Spielplan

Noch ist Polen nicht verloren

Fr
08.
Dezember
Schauspiel

Noch ist Polen nicht verloren

Komödie von Jürgen Hofmann basierend auf dem Filmscript von Melchior Lengyel zu "Sein oder Nichtsein" von Ernst Lubitsch

 
 

Wir befinden uns im Jahr 1939 am Stadttheater Posen. Die ambitionierte Theaterbelegschaft probt Gestapo – eine Parodie auf Adolf Hitler –, als die Wehrmacht in Polen einfällt. Aus Theatersicht könnte ein Stück kaum aktueller sein, doch die polnische Regierung interveniert. Aus Angst vor Provokation verbietet sie das Stück und setzt stattdessen den unverwüstlichen Klassiker Hamlet auf den Spielplan. Dem Schauspieler Josef Tura kommt das gerade recht, war ihm doch seine Rolle in dieser Politsatire auf Hitler sowieso viel zu klein. Nun kann er wieder als Hamlet glänzen und seine Monologe von der Bühne schmettern. Was ihn jedoch in Unbehagen stürzt, ist, dass ausgerechnet bei seinem wichtigsten Monolog über „Sein oder Nichtsein“ ein junger Fliegerleutnant allabendlich den Saal verlässt. Unglaublich! Allerdings kann er nicht wissen, dass der schneidige junge Herr währenddessen Maria, Turas Gattin und Diva des Theaters, in ihrer Garderobe aufsucht. Was Tura ebenfalls nicht ahnt, ist, dass der charmante Fliegerleutnant Stasnik ein Widerstandskämpfer im polnischen Untergrund ist. Unversehens ist das kleine Posener Stadttheater nach der Besetzung zur Keimzelle aktiver Widerstandskämpfer geworden. Die Theaterleute geraten in die Schusslinie, geheime Briefe müssen umgelenkt und vermeintlich tote NS-Männer zum Leben erweckt werden. Da erweisen sich das schauspielerische Talent des Ensembles und das Geschick der Kostümabteilung als beste Waffen, denn das Stück Gestapo spielt längst schon auf der Straße. Und Josef Tura spielt die Rolle seines Lebens, weil es um nichts Geringeres als eben dieses geht – es geht um Sein oder Nichtsein.

Jürgen Hofmanns schwarze Komödie basiert auf dem Film Sein oder Nichtsein von Ernst Lubitsch aus dem Jahre 1942. Der ungarische Dramatiker Melchior Lengyel schrieb das Drehbuch. Mit Noch ist Polen nicht verloren beginnt die polnische Nationalhymne, und so ist Hofmanns politisch akzentuierte Bearbeitung auch eine Referenz an den polnischen Widerstand gegen die Nazis.

Spielort:Schauspielhaus - Große Bühne
Spielzeit:2 h 45 min / 1 Pause
Altersempfehlung:ab 14 Jahren
Premiere:04.02.2017
Fr, 08. Dezember | 19:30 Uhr
 

Weitere Termine

28.12.2017Donnerstag19:30 Uhr   Schauspielhaus - Große Bühne  
09.02.2018Freitag19:30 Uhr   Schauspielhaus - Große Bühne  
29.03.2018Donnerstag19:30 Uhr   Schauspielhaus - Große Bühne  

Videomedien zum Stück

Video

Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam

Besetzungsliste des Stückes

Besetzungsliste
Josef Tura
Christian Ruth

Maria Tura
Katka Kurze

Bronski, Schauspieler
René Schmidt

Grinberg, Schauspieler
Dominik Puhl

Kasparek, Schauspieler
Wolfgang Adam

Dobosch, Regisseur
Bogdan Koca

Magdalenchen, Souffleuse
Christine Gabsch

Andrzej Stasnik, Fliegerleutnant
Jan Gerrit Brüggemann

Erhard, SS-Gruppenführer
Philipp Otto

Schulz, sein Adjutant
Martin Valdeig

Professor Siletzky
Dirk Glodde

2 Herren vom Staatsschutz / 2 SS-Männer
Jan Beller
Jannik Rodenwaldt

Marek, ein Junge
Jakob Lenk

Pressestimmen zum Stück

Pressestimmen

„Dresdner Neueste Nachrichten“ schreiben am 17.02.2017

Seinsfrage ohne Verlierer
Herbert Olschok inszeniert Jürgen Hofmanns Polen-Posse aus Posen am Schauspiel Chemnitz

