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Love Me Or Leave Me

Bach meets Jazz
Ballettabend von Sabrina Sadowska

26.
Mai
Donnerstag
 

Die Straßen sind leer und verlassen, ein paar einzelne Menschen eilen schnell nach Hause. Sie halten Abstand zueinander, meiden den Kontakt. Nur die Vögel sind während der Pandemie frei, sie fliegen, wohin sie wollen und künden mit ihrem Gesang von Frühling und Leben. Sanfte Klavierklänge ertönen in der Ferne, wärmen das Herz, erwecken Sehnsucht, Hoffnung, Freude und Poesie. Es sind Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen. Die Legende besagt, sie sollen für einen befreundeten Grafen am Dresdner Hof komponiert worden sein, auf dass dessen Cembalist Johann Gottlieb Goldberg dem Grafen die schlaflosen Nächte etwas aufheitern könne. Bach komponierte mit diesen Stücken einen Höhepunkt barocker Variationskunst und eine Hommage an den großen Komponisten und Cembalisten Domenico Scarlatti. Es handelt sich um eine Aria und dreißig Variationen, welche Bach an bekannte Formen wie Polonaise, Passepied, Gigue, Menuett, Sarabande, Fuge sowie Lamento und Toccata anlehnte. Ballettdirektorin Sabrina Sadowska ließ sich während des Lockdowns von jenen Stücken zu poetischen Tänzen und kleinen Geschichten von Sehnsucht, Zweisamkeit, Leben und Freude inspirieren.

Bachsche Melodien, die in Jazz-Rhythmen münden – der zweite Teil ist eine Hommage an die große afro-amerikanische Sängerin Nina Simone. Mit leidenschaftlicher Stimme erzählt sie von einem Leben voller Entbehrungen und dem Schattendasein menschlicher Existenzen genauso wie von den Freuden körperlicher Liebe. Diese Songs gehen unter die Haut. Das Leben von Nina Simone war geprägt vom Kampf um Gleichberechtigung. Legendär ist das Konzert 1964 in der Carnegie Hall, wo Nina Simone vor einem vollständig „weißen“ Publikum Mississippi Goddam sang, einen Song über die extremen Ungerechtigkeiten gegenüber den Afro-Amerikanern in Mississippi, Alabama und Tennessee.

 
 
 
Spielort
Dauer
1 h 30 min
Spielpause
keine Pause
Einführung
30 min vor Beginn jeder Vorstellung
Altersempfehlung
ab 12 Jahren
Premiere
09.10.2020
Wiederaufnahme
22.10.2021
 

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Stimmen

Freie Presse | Katharina Leuoth | 12.10.2020

Künstler lassen sich vom Leben anregen. (…) Und so kommt nun auch Corona in die künstlerische Mangel. Sadowska nähert sich diesem in der Gesellschaft so laut diskutierten Thema sehr, sehr leise. (…) Eleganz und Anmut Dominieren. Und Können, auch wenn sich bei manchen Tänzern angesichts dieser kräftezehrenden Ballettelemente mitunter ein leichtes Zittern in den Beinen zeigt, sich Konzentration auf manchen Gesichtern niederschlägt. Auch der Mann am Klavier, Pavel Kuznetsov, dürfte sein schönes Spiel dieser perlenden, scheinbar nicht enden wollenden Variationen (…) in seinen (Finger-)Knochen spüren. (…) Wir können jetzt nicht auf den Putz hauen, aber das Leben sachte und liebevoll umarmen – diese Gedanken spiegelt das Tanzstück auf durchaus berührende Weise. Doch dann folgt der zweite Teil. (…)  Dieser (…) ist eine Hommage an afro-amerikanische Sängerinnen des Jazz und erzählt vom Kampf gegen Rassismus und für Gleichberechtigung. Super Idee, es ist nur an diesem Abend ein etwas seltsam abrupter Haken, der von Corona zu Rassismus geschlagen wird, aber am Ende hängt ja alles miteinander zusammen. (…) Darunter mit einer fabelhaften Massenchoreographie, in der das Ballettensemble gemeinsam (nah) tanzt und Energie auf die Bretter bringt. (…) So oder so: Dieser Ballettabend ist zwar choreographisch keine Innovation, keine neue Herangehensweise. Aber er ist schlicht gesagt schön in dieser Zeit. Eine Feier des Lebens. Die einen Teil des Publikums vor Begeisterung klatschend aus den Sitzen riss und auch viele Zuschauer laut und lange applaudieren ließ.

MDR Kultur | Wolfgang Schilling | 11.10.2020

Wer sie (Sabrina Sadowska ,die Chemnitzer Ballettdirektorin) mal kennengelernt hat, weiß dass das eine Frau ist, die sich nicht mit Gegebenheiten abfindet, bloß, weil die nunmal so sind. (…) Da hakt sie nach und vor allem: Da denkt sie nach. (…)

Was man im ersten Teil sieht, möchte ich mal als pittoreskes, fast spieldosenschönes klassisches Tanzen bezeichnen. (…)

Im zweiten Teil (…) auf jeden Fall nicht nur ein musikalischer, sondern auch tänzerischer Szenen-, Rhythmus- und Bewegungswechsel, der ganz fließend geschieht. (…) Irgendwann ist dann auch Martin Luther King auf dem Screen zu sehen. Die Tänzer kommen fast prozessionshaft nach vorne, eine weiße Blume in der Hand, und legen sie ab vor kleinen Porträts am Boden: keine Opfer rassistischer Gewalttaten sind das, sondern Bilder der Great Ladies of Jazz und von Martin Luther King. Also da wird’s überdeutlich: der Bezug zu den bekannten Black-lives-matter-Protesten. Will sagen: Eine Botschaft gibt’s am Ende auch noch mit auf den Weg – der noch vor uns Allen liegt.

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