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Tyll

Nach dem Roman von Daniel Kehlmann
Bühnenfassung von Erik Schäffler
THEATERJUGENDCLUB

 
 

Tyll Ulenspiegel. Till Eulenspiegel. Der vielleicht berühmteste Narr der Geschichte treibt seine Späße mit den Leuten und führt seine Kunststücke vor. Er tanzt auf dem Seil, ganz oben, dem Himmel und dem Abgrund gleich nah. Doch er hat keine Angst abzustürzen – denn Tyll ist unsterblich. Das trifft sich gut, denn im Hintergrund tobt gerade der Dreißigjährige Krieg: Konfessionen und Nationen kämpfen um Wahrheit und Vorherrschaft, Fürsten werden zu Königen und dann zu Bettlern und der Rest der Menschen versucht einfach nur zu überleben. Und mittendrin Tyll, der Narr, der Spaßmacher, der den Menschen einen Spiegel vorhält. Wo soll das hinführen?

Durch den Kontrast von schrecklichem Leid und gewitzten Dialogen, von Eliten-Problemen und dem Kampf ums Überleben zeigt Tyll die Schwächen der Menschen im Allgemeinen auf, bringt Heucheleien ans Tageslicht und widersetzt sich sämtlichen Regeln. Denn Tyll selbst ist ein Regelbruch. Er ist zweimal getauft, er überlebt den sicheren Tod. Tyll ist kein Mensch wie die anderen, er ist eine Idee, die niemals sterben wird, er ist die personifizierte Rebellion. Sowohl auf dem Theater als auch im Alltag.

Der TheaterJugendClub fordert sich in diesem Jahr selbst heraus mit einem komplexen Stück, in dem geschichtliche Hintergründe mit der allgemeinen Realität des Menschseins verschwimmen. Und er fordert sein Publikum heraus, mitzukommen auf diese Reise in die Vergangenheit, die ebenso Gegenwart oder Zukunft sein kann.

Aufführungsrechte: Rowohlt Theater Verlag, Hamburg

 
 

Weitere Termine

Dienstag, 24. März 2026
Spinnbau - Ostflügel
Ausverkauft
Freitag, 27. März 2026
Spinnbau - Ostflügel
Ausverkauft
Mittwoch, 01. April 2026
Spinnbau - Ostflügel
Donnerstag, 09. April 2026
Spinnbau - Ostflügel
Ausverkauft
Dienstag, 26. Mai 2026
Spinnbau - Ostflügel
Mittwoch, 27. Mai 2026
Spinnbau - Ostflügel
 
Es spielen Mitglieder des TheaterJugendClubs
Rosalie Kallenbach
Paula Katharina Keller
Morino Köllner
Phillipp Laue
Luise Mildner
Oliver Mory
Eva Ruth Möller
Nele Six
Janka Tienz
Pascal Unterschütz
Julian Vinz
 
Dauer
1 h 30 min
Spielpause
ohne Pause
Altersempfehlung
14+
Premiere
20.02.2026
 

Digitales Programmheft

Eine dunkle Bühne mit verstreuten Schuhen im Vordergrund und einer Person, die einen dramatischen Schatten mit erhobenen Händen auf eine Wand im Hintergrund wirft.
Luise Mildner (Der alte Tyll) © Nasser Hashemi

Zumindest im deutschen Raum ist Till Eulenspiegel wahrscheinlich der berühmteste Narr der (Literatur-)Geschichte. Die frühesten Bücher, die mit seinen Geschichten gefüllt wurden, erschienen um 1510 und gaben als Lebenszeit von Till das 14. Jahrhundert an. Der Verfasser des Buches war zwar nicht bekannt – doch schon im 16. Jahrhundert waren die Geschichten um Till Eulenspiegel ein Bestseller. Ob es den Narren tatsächlich gegeben hat, bleibt jedoch unklar. Immer wieder meinten Forscher, Hinweise auf die Historizität der Figur gefunden zu haben – und immer wieder blieben Zweifel.

Ob historisch oder literarisch – die Figur des Till Eulenspiegel hat die deutschsprachige Kulturgeschichte seit ihrem ersten Auftreten beeinflusst. Till wurde zum Inbegriff des Narren, einer Figur, die die Mächtigen herausfordert, ohne dass sie mehr Respekt für die ganz normalen Bürger hat. Denn wer Till trifft, der unterschätzt ihn zunächst, sieht nur einen einfachen Spaßmacher. Doch hinter der Fassade ist Eulenspiegel meist der Klügste im Raum und nutzt seine intellektuelle Überlegenheit, um die Schwächen der anderen aufzuzeigen. Spaß hat meistens nur er dabei – und die Leser, die natürlich behaupten, dass sie sich nicht hätten täuschen lassen – auch wenn sie eigentlich ahnen, dass auch sie nicht klüger sind als Till.

