch der Dirigent Felix Bender am Cembalo, dem es vergönnt war, samt Instrument durch die Bildwelten zu fliegen und sogar noch als Knochenmann kraft der Musik am Instrument zu überleben. Die Mitglieder der Robert-Schumann-Philharmonie, ergänzt um Continuo, Teorbe, Barockgitarre und eine Erzlaute, mit witzig eingesetzten Percussionspassagen, Blockflöten und Windmaschinen, setzten so erstaunliche wie gelungene Akzente. Viel Szenenapplaus, oft wurde gelacht, und am Ende großer Jubel.

BG

Der „Stadtstreicher“ schreibt in Ausgabe 05/2017

(…) ‚Rinaldo‘: Händels mit großem Filmzauber in Szene gesetzte Wunder- und Märchenland-Oper. (…) bei einer Bühnenfassung mit so viel kokosnussaler Ritterhaftigkeit und gefühlvoller Herzenslust kann einem selbst ein solches Kreuz-gegen-Turbanträger lieb werden. Und vor vallem: bei so viel schöner Musik. Es ist ein Wunder, wie das Barock hier, ja, auch rockt und swingt, aber vor allem, wie es hier unter so unbarocken Auspizien fast vollkommen glückt. Und zwar – ernsthaft – in einer glücklichen Art von Unvollkommenheit. Denn barocker Gesang hat ja seine ganz eigene Behandlung und Technik der Stimme und barocke Musik ganz die ihre der Instrumente. Und nun sitzt am ersten Pult der Geiger zwar Ovidiu Simbotin, der ein reguläres Studium seines Barockinstruments vorzuweisen hat, und spielt es denn auch zum Jubeln original. Es sitzen auch noch andere ausgewiesene Spezialisten im Orchesterraum, die Mehrheit aber hat einfach nicht die passende Bogenführung im kleinen Finger, oder was man da sonst noch irgendwo haben muss. Und trotzdem: Es fügt sich, als mixtum compositum, zu einem staunenswert gelungenen, äußerst reizvoll durchwachsenen Barockklang. Felix Bender leitet das schlanke Ensemble vom Cembalo aus, und wie er das tut, damit hat er sich mehr als verdient, dass auch ihm ein Ritt über die Großleinwand vergönnt wird: Bei einem unglaublichen Solo-Furioso, für das er sich die Finger auf den Tasten blutig gespielt haben muss, wirbelt er mitsamt Cembalo durch eine Filmzauber-Hölle, bis er dort fröhlich zum Gerippe zerfällt. Insgesamt verdankt ihm dieser Abend einen wunderbar vielfältigen, fein ausgewogenen Klang. (…)
Auch die Sänger bieten eine bunte Skala von den Spezial-Könnern bis in verschiedenste Varianten der Barock-Annäherung, und das ist herrlich so! Mit Koloraturen in reinster Barockmanier strahlt der Rinaldo des Countertenor Yuriy Mynenko, während es am anderen Ende der Skala Tiina Penttinen erlaubt ist – als weißer Magier ohnehin eine der schräg-lustigsten Figuren dieses Abends -, ihre Koloraturen mehr und mehr in ein jazziges Bab-ba-ba-lu-bap abgleiten zu lassen, so weit weg von aller barocken Feinheit wie nur möglich. Andreas Beinhauer als kraftvoll geschmeidiger Argante, der weichere Sopran von Franziska Krötenheerdt gegen den schärferen von Guibee Yang passend verteilt auf Rinaldos geliebte Almirena und die begehrlich-begehrenswerte Zauberin Armida: Sie alle verzaubern mit hoer Magie des Gesanges. (…) :

