Spielplan

BLOCH | HAAS | SCHOSTAKOWITSCH

So
12.
Mai
Philharmonie
6. Kammermusikabend

BLOCH | HAAS | SCHOSTAKOWITSCH

Solisten: Frank-Immo Zichner, Robert-Schumann-Quartett

 
 

Ernest Bloch
Klavierquintett Nr. 2 E-Dur

Pavel Haas
Streichquartett Nr. 1 cis-Moll op. 3

Dmitri Schostakowitsch
Klavierquintett g-Moll op. 57 

In diesem Kammermusikabend widmet sich das Robert-Schumann-Quartett gemeinsam mit dem international gefragten Pianisten Frank-Immo Zichner drei Komponisten, die aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit oder ihrer politischen Ansichten die Heimat verlassen mussten bzw. Verfolgungen ausgesetzt waren. Ernest Bloch, 1880 als Sohn eines jüdischen Uhren- und Souvenirhändlers in Genf geboren, übersiedelte 1916 in die USA, wo er zwar erfolgreich als Lehrer wirkte und 1924 auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt, aber zunehmend Sehnsucht nach der Heimat verspürte. Der Versuch, langfristig wieder dahin zurückzukehren, scheiterte 1938 am zunehmenden Antisemitismus. Während Blochs frühe Werke von der deutschen Spätromantik und vom französischen Impressionismus beeinflusst sind, hat er sich später auf seine jüdischen Wurzeln besonnen, bereicherte seinen Stil aber auch durch die Aufnahme indianischer Motive und Rückgriffe auf die abendländische Tradition. Das 2. Klavierquintett erlebte seine Uraufführung 1958 an der University of California in Berkeley, nur ein Jahr bevor Bloch in der Fremde seinem schweren Krebsleiden erlag.

Der tschechische Komponist Pavel Haas gilt als der bedeutendste Schüler von Leoš Janáček, in dessen Meisterklasse am Konservatorium in Brno er Anfang der 1920er Jahre studierte. In dieser Zeit entstand auch sein Streichquartett Nr. 1 cis-Moll. Nur neun Tage soll er an diesem frühen Meisterwerk gearbeitet haben. Bald etablierte er sich auch auf dem Gebiet der Oper und der sinfonischen Musik, aber seine verheißungsvolle Karriere wurde aufgrund seiner jüdischen Abstammung bald erschwert und 1941 mit seiner Deportation ins Konzentrationslager Theresienstadt abrupt beendet. Zwar traf er dort auf Gleichgesinnte und die Nazi-Ideologen ermöglichten aus Propagandagründen ein reges Kulturleben, aber all das verhinderte nicht seine Überstellung ins Vernichtungslager Auschwitz, wo er 1944 den Tod fand.

Mitten im Zweiten Weltkrieg, 1940, komponierte Dmitri Schostakowitsch sein einziges Klavierquintett. Neben den kriegsbedingten globalen Ängsten schwebte über dem 34-Jährigen aber noch ein ganz anderes Damoklesschwert: Ähnlich wie bei vielen seiner Künstlerkollegen wurde sein Schaffen stark von der kulturpolitischen Entwicklung in der Sowjetunion der Stalinzeit beeinflusst. Dabei gilt das Jahr 1936 als Schicksalsjahr für ihn. Nachdem seine Oper Lady Macbeth von Mzensk zunächst als Meisterwerk begrüßt und als Inbegriff der proletarischen Oper gefeiert worden war, fiel Schostakowitsch ihretwegen in Ungnade, weil sie plötzlich das Missfallen Josef Stalins erregte. Am 28. Januar 1936 erschien in der von Stalin gegründeten Zeitung Prawda unter dem Titel Chaos statt Musik eine vernichtende Kritik dieser Oper. Der Autor blieb anonym, aber man geht heute davon aus, dass Stalin selbst diese Schrift verfasst hat. Über Nacht war Schostakowitsch zum geächteten Künstler geworden. Aus den Möglichkeiten, mit dieser Situation umzugehen, wählte er die einer „intelligenten Anpassung“ und versuchte in all seinen folgenden Kompositionen, so auch im Klavierquintett, den ideologischen Forderungen des Parteiapparates gerecht zu werden, ohne Verrat an den eigenen künstlerischen Idealen zu begehen.

Spielort:Opernhaus - Foyer
So, 12. Mai | 19:30 Uhr
Preis: 15,00 €
 

Besetzung des Stückes

Besetzung
Solist
Frank-Immo Zichner

Robert-Schumann-Quartett
Hartmut Schill
Ovidiu Simbotin
Veronika Lauer
Tilman Trüdinger
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