Mitten in die Proben platzt die Nachricht als Bombe: Die Deutschen kommen – es ist Krieg. Für das Stadttheater in Posen heißt das einerseits: Die neue skurrile Komödie über die Gestapo wird noch vor der Uraufführung obsolet, dafür ab sofort und ständig Hamlet gespielt – was nur einem gefällt: Josef Tura, gefühlter Rampenheld in seiner Traumrolle. Nur leider verlässt jeden Abend ein strammer polnischer Offizier pünktlich zu seinem Monolog Stammplatz wie Saal, was den eitlen Tura leidend macht.

Dabei kennt er den wahren Grund gar nicht, denn der junge Held stürmt rasch zu Turas Gattin, die Königin Gertrude, also Hamlets Mutter spielt, in die Garderobe, um ihr seine Aufwartung zu machen. Nun ist aber Krieg und alles anders – das Theater wird zur Widerstandszelle, die geprobte Komödie samt Kulisse (Bühne: Alexander Martynow) und Kostümen (Joachim Herzog) zweckentfremdet gebraucht, um den Widerstand am Leben zu erhalten – denn, so die erste Zeile der polnischen Nationalhymne, auf der der Titel von Jürgen Hofmanns Version beruht: ‚Noch ist Polen nicht verloren‘. ‚Sein oder Nichtsein‘, das Filmoriginal von Ernst Lubitsch, stammt schon aus dem Jahre 1942, Hofmanns Bearbeitung, 1989 in Lübeck uraufgeführt, ist aus deutscher Sicht weniger Boulevard und mehr Hommage an den Widerstand. Herbert Olschok, von 1991 bis 2009 nacheinander jeweils Schauspieldirektor in Weimar, Chemnitz und Dessau, bescherte dem Chemnitzer Schauspiel schon ‚Sechs Tanzstunden in sechs Wochen‘ (als Zittauer Übernahme nach Carsten Knödlers Wechsel hierher) und ‚The King’s Speech‘. Nun wagt er den Spagat zwischen vordergründig lustiger Hitlerei und innewohnendem Todesernst. Denn das Theater, in dem nun jeden Abend – mehr oder minder kundig – die neuen Besatzer sitzen, steht immer am Abgrund, jeder Fehler innerhalb der Intrige würde zum Auffliegen führen. Aber, so die innewohnende Ironie sowohl von Lubitschs Original, dessen Drehbuch der ungarische Dramatiker Melchior Lengyel schrieb, wie auch von Hofmanns Adaption: Das Ziel bleibt die Flucht der gesamten Stückbesetzung gen London. Dort spielen sie weiter – nunmehr ‚Hamlet‘ auf Englisch. Aber auch hier findet sich ein junger Offizier, der bei Hamlets Monolog die neunte Reihe rasch verlässt …

Interessant dabei die Besetzung des Regisseurs: Denn jener Dobosch wird von Bogdan Koca gegeben, der Chemnitz mittlerweile sieben Inszenierungen, darunter zwei eigene Stücke bescherte. Er verließ die Warschauer Schauspielschule ein Jahr früher als Olschok die Rostocker und verbrachte viele Jahre in Sydney, während es den Ostdeutschen nach der Wende oft nach Toronto verschlug. Erst im Herbst servierte Koca Chemnitz Kafkas ‚Der Prozess‘ als flimmerndes Herzkammerspiel, nun proklamiert und organisiert er den polnischen Bühnenwiderstand mit dem Ziel, den großen schnurrbärtigen Fliegerleutnant Andrzej Stasnik, stilecht gegeben von Jan Gerrit Brüggemann, sowohl als Theaterabonnenten als auch als Kampfpiloten zu schützen.

