Spielplan

Der Besuch der alten Dame

Di
29.
August
Schauspiel

Der Besuch der alten Dame

Tragische Komödie von Friedrich Dürrenmatt

 
 

Güllen, eine verarmte „Kleinstadt in der Gegenwart“ am Rande der globalisierten Welt, wird von der Vergangenheit heimgesucht: Claire Zachanassian, einst in Güllen aufgewachsen und in ihrer Jugend unrechtmäßig als Hure von dort verstoßen, ist durch kluge Heirat mit einem Ölmagnaten zu unermesslichem Reichtum gekommen. In den letzten Jahren ließ sie nach und nach die Vermögenswerte ihres Städtchens aufkaufen und trieb die Güllener damit in den finanziellen Ruin. Nun kehrt die angesehene Dame zurück, um ein Angebot zu machen: Eine Milliarde für den Leichnam des Krämers Alfred Ill. Sie will sich freikaufen von der Vergangenheit und fordert Rache, denn ihre Jugendliebe ließ sie sitzen, als sie schwanger war und leugnete vor Gericht die Vaterschaft. Die Bürger sind empört über das mehr als unmoralische Angebot, doch die Aussicht auf Wohlstand und die Gier nach der dringend benötigten Finanzspritze lassen die Moral der Güllener straucheln. Bald gibt die Gemeinde der Versuchung nach: Das Unrecht wird heruntergespielt, offen wird über Ills Schuld debattiert. Auch seine Familie heuchelt ihm gegenüber nur noch vordergründig Solidarität. Ill resigniert. Als ein Fluchtversuch schließlich scheitert, stellt er sich den Bürgern – und damit der Abstimmung über seinen Tod.

Claire Zachanassian ist durch Geld geworden, was sie ist. Die Erinnerungen daran, was war, können aber weder sie noch Ill ablegen. Er lässt sich schließlich als geläuterter Held und Mittler der Milliardenstiftung seiner „alten Liebschaft“ in Szene setzen. Mit Geld erreicht man viel, kaufen lässt sich zwar nicht jeder, doch nicht zuletzt zeigt das Angebot der Dame, wie sehr Geld öffentliche Meinung, Recht und moralische Instanzen ins Wanken bringen kann. Am Ende glauben die Güllener an ihre gute Tat und fordern Ills Kopf – im Namen der Gerechtigkeit.

Der Schweizer Dramatiker, Schriftsteller und Maler Friedrich Dürrenmatt (1921 – 1990) schrieb Der Besuch der alten Dame 1955. Die erfolgreiche Züricher Uraufführung ein Jahr später machte ihn weltbekannt. Seitdem ist das Stück von den deutschen Bühnen nicht mehr wegzudenken und hat bis heute nichts an Brisanz und Aktualität verloren.

Spielort:Schauspielhaus - Große Bühne
Spielzeit:2 h 30 min / 1 Pause
Altersempfehlung:ab 14 Jahren
Premiere:23.04.2016
Einführung:30 Minuten vor Beginn jeder Vorstellung
Di, 29. August | 19:30 Uhr  

Weitere Termine

05.02.2018Montag19:30 Uhr   Schauspielhaus - Große Bühne  
06.02.2018Dienstag19:30 Uhr   Schauspielhaus - Große Bühne  
28.02.2018Mittwoch19:30 Uhr   Schauspielhaus - Große Bühne  

Videomedien zum Stück

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Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam

Besetzungsliste des Stückes

Besetzungsliste

Pressestimmen zum Stück

Pressestimmen

Der „Online Merker“ schreibt am 27. Oktober 2016

60 Jahre nach ihrem Zürcher Debüt gibt sich Claire Zachanassian nun erstmals in Chemnitz die Ehre, eingeladen vom hiesigen Schauspielchef Carsten Knödler, der damit wiederum einen weiteren weißen Flecken von der Repertoirekarte des Hauses tilgt. Freilich muss einschränkend darauf verwiesen werden, dass Prof. Carl Riha bereits 1973 jener alten Dame (natürlich in der Vertonung Gottfried von Einems) für volle drei Jahre Heimstatt im damaligen Karl-Marx-Stadt gewährte. Diese in ihrer realistischen Auffassung bis ins winzigste Detail stimmige Regiearbeit (auch ein Verdienst der Bühnenbildner Wolfgang Bellach und Ralf Winkler) habe ich viermal besucht und halte sie noch heute für die überzeugendste in der lange Reihe vorzüglicher Inszenierungen dieses verdienstvollen Theatermannes. Der international geschätzte Tenor Erich Witte übernahm für einige Vorstellungen den Part des Bürgermeisters, und der in Bern geborene österreichische Komponist des Werkes fand nach einem Besuch der Aufführung begeisterte Worte des Dankes für die hier geleistete Arbeit.

