© Nasser Hashemi

Spielplan

Der Prozess

Di
04.
September
Schauspiel

Der Prozess

Nach dem Roman von Franz Kafka
In einer Bearbeitung von Bogdan Koca

 
 

Als Josef K. am Morgen seines 30. Geburtstages vom Klingeln an seiner Haustür geweckt wird, ahnt er noch nicht, dass sich sein Leben von jetzt auf gleich auf fatale Weise ändern wird. Vor seiner Tür stehen zwei Wärter, die ihm die Nachricht seiner Verhaftung überbringen. Das Delikt wird nicht benannt. Josef K. ist sich keiner Schuld bewusst, er ist sicher, gegen kein Gesetz verstoßen zu haben, es muss sich also um ein Missverständnis, ja gar um eine Verleumdung handeln. Trotz der formellen Verhaftung kann Josef K. weiterhin in „Freiheit“ leben und seinem Beruf nachgehen. Doch nach und nach gerät er in den Sog mysteriöser Ereignisse. Seine Versuche, Informationen über Anklagepunkte oder gar seine Richter herauszufinden, scheitern. Das Gericht bleibt eine namen- und gesichtslose Instanz, deren bürokratische Strukturen sich ihm als eine monströse Maschinerie offenbaren. Der Prozess gewinnt eine dominierende Macht über sein Leben und verschlingt mit zermalmenden Zähnen alle Sicherheit, jeglichen Halt und Josef K.s Lebensenergie. Immer enger und enger zieht sich die Schlinge. In einem Dom trifft Josef K. auf einen Priester, der ihm eine Parabel erzählt. Darin geht es um einen Menschen, dem es nicht gelingt, Eintritt in das Gesetz zu bekommen und der stattdessen sein Leben vor dieser Instanz verwartet. Josef K. verkennt die Bedeutung dieser Parabel und wird eines Morgens, am Tag vor seinem 31. Geburtstag, von zwei Gesandten des Gerichts abgeholt, in einen Steinbruch geführt und hingerichtet.

Der Prozess, in den Jahren 1914/1915 entstanden und posthum von Kafkas Freund und Verleger Max Brod veröffentlicht, ist der Inbegriff jenes kafkaesken Panoptikums, in dem die Figuren mit Erfahrungen von Entfremdung, Isolation und Ich-Zerfall konfrontiert werden. Die Verdinglichung des Menschen, soziale Kälte und Ausgrenzung sind in diesem Werk so schmerzlich eingefangen und beklemmend dargestellt, dass sie den Blick auf signifikante Probleme der Moderne schärfen. Der polnisch-australische Autor und Regisseur Bogdan Koca hat den Roman für die Bühne bearbeitet.

Spielort:Schauspielhaus - Kleine Bühne
Dauer:1 h 40 min / keine Pause
Altersempfehlung:ab 16 Jahren
Premiere:21.10.2016
Einführung:30 Minuten vor Beginn jeder Vorstellung
Di, 04. September | 20:00 Uhr
 

Bilder zum Stückes

Bilder
© Nasser Hashemi
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Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam
Regie, Text, Bühne, Kostüme, Musik Bogdan Koca

Dramaturgie Kathrin Brune

Besetzung des Stückes

Besetzung
Josef K.
Wolfgang Adam

Frauen in seinem Leben
Ulrike Euen

Männer in seinem Leben
Christian Ruth

Pressestimmen zum Stück

Pressestimmen

„Karacho“ schreibt in Ausgabe 12/2016

Düstere Gedankenspiele
Ein Kammerspiel nach Kafkas Roman ‚Der Prozess‘

Ein merkwürdiges Zimmer, in dem ein Herr in Unterwäsche liegt. Halbdunkel mit einem winzigen Fenster, links stehen weiße Perücken, als sei die Justiz immer anwesend, von der Decke tropft Wasser und insgesamt bedeutet es die Welt von Josef K. Der wird gleich zu Anfang verhaftet, wobei sein Vergehen nie offenkundig wird und er sich auch weiterhin ‚frei‘ bewegen kann. Aber ‚frei‘ ist eben so eine Definition, die immer wieder neue Lesarten findet. (Wie aktuell zum Beispiel in der Türkei.) Jedenfalls ist sich Josef K. keiner Schuld bewusst und versucht, den Anlass seiner Verfolgung zu ergründen. Doch das Gericht ist ein Machtgebilde mit undurchdringlichen Strukturen. Josef K. kommt nicht weiter, gerät nur immer tiefer in den Sog abstruser bürokratischer Gebilde. Und so nimmt der Prozess immer mehr Raum in seinem Leben ein, bis er sich schließlich ergibt. Aufgibt.

