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Kunst

So
31.
Dezember
Schauspiel

Kunst

Schauspiel von Yasmina Reza
Aus dem Französischen von Eugen Helmlé

 
 

Dermatologe Serge hat sich ein Bild gekauft. Ein monochromes Bild mit weißem Untergrund und feinen weißen Streifen. Für eine sechsstellige Summe. Marc ist entsetzt über diese „Kunst-Scheiße“ und äußert das ziemlich deutlich. Serge ist beleidigt, während Yvan, der Dritte im Bunde der langjährigen Männerfreundschaft, zwar irgendetwas in dem Bild zu sehen meint, vor allem aber zwischen Serge und Marc vermitteln will, um die Wogen zu glätten. Das katapultiert ihn allerdings mitten hinein in den Streit seiner beiden Freunde, in dem es natürlich längst nicht mehr um die Kunst geht. Das Bild dient lediglich als Katalysator, um unausgesprochene Befindlichkeiten und gegensätzliche Ansichten, tiefsitzende Vorurteile und oberflächliche Eitelkeiten in einem längst fälligen Gefecht auf den Tisch zu bringen. Offensiv und kompromisslos demontieren die drei die Grundfesten ihrer Beziehung, bis sie sich plötzlich ihren grundverschiedenen Lebensentwürfen gegenüber sehen, die nun ebenso in Frage gestellt werden wie der Fortbestand ihrer Freundschaft.

Mit Kunst gelang der französischen Autorin, Schauspielerin und Übersetzerin Yasmina Reza der internationale Durchbruch. Der Erfolg ihres dritten Stückes, das seit der Uraufführung 1994 zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhielt, und ihre späteren Arbeiten Drei Mal Leben und Der Gott des Gemetzels, die in den letzten Jahren bereits am Schauspiel Chemnitz zu sehen waren, machten die Autorin zu einer der heute weltweit meistgespielten Gegenwartsdramatikerinnen.

Reza entwirft in Kunst äußerst humorvoll eine bissig-ironische und psychologisch feine Studie unserer Gesellschaft. Konfliktreich zerlegt sie Werte- und Lebensvorstellungen, die wir nur allzu oft von anderen abhängig machen und wie selbstverständlich akzeptieren, während wir im Grunde genommen aneinander vorbeileben. Und wenn wir dann (hoffentlich) auch hin und wieder mal höchst unsanft gegeneinanderprallen, dann schickt sie uns wenigstens ein Lachen mit auf den Weg.

Spielort:Schauspielhaus - Große Bühne
Spielzeit:1 h 15 min / keine Pause
Altersempfehlung:ab 16 Jahren
Premiere:18.03.2017
So, 31. Dezember | 17:00 Uhr  
Preis: 18,00 bis 30,00 €

Weitere Termine

31.12.2017Sonntag20:00 Uhr   Schauspielhaus - Große Bühne  
08.04.2018Sonntag15:00 Uhr   Schauspielhaus - Große Bühne  

Bilder zum Stückes

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Videomedien zum Stück

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Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam

Besetzungsliste des Stückes

Besetzungsliste

Pressestimmen zum Stück

Pressestimmen

"Dresdner Neueste Nachrichten" schreiben am 28.03.2017

(...) Dabei hat Regisseur Alexander Flache, der hier schon ‚Zerstörte Seele‘ und ‚Stella‘ erarbeitete, ein eingespieltes Trio zur Verfügung, denn Marko Bullack als sensibel-einsamer Serge, Philipp von Schön-Angerer als derber Marc und Christian Ruth als schüchterner, aber sozial kompetenter Yvan, kennen sich schon seit 2010, als sie gemeinsam in Zittau starteten. Nun gönnen sie sich die Dekonstruktion einer Männerfreundschaft französischer Art, die nebenher einen Diskurs über abstrakte ‚Kunst-Scheiße‘ führt: Ein weißes Bild ohne weißen Adler, aber mit feinen weißen Streifen, welches 200 000 Euro (im Original: Francs) gekostet hat, aber gar noch zehn Riesen mehr Wert sein soll, zeigt nicht nur die Einsamkeit des noch frauenlosen Serge, sondern auch den Zustand der Freundschaft, bei der die Zwei-Drittel-Meinungsmehrheit ständig wechselt. Das ist grundsolide inszeniert, lediglich der Fernseher, der die berüchtigte ‚Chemnitzer Ecke‘ des asymetrischen Bühnenportals kaschieren soll und auf dem eine andere Fassung des Spiels läuft, ist spätestens ab Reihe sieben sinnfrei. (...) Petra Linsel, Jenenserin des Jahrgangs 1979, die neben einem Dresdner Architekturdiplom noch einen Baseler Designmaster in der Schrankwand hat, gelang (...) – neben den schicken Charakterkostümen – eine faszinierende Lösung für die Kunstdarstellung. Fünf einzelne weiße Fahnen im Hochformat werden im Hintergrund en passant immer neu variiert, während auf der rotierenden Drehbühne weiße Stoffverwicklungen vom drohenden Bildersturm abhalten und das Spiel meist vorn an der Rampe halten. (...)