Im Gegensatz zu dem von Riha verfochtenen szenischen Realismus beschreitet Regisseur Malte Kreuzfeldt einen völlig konträren, höchst eigenwilligen, aber nicht minder überzeugenden Weg. Dabei dampft er die Personage der ‚Tragischen Komödie‘ gehörig ein (die diversen Gatten der Milliardärin werden gestrichen, der Oberrichter Hofer und die geblendeten und kastrierten meineidigen Zeugen zu einer Figur – der skurrile Butler Christian Ruths – vereint). Das fügt dem Original freilich keinen Schaden zu. Das Bühnenbild von Nikolaus Porz setzt auf Abstraktion, vertraut der Phantasie des Betrachters. Zu Beginn der Aufführung weist eine Modelleisenbahn auf den Bahnhof von Güllen hin. Dieses belustigende Detail (die Katastrophe hat noch nicht ihren Einzug gehalten) weicht mit dem Auftritt der Dame einer die Bühne dominierenden rechteckigen, mit Schlamm gefüllten Fläche. Wer mit der Dame sprechen will, muss diesen Schlamm passieren. Dabei beschmutzen sich alle – Claire Zachanassian mit ihrer unmoralischen Offerte und die Bürger eines Gemeinwesens, die letztlich zu gemeinen Wesen korrumpiert werden. Hier bestimmt Claires Angebot die Nachfrage. Über den Preis sinnt anfangs keiner nach. Als ‚alte Dame‘ hat Susanne Stein erneut eine ihren reichen darstellerischen Mitteln adäquate Aufgabe gefunden. Begegnete ich der Künstlerin erst neulich an der Seite der ihr ebenbürtigen Christine Gabsch in einer auf den Punkt gebrachten Deutung von Genets ‚Zofen‘, so erwies sie sich auch in dieser völlig anders gearteten Rolle als eine der ausgewiesenen Protagonistinnen des Ensembles, wobei ihr die vorzügliche Maske (Anja Nickel) trefflich sekundierte. Eiskalt ihr mörderisches Ziel verfolgend, gestattet sie der Figur (hervorzuheben die superbe Sprechtechnik) in den der Erinnerung verhafteten Begegnungen mit Ill durchaus warme, berührende Töne, berechnend (?) dazu angetan, beim Gegenüber trügerische Hoffnungen zu wecken.

Wollte man der Inszenierung ein Motto voranstellen, wäre freilich weniger ‚Die Rache der Claire Zachanassian‘ als vielmehr ‚Die Passion des Alfred Ill‘ angemessen. Legt die Regie doch Wert darauf, ohne sich am Autor zu versündigen, zu zeigen, wie innerhalb einer korrupten Kommune ein ihr bis dato in seiner banalen Durchschnittlichkeit durchaus zugehöriges Mitglied menschlich zu sich findet, im Endeffekt den moralischen Sieg davonträgt. Andreas Manz-Kozár (Ill) glückt in dieser Beziehung Beachtliches. Anfangs ein alternder Provinz-Casanova im Westentaschenformat, der glaubt, die einst von ihm Gedemütigte mit billiger Anmache erneut zu ködern, zeigt er die bangen Momente aufkeimender Verunsicherung, umschlagend in kreatürliche Angst vor dem Unvermeidlichen, die schließlich einem neuen Bewusstsein seiner selbst weicht, mit dem er sich (keinesfalls den ihn Bedrängenden) den letzten Dienst erweist.