Regisseur Bogdan Koca hat aus Kafkas Roman eine eigene Bühnenfassung erstellt und auch gleich die Ausstattung übernommen. Er hat da düstere Visionen. Denn Josef K., gespielt von Wolfgang Adam, wird sein Zimmer nicht mehr verlassen. Wohin er auch kommt, es ändert sich nichts. Überall die gleiche Tristesse. Nur die Menschen – vier Frauen und acht Männer – bringen ein bisschen Abwechslung in sein Leben. Auch wenn die vielen Personen nur zwei Gesichter haben. Die Damen das von Ulrike Euen, die Herren das von Christian Ruth. Aber die beiden meistern ihre Mehrfachbesetzung mit allerhand schauspielerischer Differenzierung, auch wenn das bei acht Männerrollen zum Ende hin schwimmt. Wie im übrigen die ganze Inszenierung, die zunehmend ihre beängstigende Konstellation und Konzentration verliert, weil es der Absurditäten zu viele werden, die da in kurzer Zeit auf engstem Raum dargeboten werden. Nichtsdestotrotz verfehlt das Kammerspiel über eine lange Zeit seine Wirkung nicht: mit Psycho-Geräuschkulisse und einer plötzlichen Mauer vor der Tür (vielleicht doch nicht Türkei, eher eigene Geschichte?). Die Semiotik spielt mit. Aber auch die Spieler erschaffen eine beunruhigende Atmosphäre – die einen in ihrer Unverbindlichkeit, Wolfgang Adam mit seinem glaubhaften und spürbaren Verlust an Vertrauen in die Gesellschaft. So rüttelt dieser ‚Prozess‘ letztlich am Traum von individueller Freiheit: Wie gut gängelt uns eigentlich das bürokratische Monster BRD?


Die „Freie Presse“ schreibt am 09.11.2016

Verlebtes Leben

Mit Kafkas ‚Prozess‘ bringt Bogdan Koca einen weiteren Klassiker auf die kleine Bühne des Chemnitzer Schauspielhauses. ‚Warum hört die Reue nicht auf? Das Schlusswort bleibt immer: Ich könnte leben und lebe nicht.‘ So schreibt Franz Kafka 1922 in einem Brief an seinen Freund Max Brod und meint vielleicht nicht nur sich selbst, sondern auch den Protagonisten seines Romans ‚Der Prozess‘. Jenes Werk hat nun der australisch-polnische Autor und Regisseur Bogdan Koca für die kleine Bühne des Chemnitzer Schauspielhauses bearbeitet und inszeniert.

Zu Beginn befinden sich Josef K. und sein Publikum in seinem kleinen, grauen Zimmer, das ebenso trostlos wie das Leben des Prokuristen einer Bank ist und nur durch eine Tür und ein kleines Fenster die Außenwelt erahnen lässt. Er erwacht und wird von einem Gerichtsdiener über seine Verhaftung informiert. Kläger oder Grund der Klage bleiben unbekannt. Josef K. tut daraufhin eigentlich nichts. Natürlich ist er verwundert und stellt viele Fragen, aber tätig wird er nicht. Und auch wenn sein Leben nach und nach auseinanderfällt, denkt er doch nicht über selbiges nach, geschweige denn ändert er etwas daran. Er sucht Hilfe bei einem fragwürdigen Advokaten, ein autoritärer Onkel taucht auf und drückt ihn noch mehr nieder, indem er darauf hinweist, wie sehr der Prozess die Familie beschämen würde. Die Situation wird immer grotesker und undurchsichtiger. Am Ende kommt es zur Vollstreckung des Urteils, der Hinrichtung, der sich Josef K. wieder beugt.