Olschoks großes Plus: Er vertraut Text und Mimen, steigert nach der Pause geschickt Tempo wie Dramatik und legt noch einen Extrakniff dazu: Die echten Nazis sind nicht zu toppen, denn deren Komik wandelt sich nahezu nahtlos in Härte. Während aber bei Philipp Otto als SS-Gruppenführer und Martin Valdeig als dessen Adjutanten das Lachen über deren urdoitsche Tölpelei noch leicht fällt, macht der eiskalt-hyperintelligente Spion Professor Siletzky von Dirk Glodde dermaßen Grusel, dass man froh ist, dass dieser recht rasch zufällig oder intrigant durch eine unerwartet geladene Theaterpistole erlegt wurde. Auch als mitspielender Leichnam agiert er beeindruckend. Weitere Perlen der Komik liefern René Schmidt als Bronski-Hitler, Wolfgang Adam als Kasparek, Michel Diercks als Grinberg und vor allem Christine Gabsch als Souffleuse.

Grandios agiert Christian Ruth, der als Schauschauspieler drei Rollen plus sich selbst als Rampenheld spielen muss und allen eine eigene Note gibt. Seinen Hamlet mag man eigentlich komplett sehen – eine urkomische Klamotte als Kostümschinken, während Katka Kurze als dessen Frau und große Diva immer offen lässt, was sie wirklich bezweckt – und rings herum alle bezirzt, aber immer wieder die Kurve kriegt, damit letztlich der falsche Führer seine Chance bekommt.

Der große Spaß, der sich in den kurzen Szenen ergibt, in denen Maria und Josef als Spielerehepärchen immer wieder Prinz und Königin geben, wird für Kenner der privaten Konstellationen in der Chemnitzer Schauspielerbrigade noch gesteigert – für andere bedarf es genauer Beobachtungsgabe. Großer Applaus auch nach der zweiten Vorstellung.

Andreas Herrmann

Die „Freie Presse“ schreibt am 07.02.2017

Spiel ums Leben: ‚Noch ist Polen nicht verloren‘

In der Komödie zeigt das Schauspiel Chemnitz, dass man dem Grauen auch mit einem Lachen begegnen kann - und es dabei dennoch nichts von seinem Schrecken verliert.

‚Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.‘ Hamlets Monolog hält der polnische Schauspieler Josef Tura für seine Paraderolle. Deshalb ist er gar nicht so traurig darüber, dass das Stück ‚Gestapo‘ zugunsten Shakespeares abgesetzt werden soll, weil Polen kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges Deutschland nicht verärgern will.

Doch aus dem Schauspiel wird bald blutiger Ernst. Deutschland überfällt Polen, wovon auch Posen nicht verschont bleibt, und die Schauspieler werden über den Geliebten der Frau Tura in polnische Widerstandsaktivitäten verwickelt. Es folgt ein rasantes Schauspiel im doppelten Sinne, in dem die Drehbühne (temporeich wechselnde, originelle Bühnenbilder hat Alexander Martynow gestaltet) praktisch pausenlos rotiert, die Schauspieler ein ums andere Mal in andere Rollen schlüpfen, was auch Kostüm- und Maskenbildner um Joachim Herzog und Anja Nickel vor große Herausforderungen stellt. Die sie - wie die Schauspielerinnen und Schauspieler - hervorragend meistern.

Es geht um wichtige Papiere mit den Namen polnischer Widerstandskämpfer, die den Nazis nicht in die Hände fallen sollen, und eine Liste mit den Namen polnischer Spitzel, die wiederum die Untergrundbewegung dringend braucht. Zu diesem Zwecke treiben die Akteure des kleinen Stadttheaters um Regisseur Dobosch (gespielt von dem polnischen Regisseur Bogdan Koca, der bereits mehrfach in Chemnitz inszeniert hat) ein trick- und wendungsreiches Spiel mit der örtlichen Gestapo, das für zahlreiche Lacher und Szenenapplaus in der ausverkauften Premiere am Samstagabend sorgte. Und doch bleibt das Lachen manchmal im Halse stecken, weil die slapstickreiche Komödie nie den ernsten Hintergrund überspielt.