Aber auch das übrige Ensemble beeindruckt mit ausgefeiltem Einsatz. So der aus Gewissenspein dem Trunk verfallende Lehrer Stefan Schweningers, der an seinem Gott zweifelnde Pfarrer Markus Schoenens oder der dümmlich-brutale Polizist Martin Valdeigs. Und der aalglatte Bürgermeisters Jan Gerrit Brüggemanns lässt es an Vergleichen mit manch heutiger Politikprominenz wahrlich nicht mangeln. Wenn Brüggemann seinen vom Schlamm arg verunzierten Anzug dennoch so präsentieren kann, als hätte er ihn in einer Modeboutique erstanden, dann kommt dies einer Meisterleistung der Kostümbildnerin Katharina Beth gleich.

Dürrenmatt liefert ‚keine universelle Weltanschauung als Gegenentwurf zur Gegenwart‘ (Anna Bertram). Auch Malte Kreutzfeldts Inszenierung verweigert sich einem solchen Anspruch. Aber sie regt an, uns auf uns selbst zu besinnen.

Joachim Weise

Der „Stadtstreicher“ schreibt in Ausgabe 06/2016

Saisonfinale mit !
Die Alte Dame von Dürrenmatt macht was her

Großer Bahnhof für Claire Zachanassian. Die Dame ist Multimillionärin und eine gebürtige Güllenerin. Als sie einen Besuch in ihrem Heimatort ankündigt, wittern alle Morgenluft. Die Stadt mit dem bezeichnenden Namen ist am Ende. Pleite. Es gibt keine Arbeit mehr, keine Perspektive, aber eine Hoffnung – auf die Kläri Wäscher, wie die reich gewordene Dame früher genannt wurde. Also bringen die Einwohner für den ersten Eindruck mal schnell noch ein bisschen frische Farbe an, schauen durchfahrenden Fernzügen im Modellbahnformat nach und dann kommt sie… Oder besser: Sie erscheint. Sitzt da und schaut. Regisseur Malte Kreutzfeldt, Bühnenbildner Nikolaus Porz, Kostümbildnerin Katharina Beth und das Ensemble erzählen gemeinsam. Klingt normal, ist aber selten geworden. Deshalb fällt es ganz besonders auf, wenn das Konzept auf so wunderbare Weise stimmt.

Güllen ist nämlich spürbar ein Dreckskaff, der ganze Bühnenboden voller Schlamm, in dem die Schlacht beginnen kann und der (moralische) Morast bald in jeder Pore der Spieler klebt. Denn die Zachanassian macht den Bürgern tatsächlich ein Angebot zur finanziellen Rettung. Sie will eine Milliarde springen lassen, 500 Millionen für die Stadt, 500 Millionen verteilt auf alle Familien, wenn die Güllener einen aus ihrer Mitte töten: Alfred Ill. Der hatte sie seinerzeit schwanger sitzen lassen, weshalb sie die Stadt verließ und ihren Lebensunterhalt in einem Bordell verdiente, bis sie den steinreichen Ölmagnaten heiratete. Sie begründet ihre krude Forderung mit Gerechtigkeit, die Güllener lehnen ab. Doch schon bald tragen einige der Bewohner neue gelbe Lackschuhe, der Bürgermeister eine gelbe Krawatte, der Pfarrer ein gelbes Beffchen. Die Farbe des Verrats und der Gier macht sich breit und setzt sich immer deutlicher durch. Schließlich kommt sie gar als riesige Kugel über die Stadt, die Güllener kämpfen noch mit ihr und ergeben sich dann.

