Spielplan

Die Räuber

Sa
09.
Dezember
Schauspiel

Die Räuber

Drama von Friedrich Schiller

 
 

Was hat Vater (-Staat) seinen Kindern angetan – oder was hat er nicht getan, dass das passieren konnte? Warum hat er sie für den Lebensweg so ungleich gewappnet? Wie kann so eine Brutalität und Radikalität entstehen? Diese Fragen stellt man sich, wenn es zu spät ist – wenn sich ein Riss nicht nur durch das Land, sondern auch durch die Gesellschaft zieht und rechts und links Misstrauen, Angst und Feindlichkeit wachsen.

Für die Brüder Karl und Franz Moor, der eine vom Vater geliebt und bevorzugt, der andere ungeliebt und vernachlässigt, ist die alte Ordnung, für die ihr Vater steht, verfallen. Franz nutzt die Schärfe seines Verstandes und schafft es mittels klug arrangierter Intrigen, Vater und Bruder gegeneinander auszuspielen. Skrupellos setzt er sich an die Macht. Franz‘ Hybris liegt in der Überzeugung, dass seine Freiheit darin bestünde, sich und seine Welt jenseits aller bestehenden Normen und Werte neu zu erschaffen. Nun ist Karl der Ausgestoßene, die Ordnung seiner Kindheit verkehrt. Sein Blick auf die desaströsen und ungerechten Missstände der Welt rechtfertigen in seinen Augen Raub, Gewalt und Mord. Er schließt sich einer Räuberbande an, wird ihr Anführer und schwört dieser Treue und Gefolgschaft bis zum Tod.

In den Räubern legt Friedrich Schiller (1759-1805) den privaten Konflikt der ungleich erzogenen Brüder als Nährboden, um zwei gesellschaftliche Radikalisierungsmuster zu hinterfragen. Er stellt Franz‘ instrumentellen Rationalismus gegen den blutigen Idealismus Karls – zwei radikale Entwürfe prallen damit aufeinander und bilden das Spannungsfeld und zugleich einen Versuchsraum, in dem sich die Inszenierung auf eine sinnliche Ursache-Wirkungs-Forschung begibt. Was wäre, wenn man irgendwann nicht mehr fragen müsste: Wie konnte das passieren? Sondern sagen könnte: Das Drama hat nicht stattgefunden!

Spielort:Schauspielhaus - Große Bühne
Spielzeit:2 h 40 min / 1 Pause
Altersempfehlung:ab 14 Jahren
Premiere:23.09.2017
Einführung:30 Minuten vor Beginn jeder Vorstellung
Sa, 09. Dezember | 19:30 Uhr  
Preis: 12,00 bis 22,00 €

Weitere Termine

19.01.2018Freitag19:30 Uhr   Schauspielhaus - Große Bühne  
02.03.2018Freitag19:30 Uhr   Schauspielhaus - Große Bühne  

