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Spielplan

Meister und Margarita

Meister und Margarita

Nach dem Roman von Michail Bulgakow in einer Bühnenfassung von Malte Kreutzfeldt
Uraufführung

 
 

Längst verbannt aus der durchrationalisierten Gegenwart, kehrt der Teufel Voland dennoch alljährlich zurück, um sich eine Ballkönigin zu suchen und die Welt auf den Kopf zu stellen. In einem Sumpf aus Lügen, Habgier und Korruption watend, spült er lustvoll und bitterböse das Hässliche unserer Gesellschaft an die Oberfläche und spielt im Schein der großen Welt Theater. Kaum einer widersteht seiner verführerischen Anziehungskraft und mit seinem unwirklichen Treiben unterwirft er bald die halbe Stadt. Dafür fliegt so mancher Kopf. Während die einen ihre schmutzigen Hände in Unschuld waschen, landen andere in einer psychiatrischen Anstalt. Hier lebt auch der Meister. Er hatte einen biblischen Pilatus-Roman geschrieben, dessen Veröffentlichung allerdings an Kritik und Zensur scheiterte. Ohnmächtig, mittellos und ohne Aussicht auf eine gemeinsame Zukunft verließ er seine Geliebte Margarita und zog sich in die Anstalt zurück. Hier wartet er auf das Ende der Geschichte. Der Teufel nimmt schließlich das Schicksal der beiden Liebenden in die Hand und schenkt ihnen die Freiheit – denn die magische Fiktion hat die Wirklichkeit längst eingeholt.

Michail Bulgakow (1891-1940) schrieb Meister und Margarita unter dem Eindruck der stalinistischen Diktatur als kritische Satire auf die Gesellschaft seiner Zeit. Indem er mit der Erzählung um Pontius Pilatus am Tag der Kreuzigung Jeshuas sowie den mysteriösen Ereignissen in der Gegenwart zeitkritische und allegorische Erzählstränge verknüpft, stellt er die reale Umsetzung einer gerechten und wahrhaftigen Lebenswirklichkeit ohne staatliche Allmacht infrage, die auch heute noch als Utopie erscheint – und den Roman zu einem Schlüsselwerk der Moderne macht.

Dauer:3 h / 1 Pause
Altersempfehlung:ab 16 Jahren
Premiere:17.03.2018
Einführung:30 Minuten vor Beginn jeder Vorstellung

Bilder zum Stückes

Bilder
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Videomedien zum Stück

Video

Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam
Regie und Bühnenfassung Malte Kreutzfeldt

Bühne Nikolaus Porz

Kostüme Anke Wahnbaeck

Dramaturgie Friederike Spindler

Besetzung des Stückes

Besetzung
Der Meister
Andreas Manz-Kozár

Margarita
Ulrike Euen

Voland, der Teufel
Jan Gerrit Brüggemann

Korowjew
Stefan Schweninger

Kater Behemoth
Susanne Stein

Azazello
Philipp von Schön-Angerer
Dominik Puhl 05.04.2018

Gella, eine Hexe
Maria Schubert

Iwan Besdomny
Martin Esser

Michail Berlioz / Stepan Lichodejew / Nikolaj Bossoi
Christian Ruth

Dr. Strawinski
Wolfgang Adam

Latunski / Kantinenwirt
Marko Bullack

Pfleger
Daniel Hölzinger

Pontius Pilatus
Susanne Stein

Kaiphas
Wolfgang Adam

Levi Matthäus
Martin Valdeig

Jesus, genannt Jeshua
Marko Bullack

Marcus
Daniel Hölzinger

Redakteure, Stimmen, Gäste im Varieté, Mann mit Cognac, Judas, Tote, Apostel
Ensemble