Eske Bockelmann

Der „Online Merker“ schreibt am 10.04.2017

Wieder einmal überraschte Generalintendant Christoph Dittrich das Publikum mit einem bis dato in Chemnitz noch nie zu sehenden Werk – Händels Londoner Operndebüt „Rinaldo“. Die Frage, wem er die Inszenierung dieser Barockspezialität anvertrauen sollte, beantwortete der Theaterchef gleichfalls auf bestechende Art, indem er erneut Kobie van Rensburg verpflichtete, der 2014 das hiesige Haus mit einer wahrhafte Begeisterungsstürme auslösenden „Cenerentola“ im Sturm erobert hatte. Auch diesmal versicherte sich van Rensburg des Engagements seiner damaligen Mitstreiter Steven Koop (Bühne) und Kristopher Kempf (Kostüme). Glücklicherweise stand wieder Felix Bender am Pult der Robert-Schumann-Philharmonie, dessen vor Champagnerlaune nur so sprühender Rossini wesentlich zum Erfolg der damaligen Inszenierung beigetragen hatte. Und auch diesmal bewährte sich die Philharmonie bei dieser so völlig anders gearteten Aufgabe mit einer Leistung sonder Fehl und Tadel, bot eine klanglich fein austarierte Leistung, die dank des Einsatzes von Theorbe, Erzlaute und Barockgitarre an apartem Reiz gewann. Bender erwies sich als der rechte Mann am rechten Ort, der das musikalische Geschehen zügig steuerte, ohne sich von den raffinierten szenischen Lösungen der drei zuvor genannten Herren aus dem Takt bringen zu lassen, Lösungen, bei denen (manchmal) fast zuviel des Guten dargereicht ward. Um dem etwas starren Schema der Barockoper (Primat der sich in endlosen Wiederholungen ergehenden Arien, die die Handlung weniger vorantreiben als vielmehr die inneren Befindlichkeiten der jeweiligen Figuren breit ausmalen) wirkungsvoll zu begegnen, wollte der Regisseur den Feind jeglichen Theaters resolut austreiben – die Langeweile. Das ist ihm glänzend gelungen. Dabei wurde die Struktur des Originals keinesfalls willkürlich verändert, wird an der Handlung (Zeit der Kreuzzüge) nicht herumgedeutelt, der Versuchung widerstanden, das Libretto in Richtung heutiger Aktualitäten zu verbiegen. Während die Darsteller auf der kahl geräumten unteren Hälfte der Bühne agieren, läuft über ihnen eine Art Breitwandfilm ab, auf denen ihre Aktionen im Großformat an den entsprechenden Handlungsorten nachzuvollziehen sind. Da schwingt sich Argante auf einem fliegenden Teppich durch die Lüfte, erinnert ein weißer Hai an Steven Spielberg, tragen Armida und der weiße Magier mit mancherlei Tricks ihr Gefecht miteinander aus. Dies alles zeugt vom enormen technischen Können der hierfür Verantwortlichen, birgt allerdings die Gefahr der Verselbständigung in sich. Im Falle „Rinaldo“ wurde diese Gefahr jedoch (…) glücklich umschifft. Der diese Nachmittagsvorstellung quittierende frenetische Applaus sprach dafür Bände. Als Titelheld stellte sich der ukrainische Countertenor Yuriy Mynenko vor, der der strapaziösen Aufgabe darstellerisch und gesanglich keinen Deut schuldig blieb. Von edler männlicher Ausstrahlung, entledigte er sich der atemberaubenden Koloraturen seines Parts bravourös, überzeugte aber zugleich mit lyrisch ausgekosteten Passagen. Mit der Armida Guibee Yangs trat ihm ein furioser Widerpart entgegen. Dabei war eine Künstlerin zu erleben, die ihr gesangstechnisches ABC gleichfalls vollauf aus dem FF abrufen kann und ihre vokalen Möglichkeiten (nicht nur in den Koloraturen) prächtig auszureizen vermag. Emotionale Wärme und eine Prise mächenhafter Koketterie brachte Katharina Boschmann für die Almirena ein, die den eigentlichen, einer früheren Arbeit Händels entstammenden Hit der Oper „Lascia ch’io pianga“ innig berührend interpretierte. Einen wunderbar komischen weißen Magier steuerte Tiina Penttinen bei. Dem Argante verlieh Andreas Beinhauer markantes baritonales Profil, ein potenter Gegner der Kreuzritter, den die gelegentlichen ironischen Beimengungen der Regie keinesfalls über Gebühr denunzierten. Anna Harvey (Goffredo) und Jud Perry (Eustazio) komplettierten das Ensemble auf hohem Niveau. Ein Sonderlob sei an dieser Stelle noch der Maskenbildnerin Nadine Wagner ausgesprochen, die vor allem in Bezug auf die Hosenrollen Phantastisches geleistet hat.

