© Dieter Wuschanski

Spielplan

Beautyland

Fr
16.
März
Schauspiel
Premiere

Beautyland

Von Bianca Hein
URAUFFÜHRUNG

 
 

 

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land? Genau da liegt das Problem! Es gibt immer jemanden, der schöner, dünner, größer, fitter, klüger, dynamischer, kreativer und angesagter ist. – In einer performativen Erkundungsreise fokussiert Autorin und Regisseurin Bianca Hein nicht nur auf die Schönheitsindustrie, sondern benutzt diese als Ausgangspunkt, um über gesellschaftliche Normen und einen latenten Normierungsdruck nachzudenken.
Den Abend bestreiten vier junge Spieler/innen, deren Figuren – Karla, Margo, Jann und Curt – sich durch ihre individuellen Ansprüche im Privaten, im Arbeitsleben oder bei einem Bundeswehreinsatz in Afghanistan in existentiell bedrohliche Situationen bringen. Dies führt zu seelischen oder körperlichen Verletzungen, mindestens aber zu inneren Konflikten. Fließend treten die Spieler/innen aus ihren Rollen und abstrahieren die angespielten Themen mit schauspielerischen, performativen und teilweise improvisatorischen Mitteln. Sie reflektieren Konsumismus, Pornografie, (Werte-)Imperialismus und den Einfluss der Werbeindustrie auf unsere Bewusstseinsbildung. Gegen Ende kehren die Spieler/innen in ihre Figuren zurück. Und nicht nur eine(r) muss feststellen, dass gegen etwas sein und verwoben sein manchmal ein und dasselbe ist.

Ich stehe der Schönheit des Lebens und der grausamen Wirklichkeit, in der es stattfindet, verständnislos gegenüber. Sich da durchzufinden, in den Widersprüchen die uns durchdringen, macht Poesie unerlässlich.
Warum Theater? Weil es ein Ort ist, wo in Gegenwart und mit Menschen die Möglichkeit entsteht, auf Unbekanntes zuzugehen, oder das Bekannte anders, fremd und in seiner Merkwürdigkeit zu sehen. Dabei muss ich es nicht verstehen und doch das Unverstandene mit Interesse verfolgen und verfolgbar machen.
Verzicht auf Requisiten, Videos, Musik und andere Hilfsmittel zugunsten der Konzentration auf Text und Schauspieler/innen. Fantasie.
Bianca Hein

 

 

Spielort:Schauspielhaus - Ostflügel
Dauer:1 h 30 min / keine Pause
Altersempfehlung:ab 16 Jahren
Premiere:16.03.2018
Fr, 16. März | 20:00 Uhr
 

Bilder zum Stückes

Bilder
© Dieter Wuschanski
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Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam

Pressestimmen zum Stück

Pressestimmen

„Dresdner Neueste Nachrichten“ schreiben am 25.03.2018

(…)
Das Spielerquartett überzeugt (…) durchweg: Seraina Leuenberger muss als Fausts Gretchen in Chemnitz nichts mehr beweisen, Konstantin Weber spielt nach Muskelfaserriss so eindrucksvoll asymmetrisch an einem Krückstock, dass es sogar beim Zuschauen wehtut. (…) Lauretta van de Merwe und Jannik Rodenwaldt, beides Studenten im neuen Chemnitzer Schauspielstudio, stehen nicht nach und symbolisieren junge Wesen, die gar nicht mehr recht mit Beziehungen umgehen können. (…) Als Regisseurin gelingen Bianca Hein durchaus berührende und wirksame Szenen – und die Schlusspointe, bei der plötzlich wirklich Friede in Form eines gleichnamigen, wortlosen Komparsen (Ingo) herrscht, (…) als wortloser französischer Clochard (…), hat Format. (…)