Pressestimmen zum Stück

Pressestimmen

„Theater heute“ schreibt in Ausgabe 05/2018

Alles fließt, manchmal schwebt es, aber immer greift alles nahtlos ineinander in diesem Abend im Chemnitzer Schauspielhaus. ‚Meister und Margarita‘ in einer meist sehr stringenten Fassung von Regisseur Malte Kreutzfeldt, der eine an den Titel angelehnte klare Zweiteilung des Abends vornimmt. Die ersten 80 Minuten bis zur Pause sind dem namenlosen Meister (Andreas Manz-Kozár) gewidmet. Der sitzt in seinem Anstaltszimmer am linken Bühnenrand und tippt beharrlich auf seiner Schreibmaschine, während die Handlung seines entstehenden Romans um Pontius Pilatus (Susanne Stein) und Jeshua (Marko Bullack) auf der Bühne Gestalt annimmt. Er schreibt und schreibt, und selbst in Abwesenheit schreibt sein projizierter Schatten weiter an diesem Roman, der dann von den offiziellen Stellen doch nur schlecht gemacht wird. Ein alter Meister im selbst gewählten Exil, die Parallelen zur Biografie Bulgakows, der statt in der Gummizelle als Librettist und Dramaturg in Theatern seinen Rückzugsraum gefunden hat, ist offensichtlich.
Für melancholische Wehmut ist aber keine Zeit, und so montiert Kreutzfeldt einen äußerst bildstarken Hauptstrang dagegen, nämlich die Auftritte des mephistophelischen Voland, ebenso energetisch wie zynisch in Szene gesetzt von Jan Gerrit Brüggemann. Der Professor der schwarzen Magie bringt eine geckenhafte Putztruppe mit, bestehend aus der Katze Behemoth (wieder: Susanne Stein), dem aristokratischen Bürokraten Azazello (Philipp von Schön-Angerer), dem Klischeerussen Korowjew mit entsprechender Fellmütze (Stefan Schweninger) und der maliziösen Balerina Gella (Maria Schubert). Zusammen setzen sie buchstäblich Bühnenhimmel und –erde in Bewegung.
Bühnenbildner Nikolaus Porz setzt dabei, zusammen mit Kostümbildnerin Anke wahnbaeck, auf klare Kontraste, auf Schwarz und weiß (wobei ersteres überwiegt), und lässt kaum ein Element der Bühnenmaschinerie ungenutzt. Da werden Krankenbetten und Telefone hoch und runter gefahren, die Drehbühne sorgt für eine Untermalung der schwarzen Magie und wenn die runde Bodenplatte vom Schnürboden nach oben gezogen wird, um so eine erweiterte Spielfläche zu schaffen, dann macht das schon Eindruck. Der allwissende und alles könnende Teufel darf eben alles, während der kleine Mensch staunend daneben steht und hier und da seinen Kopf verliert, was dann aber die Ebenen der Erzählung wieder verknüpft. Dank dem hohen technischen Einsatz schnurrt der Abend wie ein Uhrwerk ab und lässt kaum Zeit zum Luftholen: Überwältigungstheater.
Zum Ende des ersten Teils erst erscheint die zweite Titelfigur: Margarita, dargestellt von Ulrike Euen. Nach der Pause also die Gretchen-Story. Euen nimmt Margarita als bodenständige Skeptikerin, die aber bald Spaß findet an den neuen Möglichkeiten der unumschränkten schwarzen Macht. Dem Teufel nie verfallen, sondern in einem funktionalen Verhältnis des quid pro quo, legt sie mit Freude das Verlagshaus in Schutt und asche, das ihren Liebhaber kritisiert hat. Ihn zu finden, gilt ihr ganzes Streben, dafür nimmt sie auch den Budenzauber in Kauf, den Voland und seine Truppe um sie herum entfesseln.
Sie spielt die Spielchen mit, ohne sie ganz zu durchschauen, aber immer bereit, den Reset-Knopf zu drücken und die rollende Maschine zur Implosion zu bringen. Eine starke Frau mit festem Willen, die nichts von jener schwächlichen Feigheit hat, welche die männlichen Protagonisten auszeichnet: den vor Kaiphas einknickenden Pilatus, den verständnisunwilligen Levi Matthäus, die zahlreichen Moskauer Bewohner und zuletzt auch den Meister selbst, der das Exil der Auseinandersetzung vorzieht, um im Kämmerlein seinen Roman zu vollenden. Und so findet sie auch ihr Ziel: die Wiederkehr des Paradieses, die gemeinsame Zeit mit ihrem Geliebten, ihrer einzigen Schwäche.
(…)