Das bemerkt letztlich auch Ill und bangt um sein Leben – sucht Hilfe und Schutz und merkt doch bald, dass er keine Chance hat. Er wird sterben. Nur eine Freiheit bleibt ihm noch: sich nicht selbst zu richten. Die Güllener werden also Verantwortung für einen Mord übernehmen müssen. Doch mittlerweile nennen auch sie es Gerechtigkeit wie die Zachanassian, die Hure. In dieser Geschichte ist einfach alles drin: die Macht des Geldes, der Moral- und Wertebegriff ohne Inhalt, die Frage nach dem Wahrheitsgehalt der Wahrheit… Malte Kreutzfeldt lässt da viele Assoziationen zu, Gedankenspiele – und bleibt doch konzentriert auf den Konflikt. Das hat zum Ende hin vielleicht ein wenig Länge, langweilig aber wird es nicht. Und das liegt vor allem auch am Ensemble. An Andreas Manz-Kozár, der diesen Alfred Ill erst auftrumpfen lässt als ehemaligen Geliebten, um ihn dann Stück für Stück, kämpfend, resignierend, aufrecht, gebrochen, stark und verletzlich dem Ende entgegen sehen zu lassen. Unbedingt auch an Susanne Stein, die aus der eigentlich kleinen Rolle der Zachanassian einen großen Auftritt macht, weil sie Ungeheuerliches so unaufgeregt hinspricht, dass einem heiß und kalt wird. Oder Jan Gerrit Brüggemann als Bürgermeister oder Dominik Förtsch als Polizist oder oder… Gut so, dass diese Inszenierung vom Publikum schon vorher Lorbeeren bekam und gut verkauft ist.

Jenny Zichner

Die „Freie Presse“ schreibt am 27.04.2016

Wunderkätzchen, Zauberhexchen

Was ist böse, was gut? Dürrenmatts ‚Der Besuch der alten Dame‘ in Chemnitz wirft existenzielle Fragen auf. Dabei waten die Künstler zweieinhalb Stunden tief im Schlamm - und moralischem Morast.

Das Stück beginnt nett, überdreht, aufgeregt mit einem Empfangskomitee der Güllener am Bahnhof. Eine winzige Gartenbahn schießt über die Bühne. Fast niedlich beharren die Güllener auf ihrem ‚Einer für alle, alle für einen‘-Rhythmus, um immer fordernder, immer abgründiger kollektiven Verrat zu üben. Die pure Konzentration im Stück hält über zweieinhalb Stunden, kein Lachen, kein Husten, kein Zwischenbeifall - umso mehr zeigt sich die Begeisterung am Ende des Stücks.

Das Schauspiel Chemnitz präsentiert Dürrenmatts ‚Der Besuch der alten Dame‘ vor ausverkauftem Haus als bitterböse Groteske mit einem hervorragend aufgelegten Ensemble, bei dem ein Mensch (alte Dame) den Tod eines anderen (Liebhaber aus Jugendtagen) fordert - und Kraft immensen Geldeinsatzes (eine Milliarde) auch gewinnt. Die Gemeinde von Güllen, arrangiert wie ein Chor im Antikendrama, erweist sich als schwach und korrumpierbar und wird so selbst zum Täter. Lediglich der Lehrer warnt rechtzeitig vor der Parze, der Schicksalsgöttin, die er in der alten Dame Claire Zachanassian erkennt. Es ist ein Stück, das den Zuschauer mitnimmt in die Entscheidungsfindung: Soll ein Mensch büßen für die Taten, die er in der Jugend begangen hat? Wer ist Kläger, wer Vollstrecker? Und wie hoch ist die Schuld? Wird sie größer, wenn das Kopfgeld höher ist?

Wäre die Sudelei vermeidbar?
Gespielt wird auf einer Bühne, die zu zwei Dritteln mit Schlamm bedeckt ist (Bühne: Nikolaus Porz). Unerschrocken waten die Darsteller durch Modder, sie besudeln dabei zuerst die Füße, die Kleidung, fallen hin und geben von oben bis unten das Bild verheerender Schmutzstarre ab. Doch je mehr Dreck kleben bleibt, umso edler, eleganter werden die Klamotten der Güllener. Zum anfänglichen Schwarzweiß, in dem die Güllener ihre alte Lady als verlorenes Kind in der Heimatstadt empfangen, kommt bald ein leuchtendes Gelb. Anfangs prangen darin die neuen teuren Schuhe, die man sich auf Pump leistet, später trägt man gelben Modeschick, erkauft auf Kosten des Lebens von Alfred Ill.

Wäre diese Sudelei vermeidbar gewesen? Wahrscheinlich jeder wird sich dies fragen. Doch neu ist der Schlamm auf der Bühne nicht, auch wenn er Bühnentechnik, Reinigung und Wäscherei diesmal vor besondere Aufgaben stellen wird. 2009 wurde beispielsweise Shakespeares ‚Macbeth‘ mit viel Gesuhle im Bühnenmatsch und -blut gegeben. Doch in der strengen Konsequenz, mit der Regisseur Malte Kreutzfeldt das Stück entwickelt, trägt das Bild vom Schlamm durchgängig bis zum Schluss. Es steht anfangs für heruntergekommene Verhältnisse, immer stärker aber auch für Verkommenheit und moralischen Morast.

