Willkommen im Grand Hotel Deutschland
Ein musikalischer Streifzug durch die deutsche Seele
Willkommen, Bienvenue, Welcome im Grand Hotel Deutschland! Unter der musikalischen Leitung von Benjamin Rietz bündeln Ensemblemitglieder Marko Bullack, Ulrike Euen und Clemens Kersten ihre kreative Energie und laden ein zu einem ganz besonderen Liederabend. Das Grand Hotel Deutschland gibt es so nicht, und doch ist es ein klingender Ort voller Geschichten: Hier begegnen sich Schuberts Wanderer und Gundermanns Narr, trifft Hildegard Knef auf Mozarts Zechkumpanen. An der Bar ver- und entliebt man sich, in einem Hinterzimmer träumt eine Soldatenmutter vom Frieden, während im Speisesaal schon wieder heftig darüber debattiert wird, warum das Ei hart ist und ob man nicht lieber eine Currywurst nehmen sollte. Dunkle Gänge und leerstehende Zimmer erinnern an vergangene Zeiten, während manch einer schon wieder zur nächsten Reise in die Zukunft aufbricht. Und über all dem steht die Frage: Was verbindet diese Gäste? Gibt es ein Lied, das alle singen können? Buchen auch Sie Ihren Aufenthalt im Grand Hotel Deutschland und finden Sie es heraus!
Digitales Programmheft
Was ist das: die deutsche Seele? Gibt es sie überhaupt – und wenn ja, wie viele? Abgesehen davon, dass es wohl unmöglich ist, diesen Begriff je klar zu definieren, haben viele Deutsche ein ambivalentes Verhältnis zum „Deutsch sein“. Es ist vor allem durch die Erfahrungen des Nationalsozialismus, als es durch die Deutschen mehr denn je instrumentalisiert wurde, belastet. Doch auch in der Gegenwart wird um die deutsche Identität gerungen. Während auf der einen Seite die Stimmen immer lauter werden, die fordern, man müsse wieder mit Stolz „Deutsch sein“ können und patriotisch die deutsche Kultur zelebrieren, gibt es auf der anderen Seite Viele, die mit diesen Vorstellungen nichts anfangen können und sich auch nicht vorschreiben lassen wollen, was „Deutsch sein“ bedeutet und wie man das auszuleben habe.
Dieser Abend stellt sich auf keine Seite, sondern unternimmt einen Streifzug durch dreihundert Jahre deutsche Liedliteratur und ist dabei weniger auf Antworten als auf Fragen aus: Was erzählen uns Kompositionen von Bach und Mozart, Songs von Angelika Mann oder Gerhard Schöne, Wander- und Volkslieder heute (noch)? Entstanden aus den ganz persönlichen Vorlieben der Beteiligten erhebt er keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wirft vielmehr Schlaglichter auf die Vielfalt dieses Kulturguts. Eines Kulturguts, das allen gehört und durch niemanden vereinnahmt werden sollte. In diesem Sinne ist der Besuch im Grand Hotel Deutschland vor allem eine Einladung, sich vom Facettenreichtum der deutschen Seele zu überzeugen, Neues zu entdecken und Altbekanntes zu feiern.
Kurze Liederreise
Was ist das deutsche Lied? Auf jeden Fall nimmt es einen Sonderstatus ein, gibt es doch in den meisten europäischen Sprachen keine Übersetzung dafür (man spricht z.B. im Englischen einfach von „the Lied“). Damit ist zunächst vor allem das Kunstlied gemeint, wie es sich im 19. Jahrhundert entwickelt hat. Doch die Grenzen zum Volkslied (das übrigens auch erst seit dem 18. Jahrhundert so bezeichnet wird) sind fließend, beide Gattungen befruchteten sich gegenseitig: Komponisten der Romantik schufen Neuvertonungen bekannter Volksliedtexte, während gleichzeitig Kunstlieder mit der Zeit in den „Volksmund“ übergingen.
Fest steht: Lieder – ganz grundlegend verstanden als gesungener oder zu singender Text – hat es in der deutschen Sprache seit Beginn gegeben. Im Mittelalter sangen umherreisende Spielleute und Bänkelsänger an öffentlichen Orten wie dem Marktplatz oder dem Wirtshaus und sorgten damit für Unterhaltung, aber auch für den Austausch von Nachrichten. Bei Hofe war der Minnesang wichtiger Bestandteil des adlig-ritterlichen Lebens. In der Frühen Neuzeit förderte Martin Luther vor allem den Gemeindegesang und damit das geistliche Lied: Er übertrug lateinische Hymnen ins Deutsche und nutzte bekannte Volksweisen für eigene Um- und Neudichtungen. Als sein wichtigster Nachfolger und einer der bedeutendsten Schöpfer geistlicher Lieder ging Paul Gerhardt in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges in die Kulturgeschichte ein. Zur selben Zeit fanden auch weltliche Lieder Verbreitung: Über Flugblätter waren Ereignis- und Kampflieder im Umlauf, die die politischen Geschehnisse, das Kriegsleid und die Sehnsucht nach dem Frieden beschrieben. In der Zeit der Bürgerlichen Aufklärung stieg die Popularität von Handwerks- oder Volksliedern, oft schlichter oder auch humorvoller Natur. Mit dem Aufkommen des Industriekapitalismus ging der Volksliedgesang im 19. Jahrhundert insbesondere in den Städten dann wieder zurück, da die arbeitende Bevölkerung schlicht weniger zum Singen zusammenkam. Volksliedsammler machten sich daher vor allem in ländlichen Gegenden – in denen Lieder noch stärker mit Brauchtum und Arbeit verknüpft waren – auf die Suche nach dem Liedgut. Durch ihre Sammlungen – von denen die bekannteste wohl Clemens Brentanos und Achim von Arnims Des Knaben Wunderhorn ist – trachteten sie die Tradition wiederzubeleben. Damit waren sie Inspirationsquelle für die Komponisten der Wiener Klassik und der Romantik, die das Genre weiterentwickelten. Allen voran muss hier Franz Schubert genannt werden, der allein etwa 600 Lieder komponierte und damit nicht nur maßgeblich den Idealtypus des künstlerischen Sololiedes prägte, sondern auch dafür sorgte, dass sich das begleitete Lied von der Hausmusik in den Konzertsaal verlagerte. Zusammen mit Robert Schumann, Johannes Brahms und Felix Mendelssohn-Bartholdy, später auch Richard Strauss, Hugo Wolf und Gustav Mahler gehört er zu den großen deutschen Komponisten, die „the Lied“ auch im Ausland so bekannt machten.
