© Dieter Wuschanski

Spielplan

La Strada. Das Lied der Strasse

Sa
16.
März
Schauspiel
Premiere

La Strada. Das Lied der Strasse

Schauspiel nach dem Drehbuch von Federico Fellini, Tullio Pinelli und Ennio Flaiano
Für die Bühne adaptiert von Gerold Theobalt

 
 

Gelsomina – wie schön das klingt. Gelsomina di Constanza. Das ist ihr Name. Von der Mutter hat sie ihn bekommen und die Mutter verkauft sie für ein paar tausend Lire an diesen fremden Mann. Mit ihm, dem Zampano, zieht sie von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt, von einem staubigen Jahrmarkt zum nächsten, mit diesem Haudegen von Zampano, diesem Jahrmarktskünstler, diesem ungebärdigen Tier, das mit jeder Frau vögelt und von sich selbst nichts weiß. Mit ihm schläft Gelsomina, ihn hasst sie, von ihm lernt sie Trompete spielen, von ihm wird sie geschlagen. Und eines Tages sieht sie einen Engel, weit oben. Es ist der Seiltänzer Matto, der bald sterben wird, dem Himmel so nah. Gelsomina wird sich entscheiden müssen: Geht sie mit ihm oder bleibt sie bei Zampano, dessen grobschlächtige Hilflosigkeit ihre Mission geworden ist.

Federico Fellinis berühmter Film sorgte 1954 für einen Skandal, denn er ließ sich nicht einordnen. Die italienischen Neorealisten lehnten ihn ab, in Frankreich wurde er berühmt und in den USA 1957 mit einem Oscar geehrt. Die Welt der detailgenau fotografierten Drehorte mag inzwischen vergangen sein, doch die Poesie der Geschichte, die hart gefügten Widersprüche, das nahe Beieinander von trostloser Armut und seelischer Fülle, von bedrückender Realität und der traumleichten Fantasie des Jahrmarkts erscheinen absolut zeitlos. Genau wie die kraftvollen Figuren: Ohne ein Zuhause treiben sie durch eine unbarmherzige Welt, immer auf der Suche nach etwas Herzenswärme, nach einem Ort zum Lieben.

Spielort:Schauspielhaus - Große Bühne
Dauer:2 h / 1 Pause
Altersempfehlung:ab 16 Jahren
Premiere:16.03.2019
Einführung:30 Minuten vor Beginn jeder Vorstellung
Sa, 16. März | 19:30 Uhr
 

Weitere Termine

31.05.2019 Freitag 19:30 Uhr    
Schauspielhaus - Große Bühne

Bilder zum Stückes

Bilder
Seraina Leuenberger © Dieter Wuschanski
Seraina Leuenberger © Dieter Wuschanski
Seraina Leuenberger, Dirk Glodde © Dieter Wuschanski
Ulrike Euen, Dominik Puhl © Dieter Wuschanski
Ulrike Euen, Seraina Leuenberger © Dieter Wuschanski
Seraina Leuenberger, Dirk Glodde © Dieter Wuschanski
Seraina Leuenberger, Dirk Glodde © Dieter Wuschanski
Dirk Glodde, Seraina Leuenberger © Dieter Wuschanski
Dirk Glodde, Katka Kurze © Dieter Wuschanski
Seraina Leuenberger, Ulrike Euen © Dieter Wuschanski
© Dieter Wuschanski
Ulrike Euen © Dieter Wuschanski
Dominik Puhl © Dieter Wuschanski
Dirk Glodde © Dieter Wuschanski
Seraina Leuenberger, Ulrike Euen © Dieter Wuschanski
Dirk Glodde, Seraina Leuenberger © Dieter Wuschanski
Seraina Leuenberger, Dirk Glodde © Dieter Wuschanski
Seraina Leuenberger © Dieter Wuschanski