Joachim Weise

„Neues Deutschland“ schreibt am 08.04.2017

Händel hatte 1711 mit seinem ‚Rinaldo‘ einen effektvollen Einstieg. Kobie van Rensburg und Felix Bender sind zwar in Chemnitz längst keine Unbekannten, aber mit ihrer Fassung des ‚Rinaldo‘ geht es ihnen jetzt nicht anders. Die Truppe, die sich auf der Bühne in die Heldenbrust wirft, singt fabelhaft und hat obendrein Spaß dabei. (…) Man bietet alles, was im Barocktheater an Budenzauber so in Mode war und zieht eine große Show ab. Das fängt beim ukrainischen Counter Yuriy Mynenko als Kriegsheld Rinaldo an, geht weiter mit dessen US-amerikanischem Stimmfachkollegen Jud Perry als Eustazio und gilt für alle Mitglieder des Ensembles – von Anna Harvey in der Hosenrolle des Kreuzritter-Anführers Goffredo und Franziska Krötenheerdt als dessen Tochter und Braut des Titelhelden Almirena, trifft aber auch für die Gegenseite zu. Die wird angeführt von der auf Rinaldo versessenen Zauberin Armida (als Koloraturluder: Guibee Yang) und dessen Geliebtem, dem bedrängten König von Jerusalem Argante (Andreas Beinhauer). Der weiße Magier von Tiina Penttinen schützt die Eroberer mit seiner Magie vor den Zauberkräften der Einheimischen. (…) Alles ist hier ‚Baroque & Roll‘, wie es im Abspann zutreffend heißt. Hier spielen die Ritter mit Kokosnüssen und zaubern wie Harry Potter. Bei den Kostümen hat sich Kristopher Kempf davon inspirieren lassen. Dass die Robert-Schumann-Philharmonie dabei mit Erfolg so tut, als wäre sie ein Barockorchester, ist der so präzisen wie inspirierenden Art zu verdanken, mit der der in diesem Jahr als Generalmusikdirektor amtierende Dirigent Felix Bender das Feuerwerk auf der Bühne vom Cembalo aus anfeuert und von der Leine lässt. Der Clou dieses Abends ist die Regie: Van Rensburg hat die Verwendung von Videos auf die Spitze getrieben und das Ganze als Bluescreenwerkstatt auf die horizontal zweigeteilte Bühne gebracht. Unten agieren die Sänger in ihren Kostümen vor einem blauen Hintergrund. Oben gibt es die dann als Akteure in einer historisch durchgestylten Computerspielwelt. Beides gleichzeitig. Da reitet Goffredo auf seinem Gaul an der Spitze des Heeres auf die Mauern von Jerusalem zu. Dort fliegt Argante auf dem Teppich über Dächer und Kuppeln. Die böse Zauberin entfesselt einen Feuersturm, und die Schlacht wird zum Duell mit Energiestrahlen zwischen den Heerführern. Den Hit der Oper, das klagende ‚Lascia ch’io pianga‘ der Almirena, mal von einer gefesselten und kopfüber von der Decke hängenden Sängerin zu hören, das geht auch nur bei dieser Technik. Das muss man gesehen und gehört haben!