Torben Ibs

Die „Sächsische Zeitung“ schreibt am 20.03.2018

(…) enorm viel los auf der Bühne. Effekte jagen einander, es klingelt und knallt und pufft und nebelt. Was den Vorteil hat, dass viel gelacht wird, bis zur Pause fast ununterbrochen. Schnell geht es, manchmal rast es regelrecht, so wie die Straßenbahnen, die im Berufsverkehr-Takt lautstark die Szene passieren. Schnell trennt eine von ihnen dem Dichter Michail Berlioz den Kopf ab. Und Voland? Zaubert! Kaninchen aus dem Hut, Geld für alle aus dem Himmel. Und so weiter. Die Bühne dreht und hebt sich, Lichtschwerter tanzen, Kurzschlüsse zündeln und qualmen. Alles sehr hübsch. (…) Am ehesten ist Voland zu greifen, in Chemnitz ein zynisch kühler Zauberer (…). Behemoth kommentiert putzig mauzend das Geschehen, und Azazello ist ein dümmlich tollpatschiger Cowboy. Selbst sein Colt, der unkontrolliert herumballert, scheint schlauer zu sein als er. Alles lustig, alles gut gespielt (…).
Die Fassung, die Regisseur Malte Kreutzfeldt eigens dafür angefertigt hat, versucht, die verschiedenen Ebenen des Romans direkt szenisch zu verweben, statt sie nur aneinanderzureihen. Sie greift in heutiges Vokabular, ist manchmal derb und oft originell. (…)
Der Rest ist Schwelgen. Bunt und vielfältig ist der Abend, voller Licht- und Bühnen- und Videoideen. Mit Feuer und Glitter und Blut und Slapstick. Getragen wird er von einem Ensemble, das sich diesem Feuerwerk bereitwillig und spielfreudig hingibt. Das Szenen zurückspult, wie eingefroren stehen bleibt und zwischen Flüstern und Megafon alle Lautstärken bedient. Sehr ansehnlich das alles (…).

Matthias Schmidt

„Dresdner Neueste Nachrichten“ schreiben am 20.03.2018

(…) die Geschichte des russischen Faust der Sowjetzeit frei von lokalem oder gar folkloristischem Kolorit (…) Kreutzfeldt hat für eine klare Struktur der Abläufe an abstrahierten Schauplätzen gesorgt. Im Umfeld von Jerusalem sowieso, wo die herrlich klare Schilderung Bulgakows zum Tragen kommt. (…) in Berlioz‘ Wohnung (…) findet gewissermaßen alles statt, was unter Gesellschaftssatire zu Wucher, Geldgier (…) etc. zu verbuchen ist, und zwar in einem recht zeitgenössischen Sinne. (…) Anspielungen auf längst vergangene ‚sozialistische‘ Verhältnisse sind weitgehend ausgespart.
In der Psychiatrie immerhin, wo alle landen, die dem Teufel oder gefährlichen Gedanken zu nahe gekommen sind, leistet man sich ein Zitat. ‚Niemand hat die Absicht, Sie für verrückt zu erklären‘, versichert Dr. Strawinski (…) in überliefertem Tonfall (…).
Das (…) Publikum war recht begeistert von einer so engagierten wie professionellen Ensembleleistung.

