© Nasser Hashemi

Spielplan

Rauschen

Fr
13.
September
Schauspiel

Rauschen

oder: Wenn du nicht existierst, geh mir bitte aus dem Licht. Danke!
Von Natalie Baudy

 
 

Ende Januar 2019 wurde bereits zum sechsten Mal der Chemnitzer Theaterpreis für junge Dramatik verliehen. Aus 66 Einsendungen entschied sich die Jury, bestehend aus Andrea Czesienski (Lektorin des Henschel Verlags), Brian Bell (Regisseur), Johannes Schulze (Vorsitzender des Theaterfördervereins) und Kathrin Brune (Dramaturgin) einstimmig für Rauschen – oder: Wenn du nicht existierst, geh mir bitte aus dem Licht. Danke! Thematische Brisanz, stilistische Genauigkeit, verbunden mit einem humoristisch-kritischen Blick auf Mensch und Gesellschaft waren ausschlaggebend für die Entscheidung.

Das Stück:
Oertel, Ruk und Al Tee landen auf der Erde oder nein, anders: Peng – sie sind einfach da. Während Oertel und Ruk in einem merkwürdigen Gebäude mit siebenundzwanzig identischen Zimmern und einem scheinbar endlosen Flur landen, verschlägt es Al-Tee in eine politisch engagierte Wohngemeinschaft, die gegen TTIP auf die Straße geht, den Müll trennt und bestens vernetzt und weltoffen ist und grundsätzlich findet, dass man einfach mehr zu sich selber finden muss. Aber wenn plötzlich so ein Außerirdischer in der Küche sitzt, geraten das Selbstbild und die eigene Wahrnehmung doch etwas ins Wanken. Man wird unsicher, ob das befremdliche Gegenüber überhaupt da sein kann. Was es nicht gibt, das gibt es schließlich nicht. Aber man möchte ja auch nicht unhöflich sein.
Oertel und Ruk haben mittlerweile herausgefunden, dass dieses Gebäude mit den siebenundzwanzig identischen Zimmern ein Hotel ist und die permanent betrunkene Frau, in deren Zimmer sie versehentlich geraten sind, eine sehr erfolgreiche Pornoproduzentin ist. Diese geht wesentlich pragmatischer mit den Außerirdischen um. Welch eine Fügung, denkt sich die Dame, Außerirdische in der Pornoindustrie! Das kann man nutzen! Das steigert Einzigartigkeit, Marktwert und Auflage. Und sie engagiert Oertel und Ruk vom Fleck weg – ob sie wollen oder nicht.
In der WG haben sich Tom und Ebu mittlerweile auch an Al Tee gewöhnt. Dass er Isomatten isst und gerne ungefragt Menschen umarmt – nun ja, das eine ist nicht so schlimm, das andere sogar schön, weiß man doch, dass zu wenig Körperkontakt zu Depressionen führt. Deswegen wurden auch Umarmungen auf die WG-Agenda gesetzt. So leben sie zusammen, die Irdischen und die Außerirdischen. Bis irgendwann die Außerirdischen Heimweh bekommen und zurück möchten. Zu merkwürdig, fremd scheint ihnen das irdische Treiben. Aber wie zurück?

Natalie Baudy hat ein mutig skurriles, humorvolles und zugleich bissig-böses Stück über unsere Gesellschaft geschrieben. Ohne moralischen Zeigefinger setzt sie Außerirdische – die fernsten Fremden aller Fremden als Spiegel vor unsere Nasen, um die großen und kleinen Zivilisationskrankheiten unserer Tage sichtbar zu machen. Durch den Einbruch des Fremden werden Ansichten, Meinungen, Vorurteile, Gewohnheiten unserer ansonsten doch so aufgeklärten Gesellschaft befragbar, hinterfragbar, kritisierbar.

Die Autorin Natalie Baudy (Foto: privat) wurde 1990 in der Nähe von Augsburg geboren und ist in Ulm aufgewachsen. Sie studierte Theater- und Musikwissenschaften in Mainz, Paris und Berlin und Dramaturgie an der Theaterakademie August Everding in München. Vor und während ihres Studiums hospitierte sie unter anderem am Staatstheater Mainz, bei der Dance Company Nanine Linning/Theater Heidelberg, am Berliner Ensemble und am Maxim Gorki Theater. Sie realisierte erste eigene Projekte im PENG! in Mainz, im TOWER 2k15 in Berlin und wirkte bei verschiedenen Produktionen der Theaterakademie, der Otto Falckenberg Schule und am Residenztheater mit. Seit August 2018 lebt sie als freischaffende Dramaturgin in Berlin. Dort war sie zuletzt als dramaturgische Mitarbeiterin an der Produktion Wheeler am Berliner Ensemble beteiligt und ist als Produktions- und Dramaturgieassistentin Teil der Performancegruppe MS Schrittmacher. Aktuell arbeitet sie mit dem Regisseur Klemens Hegen an einer künstlerischen Auseinandersetzung zum Thema Gegenwart und Erinnerung. Außerdem realisiert sie mit dem Komponisten Florian Paul das Hörspiel einsam, ihre Fortschreibung von Gerhart Hauptmanns Einsame Menschen.