Joachim Lange

„Der neue Merker“ schreibt in Ausgabe 04/2017

(…) In Chemnitz bedient sich Regisseur Kobie van Rensburg gemeinsam mit seinem Bühnenbildner Steven Koop und seinem Kostümbildner Kristopher Kempf eines Verfahrens, das die Besucher staunen macht. Die Bluescreen-Technik macht es möglich. Während die Sänger auf der Bühne agieren, werden sie mit Hilfe diverser Kameras in Bühnenräume projiziert, die verblüffende Handlungsorte und Situationen zulassen. Unentbehrlich dafür waren die Damen und Herren der Statisterie der Oper Chemnitz, die in der Choreografie von Sabrina Sadowska unauffällig, aber wirkungsvoll neben den Solisten auf der Bühne agierten. Ein solches Verfahren beeindruckt! Es unterstützt szenische Vorgänge ungemein nachhaltig. Die Aufführung der Oper war mehr als kurzweilig, obwohl man nur behutsame Striche vorgenommen hatte. (…) Es ist einmal mehr Felix Bender zu danken, dass eine Oper von Händel ins Repertoire des Chemnitzer Hauses aufgenommen wurde. Er hat ein ausgesprochenes Faible für diese Musik. Wie auch Händel selbst saß er am Cembalo und leitete von dort aus mit dem ihm eigenen Gespür für Musik und Szene die Aufführung. Virtuos spielte er am Cembalo die Kadenz in der großen Szene der Zauberin Armida, als diese erkennt, dass ihre Magie nicht alles erreichen kann. Das Continuo und die Robert-Schumann-Philharmonie beflügelte der junge Dirigent zu einem harmonischen Miteinander und lebendigen Musizieren. Wieder einmal wurde dem Hörer bewusst, wie modern eigentlich Händels Musik ist. Manche heutige Stilrichtungen kommen njicht an ihm vorbei, beispielsweise der Jazz! Die Chemnitzer Oper kann stolz auf ihr Ensemble sein! (…) Die Titelpartie wurde vom ukrainischen Countertenor Yuriy Mynenko mit klarer und schlanker Stimmführung gesungen. Selbst in heiklen Höhen erzeugte er noch Wohlklang. Seine angebetete Almirena wurde von Franziska Krötenheerdt mit großer Hingabe und wohlklingendem Sopran gestaltet. Im Barock war es ja üblich, Musiknummern aus eigenen und fremden Stücken zu zitieren. ‚Lascia ch’io pianga‘ ist natürlich der Ohrwurm! Diese Arie stammt aus Händels Oratorium ‚Il Trionfo del Tempo e del Disinganno‘. Gebannt lauscht man der Sopranistin beim Vortrag dieser Arie. Furios setzte sich Guibee Yang als Zauberin Armida in Szene. Ihre Stimme wird in luftige Höhen getrieben, welche die Sängerin ohne Probleme und ausdrucksstark meisterte. Auch Andreas Beinhauer konnte mit seinem substanzreichen und beweglichen Bariton dem Argante, König von Jerusalem, glaubhaftes Profil verleihen. Ein Extralob verdient Anna Harvey. Innerhalb von drei (!) Tagen hatte sie für eine erkrankte Kollegin die Partie des Goffredo übernommen. Die britische Mezzosopranistin bekannte anschließend, dass sie die Musik des Barock sehr liebe und schätze. Sie lerne sie daher sehr schnell. Die junge Sängerin, die derzeit noch im Thüringer Opernstudio engagiert ist, sang und agierte mit schöner Selbstverständlichkeit. Einen Fachwechsel vom lyrischen Tenor zum Countertenor vollzieht gegenwärtig Jud Perry, der den Eustazio sang. (…) seine Stimme führte er stilistisch gut und diszipliniert. Tiina Penttinen konnte sich als weißer Magier mal von ihrer humoristischen Seite zeigen. Man muss nicht alles ernst nehmen, was in diesem Werk passiert! Wunderschöne Gesänge stimmten die Sirenen an. Hier vereinten sich die Stimmen von Katharina Boschmann, Franziska Krötenheerdt und Guibee Yang. Mit diesem ‚Rinaldo‘ ist dem Chemnitzer Haus ein großer Wurf gelungen. Lebendig, unterhaltsam, und originell kommt er daher. Dass es im belagerten Jerusalem am Ende der Oper eine Aussöhnung zwischen den streitenden Kräften gibt, verleiht diesem Stück unaufdringliches Gewicht. Der Jubel willte kein Ende nehmen!

