© Nasser Hashemi

Spielplan

Hamlet

So
05.
Mai
Oper
Zum letzten Mal

Hamlet

Oper von Franco Faccio
Libretto von Arrigo Boito
DEUTSCHE ERSTAUFFÜHRUNG

 
 

William Shakespeares leidenschaftliches Drama Hamlet inspirierte Anfang der 1860er Jahre zwei junge Italiener zu einer grandiosen Oper: Franco Faccio und Arrigo Boito. Beide waren erst Anfang 20, als sie sich der Herausforderung stellten, diesen Klassiker der Schauspielbühne für das musikalische Theater zu erschließen. Sie schufen einen faszinierenden Operntext voll Sensibilität und poetischer Kraft – doch die Zeit schien bei der Uraufführung 1865 in Genua noch nicht reif zu sein für ein Werk dieser Art. Nach einer zweiten Aufführung 1871 an der Mailänder Scala, bei der der Darsteller des Hamlet aus gesundheitlichen Gründen kaum singen konnte, verschwand es völlig in der Versenkung. Erst 2014 war es erstmalig wieder auf einer Bühne zu sehen – zunächst nur in den USA, zwei Jahre später mit ebenso sensationellem Erfolg in der Inszenierung von Olivier Tambosi bei den Bregenzer Festspielen, die der international gefragte Regisseur nun gemeinsam mit seinem renommierten Ausstatterteam in Chemnitz auf die Bühne bringen wird. Der Zuschauer taucht dabei ein in die Welt nächtlicher Geistererscheinungen, verräterischen Theaterspiels und tragisch endender Liebe. Die Oper beginnt mitten im Krönungsfest für den neuen König Claudio. Hamlet kann seine dunkle Ahnung, dass Claudio seinen Vater ermordet und sich dessen Krone und Frau zu Eigen gemacht hat, nur schwer ertragen und steigert sich in ein verhängnisvolles Spiel aus Rache, Blut und Tränen hinein. Musikalisch bietet sich von seelenvollem Pathos über tänzerische Zwischenspiele und elegisch-lyrische Passagen bis hin zu großen Chorszenen die ganze Palette italienischer Opernkunst. „In dieser Musik kann bis zur Glückseligkeit baden und schwelgen, wer große Oper liebt“, schwärmte die Presse anlässlich der Premiere in Bregenz.

Eine Produktion der Bregenzer Festspiele 2016

Aufführung in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Spielort:Opernhaus - Saal
Dauer:2 h 40 min / 1 Pause
Altersempfehlung:ab 14 Jahren
Premiere:03.11.2018
Workshop:Sonntag, 05.05.2019, 15:00 – 16:30 Uhr
Einführung:30 Minuten vor Beginn jeder Vorstellung
So, 05. Mai | 17:00 Uhr
 

Bilder zum Stückes

Bilder
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Videomedien zum Stück

Video

Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam
Musikalische Leitung Gerrit Prießnitz
Dan Raţiu 17.03.2019

Inszenierung Olivier Tambosi

Choreografie Ran Arthur Braun

Bühne Frank Philipp Schlößmann

Kostüme Gesine Völlm

Chor Stefan Bilz

Dramaturgische Betreuung Christiane Dost

Besetzung des Stückes

Besetzung
Hamlet
Gustavo Peña

Claudius
Pierre-Yves Pruvot

Polonius
Magnus Piontek
Ulrich Schneider  (Gesang) 17.03.2019
Mario Koch  (szenisch) 17.03.2019

Horatio
Ricardo Llamas Márquez

Marcellus
Matthias Winter

Laertes
Cosmin Ifrim
Paul Schweinester 29.03.2019

Ophelia
Tatiana Larina 03.11. / 08.12.2018 / 18.01. / 29.03. / 05.05.2019
Guibee Yang 18.11.2018 / 17.03. / 28.04.2019

