Spielplan

Der Menschenfeind

Fr
15.
September
Schauspiel

Der Menschenfeind

(Le Misanthrope)
Komödie von Molière
Deutsch von Jürgen Gosch und Wolfgang Wiens

 
 

Wir alle tun es täglich ca. 200 Mal, und ohne sie würden wir nicht auskommen – die Lüge. Aber wie weit darf man gehen, ohne sich selbst zu verlieren oder für Freunde, Partner, Feinde unberechenbar zu werden? Sich mit gelegentlichen Lügen kommunikativ geschmeidig zu verhalten, mag die eine Seite der Medaille sein, unerkennbar zu werden, ist die andere.

Angewidert von einer Gesellschaft, die heute das Eine und morgen das Gegenteil behauptet, setzt Alceste ihr das Ideal entgegen, immer die Wahrheit zu sagen. Nicht nur, dass er Freunde mit seinen Wahrheiten unnachsichtig vor den Kopf stößt, nein, bei nahezu jeder Gelegenheit traktiert er die geliebte Célimène mit Vorwürfen wegen ihres widersprüchlichen Verhaltens. Und dies nicht ganz zu Unrecht! Denn einerseits lässt ihn die Dame seines Herzens hoffen, andererseits führt sie ein illustres Leben auf Partys und in Gesellschaften. Unentschieden zwischen ihren zahlreichen Liebhabern macht sie charmant allen Avancen – so auch Alceste. Je mehr sich der verliebte Mann von Célimène erhört glaubt, desto weniger versteht er ihr Verhalten. Hilflos gefangen zwischen Gefühl und Verstand fleht er sie schließlich an, die Seine zu werden. Doch das kommt für Célimène nicht in Frage. Im Besitz eines Mannes zu sein, noch dazu eines solchen Besserwissers, nein danke! – Sehr zum Vergnügen des Publikums werden Célimène und Alceste mit ihren blinden Flecken konfrontiert, denn eine Komödie mit Substanz ist keineswegs die kleine Schwester einer Tragödie.

Wenn das Schauspiel Chemnitz Molières Menschenfeind präsentiert, nimmt sich Carsten Knödler als Schauspieldirektor das erste Mal einer Komödie an. Und nicht irgendeiner. Molières (1622 – 1673) Kunst zeichnet aus, Figuren voller Widersprüche mit leichter Sprache zu schaffen. Mal gibt er seine Helden dem Verlachen preis, dann fängt er sie liebevoll wieder auf. Molière geht es nicht um die großen Dinge des Weltgeschehens, nein, viel feiner, um die kleinen Kämpfe unserer Herzen im Alltag, unsere kleinen Lügen und Irrtümer. Nicht umsonst werden die Komödien des großen Franzosen wie Der eingebildete Kranke und Der Geizige bis heute allerorten gespielt.

Spielort:Schauspielhaus - Große Bühne
Spielzeit:2 h 15 min / 1 Pause
Altersempfehlung:ab 14 Jahren
Premiere:03.10.2015
Fr, 15. September | 19:30 Uhr  

Videomedien zum Stück

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Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam

Besetzungsliste des Stückes

Besetzungsliste

Pressestimmen zum Stück

Pressestimmen

„Main Echo Aschaffenburg“ schreibt am 04.10.2017

Theater Chemnitz versetzt Molières Komödie 'Der Menschenfeind' auf hohe See und begeistert
Auf der MS Célimène, irgendwann im vordigitalen 20. Jahrhundert, als man sich noch Briefe auf Papier schrieb, spielt Molières Komödie ‚Der Menschenfeind‘ in der aktuellen Inszenierung des Theaters Chemnitz. Rund 250 Zuschauer haben die spritzige und doch hintersinnige Aufführung (…) im Aschaffenburger Stadttheater genossen.
So leicht und fröhlich wie die azurblauen Meereswogen, die am Anfang und Ende der Vorstellung zu Mövengeschrei und Wassergurgeln auf dem transparenten Vorhang schillerten, sollte es den ganzen kurzweiligen Abend lang zugehen auf der von Frank Hänig als schickes Bordcasino gestalteten Bühne. Regisseur Carsten Knödler hatte mit dieser Zusammenarbeit einen Glücksgriff getan, ebenso mit der Entscheidung für die Übersetzung des 350 Jahre alten Molière-Texts in unverkrampftes Alltagsdeutsch durch Jürgen Gosch und Wolfgang Wiens.
Fantasiereich lästern
Die Kostüme trugen mit lässig eleganter Mode ebenfalls zur unbeschwerten Zeitreise bei. Menschenfeind Alceste (Philipp Otto) trug existenzialistisches Schwarz, passend zu seiner Kompromisslosigkeit. Der verlogenen Welt wollte er nichts als die nackte Wahrheit ins Gesicht sagen, egal wie viel Feinde er sich damit machte bei den Dandys im Dinnerjacket und den Damen im Designer-Cocktailkleid, die sich gegenseitig Honig um den Mund schmierten und über nicht Anwesende umso fantasiereicher lästerten.
(…)
Alles in der Schwebe
Es macht den Charme der Inszenierung aus, dass alles in der Schwebe bleibt: die Frage nach Lüge und Wahrheit, nach stolzer Autonomie und Lechzen nach Anerkennung, nach Nähe und Distanz. Letztendlich bleiben alle Figuren trotz der Überzeichnung ihrer Fehler Menschen aus Fleisch und Blut. (…)