Christoph Suhre

„Dresdner Neueste Nachrichten“ schreiben am 31.03.2017

Premiere der Händel-Oper ‚Rinaldo‘ in Chemnitz gefeiert (…) Als Regisseur konnte Chemnitz erneut Kobie van Rensburg verpflichten, der hier bereits 2014 mit Rossinis ‚La Cenerentola‘ sehr erfolgreich war. In bewährter Weise entfesselt er auch jetzt auf der Bühne von Steven Koop den Bilderzauber seiner Kunst der Projektionen in magischen Videowelten. Da gibt es regelrechte Rundflüge über die Baukastenwelten im märchenhaften Ambiente aus Tausendundeiner Nacht. Explosionen donnern wie in Videospielen, und dennoch bleibt die belagerte Heilige Stadt ganz heil. Mit dieser Bildertechnik geht die Fahrt über Meere, in exotische Landschaften. Gespenstische Flugobjekte jagen über die Leinwand, mystische Ungeheuer und magische Objekte tauchen auf und vergehen, tanzende Knochengerippe erheitern das amüsierte Publikum. In der hier angewendeten Bluescreen-Technik agieren die Sänger vor blauem Hintergrund (…). An, vor oder hinter ebenfalls blauen Versatzstücken, die von einer dienstbaren Blue-Man- und Blue-Woman-Gruppe bereitgestellt werden, können die Protagonisten dank bestens eingerichteter Technik in die Leinwandlandschaften über ihnen projiziert werden. So saust der König von Jerusalem auf fliegendem Teppich dahin, oder die Zauberin pixelt ihre Rivalin einfach von der Bildfläche. Verständigungsschwierigkeiten gibt es nicht, Angaben der Orte und Vorgänge sowie die Texte der italienisch gesungenen Arien und Duette werden wie beim Comic prompt dazugegeben. (…) zudem gibt es erstaunliche gesangliche Leistungen zu vernehmen. Da ist der dunkel und sanft grundierte Countertenor Yuriy Mynenko in der Titelpartie, dynamisch, sicher in den Koloraturen, glaubhaft in den Emotionen des Gesanges, klagend, verwirrt oder kämpferisch aufbrausend. Der Bariton Andreas Beinhauer als Argante, König von Jerusalem, weiß Gesangskultur mit dramatischem Anspruch zu vereinen, das gilt auch für die Mezzosopranistin Anna Harvey als Kreuzritter-Anführer Goffredo. (…) Von besonderer Berührung immer wieder die klagende Arie der Almirena ‚Lascia ch’io pianga‘, in Chemnitz in ansprechender Interpretation durch Franziska Krötenheerdt. Genial in der Inszenierung und in der musikalischen Gestaltung ist es, wenn die Zauberin Armida – Guibee Yang mit sehr hellem Sopran -, um Rinaldo zu betören, eben als Almirena erscheint und ihre Arie noch einmal singt und somit beim standhaften Rinaldo doch Anzeichen der Verunsicherung provozieren kann. Der Countertenor Jud Perry überzeugt als jüngerer Bruder Goffredos, ebenso die vielseitige Tiina Penttinen in komischer Ironie als weißer Magier, der den Kreuzrittern mit heidnischem Segen zum Sieg verhilft. Mit Katharina Boschmann, Franziska Krötenheerdt und Guibee Yang als Sirenen ist das am Ende vom Premierenpublikum gefeierte Ensemble komplett. Gefeiert wird zudem der Dirigent Felix Bender am Cembalo, dem es auch vergönnt ist, samt Instrument durch die Bildwelten zu fliegen und sogar noch als Knochenmann kraft der Musik am Instrument zu überleben. Die Mitglieder der Robert-Schumann-Philharmonie, ergänzt um Continuo, Theorbe, Barockgitarren und eine Erzlaute, mit witzig eingesetzten Percussionspassagen, Blockflöten und Windmaschine, setzen so erstaunliche wie gelungene Akzente in der erfolgsorientierten Abfolge dieser barocken Zuordnung Händelscher Glanzstücke. (…) Viel Szenenapplaus, oft wird gelacht, das ist ja eher selten in der Oper, am Ende großer Jubel, gute Unterhaltung. Na bitte, geht doch: ‚Baroque & Roll – Keep calm and Händel it.‘