Spielort:Schauspielhaus - Ostflügel
Dauer:1 h 20 min / keine Pause
Altersempfehlung:ab 16 Jahren
Premiere:03.05.2019
Fr, 13. September | 20:00 Uhr
Preis: 14,00 €
 

Weitere Termine

06.10.2019 Sonntag 18:00 Uhr    
Schauspielhaus - Ostflügel

Bilder zum Stückes

Bilder
Andrea Zwicky © Nasser Hashemi
Andrea Zwicky © Nasser Hashemi
Andrea Zwicky, Marko Bullack © Nasser Hashemi
Andrea Zwicky, Marko Bullack © Nasser Hashemi
Marko Bullack, Lauretta van de Merwe, Martin Esser © Nasser Hashemi
Marko Bullack, Lauretta van de Merwe, Martin Esser © Nasser Hashemi
Andrea Zwicky, Marko Bullack © Nasser Hashemi
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Lauretta van de Merwe, Marko Bullack, Martin Esser, Andrea Zwicky © Nasser Hashemi
Lauretta van de Merwe, Marko Bullack, Martin Esser, Andrea Zwicky © Nasser Hashemi
Andrea Zwicky, Marko Bullack © Nasser Hashemi
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Andrea Zwicky, Laretta van de Merwe, Marko Bullack © Nasser Hashemi
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Andrea Zwicky, Martin Esser © Nasser Hashemi
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Martin Esser, Andrea Zwicky, Marko Bullack © Nasser Hashemi
Martin Esser, Andrea Zwicky, Marko Bullack © Nasser Hashemi
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Martin Esser, Andrea Zwicky, Lauretta van de Merwe, Marko Bullack © Nasser Hashemi
Martin Esser, Andrea Zwicky, Lauretta van de Merwe, Marko Bullack © Nasser Hashemi
Andrea Zwicky, Marko Bullack, Lauretta van de Merwe © Nasser Hashemi
Andrea Zwicky, Marko Bullack, Lauretta van de Merwe © Nasser Hashemi
Andrea Zwicky, Lauretta van de Merwe © Nasser Hashemi
Andrea Zwicky, Lauretta van de Merwe © Nasser Hashemi
Martin Esser, Andrea Zwicky, Marko Bullack, Lauretta van de Merwe © Nasser Hashemi
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Lauretta van de Merwe, Martin Esser, Andrea Zwicky, Marko Bullack © Nasser Hashemi
Lauretta van de Merwe, Martin Esser, Andrea Zwicky, Marko Bullack © Nasser Hashemi

Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam
Regie Brian Bell

Bühne und Kostüme Daniel Unger

Dramaturgie Kathrin Brune

Pressestimmen zum Stück

Pressestimmen

Die „Freie Presse“ schreibt am 08.05.2019

(…) Zwischendrin treten alle vier Schauspieler als Chor auf, kommentierten die Gegenwart, die Harmoniesucht der Menschen von heute, ihe Bedürfnis nach Routine und Sicherheit. (…) gute Ideen. Wie das Bühnenbild. Gezeigt werden 08/15-Zimmer mit Raufasertapete, nichtssagender Einrichtung, in jedem Zimmer hängen van Goghs Sonnenblumen – Paradebeispiele für Spießigkeit. Die Wände, an denen die Einrichtung befestigt ist, bewegen sich wie Uhrzeiger, sodass die Schauspieler ihre Szene selbst zurechtrücken können. Regisseur Brian Bell zeigt überdies Experimentierfreude. Die Spieler treten immer wieder aus ihrer Rolle, kommentieren sie dem Publikum gegenüber, Regieanweisungen werden mitgesprochen – etwa wie im brechtschen Theater, bei dem die Spieler immer wieder in Distanz zu ihren Rollen gehen. Alles spannend, wie die Themen. Geht es doch um den Umgang mit Fremdheit, Selbstinszenierung, Neurosen und Kapitalismus (…).

Sarah Hofmann

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