Melanie Pollinger

Die „Freie Presse“ schreibt am 05.10.2015

Edle Optik, subtiler Sprachwitz: Molières ‚Menschenfeind‘ in Chemnitz kann sich sehen lassen. (…) Am Schauspiel Chemnitz ist aus dem Klassiker eine hinreißende Premiere am Tag der Deutschen Einheit gelungen, und mit weniger als zweieinhalb Stunden war sie auch nicht allzu lang: Das Publikum, das sich köstlich amüsieren durfte, belohnte die Künstler mit Riesenbeifall. (…) Regisseur Carsten Knödler hat den ‚Menschenfeind‘ dazu von 1666 ins 20. Jahrhundert, die Zeit um 1930 verlegt. Das Publikum findet sich auf einer mondänen Yacht wieder - Bühnenbildner Frank Hänig, international erfahren, hat einen stilvollen Salon gebaut, der den Blick auf das Oberdeck freigibt. (…) Hier fliegen die Fetzen und sogar Kissen im hohen Bogen ins Publikum. Ausgerechnet die bigotte Arsinoé verliert die Contenance, als sie auf Célimène losgeht. Zentimeter für Zentimeter verlassen die beiden Damen (grandios Katka Kurze und Ulrike Euen) ihren seidenen Panzer, um wie schrille Hühner aufeinander loszuhacken. Handwerkliches Können (…) Die glamourösen Kostüme von Elzbieta Terlikowska wird man so schnell nicht vergessen. Die Polin spart nicht mit Luxus, zeigt aber, wie grenzwertig die kostbaren Hüllen sind, wenn sie nur noch Schwäche zusammenhalten. Das Spiel beschert die reine Lust und ist geistreich. Schauspielerisches Handwerk zeigt sich vollendet, allen voran beim Alceste von Philipp Otto: Der mimt seinen kopflastigen Philister mit tragischer Würde. Mit seinem klugen Freund Philinte stellt sich mit Jan Gerrit Brüggemann ein Feingeist neu im Ensemble vor. Größte Freude macht Katka Kurze als Gast. Ihre Célimène ist weniger berechnend als eine temperamentvolle Frohnatur, das Leben liebend und eine Augenweide. Subtiles Spiel, vollendet bis in die Fingerspitzen, macht jede der Figuren von Pia Micaela Barucki, Christian Ruth, Stefan Migge und Martin Valdeig zu liebenswerten Helden.

Marianne Schultz

Die „Chemnitzer Morgenpost“ schreibt am 05.10.2015

Umjubelte Premiere von ‚Der Menschenfeind‘: Schauspieldirektor Carsten Knödler brachte mit dem Stück von Molière (1633-1673) seine erste Komödie auf die Bühne – und erntete im mit gut 400 Besuchern ausverkauften Schauspielhaus Chemnitz beim zehnminütigen Schlussapplaus viele Bravos. (…) Der Freiberger Philipp Otto spielt Alceste eloquent, smart und mit einer großen Freude am Streiten. Dass Alceste nicht zu den anderen gehören will, erkennt man schon daran, dass er ganz in Schwarz gekleidet ist (Kostüme: Elzbieta Terlikowska) – während die Damen und Herren der Gesellschaft (wunderbar intrigant Ulrike Euen, gekünstelt, aufgedreht und vollkommen selbstüberschätzend die drei Verehrer Christian Ruth, Stefan Migge und Martin Valdeig) überwiegend helle Farben und glänzende Stoffe tragen. (…)

Victoria Winkel

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