Gertrude
Katerina Hebelkova

Der Geist / Ein Priester
Noé Colín

Der König Gonzago / Ein Herold
Tommaso Randazzo

Die Königin Giovanna
Ina Yoshikawa

Lucianus / Erster Totengräber
André Eckert

Zweiter Totengräber
Alexander Jahn
Klaus-Peter Viertel

Tänzerinnen
Charlotte Petersen
Yael Fischer
Helena Gläser
Florine Fournier

Chor der Oper Chemnitz

Damen und Herren der Statisterie

Robert-Schumann-Philharmonie

Pressestimmen zum Stück

Pressestimmen

„Der neue Merker“ schreibt in Ausgabe 04/2019

(…) Das Bühnenbild von Frank Schlößmann und die Kostüme von Gesine Völlm unterstützen die Lesart des Regisseurs, der davon ausgeht, dass die Bühne ein Spiegel für Wahrnehmungen und das Wahrnehmungsvermögen ist. Beobachtungen werden beobachtbar. Der Bühnenvorhang gleicht dem eines Revuetheaters. Und auf der Bühne findet wiederum Theater statt. Jedes Kostüm, außer dem von Hamlet, ist mit einem Auge versehen. Der Bühnenboden ist spiegelglatt. Und auf der Bühne wird mit Spiegeln gearbeitet. Nichts bleibt unbeobachtet. Den Damen und Herren des Chores kommt dabei eine wichtige Aufgabe zu. Sie beobachten und kommentieren. Hamlet agiert in einem hoch elektrisierten Spannungsfeld. Der Drang nach Rache und das Ausleben seiner Emotionen prägen seine Persönlichkeit und sein Verhältnis zu den anderen Personen. Olivier Tambosi ist es hervorragend gelungen, dieses Geflecht transparent zu machen. Atemberaubend gestaltet sich u.a. die Szene, als Hamlet im 3.Akt seine Mutter der Blutschande bezichtigt, anrührend die Szene, als Hamlet von der toten Ophelia Abschied nimmt. Und all das wird immer wieder getragen von der kraftvollen und farbenreichen Musik Franco Faccios. (…)
Dennoch stellt sie die Interpreten vor enorme Herausforderungen. Für die Titelrolle hatte man in Chemnitz Gustavo Peña gewonnen. Der in Las Palmas geborene Tenor ist konditionell der umfangreichen Partie bestens gewachsen. Er weiß den ambivalenten Charakter Hamlets eindrucksvoll zu gestalten. Er spart in seiner Interpretation weder seelische Verzweiflung noch wilde Raserei aus. Dabei hat er seine jugendlich-dramatische und höhensichere Stimme stets unter Kontrolle und gewinnt ihr sehr vielfältige Facetten ab. (…) Hamlet ist nur noch mit sich und seiner Rache beschäftigt, so dass sich Ophelia das Leben nimmt. Tatiana Larina stattete dieses junge Mädchen mit Anmut und Empathie aus. Mühelos und mit warmer, schön ansprechender Stimme gestaltet sie die Gefühle der Ophelia, die es vorzieht, sich in ihre eigene Welt zurückzuziehen.
(…) Gertrude, Hamlets Mutter, bekennt im 3. Akt ihre Schuld. Mit Leidenschaft und großer stimmlicher Attitude gestaltet Katerina Hebelkova diese eindrucksvolle Szene. Die Stimme der Sängerin besitzt neben Glut und Flexibilität auch dramatischen Atem. Dieses Rollenportrait fand bei den Zuschauern besondere Zustimmung. Pierre-Yves Pruvot stellte einen skrupellosen Claudius, König von Dänemark, dar. Die Stimme besitzt Wucht und genügend Stimmmaterial, um sich nicht nur in großen Ensembles zu behaupten, sondern auch das Sinnen und Trachten dieser Figur zu untermauern.
Auch die Episodenrollen waren sehr rollendeckend besetzt. Der österreichische Tenor Paul Schweinester war als Laertes eingesprungen. Er fügte sich nahtlos in die Inszenierung ein. Elegant und rasant muteten u.a. die Fechtszenen, die sich Laertes mit Hamlet im letzten Bild liefert, an. Hamlets Freund Horatio wurde von Ricardo Llames Márquez mit Aufrichtigkeit und Sympathie auf die Bühne gestellt. Auch André Eckert vermochte als einer der Totengräber das Makabre seines Jobs mit verächtlichem Ton zu umreißen.
Alle anderen Solisten sowie der gut einstudierte Chor von Stefan Bilz trugen ebenso wie die Mitglieder des Balletts (Choreografie: Ran Arthur Braun) zu einem eindrucksvollen Opernabend bei.
Unter der sachkundigen Leitung von Gerrit Prießnitz brachte die Robert-Schumann-Philharmonie die Qualitäten und die Ausdrucksvielfalt der Partitur zu Gehör. Chemnitz hat sich mit der deutschen Erstaufführung dieses Werkes fraglos verdient gemacht. Das Publikum zeigte sich begeistert!