Videomedien zum Stück

Video

Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam

Besetzung des Stückes

Besetzung

Pressestimmen zum Stück

Pressestimmen

„Dresdner Neueste Nachrichten“ schreiben am 21.03.2019

(…) die knappste Reduktion auf Symbolhaftes, eine eher nüchterne Aneinanderreihung von Episoden und Anekdoten. (…)
Czechowski verweigert sich jeder illusionistischen Nostalgie (…). Er zeigt lapidar ein archaisches Drama aus einem vergangenen Jahrtausend, das auch in einem nächsten spielen könnte, aber er kommt dabei ohne offene Anspielungen auf Gegenwärtiges aus. Es genügt, dass die Geschichte nicht mehr, wie bei Fellini, im äußersten Rand einer Gesellschaft stattfindet, sondern gewissermaßen schon außerhalb, jenseits jeder vernünftigen Hoffnung. (…) Trotzdem ist da nicht nur eine Sehnsucht, sondern eine Art (wenn auch irrationale) Hoffnung, die sich nicht zuletzt im stetig wirkenden Sound dieses äußerst verknappten Bühnen-Melodrams manifestiert. (…) viel Beifall für eine in sich überaus stimmige, klarsichtige Inszenierung.

Tomas Petzold

Die „Freie Presse“ schreibt am 19.03.2019

Das Schauspiel Chemnitz bringt Federico Fellinis Filmklassiker ‚La Strada‘ auf die Bühne und schafft so ein eigenes Kunstwerk mit Sogwirkung, ohne das Original zu entstellen.
(…) ‚La Strada‘ (…) hatte hohe Erwartungen zu erfüllen - was Regisseur Robert Czechowski mit Bravour gelang. Er versöhnt die Filmfreunde, indem er das Stück mit einem Originalausschnitt aus dem Film nebst Vorspann auf der Leinwand beginnt. Hebt sich dann der Vorhang zur großen Bühne, eröffnet sich dem Publikum eine ganz eigene Deutung - eine in weiß, schwarz und rot gehaltene Zirkuswelt.
Dirk Glodde markiert den großen Zampano als abgehalftertes Urvieh, Aufschneider und Grobian, der sich nimmt was er will. Rücksicht kennt er nicht. Und doch sehnt auch er sich nach Liebe und Gesellschaft - wie alle Protagonisten. Die Rolle Gelsominas füllt Seraina Leuenberger mit Brillanz aus, als wäre sie dafür geboren. Ihre Rolle erzählt sich im Film vor allem über das Gesicht der Darstellerin Giulietta Masina in Nahaufnahmen. Dieses Mittel nutzt das Theater nicht, also spielt Seraina Leuenberger mit ganzem Körpereinsatz. Clownesk tobt sie mit großen Gesten über die Bühne, nimmt mit ihrer kleinen Person viel Raum ein, öffnet breite Assoziationsrahmen. Gerade wenn sie partout das Trompetenspiel lernen möchte, um so endlich eine eigene Stimme zu bekommen. Glodde und Leuenberger harmonieren hervorragend, bewegen sich im Zwielicht zwischen Gewalt und Zärtlichkeit, Komik und Tragik, - sodass sich der Zuschauer über weite Strecken fragt, wer da wen erziehen und formen will.
Beide spielen jedoch keine Menschen, sondern Archetypen. Deutlich wird das, als Seiltänzer Matto auftaucht. Dominik Puhl versucht nicht erst, ihm ein nahbares Antlitz zu verleihen, hüllt sich gleich in die Rolle des Pierrots, des Geists des Widerspruchs, der den Zampano in seinem Wesen quält und Gelsomina einen Ausblick in eine Welt außerhalb ihres Beziehungselends gibt.
Das Stück abstrahiert enorm und führt damit Fellinis Methode, Bilder symbolisch aufzuladen noch weiter. Zampanos Schauwagen wirkt wie ein Käfig für die Protagonisten, die zugleich auch in der Manege und der alles umgebenden Bühne gefangen sind. Bleibt Fellinis ‚La Strada‘ im Elend der Gegenwart verhaftet, löst sich Czechowskis Inszenierung davon, wird zeitloser, allgemeiner, schafft so ein ganz eigenes Kunstwerk, das auch Freunde des Films zufriedenstellt, ohne das Geschehen auf der Leinwand einfach nur in den Bühnenraum zu kopieren.

