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Republic of Lucrece

Eine unvollständige Auseinandersetzung mit der Vergewaltigungskultur, in der wir aufgewachsen sind
Von und mit KOLLEKTIV EINS nach Judith Shakespeare
Nach einem Text von Paula Thielecke, mit weiteren Texten von Magda Decker, Sophia Hankings-Evans, Stefan Hornbach, Sören Hornung, Lauretta van de Merwe und Carolin Wiedenbröker

Republic of Lucrece wird ab 12. November 2021, 20.00 Uhr als virtuelles Projekt unter www.republicoflucrece.com im Internet angeboten.

Mit Republic of Lucrece führen die Theater Chemnitz, das Kosmos Theater Wien und das KOLLEKTIV EINS ihre Kooperation fort, die im Sommer 2019 mit dem Projekt Ein Zimmer für sich allein – Theater im öffentlichen Raum des Theaterplatzes – begonnen hatte. Das aktuelle Projekt setzt sich mit dem Mythos der Vergewaltigung der Lucretia auseinander, einem der Gründungsmythen der Römischen Republik: Ausgelöst durch eine Wette unter Männern um die Tugendhaftigkeit der Frau, gerät Lucretia in eine Situation, in der ihr eine Vergewaltigung droht. Ihren Peiniger fleht sie an, sie besser zu töten, damit sie ihre Tugend bewahrt – doch der lässt nicht ab von ihr, weshalb sie sich im Anschluss selbst tötet, damit ja keine untreue Frau der Welt sich jemals auf ihr Schicksal berufen könne. Der Stoff wurde vielfach literarisch aufgegriffen, so von Ovid oder William Shakespeare. Eine weibliche Perspektive hingegen fehlte lange Zeit.

Die englische Autorin und Feministin Virginia Woolf entwickelte in ihrem Essay A Room of One’s Own (dt: Ein Zimmer für sich allein) 1929 die Idee einer Schwester von William Shakespeare. Ebenso dichterisch begabt wie ihr Bruder, hätte Judith Shakespeare – so Woolfs These – in der viktorianischen Welt des 16. Jahrhunderts keine Erfolgschance gehabt, ein Beleg, „welch einen Unterschied ein Schwanz macht“, wie es im Essay heißt.

Das Theaterprojekt Republic of Lucrece führt diese beiden Stränge in einer Frage zusammen: Wie hätte Judith Shakespeare die Vergewaltigung der Lucretia erzählt? Sind die vorliegenden Bearbeitungen aus Männerhand Ausdruck einer männlich geprägten Vergewaltigungskultur? Lässt sich mit einem diverseren Blick ein neuer Gründungsmythos entwerfen? Auf Basis eines Textes von Paula Thielecke, Gründungsmitglied von KOLLEKTIV EINS, der um Texte von sechs Schauspieler:innen der beteiligten Institutionen erweitert wurde, bietet Republic of Lucrece neue Perspektiven auf den alten Stoff, die tradierte Vorstellungen von Ehre und Scham, Gesellschaft und Geschlecht, Täter und Opfer ins Wanken bringen wollen – und in der Auseinandersetzung doch unvollständig bleiben müssen.

Republic of Lucrece wird ab 12. November 2021, 20.00 Uhr als virtuelles Projekt unter www.republicoflucrece.com im Internet angeboten. Ein virtuelles Haus bietet hier nicht nur ein, sondern gleich sechs „Rooms of One’s Own“ – für jede der sechs filmisch verarbeiteten Perspektiven ein eigenes Zimmer. Einmalig gibt es am 12. November 2021, 20.00 Uhr in der Chemnitzer Veranstaltungslocation Lokomov auch die Gelegenheit, die sechs Shortcuts gemeinsam anzuschauen und im Anschluss mit dem KOLLEKTIV EINS und den Akteur:innen ins Gespräch zu kommen.

 

Kooperationsprojekt mit Kollektiv Eins und Kosmos Theater Wien

Gefördert im Fond Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes 

Idee und Konzept Kollektiv Eins
Künstlerische Leitung Stefan Hornbach
Sören Hornung
Carolin Wiedenbröker
Dramaturgie Kathrin Brune
Produktionsleitung Jasna Witkoski
Assistenz Hannah Wörner
Setdesign, Kostüm und Ausstattung Lisa Jacobi
Harry Rischmüller
Director of Photography Arda Funda
Komposition und Musik Laura Eggert
Ton Toni Stinglwagner
Dialogschnitt Lambert Regel
Sounddesign und Mischung Samuel Schwenk
Mastering Queer Ear Mastering
Produktionsleitung Jasna Witkoski
Mit Magda Decker
Sophia Hankings-Evans
Stefan Hornbach
Sören Hornung
Lauretta van de Merwe
Carolin Wiedenbröker
Altersempfehlung:ab 16 Jahren
Premiere:12.11.2021

Eine Panzerfaust für Lucretia

[…] Das Kollektiv Eins bricht mit den bislang ausschließlich von männlichen Autoren geschaffenen Lesarten und lässt die Lucretia mit erdachten Texten selbst zu Wort kommen, greift dabei Debatten um Schuld, Männlichkeit, Erziehung, Gewalt und Vergewaltigungen auf. Paula Thielecke, Magda Decker, Sophia Hankings-Evans, Stefan Hornbach, Sören Hornung, Lauretta van de Merwe und Carolin Wiedenbröker schrieben selbst Texte, aus denen sechs kurze Filme entstanden, die nun online auf der Webseite www.republicoflucrece.com angeschaut werden können. […] Jeder der Filme kann für sich stehen, gemeinsam bilden sie einen Reigen, einen Ritt durch die Thematik. Die Künstler erheben, wie sie schon im Projekttitel sagen, keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wollen ihren Zuschauern Handreichungen geben, sich mit dem Thema zu befassen, weiterzudenken und auch Perspektiven außerhalb der eigenen zu betrachten. Das ist ihnen gelungen, fast beiläufig hinterfragen sie dabei Geschlechternormen, die Rolle von Rassismus, die Frage, wer Opfer und wer Täter ist. […] Das Projekt kann nun online besucht werden – eine leidenschaftliche und komplexe künstlerische Auseinandersetzung mit einem anstrengenden und oft unangenehmen Thema. Ein lohnender Beitrag zu einer Debatte, die nicht erst seit ‚me too‘ zunehmend an Fahrt aufnimmt.

Sarah Hofmann | Freie Presse | 15.11.2021
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