Bogdan Koca, der bereits mehrfach in Chemnitz Regie führte, hat in seiner Bearbeitung mehrere Änderungen an der Vorlage vorgenommen, die 1925 posthum von Kafkas Freund Max Brod als Fragment und gegen den Willen des Autors herausgegeben wurde. Die auffälligste davon betrifft das Alter des Protagonisten. Während im Original Josef K. mit 30 Jahren von seiner Verhaftung unterrichtet wird, ist er in Kocas Bühnenfassung mit Wolfgang Adam in der Hauptrolle eher ein Mann in den Fünfzigern und damit viel eher in einem Alter, in dem man heute sein Leben überdenkt. Wolfgang Adam, der durchweg überzeugt, gelingt es vor allem, eine ernsthafte Ratlosigkeit über die Ereignisse zu vermitteln. Alle anderen Rollen, zwölf an der Zahl, werden von Christian Ruth und Ulrike Euen verkörpert, die damit vor die Herausforderung gestellt werden, ein großes Maß an Wandlungsfähigkeit zu beweisen – und diese auch durchaus meistern. Vor allem als Gerichtsmaler Titorelli, den Josef K. um Hilfe bittet, brilliert Ruth. Bühnenbild, Kostüme, Musik und Regie sind wie aus einem Guss – das wirkt nicht nur so, sondern liegt wohl daran, dass Bogdan Koca selbst all diese Aufgaben in die Hand genommen hat. Besonders die Musik, die meist drängend die Dramatik verstärkt, anstatt nur leise im Hintergrund zu bleiben, sticht dabei hervor und vermag den Zuschauer zu beeindrucken.

Bogdan Koca schafft es trotz der Schwierigkeit, die Kafkas Werk innewohnt, den Prozess zu einem unterhaltsamen und doch nicht zu seichten Bühnenstück zu machen, das einen vor allem mit der Frage nach Hause gehen lässt, was Josef K. und vielleicht auch uns hätte retten können.

Johanna Zwarg

„Dresdner Neueste Nachrichten“ schreiben am 04.11.2016

(…) Bogdan Koca (…) nimmt (…) sich Kafkas ‚Der Prozess‘ auf der Kleinen Bühne zur Brust und macht daraus ein Kammerspiel für Freunde des genauen Spiels in absurden Bezügen – (…) keine leichte Kost.

In einer eigenen Fassung, kuratiert von Chefdramaturgin Kathrin Brune, zu der er (wie oft) zur Regie auch gleich Bühne, Kostüme und Musik als Komplettpaket dazuliefert, verlegt der Australopole den Morgen des 30. Geburtstages von Josef K. gleich in einen düsteren Knast, den der scheinbar kriminelle Held nie mehr verlässt. Dorthin, über eine unüberwindbare Schleuse, die optisch wie akustisch eindrucksvoll geöffnet wird, kommen die Gestalten aus der mächtigen Parallelwelt. So morgens der Gerichtsaufseher und am Abend die Giftspritze – ‚wie ein Hund‘ wird er sterben: unschuldig, desillusioniert, aber einigermaßen aufrecht.

Dem Unrechtssystem, das Kafka als unsicht- und –fassbares Gericht beschreibt, entkommt er nicht, obwohl er alles tut, um es zu durchleuchten oder durch Spuren von echtem Leben zu konterkarieren. Josef trifft diverse Fräuleins und techtelmechtelt gar offensiv mit der Frau vom Gerichtsdiener sowie mit Leni. Aber keiner kann ihm sagen, weshalb er angeklagt ist – er kann sogar weiter arbeiten wie bisher.

Beängstigend angstvoll, zum Schluss sich aber recht gelassen bis würdevoll dem vermeintlich unvermeidlichen Schicksal ergebend, spielt Wolfgang Adam – meist im weißen Nachthemd – einen reiferen Josef K. und trägt die Last des Zweifels mit all seiner Erfahrung. Ulrike Euen steht ihm in voller Weiblichkeit bei und spielt alle vier Frauen, die Kafkaversteher Koca als freie, durchaus unkeusche Wesen emanzipiert wirken lässt. Christian Ruth spielt hingegen alle anderen Männer und tut das diabolisch bis witzig. Allerdings sind acht verschiedene Rollen dann doch etwas viel zur Differenzierung, so dass er bei zwei, drei Auftritten schlicht zu schnell spricht.

Ansonsten lässt Koca Ruhe, Worte und Gesten walten und vertraut zu Recht auf die mystische Aura der von ihm feinsinnig geschaffenen Theaterräume, in denen es stets Neues zu entdecken gibt. Wer Stefan Wolframs großartigen ‚Kafka‘ (hier vor zwei Jahren auf der Hinterbühne) liebte, wird diesen Prozess auch mögen. (…)

Andreas Herrmann
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