© Dieter Wuschanski

Spielplan

Einsame Menschen

Sa
13.
April
Schauspiel

Einsame Menschen

Drama von Gerhart Hauptmann nach der Fassung von Michael Thalheimer
unter Mitarbeit von Oliver Reese

 
 

Die Familie: Ein Refugium. Ein wärmender Schutzraum, ein Bollwerk in Zeiten des Leistungsdrucks. Ein Ort des Rückzugs und der Geborgenheit. Doch die Familie, das ist auch: Enge. Unfreiheit. Ein Nährboden für tiefe Verletzungen. Mit Gerhart Hauptmanns Einsame Menschen spürt Regisseurin Nina Mattenklotz der Entstehung von Einsamkeit und Kommunikationslosigkeit, von Sprachlosigkeit und Vereinzelung im nächsten Familienkreis nach. Dabei scheint das Glück von Johannes und seiner Frau Käthe zunächst recht idyllisch: eine junge Familie, der Sohn ist gerade geboren – doch die Freude will sich nicht einstellen. Johannes steckt mit seiner Arbeit in einer Schaffenskrise. In Käthe findet er nicht die Partnerin mit der er darüber reden könnte. Käthe wiederum steckt in einer tiefen Kindbettdepression – ein Tabuthema unserer Gesellschaft. So kann auch sie darüber nicht reden. Die Eltern von Johannes versuchen mit aller Kraft die Fassade der guten Familie aufrecht zu halten. Doch mehr als hilflose Versuche, die brüchige Beziehung mit guten Ratschlägen und alten Floskeln zu kitten, bringen sie nicht zustande. Eines Tages steht überraschend die junge und emanzipierte Studentin Anna Mahr vor der Tür, die auf der Durchreise nach Zürich Johannes‘ Freund, den Maler Braun, besuchen will. Johannes bittet sie zu bleiben. Schnell erweist sie sich für Johannes als wichtige Gesprächspartnerin, eine ersehnte Verwandte des Geistes. Doch anstatt Anna als Eindringling zu betrachten, als konkurrierende Frau, die die Familienidylle zu bedrohen scheint, untersucht Mattenklotz mit ihr den „Einbruch des Fremden“ und so auch die Möglichkeit, alte Lebensformen zu hinterfragen und neue auszuloten.

Gerhart Hauptmanns Einsame Menschen entstand 1891 in einer Zeit des industriellen und kulturellen Wandels, in der gesellschaftliche Positionen und soziale Systeme im Um- und Aufbruch waren. Die damit verbundene Verunsicherung und notwendige Neuorientierung untersucht Hauptmann im Kern einer Familie. Und weil die Familie der engste Bezugskreis ist, tritt in ihr die wachsende Entfremdung umso schmerzlicher zu Tage.

Spielort:Schauspielhaus - Große Bühne
Dauer:1 h 50 min / keine Pause
Altersempfehlung:ab 16 Jahren
Premiere:26.01.2019
Einführung:30 Minuten vor Beginn jeder Vorstellung
Sa, 13. April | 19:30 Uhr
 

Weitere Termine

09.11.2019 Samstag 19:30 Uhr    
Schauspielhaus - Große Bühne

Bilder zum Stückes

Bilder
Magda Decker, Christian Ruth, Steffan Claußner, Jan Gerrit Brüggemann © Dieter Wuschanski
Magda Decker, Steffan Claußner © Dieter Wuschanski
Jan Gerrit Brüggemann, Magda Decker, Steffan Claußner © Dieter Wuschanski
Seraina Leuenberger, Magda Decker, Steffan Claußner © Dieter Wuschanski
Christian Ruth, Seraina Leuenberger © Dieter Wuschanski
Steffan Claußner, Magda Decker, Jan Gerrit Brüggemann © Dieter Wuschanski
Seraina Leuenberger, Christian Ruth, Steffan Claußner © Dieter Wuschanski
Steffan Claußner, Jan Gerrit Brüggemann © Dieter Wuschanski
Steffan Claußner, Seraina Leuenberger, Jan Gerrit Brüggemann © Dieter Wuschanski
Jan Gerrit Brüggemann, Magda Decker, Steffan Claußner © Dieter Wuschanski
Magda Decker, Steffan Claußner © Dieter Wuschanski
Jan Gerrit Brüggemann, Seraina Leuenberger © Dieter Wuschanski
Seraina Leuenberger, Steffan Claußner © Dieter Wuschanski
Jan Gerrit Brüggemann, Magda Decker, Christian Ruth © Dieter Wuschanski
Christian Ruth, Steffan Claußner © Dieter Wuschanski
Susanne Stein, Magda Decker, Jan Gerrit Brüggemann, Andreas Manz-Kozár, Christian Ruth, Steffan Claußner © Dieter Wuschanski
Magda Decker, Christian Ruth, Steffan Claußner © Dieter Wuschanski
Magda Decker, Steffan Claußner © Dieter Wuschanski
Susanne Stein, Magda Decker © Dieter Wuschanski
Steffan Claußner, Jan Gerrit Brüggemann, Susanne Stein © Dieter Wuschanski
Magda Decker, Susanne Stein © Dieter Wuschanski
Seraina Leuenberger, Magda Decker, Steffan Claußner © Dieter Wuschanski
Seraina Leuenberger, Jan Gerrit Brüggemann © Dieter Wuschanski
Magda Decker, Steffan Claußner © Dieter Wuschanski
Andreas Manz-Kozár, Jan Gerrit Brüggemann © Dieter Wuschanski
Magda Decker, Jan Gerrit Brüggemann, Andreas Manz-Kozár, Steffan Claußner © Dieter Wuschanski
Magda Decker © Dieter Wuschanski
Seraina Leuenberger, Susanne Stein, Jan Gerrit Brüggemann © Dieter Wuschanski