Im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert wurden die eigentlichen Volkslieder vor allem durch die „Wandervogelbewegung“ gepflegt. In den Städten wiederum entwickelten sich die „Gassenhauer“, ursprünglich Lieder, die sich auf konkrete Ereignisse oder Personen bezogen und durch Drehorgelspieler oder Hofsänger in den Mietskasernen verbreitet wurden. Durch das Aufkommen von Rundfunk und Schallplatten ging die mündliche Weitergabe zwar zurück, Lieder an sich – Kabarettlieder, Schlager oder auch Arbeiter- und Revolutionslieder – erfreuten sich dennoch weiterhin großer Beliebtheit.
Mit dem Nationalsozialismus brach dann eine Zeit politischer Vereinnahmung des Liedguts an: Während viele Komponisten vertrieben oder ermordet wurden, instrumentalisierten die Nazis Volkslieder genauso wie das Deutschlandlied, das Friedrich Ebert 1922 zur Hymne erklärt hatte und dabei ausdrücklich nicht als nationalistische Überhebung verstanden wissen wollte. In der Folge waren deutsche Lieder belastet, doch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sorgten Liedermacher in Ost- und Westdeutschland sowie auf Deutsch geschriebene Popsongs dafür, dass inzwischen wieder viel und gern auf Deutsch gesungen wird – und dass das Repertoire größer ist denn je.
Zimmer mit Aussicht oder Fenster zum Hof? Zimmer mit Aussicht
Minibar oder Hotelbar? Hotelbar
Spa-Paket oder Wanderurlaub? Spa-Paket
Andächt’ger Aufenthalt oder nach Süden, nach Süden? Andächt’ger Aufenthalt
Weltschmerz oder Fernweh? Weltschmerz
Deine erste musikalische Erinnerung? Hänsel und Gretel von Humperdinck
Der größte Ohrwurm während der Probenzeit? Unterm Dach
Musikalisches guilty pleasure? Wagners Ring
Must-Have bei diesem Abend? Chorsätze
Mozart oder Bach? Bach
Schubert oder Mendelssohn? Schubert
Grönemeyer oder Gundermann? Gundermann
Kunstlied oder Volkslied? Kunstlied
Piano oder forte? Forte
Schwarzbrot, Wurst und Bier oder Quellkartoffeln mit Dupp Dupp? Schwarzbrot, Wurst und Bier, du dumme Sau!
Zimmer mit Aussicht oder Fenster zum Hof? Zimmer mit Aussicht
Minibar oder Hotelbar? Hotelbar
Spa-Paket oder Wanderurlaub? Wanderurlaub
Weltschmerz oder Fernweh? Beides!
Musikalisches Vorbild? Dagmar Manzel
Der größte Ohrwurm während der Probenzeit? Autogen
Must-Have bei diesem Abend? Lackierte Fußnägel
Mozart oder Bach? Bach
Schubert oder Mendelssohn? Schubert
Kunstlied oder Volkslied? Kunstlied
Piano oder forte? Forte
Butzemann oder Sandmann? Sandmann
Champagner oder Stroh 80? Champagner
Fingerspitzengefühl oder den Buckel rausknüppeln? Den Buckel rausknüppeln
Zimmer mit Aussicht oder Fenster zum Hof? Zimmer mit Aussicht ins Grüne!
Minibar oder Hotelbar? Ein Spaziergang durch den Park
Spa-Paket oder Wanderurlaub? Erst Wandern, dann Spa
Weltschmerz oder Fernweh? Fernweh
Deine erste musikalische Erinnerung? Mein Vater spielte leidenschaftlich Akkordeon. Obwohl er als Kind den Unterricht geschwänzt hat, hat er es geliebt, darauf zu spielen.
Musikalisches Vorbild? Als ich Jochen Kowalski das erste Mal auf der Bühne gesehen habe war ich fasziniert von der Intensität seiner Stimme und der Ehrlichkeit seines Spiels.
Der größte Ohrwurm während der Probenzeit? Eigentlich alle
Piano oder forte? Leise Töne sind wundervoll.
Im wunderschönen Monat Mai oder wenn kalt schon die Winde wehn? Wenn’s draußen grün wird! Der Duft des Frühlings, die Wärme und Vielfalt der Natur, erfrischen und belebend, wunderschön!
Träume für bare Münze nehmen oder des Lebens Schauspiel sehn? Auf jeden Fall Träume für bare Münze nehmen! Dabei aber nicht des Lebens Schauspiel übersehen.