Andreas Herrmann

Die „Freie Presse“ schreibt am 20.03.2017

Wenn Freunde zu Schnöseln werden

Die ‚Kunst‘ von Yasmina Reza wird am Theater Chemnitz als unterhaltsames Wortgefecht ausgekostet. Ist da nicht mehr? Serge kauft ein modernes Bild: Er liebt den Künstler, er schätzt seinen Marktwert sehr hoch ein, also präsentiert er stolz seinen sündhaft teuren Kauf - ein weißes Bild mit weißen Streifen. So ein Mist? In Yasmina Rezas Stück ‚Kunst‘ dreht sich die Spirale der Wortgewalt immer heftiger und sehr zum Entzücken des Publikums am Chemnitzer Schauspiel, wo die Premiere am Samstag gut gelaunt beklatscht wurde. Aber 80 Minuten Verbalschlacht über menschliche Abgründe und Erkenntnisse rund um eine Männerfreundschaft reichen dann auch.

Der Gegenstand des Stücks ist komplex wie das Leben - und die Biografien wie Vorurteile der drei Freunde Marc, Serge und Yvan. Nicht jeder der drei steht auf der Gewinnerseite, glauben die anderen, die sich freilich auf der sicheren Seite wähnen. Nicht einmal die moderne Malerei spielt die Hauptrolle in diesem klugen Stück - sie ist nur Anlass dafür, Ungesagtes unter dem Teppich hervorzukehren. Viel Erkenntnis, nicht immer nützlich, drängt ans Licht, und letztlich steht die große Frage im Raum, ob sie, da sie nun alles voneinander wissen, wohl Freunde bleiben werden?

Denn mit jeder Runde Redeschlacht wird ein neues Fass aufgemacht. Mal ist die zu heiratende Frau von Yvan das Opfer, dann die Gattin von Marc, die Serge noch nie wirklich leiden konnte. Und immer tun sich zwei zusammen gegen den Dritten. Die Versöhnung währt aber nur kurz für die Schnappatmenden, dann geht der Streit von vorn los. Auf Verbalattacken folgen tätliche Angriffe. Zum Höhepunkt wird das Baguette zur Waffe, bei einer Kissenschlacht fliegen die Fetzen.

Es ist eine Herausforderung für die Regie von Alexander Flache, diesen eskalierenden Streit, diese prasselnden Texte ohne nachlassende Spannung auf die Bühne zu bringen. Er begegnet ihr frontal mit klarer Linienführung. Die Bühne in Schwarz, das Streitobjekt ist mit weißen Bahnen angedeutet. Zu den aufeinanderprallenden Meinungen gesellt sich nicht viel: ein Blumentopf, ein Baguette.

Das könnte leicht öde werden - wäre da nicht als Vermittler der bunte, leicht sperrige, naive wie liebenswerte Yvan, der nicht so recht in die sterile Modernität der Snobs passen will. Ihn plagen Zukunftsängste, weil er einer ungeliebten Arbeit im Papierladen nachgeht. Christian Ruth transportiert in dieser Rolle das eigentliche Drama, denn es bleibt offen, ob dieser verhuschte, wenig intellektuelle Mann seine schlauen Freunde auch künftig mit vermittelnder Liebenswürdigkeit beeindrucken kann: Ja, Kinderfreundschaften können auch auseinanderbrechen, wenn Freunde zu Schnöseln werden.

Philipp von Schön-Angerer spielt dagegen als Marc recht sicher auf der Klaviatur des Kumpeltyps, der gefährlich demagogische Züge annehmen kann. Der Figur bekommt diese Tiefe recht gut. Ebenso überzeugt Marko Bullack mit seinem Kunstfreund Serge als ein feinnerviger Ästhet, dem der Blick aufs Grobe abhanden gekommen ist.

Marianne Schultz

Die „Chemnitzer Morgenpost“ schreibt am 20.03.2017

(...)
Nur oberflächlich gesehen geht es um Kunst. Vielmehr dient das weiße Bild als Katalysator, um tiefsitzende Vorurteile auf den Tisch zu bringen. Der Zuschauer ist von den Charakteren hin- und hergerissen, denn es ist fast unmöglich, sich auf die Seite von diesem oder jenem im Trio zu schlagen. Wer von ihnen recht hat, bleibt offen.
Regie für das Stück führte Alexander Flache, verantwortlich für Bühnenbild und Kostüme Petra Linsel, Marco De Haunt für Musik. (…)

Sabine Leppek

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