Videomedien zum Stück

Video

Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam
Regie Nina Mattenklotz

Bühne und Kostüme Johanna Pfau

Dramaturgie Kathrin Brune

Besetzung des Stückes

Besetzung
Johannes Vockerat
Jan Gerrit Brüggemann

Käthe Vockerat, seine Frau
Magda Decker

Anna Mahr, Studentin
Seraina Leuenberger

Braun, Johannes' Jugendfreund
Christian Ruth

Frau Vockerat, Johannes' Mutter
Susanne Stein

Herr Vockerat, Johannes' Vater
Andreas Manz-Kozár

Akkordeonist
Steffan Claußner

Pressestimmen zum Stück

Pressestimmen

„Theater der Zeit“ schreibt in Ausgabe 06/2019

Einsam wirkt in dieser Chemnitzer Inszenierung von Hauptmanns ‚Einsame Menschen‘ nur die Zentralfigur Johannes Vockerat: von seinen philosophischen Arbeiten zerfurcht, an der Enge seiner häuslichen Umgebung verzweifelnd, noch mehr aber an sich selbst und seiner autistischen Anlage scheiternd. Gerne möchte er sein ich überschreiten, Familienvater bleiben, seine einfach gestrickte Frau Käthe lieben. Aber er kann von seiner Himmelsleiter kaum mehr herabsteigen und Bodenhaftung gewinnen. Ein genau gezeichneter, nahegehender Auftritt von Jan Gerrit Brüggemann am Schauspiel Chemnitz.
Die Ausstattung von Johanna Pfau unterstreicht die Hermetik des Schauplatzes im Hauptmann'schen Familiendrama. Weite und Offenheit des Berliner Sees, an dem das gemietete Haus der Vockerats steht, sind auf ein gefliestes Freibad, auf einen Pool reduziert worden. An der Wand hinter dem flachen Becken, in dem fröhlich oder deprimiert herumgeplanscht wird, endet der Horizont. Zwei Rampen führen hinauf. Oben sitzt der Akkordeonspieler Steffan Claußner und improvisiert Elegien in Moll. Der Sprungturm im Vordergrund dient ebenfalls eher als Meditationspunkt denn als Sprungbrett ins Neue und vielleicht befreiende Ungewisse. Später senkt sich aus dem Schnürboden ein erdrückender Himmel aus überladenen Wäscheleinen herab und erstickt alle Ausbruchsversuche. Die gibt es auch, wenn in Badesachen eine Art Sommerfrische zelebriert wird. Die Menschen wirken überwiegend nicht so gequält wie die lastenden Verhältnisse.
Johannes müsste sich eigentlich nicht in akademischer Weltfremdheit und in Selbsthass isolieren, denn die Familie Vockerat besteht nicht nur aus egomanischen Sonderlingen. Die fröhliche Taufe seines Sohnes zu Beginn böte eine Chance zur Integration, wenn er zu Konzessionen an den verhassten ‚bürgerlichen Kram‘ imstande wäre. Seine Frau Käthe kann sich mit ihm zwar nicht auf eine gelehrte Disputation einlassen. Aber diese Magda Decker ist doch eine ansehnliche Frau von erotischem Reiz, mit einem Hang zur Melancholie zwar, aber doch nicht der Depression erliegend. Die stille Zigarette nach Konfliktsituationen ist ihr emanzipatorisches Ritual in der Nische. ‚Ich genüge dir nicht‘, klagt sie zwar. Aber sie hat Johannes auch die Fähigkeit zu einfacher Anhänglichkeit und Hingabe voraus.
Die traditionelle Ordnung repräsentieren Susanne Stein als Mutter und Andreas Manz-Kozár als Vater Vockerat, Letzterer verliert am Ende alle Contenance und zeigt den Gehorsam fordernden Patriarchen, als er Johannes seine vermeintliche Affäre mit der jungen Anna vorhält. Das tut die Mutter zwar auch, aber in archaischer Weise dominiert dann doch die bedingungslose Mutterliebe. Selbst der zum Hauskreis zählende Maler Braun alias Christian Ruth zählt zu den Mahnern an die Pflicht zur Familiendisziplin, wirft Johannes ‚Bildungshochmut‘ vor.
In dieses mühsam stabilisierte System bricht eben jene Anna ein, die eigentlich nur ihren flüchtigen Malerfreund Braun besuchen will. Kein Einbruch einer Femme fatale, sondern der Natürlichkeit und Unbefangenheit, wie sich Seraina Leuenberger auf das Sympathischste gibt. Johannes wittert Affinität, die Chance zum Austausch auf Augenhöhe und bittet sie zu bleiben. Man fährt zum Kummer von Käthe gemeinsam Kahn, aber verliebt bleibt Johannes letztlich nur in sich selbst. Er registriert nicht einmal, wie Anna unschuldig nackt wie ein Kind durch das Planschbecken hüpft, doziert währenddessen weiter.
Diese ausgesprochen feinfühlige Inszenierung von Nina Mattenklotz vermittelt das Gefühl einer vermeidbaren Katastrophe, badet nicht im Schlamm der Aussichtslosigkeit. Annas Schlusssatz, ‚dass man so glücklich sein kann in einer Familie ...‘, klingt nicht sarkastisch, obschon sich Johannes zu diesem Zeitpunkt bereits ertränkt hat. Tatsächlich gibt es in den knapp zwei Spielstunden ungeachtet der Widersprüche viele Momente der Akzeptanz, ja, Zärtlichkeit zwischen allen Akteuren. Anna zerstört auch nichts leichtsinnig, folgt gerade nicht der ihr unterstellten Rolle, geht schließlich ihren eigenen Weg. Sie verkörpert die Hoffnung auf eine neue Geschlechter- und Rollenbalance, wie sie angesichts der Entstehungszeit des Werkes 1890 plausibel erscheint. Diesen Weg selbst zu beschreiten, ermuntert das nuancierte Spiel den Zuschauer, geführt von einer sensiblen Regie, die alle platten Polarisierungen meidet.