Christoph Suhre

„Das Orchester“ schreibt in der Ausgabe Februar 2019

(…) begeistert die Oper Chemnitz mit einem vergessenen Komponisten
(…) mit Gustavo Peña haben die Chemnitzer einen Protagonisten, der den Hamlet szenisch wie sängerisch großartig verkörpert. Sein Spiel von todtraurig über verzweifelt bis rasend wird von typisch Shakespeare’scher Brechung ins Komödiantische begleitet und strahlt selbst in größter Höhe und Anspannung immer souveräne Leichtigkeit aus, die begeistert.
Tambosi betont in seiner Inszenierung (…) das Rachedrama. (…) Selbst die Liebesbeziehung zu Ophelia (…) tritt in dieser Inszenierung in den Hintergrund. Dabei steigert sich Tatiana Larina bis zur erschütternden Wahnsinnsszene zu einer fesselnden Ophelia. Tambosis differenzierte Figurenführung offenbart sich explizit in der großen Szene Hamlets mit seiner Mutter Gertrude. Katerina Hebelkova gestaltet die Partie eindrucksvoll zwischen eiskalter Herrscherin und mitfühlender, schuldbewusster Mutter. Auch Claudius, kraftvoll interpretiert von Pierre-Yves Pruvot, ist nicht nur auftrumpfender Sieger und intriganter Machtmensch, sondern ebenso eine gewissensgeplagte und erschütterte Kreatur. Fast zehn weitere Solisten und ein klanglich überzeugender Opernchor ergänzen das Ensemble.
(…) Die Robert-Schumann-Philharmonie (…) kann diese vielfarbige, mitreißende Musik in allen Facetten zum Klingen bringen. Gerrit Prießnitz, 2018/19 Erster Ständiger Gastdirigent, ist ein guter Sachwalter des Komponisten. Er setzt wichtige Impulse (…). Faccios ‚Hamlet‘ ist eine hörens- und sehenswerte Rarität mit Potenzial fürs Repertoire (…).

Jens Daniel Schubert

„orpheus“ schreibt in der Ausgabe Januar/Februar 2019

(…) die Chemnitzer Aufführung (…) mit Gerrit Prießnitz am Pult der Robert-Schumann-Philharmonie erwies sich (…) als außerordentlich gelungen. Dies begründet sich nicht allein durch das bemerkenswerte emotionale Spiel der Solisten und des nahezu ständig auf der Bühne präsenten Chores. Vielmehr gelingt es Tambosi, die Rache Hamlets, seine Aggressivität und die sich ständig verändernden Facetten seiner Persönlichkeit zwischen Rache, Liebe und Verzweiflung geschickt mit Hamlets Beziehungen zu den weiteren handelnden Personen zu arrangieren. (…) Die zahlreichen melodischen Vor- und Zwischenspiele unterstreichen die Idee der Inszenierung: Es geht um ein Spiel im Spiel (…). Und dieses Spiel bestimmt nicht nur die berühmte Schauspieler-Szene als einen Höhepunkt der Aufführung. Immer wieder tritt der Chor aus der Handlung heraus, kommentiert das Geschehen. Die schwarz-glänzende, sich fortwährend bewegende und dabei neue Schauplätze erschaffende Bühne zeigt ein verdoppeltes Revue-Bühnenportal. Symbolkraft entfalten ein übergroßer massiver Kubus, der sich stetig über die Bühne bewegt, ebenso wie zehn Spiegel bei Hamlets Verwandlung (Bühne: Frank Philipp Schlößmann). Beeindruckend sind die in Schwarz, Weiß und Rot gehaltenen opulenten Kostüme im Renaissance-Stil von Gesine Völlm, die mit einem aufgemalten Auge als verbindendem Element Symbolkraft entfalten. Musikalisch erlebt man mit Hamlet im Zentrum des Geschehens (…) Leistungen auf hohem Niveau – Gustavo Peña ist ein beeindruckender, energiegeladener Sänger mit stimmlicher Überzeugungskraft. Katerina Hebelkova ist eine großartige Königsmutter mit großer Stimme und leidenschaftlichem Spiel, während Guibee Yang als Ophelia zwischen Leidenschaft und Verzweiflung beeindruckt. Als skrupelloser König Claudius überzeugt auch Pierre-Yves Pruvot stimmlich und darstellerisch. Die Chöre wurden von Stefan Bilz bestens vorbereitet und agierten mit großer Spielfreude. (…) enthusiastische Zustimmung des Chemnitzer Publikums (…).