Andreas Herrmann

Die „Freie Presse“ schreibt am 29.03.2018

Das Chemnitzer Schauspielhaus zeigt mit ‚Beautyland‘ ein Stück über die Suche nach Schönheit und die Schranken der Generation Selbstverwirklichung.
Im Beautyland hängen überall imaginäre Spiegel. Im Beautyland wollen alle immer schöner, fitter, gesünder und kreativer sein. Im Beautyland gilt das normierte Schönheitsdiktat. ‚Beautyland‘ ist das Regie- und Autorendebüt von Bianca Hein, die seit der Spielzeit 2016/17 am Chemnitzer Schauspiel als Regieassistentin engagiert ist.
Auf der intimen Bühne des Ostflügels inszenierte sie die innere Zerrissenheit von vier jungen Menschen, die auf der Suche nach ihrem schönsten Selbst verletzt werden - körperlich und seelisch. Zum Beispiel Margo, die Schauspielerin, die ihre Version von Schönheit im Idealismus sucht und dabei gern Extreme ausreizt. Oder Curt, der Soldat, für den Schönheit bedeutet, Deutschlands Freiheit am Hindukusch zu verteidigen. Er sagt, er importiere Fitnessgeräte nach Afghanistan - 'für die Entspannung der Sicherheitslage'. Vielleicht steht das symbolisch für das Schön- und Rausgerede eines fragwürdigen Einsatzes ganz im Stil der Werbewelt oder metaphorisch für den Versuch, Ländern im Nahen und Mittleren Osten westliche Ideale aufzuzwingen.
Die vier Protagonisten bewegen sich in einem Zeitgeist, in dem jeder nach Freiheit strebt und dabei gleichzeitig von Schönheitsidealen und gesellschaftlichem Normierungsdruck eingeschränkt wird. Das führt zu inneren, aber auch zwischenmenschlichen Konflikten: So fühlt sich Margo vom Kinderwunsch ihres Freundes Jann erdrückt - eine Frau zwischen gesellschaftlicher Erwartungshaltung (Kinder bekommen) und der Emanzipation von dieser.
‚Beautyland‘ ist ein junges Stück und kann als Porträt einer egozentrierten Generation gesehen werden, deren Freiheit so groß ist, dass sie oft zum Gefängnis wird. Der Text nutzt das obligatorische Joghurt-Beispiel, an dem das Dilemma dieser Generation so gerne verbildlicht wird: ‚Ist es wirklich Freiheit, wenn man sich zwischen 40 Joghurtsorten entscheiden muss?‘, fragt Jann.
Das Stück gibt keine Antwort. Stattdessen zeigt es die Ohnmacht, die viele aufgrund der Flut des Möglichen empfinden, und die sie bei wichtigen, aber auch banalen Entscheidungen zunehmend lähmt. Schönheitswahn und Selbstoptimierung, erhöhtes Fitnessfieber, Selbstsucht, Konsum, inszenierte Scheinwelten in sozialen Netzwerken - charakteristisch für die junge Generation, für die Freiheit vor allem Selbstverwirklichung bedeutet. Der eine findet diese Selbstverwirklichung in den militanten Strukturen der Bundeswehr, der andere im Arbeitsleben, die eine in der Oberflächlichkeit der Schönheits- und Fitnesswelt, die andere in der Kunst.
Bianca Hein inszeniert ihr ‚Beautyland‘ schnörkellos und ohne unnötiges Make-up: Das Stück verzichtet weitestgehend auf Requisiten, Bühnenbild und Musik, stellt die Schauspieler in den Vordergrund und lässt die Grenzen zwischen Schauspiel, Improvisation und Performance verschwimmen. Dabei tragen alle vier Darsteller die gleichen weißen Brautkleider - quasi als textiles Ideal einer reinen, makellosen Schönheit, an der aber auch eine Erwartungshaltung, ein konventioneller Lebensentwurf haftet. ‚Beautyland‘ ist teilweise anstrengend, an manchen Stellen auch verstörend inszeniert. Es tangiert viele Themen, die nur fragmentarisch angerissen und nicht stringent erzählt werden - das erinnert ein bisschen an die Informationsflut, die in den Newsfeeds der sozialen Netzwerke auf die User einprasselt. Konflikte werden angedeutet, Zusammenhänge sind nicht immer nachvollziehbar. Das lässt viel Raum für Interpretation, die letztlich beim Publikum liegt. So wie Schönheit im Auge des Betrachters liegt.

Johanna Eisner
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