Auch wenn man ihn lächerlich macht, bleibt Nationalsozialismus grausam. Kollaboration mit ihm ist verwerflich, und es bleibt mutig, mittels der Kunst dagegen anzutreten. Wie Philipp Otto als SS-Gruppenführer und Martin Valdeig als sein Adjutant Schulz den deutschen Kadavergehorsam ‚Heil Hitler‘ brüllend zelebrieren und sich damit immer wieder selbst aufs Glatteis führen, wie Josef Tura (wandlungsreich gespielt von Christian Ruth) und seine Frau Maria (Katka Kurze verbindet Koketterie mit konsequentem Engagement für den polnischen Widerstand) ihre Eheprobleme hinter die dringenderen Untergrundaktivitäten zurückstellen und gute Miene zum bösen Spiel um Leben und Tod machen, wie die Souffleuse Magdalenchen (Christine Gabsch) elegant und wach die richtigen Stichworte gibt - das ist großartiges Theater.

Es sind Sätze wie ‚Führer befiehl, wir tragen die Folgen‘ oder ‚Für jeden polnischen Patrioten wäre es eine Ehre, die Nazis wenigstens auf der Bühne zu bekämpfen‘, den der mittelmäßige Schauspieler Bronski (gar nicht mittelmäßig gespielt von René Schmidt) sagt, die im Gedächtnis bleiben. Sie machen den unmenschlichen Wahnsinn einer noch nicht überwundenen grausamen Ideologie ebenso deutlich wie sie die Kraft loben, sich dagegen aufzulehnen.

Herbert Olschok, der schon mehrfach in Chemnitz Regie führte, inszeniert die Komödie von Jürgen Hofmann, die dem 1942 uraufgeführten Film ‚Sein oder Nichtsein‘ von Ernst Lubitsch folgt (dessen Name auch kurz im Stück auftaucht) mit hohem Tempo und viel Krawall, wobei immer Raum für Zwischentöne bleibt. Nie rutscht das Stück in comedyhaften Klamauk ab, erhebt aber auch nie den warnend-belehrenden Zeigefinger. Es karikiert jede Björn Höckesche ‚erinnerungspolitische 180-Grad-Wende‘ und lobt den Mut, solchen Ideen auch heute mit Humor zu begegnen.

Matthias Zwarg

Der „Stadtstreicher“ schreibt in Ausgabe 03/2017

Hitler trug braune Hosen

Wenn Schauspieler Schauspieler spielen, ist Polen nicht verloren – oder so ähnlich…

Mal angenommen, Schauspieler hätten folgende Anweisung: Tür auf, kurzer Hitlergruß, stramm stehen. Wie würden sie’s wohl machen? Das Chemnitzer Ensemble spielt allerhand Varianten durch: Martin Valdeig schafft die eindrücklichste, weil allein diese kurze Sequenz reicht, um den Adjutanten Schulz als grobstrukturierten Geist vorzustellen. Wolfgang Adam schont dagegen das Schultergelenk, weil er als erfahrener Schauspieler Kasparek weiß, dass eigene Interpretationen am glaubwürdigsten sind. Ganz anders Michel Diercks. Er setzt für den sehr viel jüngeren Schauspieler Grinberg auf zurückhaltende Nachahmung, während René Schmidt den Schauspieler Bronski in komische Versuchung führt. Philipp Otto lässt den SS-Gruppenführer Erhard eher beiläufig grüßen, um sich trotz Hitlerkult auch selbst noch wichtig zu fühlen. Und Katka Kurze macht’s mit weiblicher Raffinesse: Ihre Schauspielerin Maria Tura hebt den Arm, als erwartet sie einen Handkuss. Schließlich wären dann da noch Dirk Glodde, der den Professor Siletzky als Hitlers Spion um so spannender macht, wenn er beim Gruß fast schon Homosexuellen-Klischees bedient – und Christian Ruth, der diese Vorlage noch auf die Spitze treibt. Muss er ja – immer ein bisschen überhöhen als Schauspieler…

Doch wofür diese kleine Übung? Für einen furiosen Theaterspaß, der trotz gelegentlichen Klamauks keine billige Unterhaltung ist. Regisseur Herbert Olschok erzählt die Geschichte einer polnischen Theatertruppe als Hommage an die aktiven Widerständler in Hitlers Reich. Zwar gerät das kleine Ensemble mit seinen eher wenig begabten Mimen eher zufällig in die Reihen der Aufrechten, doch jeder Einzelne nimmt die Rolle an und wächst geradezu über sich hinaus.