Herbert Henning

Der „Stadtstreicher“ schreibt in Ausgabe 12/18-01/19

(…) eine Freude ist es zu sehen, wie Olivier Tambosi das Ganze auf die Bühne bringt. Da ist Bewegung, da ist der festliche Hof mit einem starken Chor neben dem trotzig sich aufspielenden Hamlet, da sind rüde ungerührte Totengräber neben einer hinreißend emotionalen und, Gott sei’s gedankt, erotischen Königin. Immer genug an Geschehen, aber auch genug an Stille und Versenkung. Faccios Musik findet vor allem in den Vorspielen zu jeder Szene überraschende, sprechend ausdrucksvolle klänge. Die Philharmonie zaubert (…). Und den Hamlet des Gustavo Peña – beim Geiste seines Vaters! – muss man sehen und hören. (…)

Eske Bockelmann

„Dresdner Neueste Nachrichten“ schreiben am 08.11.2018

(…)
Von der Robert-Schumann-Philharmonie wurde dieser Klangzauber unter Gerrit Prießnitz sehr opulent umgesetzt (…). Dabei hat Chemnitz diese Oper groß besetzen können: Mit Gustavo Peña als Hamlet beherrschte ein schneidiger Tenor voller Energie die Szene, desgleichen agierte Katerina Hebelkova als seine Mutter voller Strahlkraft und Eleganz. Die junge Sopranistin Tatiana Larina hat die Liebe und dann die Verzweiflung der Ophelia sehr nagegehend interpretiert, auch Pierre-Yves Pruvot als mörderischer König Claudius konnte mit großem Timbre überzeugen. All diese Leistungen sorgten mitsamt der dazu einladenden Musik für reichlich Szenenapplaus (…). Überzeugt hat (…) wieder einmal der Opernchor des Chemnitzer Hauses.
(…) Das Schwarz des Bühnenraums und den roten Vorhang zitierten die Kostüme von Gesine Völlm, mit denen kräftige Bilder geschaffen werden.
Unterm Strich eine Pioniertat in Chemnitz, die ein Stück Musiktheater der Vergessenheit entreißt, die Größe Shakespeares wachruft und mit großer Emotionalität in der Musik sowie auf der Bühne überzeugt.

Michael Ernst

Die „Freie Presse“ schreibt am 07.11.2018

(…) wie sich zeigt, ist die Zeit für die Oper ‚Hamlet‘ reif. Das spürten (…) die Besucher des Chemnitzer Opernhauses bei der deutschen Erstaufführung, sie applaudierten lang anhaltend. Gründe dafür gibt es viele.
Die Inszenierung von Olivier Tambosi zeigt Mut zu Größe und Opulenz. Das weitestgehend in den Farben Rot, Schwarz und Weiß gehaltene Bühnengeschehen spielt sich meist im Beisein des kompletten Chores in Massenszenen ab. Die Solisten wechseln, der Chor stimmt ein, alles nicht nur untermalt, sondern gleichberechtigt begleitet vom Orchester. Der Zuschauer gerät so in einen mitreißenden Sog, der ob seiner Vielfalt und Masse überfordern könnte, wenn er nicht unterbrochen worden wäre durch zärtlich-poetische musikalische Einschübe. Diese, getragen von der Robert-Schumann-Philharmonie unter souveräner Leitung von Gerrit Prießnitz, gaben Gelegenheit zum Innehalten, bevor die Handlung weiter voranschritt.
Da die Geschichte um den depressiven Prinzen von Dänemark, der den Mord am Vater rächen möchte, bekannt sein dürfte, konnte die Inszenierung eine eigene Interpretation vorlegen. Hamlet entwickelt sich vom trübsinnigen Verächter des höfischen Hedonismus hin zum mephistophelischen Regisseur seiner Rache, der Mutter und Onkel mit Lust aus der Reserve lockt, bis er sich in Raserei steigert, die in einen Angriff auf die Mutter und den Tod der geliebten Ophelia gipfelt. Eine nicht nur im Gesang, sondern auch im Spiel anspruchsvolle Leistung. Die Gustavo Peña mit Eleganz und Bravour meisterte. Der Tenor konnte im Gesang durchweg überzeugen und zeigte sich agil auf der Bühne. Auch wenn Peña in seiner Leistung herausragt, so wurde ihm ein fabelhaftes Ensemble zur Seite gestellt. (…) So geraten sowohl Brudermörder und neuer König Claudius (Pierre-Yves Pruvot) als auch Königin Gertrude (wunderbar: Katerina Hebelkova) in Gewissensbisse, sie sich in eindringlich emotionalen Arien äußern.
Die Kurzweiligkeit, die ästhetische Bearbeitung, die Musik überzeugten. (…) ‚Hamlet‘ reißt (…) mit.