Das Stück zwingt auch 60 Jahre nach seiner Uraufführung zum Nachdenken. Wie viel kostet ein Menschenleben? Alles, wenig, nichts? Sechs Jahre? Und in welche Rolle manövrieren sich aufgeheizte, aufgestachelte Bürger hinein, wozu noch sind sie dann fähig? Denn der einzelne Güllener versagt hier völlig. Bürgermeister, Pfarrer, Arzt, Polizist - alle handeln in Übereinstimmung. Das viele Geld hat sie korrumpiert.

Eine faszinierende Susanne Stein
Regisseur Malte Kreutzfeldt, der sich in Chemnitz bereits mit ‚Richard III‘ einen guten Namen gemacht hat, damals bereits mit Susanne Stein in der Titelrolle, entwickelt das Stück sorgfältig und zieht die Schlingen Szene um Szene immer fester. Die Rolle der Claire Zachanassian ist eine Rolle für Diven, kaum eine der großen Damen des deutschen Schauspiels ist je an dieser Rolle vorbeigekommen. Insofern war es bei Susanne Stein nur eine Frage der Zeit, bis aus ihr die ‚alte Dame‘ wurde: Sie spielt sie mit großem Habitus und einer Kraft, die im kleinen Finger zu stecken scheint. Faszinierend die dunkle Stimme, die zwischen Sanftheit und Schärfe gleitet, sich nur selten erhebt, die eine Selbstbewusstheit der Claire unterstreicht, keine Schwäche mehr zulässt. Unterkühlt und eisern, trifft sie mit lakonischem Witz auf den Punkt und wird eigentlich nur mild und freundlich, wenn sie ihrem alten Alfred (Andreas Manz-Kozár) dessen naive Wiedersehensfreude raubt. Der nannte sie einst ‚Wunderkätzchen, Zauberhexchen‘ und begreift gar nicht, warum sein Kopf rollen soll. Dabei hat Güllen längst die Maske fallen lassen.

Marianne Schultz

Die „Chemnitzer Morgenpost“ schreibt am 25.04.2016

Schlammschlacht im Schauspielhaus
Tolle Premiere

Eine ‚Schlammschlacht‘ begeistert die Zuschauer im Schauspielhaus: Dort war (…) Premiere von ‚Der Besuch der alten Dame‘ von Friedrich Dürrenmatt (1921-1990).

Die Bewohner Güllens, der Heimat der ‚alten Dame‘, sind eine eingeschworene Gemeinschaft. ‚Einer für alle!‘, tönen sie vielstimmig, noch bevor sich der Vorhang hebt. Aber der Gemeinschaftssinn wird schnell zu Grabe getragen, als die Milliardärin Claire für ihr Geld Rache will.

Als Claire beherrscht Susanne Stein die Szenerie. Sie spielt mit den ‚Güllenern“, lässt sie wie Marionatten nach ihrem Willen tanzen. Andreas Manz-Kozár erlebt als ihr früherer Liebhaber Alfred Ill ein ganzes Potpourri an Gefühlen. Vom belebtesten Bürger des Ortes wird er zum Gejagten – ängstlich und verunsichert und schließlich wieder mehr an Selbstbeherrschung gewinnend.

In der zweieinhalbstündigen Inszenierung verlangt Regisseur Malte Kreutzfeldt seinen Darstellern einiges ab, mit echtem Schlamm auf dem Boden. Die Dörfler waten, schlittern und wälzen im Modder. Die Kostüme (von Katharina Beth), erst in Schwarz-Weiß gehalten, später mischen sich Farbtupfer in Gelb (der Farbe der Gier) darunter, haben dabei das Nachsehen. Die Chemnitzer sind erfreut über den Besuch der alten Dame: Bis auf Restkarten sind die nächsten Vorstellungen ausverkauft.

Victoria Winkel

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