(...) So dreht sich die Bühne zwischen den Schauplätzen hin und her und zwingt die Akteure in einen kaum noch zu beherrschenden Spagat zwischen Realität und Spiel. Dafür hat Alexander Martynow eine Bühne gebaut, die erdrückend miefige Räume mit hervorragenden Spielräumen bestückt, die Herbert Olschok bestens nutzen lässt. Auch wenn es vor der Pause manchmal an Tempo fehlt und ein paar Längen warten, ist diese Komödie unbedingt der Rede wert.

Zumal: Noch vor fünf Jahren hätten wir uns nach dieser Inszenierung wahrscheinlich einfach amüsiert nach Hause begeben, heute geht die Befürchtung mit, dass die Geschichte uns gerade wieder einholt. Aber Lachen ist ein großartiges Ventil…

Jenny Zichner

„Blitz“ schreibt in Ausgabe 03/2017

Zwiespältiges Vergnügen

In so manchem Streifen amerikanischer und sowjetischer Herkunft werden die Vertreter des nationalsozialistischen Machtapparats durch die Bank als dümmlich-brutal charakterisiert.

Dies mag der damaligen historischen Situation geschuldet sein, galt es doch, die eigene Bevölkerung moralisch zu stabilisieren und den Gegner als überwindbar darzustellen. Dieser vereinfachenden Sicht bediente sich auch der großartige Regisseur Ernst Lubitsch in seinem Film ‚Sein oder Nichtsein‘ über eine geglückte Aktion polnischer Theaterleute gegen den deutschen Usurpator, wobei er geschickt Momente des Theaters auf dem Theater, des verblüffenden Rollentauschs usw. verwendet.

Freilich verwundert es einigermaßen, wenn der Autor Jürgen Hofmann 1989, also 47 Jahre nach Lubitsch, diesen Film ohne behutsame Korrekturen nahezu 1:1 für die Bühne adaptiert und damit, sicher ungewollt, einer gewissen Geschichtsklitterung das Wort spricht. Denn wer SS oder Gestapo als Tummelbecken infantiler Dummköpfe vorführt, irrt gewaltig.

In Chemnitz war mit dem ehemaligen Schauspielchef Herbert Olschok ein Regisseur am Werk, der sich lieber des Floretts als des Säbels bedient und den Besuchern mit seinen letzten Gastinszenierungen (‚Sechs Tanzstunden in sechs Wochwn‘, ‚The King’s Speech‘) wunderbare Stunden exquisiter Schauspielkunst schenkte. Mithin war zu hoffen, die Regie würde das Vordergründige der Vorlage dämpfen und gemeinsam mit der Dramaturgie den etwas ausufernden ersten Teil des Stücks mit einigen Strichen versehen.

Leider blieb diese Chance ungenutzt, wodurch die Interpreten der deutschen Besatzer fast durchweg zu plump agierenden Knallchargen verkamen. (...) Die einzige Ausnahme bildete in diesem Zusammenhang der fantastische Dirk Glodde als Professor Siletzky, dem mit hintergründigem Humor ein derart brillantes Porträt eines Denunzianten glückte, das allein schon den Besuch der Aufführung empfiehlt.

Solch feiner Töne bediente sich auch Christian Ruth als des Professors Double und eine gestrige Aufführungspraxis verspottender Hamlet. Besondere Sorgfalt ließ Olschok auch den übrigen Mitgliedern der Komödiantenschar angedeihen, von denen immerhin Katka Kurze, Christine Gabsch, Wolfgang Adam und Bogdan Koca genannt seien. Das gekonnt Atmosphäre vermittelnde, die Möglichkeiten der Drehscheibe intelligent nutzende Bühnenbild entwarf Alexander Martynow, die stilgerechten Kostüme steuerte Joachim Herzog bei.

Joachim Weise

Startseite
Suche Zusatzinformationen
Teilen
nach oben eine Seite zurück

Was suchen Sie?

Suche schließen
Exit
nach oben eine Seite zurück