Die Figur des klugen Narren löste sich bald von den konkreten Geschichten, die mit ihr assoziiert wurden, und wurde zu einem eigenständigen Symbol für gewitzten Widerstand gegen die Obrigkeit und kluge Respektlosigkeit gegen die menschliche Dummheit. So erfand jede Zeit ihren eigenen Till. Es mag dabei nicht verwundern, dass gerade in der DDR ein gewisser Hype um Eulenspiegel entstand. Mindestens vier Filme entstanden, die zum Teil auf Vorlagen von Christa und Gerhard Wolf zurückgingen. Dabei wurde der Narr in die Zeit der Bauernkriege von 1525 versetzt. In gewissem Sinne handelt es sich hier also um einen Vorläufer zu Kehlmanns Tyll, denn auch hier wird der Narr in eine Zeit der religiösen und gesellschaftlichen Umbrüche versetzt. Die Bauernkriege haben dabei für ein DDR-Publikum schon dem Namen her eine besondere Bedeutung, auch wenn die Konflikte inhaltlich nicht vergleichbar sind.

Seit 1954 gibt es auch das monatlich erscheinende Satiremagazin, das den Namen Eulenspiegel trägt und sich damit in eine Tradition der Kritik an Mächtigen einschreiben will, die keinerlei Respekt hat. Manchmal kann diese bedingungslose Satire zu weit gehen – aber das wiederum traf natürlich auch auf Till Eulenspiegel zu.

(Agnieszka Jabłońska)

 
Ensemble (Stadtvolk) © Nasser Hashemi

Der Krieg ist in den vergangenen Jahren wieder näher an unser Bewusstsein herangerückt. Doch wie es gewesen sein muss, als in Europa der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) herrschte – das können wir uns wahrscheinlich nur bedingt vorstellen. Dreißig Jahre lang zogen Armeen durch die Lande und plünderten und raubten und mordeten. Schon während des Krieges war den Menschen bewusst, dass sie in einer besonderen Zeit leben, denn noch vor Ende des Krieges wurde das Vergehen der Zeit in Kriegsjahren gezählt. In einigen Gegenden starb über die Hälfte der Bevölkerung – somit war er der Krieg mit den prozentual meisten Opfern der europäischen Geschichte.

Worum es in dem Krieg ging, war ständiger Veränderung unterworfen. Begonnen hatte er als Religionskrieg – und war damit eine Folge der Reformation. Die deutschen Fürstentümer waren in katholische und protestantische unterteilt – und dabei spielte vor allem die Religion des Fürsten eine Rolle. Mit dem Augsburger Religionsfrieden dachte man, die beiden Seiten befriedet zu haben, doch es war nur ein Frieden auf Zeit. Denn der Kaiser in Wien war Katholik und die protestantischen Fürsten wollten sich nicht länger von ihm regieren lassen. Zum Eklat kam es dabei in Böhmen: die ursprünglich zugesicherte Religionsfreiheit wurde nicht gewährt und so warf man die kaiserlichen Vertreter kurzerhand aus dem Fenster. Den Prager Fenstersturz von 1618 überlebten sie zwar, doch die Reaktion war gravierend: Dies war der eigentliche Auslöser des Krieges.

Die Lücke in Böhmen sollte Friedrich V. von der Pfalz füllen, ein Protestant. Doch schon nach wenigen Monaten verlor er seinen Stand in Böhmen und wurde zum Winterkönig: Der König, der nur einen Winter lang regierte, bevor er gezwungen war, als Bettler durch die Lande zu ziehen und bei adeligen Verbündeten Unterstützung zu suchen.

Was als Konflikt um Religion und Deutungsmacht begann, weitete sich zu einem Territorialkrieg aus. Neben den deutschen Fürsten mischten sich nun auch die anderen europäischen Nationen ein, jeweils auf der Seite ihrer Verbündeten. Besonders bekannt ist Wallenstein, von Schiller in einem Drama verewigt, der die Maxime prägte: „Der Krieg ernährt den Krieg.“ So sollten seine Soldaten über die Dörfer herfallen, durch die sie zogen und daraus ihre Verpflegung und ihren Sold nehmen. So kostete der Krieg die überfallene Bevölkerung und belastete nicht die Koffer des kriegsführenden Fürsten. Das Ergebnis war pure Zerstörung.

Der Dreißigjährige Krieg endete schließlich im Westfälischen Frieden, der fünf Jahre lang verhandelt wurde. Dieser Friedensprozess an sich war wegweisend, denn zum ersten Mal hatten alle Parteien das gleiche Sagen, unabhängig von der Macht, die sie gerade tatsächlich hatten. So konnte ein Vertrag abgeschlossen werden, der bis zur Französischen Revolution die Grundlage der europäischen Ordnung bildete. Die (christlichen) Religionen wurden einander gleichgestellt und quasi gezwungen, in Zukunft miteinander, statt gegeneinander zu regieren. Der Papst lehnte den Westfälischen Frieden ab.