Sarah Hofmann

Die „Morgenpost Chemnitz“ schreibt am 18.03.2019

Ein Filmklassiker auf der Theaterbühne (...) erlebte (...) eine gefeierte Premiere.
(…)
 Regisseur Robert Czechowski erzählt die Geschichte mit leisen Tönen und Fingerspitzengefühl. Er gibt den Zuschauern die Möglichkeit, tief in die Seelen der Figuren zu blicken. Zu Beginn der Inszenierung gibt es eine Reminiszenz an den Film von Federico Fellini. Mit einem Vorspann wie im Kino und der ersten Filmszene.
Ein Filmklassiker auf der Bühne, kann das funktionieren? Es kann! Das zeigte das Publikum mit einem begeisterten Applaus. (…)

V. Winkel

Der „Stadtstreicher“ schreibt in Ausgabe 04/2019

Spannendes Setting, spannende Umsetzung – Robert Czechowskis ‚La Strada‘ im Schauspielhaus
Man muss kein Fan sein von Theater-Adaptionen von Kinofilmen, um dieses Stück mindestens spannend zu finden: Die Konstellation allein ist schon vielversprechend. ‚La Strada‘ verstörte dem Vernehmen nach die italienische Filmbranche nachhaltig, als Regisseur Federico Fellini ihn in den späten 1950er Jahren vorlegte – gewann dann aber einen Oscar. Der ‚große Zampano‘, der hier vorgeführt wurde, ist längst zum stehenden Begriff geworden für alles übertrieben maskulin-prahlerische Verhalten. Ein Klassiker also. Im Schauspielhaus ist Robert Czechowski mit der Inszenierung betraut. Der Pole bringt seine ganz eigene Poesie mit, wie er schon mit ‚Leonce und Lena‘ im Ostflügel oder ‚Caligula‘ auf der großen Bühne bewies. Spannend also.
In ‚La Strada‘ steigt er ein mit einer Filmsequenz. Der Zuschauer darf sich ins Kino versetzt fühlen, schwarz-weiß flimmern minutenlang ein Vorspann und eine Filmszene über den eisernen Vorhang. Dann öffnet sich der Bühnenraum zu einer Zirkus-Arena. Ein Wagen erinnert ebenso an den Zirkus – und zugleich an Brechts ‚Mutter Courage‘- Inszenierung, als Schatten findet sich die zweite Hauptfigur: Gelsomina. An ihr ist Zampano, der Kettenzerreißer vom Jahrmarkt, interessiert – beruflich. Seine Assistentin soll Gelsomina werden, 10.000 Lire gibt Zampano der Mutter, um sie mitnehmen zu dürfen. Schnell wird deutlich, dass sein Interesse auch übers Berufliche hinausgeht. Stets zu Diensten soll das Mädchen dem Kerl sein, in allen Belangen. Immer wieder versucht sie, aus der Beziehung auszubrechen, erst recht, als sie Matto begegnet. Ein schmächtiger Seiltänzer ist der und durchaus attraktiv dieses Berufsbild auch für Gelsomina: Wenn schon am Abgrund leben, dann wenigstens nicht nur metaphorisch.
Die Männer, so unterschiedlich die sein mögen, sie leben auf eigene Rechnung. Ortlos, gottlos, aus der Zeit gefallen gibt Dirk Glodde den Zampano. ‚Er denkt nicht‘, stellt Gelsomina fest, doch schlimmer noch: Er wüsste nicht mal, worüber er nachdenken sollte. Matto hingegen, gespielt von Dominik Puhl, rechnet beinahe täglich mit seinem Absturz vom Seil – sein Lebensende kommt freilich anders. An die Zukunft denken, das machen in ‚La Strada‘ die Frauen: Gelsomina streut entlang der Straße Tomatenpflanzen aus – wenn man hier wieder vorbeikomme, dann könne man sie ernten, glaubt sie. Der rohen Körperlichkeit von Gloddes Zampano stellt Seraina Leuenberger sich mit verspielter kindlicher Lebensfreude entgegen: Sie greift zur Trompete, freut sich über jedes hingeworfene Kostüm, wird zum kläffenden Köter. Doch kaum eine ihrer Waffen dringt durch Zampanos dickes Fell – eine gemeinsame Zukunft ist ihnen nicht beschieden.
Doch die Aussichten sind ohnehin nicht rosig, für niemanden. Czechowski begleitet das Geschehen durch fünf todbringende Gestalten. Als Soldaten eingeführt, beobachten, beschleunigen, steuern sie die Vorgänge – und sorgen dafür, dass sich hier niemand dauerhaft in seiner Nische einrichten kann. Wohlgefühl will da beim Zuschauen nicht aufkommen. Ganz sicher ist ‚La Strada‘ nicht ‚La Dolce Vita‘ – aber doch ein Abend, der die Spannung einlöst, die das Setting verspricht.

Volker Tzschucke

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