Michael Bartsch

Der „Kreuzer“ schreibt in Ausgabe 03/2019

Einsame Spitze
Diese Mimin sollte man im Auge behalten
(…) Was als Familienschwank beginnt, lässt Nina Mattenklotz zum See aus Melancholie zerfließen. Bald geistern ‚Einsame Menschen‘ durchs blau geflieste Bad (…).
Wie ein Bauchklatscher zeigt sich der Besuch von Anna Mahr in der vermeintlichen Familienidylle am Großstadtrand. (…)
Bis Mahr in die Inszenierung rauscht, schleppt sich diese mit Volkstheateranleihen in großer, stets eindeutiger Geste dahin. Seraina Leuenberger als Mahr setzt dazu mit Esprit und Elan einen Gegenpunkt. Sie schafft es, kein Klischee von ruchhafter Frau von Welt, burschikoser Emanze oder abgeklärter Großkopferter auf die Bühne zu bringen. Ausdrucksstark ist sie bereits mit minimalen Mitteln, da reicht eine schief gezogene Augenbraue oder fester Auftritt. Leuenberger spielt charmant und schafft einnehmende Theatermomente. Sie sollte man im Auge behalten.

Tobias Prüwer

Die „Freie Presse“ schreibt am 28.01.2019

(…) unbequem im besten Sinn.
(…) Ein harter Stoff, der heute, in einer Zeit der Möglichkeiten und schwindender Gesellschafts- und Familienbande mit dem gleichzeitigen Diktat der Selbstverwirklichung aktueller ist denn je. Das Chemnitzer Ensemble zeigt die mit dem Stück auf und führt die Verbindungen vor, ohne selbst Partei zu ergreifen - eine Herausforderung, die sich lohnt. Das Publikum quittierte das Premierenspiel mit lang anhaltendem Applaus und vielen Bravo-Rufen.

Sarah Hofmann

Die „Morgenpost Chemnitz“ schreibt am 28.01.2019

Keine leichte Kost (…).
Nobelpreisträger Hauptmann blickt tief in die Seelen seiner Figuren und lässt sie einen Seelen-Striptease vollziehen. Regisseurin Nina Mattenklotz fängt die Stimmung auf und führt ihre Darsteller behutsam bis an den Rand der Selbstzerstörung. Dabei glänzen vor allem Magda Decker und Jan Gerrit Brüggemann als Ehepaar, die zusammen die wohl einsamsten Menschen im ganzen Stück sind.
Das Bühnenbild zeigt einen überdimensionalen Pool, der sich von der Party-Location zum Schlachtfeld entwickelt und so einen Spiegel zu den handelnden Personen zeigt. Am Schluss feierte das Premieren-Publikum die knapp zweistündige Inszenierung mit minutenlangem Schlussapplaus. (…)

Victoria Winkel

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