Boris Gruhl

Die „Freie Presse“ schreibt am 27.03.2017

Seit einigen Jahren grübeln Theaterleute darüber, wie man junge Leute ins Theater holen kann, namentlich auch in die Oper. In Chemnitz hatte (…) ein Beispiel Premiere, das zeigt, wie das gehen könnte. (…) ein Konglomerat aus Liebe, Verrat, Entführung, Hexerei, das mit normalen Bühnenmitteln nicht darstellbar ist.

Regisseur Kobie van Rensburg bediente sich deshalb für die Oper der Bluescreen-Technik: Sänger und Statisten agieren auf der unteren Hälfte der Bühne vor hellblauem Hintergrund. Elektronische Kameras nehmen ihre Live-Bilder ab. Alles, was nicht hellblau ist, wird in teils bewegte Computeranimationen integriert. Die fertigen Bilder erscheinen auf der oberen Hälfte der Bühne auf Leinwand. So reitet etwa Goffredo eine virtuelle Armee aus Tausenden Kreuzrittern ab. Argante umrundet sein prachtvolles Jerusalem auf dem fliegenden Teppich. Armida schmiedet Zauberpläne in einem Feuermeer. Rinaldo ist unter Wasser gefangen in einer großen Luftblase. Weitere Schauplätze sind ein Boot auf dem Meer. Eine Oase mit Wasserfall, Argantes Palast und Armidas Unterwasserschloss. Die italienischen Texte der Oper werden auf Deutsch eingeblendet, zudem bisweilen kurze Lagebeschreibungen, wie man sie aus Comics kennt.

Auch bildlich entfaltet diese Oper so etwas wie Comic-Ästhetik (…). Noch besser zu vergleichen ist das Ganze mit der Optik moderner 3D-Konsolenspiele – und was soll man sagen: Es funktioniert! Die Video-Regie lässt es bisweilen richtig krachen, die Opernhandlung bleibt – oder wird erst? – in allen Teilen verständlich, und das Ganze ist keine Minute langweilig. Wohl auch, weil den Sängern mimisch deutlich mehr abverlangt wird als in der Oper üblich. Mezzosopran Anna Harvey wirkt mit der bissigen Mimik in ihrer Hosenrolle männlicher als die zwei Countertenöre, und selten kommt das Böse, Dämonische in der Oper so erotisch aufgeladen daher wie in Gestalt von Guibee Yang als Zauberin. Denn die Leinwandbilder bringen die Akteure dem Publikum, das zur Premiere fast zehn Minuten applaudierte, viel näher. Und sie warten mit witzigen, überraschenden Details auf. Humor in der ‚ernsten‘ Opera Seria: Das haut hin.

Über dem Eifer der ansprechenden Visualisierung hat das Inszenierungsteam auch seine Ansprüche an den guten Ton nicht vergessen: Unter Felix Bender am Cembalo musiziert die Robert-Schumann-Philharmonie höchst akkurat nach allen Regeln der barocken Kunst. Sogar Theorbe und Erzlaute kommen im Generalbassapparat zum Einsatz. Stimmlich geben die Solisten alles, so auch die brillanten Countertenöre Yuriy Mynenko und Jud Perry (…).

Insofern hatten alles in allem nicht mal Opern-Puristen was zu meckern. Sie könnte lediglich die so bunte und eingängige Bildersprache dieser Inszenierung verstört haben. Aber, Hand aufs Herz, die wirkt allemal überzeugender, ansprechender, als wenn im ‚Freischütz‘ eine im Bühnenboden steckende Eisenstange den Wald symbolisiert.

Torsten Kohlschein

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