Videomedien zum Stück

Video

Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam
Regie Nina Mattenklotz

Bühne und Kostüme Johanna Pfau

Video Christine Bieger

Dramaturgie Kathrin Brune

Besetzungsliste des Stückes

Besetzungsliste
Maximilian, regierender Graf von Moor
Andreas Manz-Kozár

Karl Moor
Philipp von Schön-Angerer

Franz Moor
Jan Gerrit Brüggemann

Amalia
Maria Schubert

Spiegelberg
Katka Kurze

Räuber
Martin Esser

Drums
Jan Christoph

Pressestimmen zum Stück

Pressestimmen

Die „Freie Presse“ schreibt am 26.09.2017

All diese Wut
Mit dem Sturm-und-Drang-Klassiker "Die Räuber" startet das Chemnitzer Schauspiel in die neue Theatersaison - lässt aber wenig Vertrauen in den mitdenkenden Zuschauer spüren.
(...) 
Zweifellos wird da eine tragische Familiengeschichte erzählt. Doch das Drama "Die Räuber", das (...) als Start in die neue Theatersaison im Chemnitzer Schauspielhaus Premiere hatte, ist zugleich ein politisches Stück. 1782 uraufgeführt, brachte die rebellische Intention Friedrich Schillers das Publikum im Mannheimer Theater zum Kochen. Nina Mattenklotz ist das in Chemnitz bei Weitem nicht gelungen, vielmehr erntete sie für ihre Inszenierung gegensätzliche Reaktionen. Einige Zuschauer hatten schon vor dem Schlussapplaus, in den sich Bravos und auch Buh-Rufe mischten, den Saal verlassen.
Dass die Regisseurin den Klassiker auflädt, um der Frage nachzuspüren, wo all die Wut herkommt, die in jungen Menschen gärt, ist nicht das Problem. Das Dilemma liegt darin, wie sie es tut. So plump hat man das hier nämlich schon lange nicht mehr erlebt. Nina Mattenklotz hat Schillers Text gekürzt und neu zusammengesetzt. Das Personal ist auf das Nötigste reduziert. Da ist sie nicht die Einzige, die heutzutage so verfährt. Aber wie sie dann ihre aktuellen Bezüge aufpfropft, das wirkt schon so plakativ, dass einen der Gedanke an Agitproptheater anfliegt.
Die Begriffe Widerstand und Freiheit werden in die Runde gebrüllt, ohne dass sich aus den Figuren heraus erklärt, warum sie das tun. Dieser Räuber-Truppe fehlt einfach die Wucht des Schillerschen Vorbilds. Es kommen nicht nur Mord und Totschlag zur Sprache, sondern wortwörtlich das Zeitalter der Radikalität, Überwachung, Kontrolle, angezündete Asylbewerberheime, Flüchtlingsboote auf dem Mittelmeer, Kampf gegen Terroristen ... Wo bitte ist das Vertrauen in den mitdenkenden Zuschauer? Regelrecht langweilig wird es, wenn Karl in einem endlosen Tu-es-oder-tu-es-nicht-Monolog die Krux zelebriert, dass jeder Mensch jederzeit Entscheidungen treffen muss.
Johanna Pfau kommt in ihrer Ausstattung mit wenigen Requisiten aus, auf Kulissen verzichtet sie gar völlig. Ein schwarzes Loch für eine dunkle Geschichte, in der die Drehbühne reichlich zum Einsatz kommt. Jan Gerrit Brüggemann kehrt als seelisch verletzter und eifersüchtiger Zweitgeborener Franz Moor gleich zu Beginn sein Innerstes nach außen. Er ist schon hier das eigentliche Zentrum der Produktion - und wird es bleiben. Intrigant und heuchlerisch nutzt Franz die Schwäche seines Vaters aus, seine Verleumdung des Bruders fällt auf fruchtbaren Boden. Krampfhaft devot lässt Brüggemann seinen Franz in gebeugter Körperhaltung seine Bosheiten ausstreuen, brutal will er sich Amalia (Maria Schubert) nehmen, die unbeirrt liebende Braut Karls, und dann tänzelt er siegessicher, fast so leicht wie eine Feder, über die Szenerie. Hier ist expressives Spiel zu sehen, das unheimlich wirkt und sich ins Gedächtnis gräbt. Jan Christoph unterlegt das alles kongenial mit Schlagzeugklängen - fast wie eine Filmmusik.
Ansonsten hat der Abend weniger Spiel miteinander als Sprechen an der Rampe zu bieten. (...) Dagegen kann Katka Kurze als Spiegelberg beeindrucken. Skrupellos ergreift sie (...) die Initiative in dem mordenden und raubenden Haufen. Aber was wirklich Eindruck macht in dieser Version des Sturm-und-Drang-Klassikers, das ist eben die Kanaille Franz.

Uta Trinks

Die „Morgenpost Chemnitz“ schreibt am 25.09.2017

Nur ein Schlagzeug steht mit auf der Bühne
‚Die Räuber‘ modern und kahl
Friedrich Schillers ‚Die Räuber‘ haben (…) im Schauspielhaus Premiere gefeiert und dabei gemischte Gefühle hinterlassen. Im Mittelpunkt steht Franz Moor, der um die Liebe seines Vaters (Andreas Manz-Kozár) und das Herz von Amalia (Maria Schubert), der Geliebten von Franz‘ Bruder Karl, buhlt. Mit einer List will Franz seinen Vater für sich gewinnen und stürzt die ganze Familie ins Unglück. Franz wird gespielt von Jan Gerrit Brüggemann, der schon in der ersten Szene einen Seelenstriptease hinlegt, während ihm die Rache aus allen Poren quillt. Er steigert sich immer mehr in seinen Wahn und schreckt auch nicht davor zurück, Amalia zu vergewaltigen. Philipp von Schön-Angerer ist als Karl Träumer und Idealist, der zum Räuber wird, um für die Freiheit zu kämpfen, aber vor den Taten der anderen Räuber zurückschreckt. Die Inszenierung von Nina Mattenklotz kommt so gar nicht im klassischen Gewand daher. Sie polarisiert, ist modern, sehr psychologisch und mit zahlreichen Zeitbezügen. Die Darsteller liefern eine überragende Leistung ab, agieren aber auf einer weitestgehend leeren Bühne, ohne Kulissen, nur begleitet von einem Schlagzeug.

vw

„371-Stadtmagazin“ schreibt in Ausgabe 10/2017

(…) die bereits an vielen Bühnen gefeierte Nina Mattenklotz (…) stellt sich der Aufgabe, das kanonische Stück zeitgemäß zu interpretieren. (…) Alles richtig gemacht, Frau Mattenklotz! Dabei verrockt die 37-Jährige das Stück um die ungleichen Brüder Franz und Karl gar nicht so dramatisch. Sie ist schon ganz bei Schiller (#moralischeanstalt) und findet zahlreiche inszenatorische Kniffe, um Handlung und Text mitreißend zu erzählen. Beim Text hält sie sich dabei am Original und erweitert ihn nur partiell durch Aktualitäten. (…) Insgesamt ein lohnender Theaterabend, der keine Gewissheiten bereithält und Fragen hinterlässt. Fragen, die einem noch Tage später durch den Kopf geistern – viel mehr kann Kunst vielleicht eh nicht erreichen. (…)

Lars Neuenfeld

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