Reineke Fuchs
Tierepos von Johann Wolfgang von Goethe
Bühnenfassung von Malte Kreutzfeldt
Eigentlich gäbe es im Reich von Löwenkönig Nobel kein Problem. Recht und Ordnung sorgen für ein gerechtes Miteinander unter allen Tieren. Es herrscht Frieden! Doch es können die Friedlichsten nicht in Ruhe leben, wenn auch nur einer unter ihnen ist, dem das nicht passt. Reineke Fuchs ist so einer. Seit Jahren unterläuft er die Ordnung. Er ist gewitzt, intelligent und gehört zu jenen Gaunern, die auf der ganzen Klaviatur der kleinen Vergehen und der großen Verbrechen zu spielen wissen. Er vergiftet das Klima, indem er die anderen Tiere gegeneinander ausspielt. Doch nun soll ihm endlich der Prozess gemacht werden. Wird sich der windige Geselle abermals entziehen oder kann er endlich dingfest gemacht werden?
Goethes 1793 geschriebene Fabel ist in der Bearbeitung von Malte Kreutzfeldt eine komisch-böse und tiefgründige Satire auf die menschliche Gesellschaft. Der Stoff hinterfragt nicht nur die Definition von Macht und Moral, sondern zeigt Gerechtigkeit als ein sehr zerbrechliches Konstrukt, in dem wir der Lüge oft mehr Glauben schenken als der Wahrheit.
Stimmen
Tiere sind auch nur Menschen
Elmar Mann | Dresdner Neuste Nachrichten | 08.04.2026
Der überragende Otto führt ein sichtlich spielfreudiges Ensemble, das ja durchaus überwiegend tumbe Charaktere in undankbarer Unterlegenheit darzustellen hat. In durchchoreographierten Tanzszenen werden große Bilder […] erschaffen. […] Schauspieldirektor Carsten Knödler hat mit seinem Regieteam – Bühnenbildner Hans Winkler, Kostümbildnerin Ricarda Knödler und Choreograf Michael Ihnow - das Geschehen in eine fiktive Zeit nach der Menschheit verlegt. […]. Die Charakterisierung der Tierwelt gerät fantastisch, die Maske in Leitung von Anja Nickel hat in Sachen Wundbilder und Gliedmaßen voll zu tun. […] Der Abend gerät ob der Bühnenoptik und der Ausstattung zum Fest für Ästheten.
Wenn der Täuscher das System kapert
Maurice Querner | Freie Presse | 22.03.2026
Die Chemnitzer Inszenierung überzeugt […] vor allem durch ihr Tempo und ihre Spiellust. Besonders im ersten Teil entwickelt der Abend einen furiosen Rhythmus, der von Ricarda Knödlers fantasievoller Kostümarbeit betont wird. […] Im Zentrum des Abends steht Philipp Otto als Reineke. Otto findet eine bemerkenswert präzise Tonlage. Sein Reineke ist kein lärmender Trickster, kein überdrehter Clown, sondern ein kühler, analytischer Spieler. Die Lügen, Verdrehungen und Verschwörungserzählungen trägt er mit einer Selbstverständlichkeit vor, die ebenso faszinierend wie beunruhigend ist. Gerade weil Otto auf allzu deutliches Pathos und Überzeichnung verzichtet, gewinnt seine Figur an Schärfe. Hier agiert einer, der genau weiß, wie Systeme funktionieren – und wo die Schwachstellen der Individuen in vermeintlich stabilen Institutionen liegen. […] ´Reineke Fuchs´ bleibt in Chemnitz ein Ensemblestück. Ulrike Euen gibt einen herrlich tumben Widder, Susanne Stein einen korrumpierbaren Löwenkönig […], Sven Zinkan einen standhaften Wolf Isegrim, Katka Kurze eine aufstachelnde Frau Füchsin. Und Clemens Kersten setzt als Dachs Grimbart einen eigenen Akzent – als einer, der dem Fuchs in Sachen Verschlagenheit kaum nachsteht. […] Knödler verzichtet auf aktuelle Bezüge. Und doch wirkt der Abend gegenwärtig. Er erzählt von einer Welt, in der nicht Wahrheit zählt, sondern Wirkung.