(Agnieszka Jabłońska)

 
Eva Ruth Möller (Athanasius Kircher), Luise Mildner (Der alte Tyll), Oliver Mory (Adam Olearius) © Nasser Hashemi

Daniel Kehlmann hat ganz offensichtlich eine bewusste Entscheidung getroffen, als er seinen Protagonisten Tyll aus dem 14. ins 17. Jahrhundert und damit mitten in den Dreißigjährigen Krieg versetzte. Zum einen folgte er dabei der Tradition, die Figur des bekannten Narren als Symbol zu verwenden und beliebig in Ort und Zeit zu verschieben. Und sicherlich hat diese Wahl auch etwas mit der Zeit zu tun, in der der Roman entstand (2017). Tatsächlich wirft dieser Fakt gleich zwei Fragen auf: Warum ist der Dreißigjährige Krieg für uns heute ein interessanter Hintergrund? Warum ist die Figur Tyll für uns relevant? Die Antworten auf diese Fragen sind nicht kompliziert, doch sie eröffnen eine weitere Perspektive auf den Roman Tyll.

Der Dreißigjährige Krieg, der als religiöser Konflikt begann, war die direkte Konsequenz von fehlender Toleranz für einen Glauben, der vom eigenen abweicht. Schon darin erkennen wir heutige Tendenzen. Gleichzeitig fand im 17. Jahrhundert aber auch eine Vermischung von religiösen und machtpolitischen Motivationen statt, die wir auch in der heutigen Zeit immer stärker finden, wenn politische Parteien mit religiösen oder auch weltanschaulichen Überzeugungen Politik machen. Oft wirken diese Überzeugungen mehr als Mittel zum Zweck denn als wirkliche Glaubenssätze. In Tyll wird dies deutlich in der Figur des Gustav Adolf, der sich als Verteidiger des Protestantismus in den Krieg einmischt und doch als simpler Eroberer entlarvt wird.

Gleichzeitig ist das 17. Jahrhundert aber auch die Zeit des Umbruchs von einer durch Magie und Glauben dominierten Welt in eine Welt der wissenschaftlichen Erkenntnis. Dieser Wandel wird mit der Figur des Athanasius Kircher verkörpert. Diese historische Figur schrieb Abhandlungen, in denen Magnetismus und Drachenkunde gleichwertig zu behandelnde Wissensgebiete waren. So kann er in Tyll gleichzeitig die wissenschaftliche Methode propagieren und ernsthaft auf der Suche nach dem letzten Drachen des Nordens sein. Auch dieser Aspekt spiegelt unsere heutige Welt, die von „alternativen Fakten“ und Fake-News-Propaganda geprägt wird. Wenn das magische und das wissenschaftliche ununterscheidbar werden, ist eine objektive Diskussion nicht mehr möglich, es muss der Glaube dominieren und am Ende werden wieder „Ketzer“ verbrannt.

Kehlmann bedient sich aber nicht nur der Welt des Dreißigjährigen Krieges, er spielt auch mit ihr. So sind Athanasius Kircher, Adam Olearius und Paul Fleming historische Figuren – allerdings gingen sie nie gemeinsam auf Drachenjagd. Auch der Winterkönig Friedrich und seine Frau Elizabeth haben existiert. Doch war Elizabeth nicht bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden anwesend. So macht Kehlmann klar, dass es sich bei Tyll explizit um ein fiktives Buch handelt, in dem die Grenzen zwischen Magie und Wirklichkeit nicht nur in der Wahrnehmung der Menschen verschwimmen, sondern tatsächlich noch nicht getrennt sind. In Tyll funktionieren Zaubersprüche. Da passt auch die Figur Tyll hinein, die an sich als Anachronismus gar nicht existieren sollte. Doch auch Tyll tanzt auf der Grenze zwischen Realität und Magie wie auf einem Seil. Er ist ein kleiner Junge, der sich im Wald fürchtet, und er ist der Herr der Lüfte, eine unsterbliche Figur, die als einziger Zeuge dieser Zeit überstehen wird. Tyll wird einerseits mit dem Drachen und dadurch mit dem Krieg assoziiert und ist auf der anderen Seite eine tröstende Figur, die die Absurdität der menschlichen Existenz deutlich macht und als unsterblicher Zeuge die Erinnerung an die Menschen, die ihm begegnen, auf ewig weitertragen wird. Zum Glück sind wir ihm begegnet.

(Agnieszka Jabłońska)

 
 
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