Tomas Petzold

Die „Freie Presse“ schreibt am 19.03.2018

(…) Michail Bulgakows Kultbuch darf im Chemnitzer Schauspiel seine Magie entfalten.
(…)
Michail Bulgakows ‚Meister und Margarita‘ ist nicht nur ein Roman-Klassiker des 20. Jahrhunderts, das Buch ist vielmehr Kult, ein dermaßen komplexes satirisches Werk über die menschliche Gesellschaft im Allgemeinen und den Überwachungsstaat der Stalinzeit im Besonderen, dass es schlicht nicht in einen einzigen Theaterabend zu packen ist. Also muss man sich was rauspicken aus dieser überbordenden Geschichte. Die Bühnenfassung von Malte Kreutzfeldt, der auch die ideenreiche Regie verantwortet, feierte (…) im Chemnitzer Schauspielhaus ihre mit langem Beifall bedachte Uraufführung. Zu erleben war ein magisches Spektakel, das viele Menschheitsfragen berührt. Da zieht ein faszinierender szenischer Reigen vorbei, als wischte man in seinem Smartphone durch die Bilder-Galerie.
An drei Strängen hangelt sich die Handlung entlang: Ein Schriftsteller, Meister genannt, schreibt einen Roman über Pontius Pilatus. Im Moskau der 1930er-Jahre reißt sich der Teufel eine Wohnung unter den Nagel. Was tut's, wenn dafür der Vormieter sein Leben lassen muss? Er ist ohnehin nicht der Einzige in diesem Stück. Und schließlich kommen die einstigen Geliebten wieder zusammen. Das Ganze wird letztlich so miteinander verschränkt, dass man sich drei Stunden lang im Tollhaus wähnt. Da geht es um Korruption, Wahrheit und Lügen, Feigheit, Liebe und Freiheit. Der Grenzen sprengende Abend changiert zwischen Wirklichem und Fiktivem, Gut und Böse. Komik und Tragik.
Das Ensemble ist im überzeugenden Großeinsatz. Überragend Jan Gerrit Brüggemann als cooler, selbstgefälliger Teufel, der mit einer witzigen Viererbande von Helfern (Susanne Stein, Philipp von Schön-Angerer, Stefan Schweninger und Maria Schubert) die Strippen zieht. Andreas Manz-Kozár verleiht seinem Meister glaubwürdig das Resignative eines Künstlers, dessen Werk nicht erscheinen darf, während Ulrike Euens Margarita beherzt mit dem Zauberer Voland einen Pakt eingeht, inklusive Kuss, um die Liebe ihres Lebens und den Roman zu retten. Dass diese russische Faustversion zu einem vielschichtigen Theatererlebnis wird, ist auch dem eindrucksvollen Bühnenbild (Nikolaus Porz) und den fantasiereichen Kostümen (Anke Wahnbaeck) zu danken.

Uta Trinks

Die „Morgenpost Chemnitz“ schreibt am 19.03.2018

Tiefgreifend, humorvoll und kurzweilig
(…)
Großer Premierenabend (…): Die Uraufführung von ‚Meister und Margarita‘ nach Michail Bulgakow (1891-1940) begeisterte das Publikum, das die Darsteller gar nicht wieder gehen lassen wollte.
Es ist keine leichte Kost, die Regisseur Malte Kreutzfeldt da den Zuschauern im ausverkauften Theater präsentierte (…)
Jan Gerrit Brüggemann spielt den Teufel als Verführer, der den Menschen ihre Schwachpunkte aufzeigt und der Gesellschaft den Spiegel vorhält. Andreas Manz-Kozár ist der Meister, resigniert und scheinbar ganz in seiner eigenen Welt ist er der Ruhepol in der hektischen Gegenwart. Seine Geliebte Margarita wird von Ulrike Euen mit vollem Körpereinsatz gespielt.
Malte Kreutzfeldt inszeniert das Stück tiefgreifend, humorvoll und kurzweilig. Das intensive Spiel des gesamten Ensembles wird geschickt unterstützt von Effekten und Schatteneinspielungen.
(…)

Victoria Winkel

Der „Stadtstreicher“ schreibt in Ausgabe 05/2018

(…)
Bewundernswert der Mut, sich dieses Mammutwerkes anzunehmen. (…) Man darf sich trefflich unterhalten fühlen von manchen Zaubertricks, den Begleitern des Teufels, Lichtshows und allerlei Raffinessen der Bühnentechnik, von Gesangseinlagen und Videoprojektionen und Stichflammen. Ständig wechselt die Szenerie, an Mensch und Maschine wird nicht gespart: Es ist Revuetheater (das dann – meta – wiederum parodiert wird).
Und so ist auch Voland hier vor allem der Varietédirektor: Jan Gerrit Brüggemann bringt ein großes Maß an Diabolik auf die Bühne, Verführungskunst in roter Netzstrumpfhose, Ordnungssinn gegenüber seinen Begleitern – und strukturierende Figur in dieser Bühnenfassung. Ihm gelingt es, das mäandernde Stück weitgehend zusammenzuhalten. Meister und Margarita haben sich Leser wohl ein wenig jünger vorgestellt. Andreas Manz-Kozár und Ulrike Euen (die einen fantastischen Ritt auf dem Besen vollführt) bringen jedoch Reife in die Figuren, Stolz und Abgeklärtheit, die neue Dimensionen eröffnen. (…)

Volker Tzschucke

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