Sarah Hofmann

Die „Sächsische Zeitung“ schreibt am 05.11.2018

Eine deutsche Erstaufführung mehr als hundert Jahre nach der Uraufführung ist Stoff, aus dem Legenden werden. Franco Faccio (…) soll nach der verheerenden zweiten Vorstellung seiner zweiten Oper deren Orchesternoten verbrannt haben. Erst 130 Jahre später wurde ‚Amleto‘ (…) in den USA wiederentdeckt und (…) rekonstruiert. 2016 gab es die erste europäische Inszenierung bei den Bregenzer Festspielen. Diese hatte (…) ihre gefeierte Premiere in Chemnitz. (…) Gustavo Peña war der gefeierte Star. Stimmlich wie darstellerisch mit einer scheinbaren Leichtigkeit präsent, war er das Zentrum der Aufführung. (…) Chemnitz 2018 feierte.
(…) die Inszenierung von Olivier Tambosi stellt den irre-klarsichtigen Hamlet, der an der Trauer um den Vater verrückt wird, in den Mittelpunkt. Er verwendet dabei die an die Commedia dell’arte erinnernde Spielweise der Shakespeare-Bühne. Immer wieder durchbrechen seine Figuren die ‚vierte Wand‘, unterhalten sich mit dem Publikum, machen es zum Komplizen, erklären, Hintergründe. Es ist Theater auf dem Theater, auch über die berühmte Komödiantenszene hinaus: Rollen spielen oder sich hinter Masken verbergen sind die übergreifenden Ansätze der Inszenierung. Frank Philipp Schlößmann variiert die schwarze Bühne mit dem spiegelglatten Boden durch wenige Accessoires, Tische und Stühle, einen gewaltigen Felsblock, vertrocknetes Geäst, Bahren voller brennender Kerzen. Ganz großes Kino ist das grell blendende Gegenlicht beim Auftritt des Geistes von Hamlets Vater in Ritterrüstung mit kreuzgleichem Beidhandschwert. Gesine Völlm mischt in ihren effektvollen Kostümen Elemente von Renaissance und Commedia, fast durchgehend auf die Farben schwarz, weiß und rot beschränkt.
Der Opernchor, musikalisch auf den Punkt, wird überwiegend als Staffage geführt. Die Inszenierung konzentriert sich auf Hamlet in der Wechselwirkung zu seinen Spielpartnern. Dabei bleibt für die Liebesgeschichte zu Ophelia, bis zur Wahnsinnsszene toll gesteigert von Tatiana Larina, wenig emotionaler Raum. Hochspannend ist dagegen die Szene mit seiner Mutter, die zwischen eiskalter Herrscherin und verzweifelter Mutter überzeugend von Katerina Hebelkova gestaltet wird. Hamlets Gegenspieler (…) ist Claudius. Pierre-Yves Pruvot gibt der machtvollen wie gewissenserschütterten Figur eindrücklich Stimme und Gestalt.
Unter der Leitung von Gerrit Prießnitz entfaltet die vielfarbige, dann wieder überraschend unkonventionelle Musik große Wirkung, wenngleich insbesondere am Beginn der metrische Zusammenhalt auf wackligen Füßen stand. Dem begeisterten Premierenjubel tat das keinen Abbruch, der Weg ins Opernhaus Chemnitz lohnt. Er gilt einer hörens- und sehenswerten Rarität, der ein Platz im Repertoire zu wünschen ist.

Jens-Daniel Schubert

Die „Morgenpost Chemnitz“ schreibt am 05.11.2018

(…) Mit einer gewaltigen Bildsprache (…) erzählt Regisseur Olivier Tambosi die Geschichte. Die Bühne ist immer in Bewegung und unterstützt damit die Dynamik des Stücks. Gustavo Peña glänzt als rachsüchtiger Hamlet. Tatiana Larina gibt eine mädchenhafte Ophelia und als Herrscherpaar überzeugen Katerina Hebelkova und Pierre-Yves Pruvot.
(…) die Inszenierung in Chemnitz (…) erhielt zum Schluss fast 15 Minuten Applaus und Bravos.
(…)

vw

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