Kammermusik unterwegs
Mit Musiker:innen der Robert-Schumann-Philharmonie
Mit diesem Kammermusikprogramm sind Musiker:innen der Robert-Schumann-Philharmonie erneut zu Gast im Gebäude der Deutschen Bank AG am Falkeplatz in Chemnitz. Und wie es sich für einen Abend unter dem Motto „unterwegs" gehört, führt das Programm an ferne Orte – reale wie imaginierte. Eröffnet wird der Abend mit dem Streichsextett aus Richard Strauss' letzter Oper Capriccio, das uns ins Rokoko-Frankreich des Jahres 1775 entführt – auch, wenn Strauss dabei ganz seiner eigenen, spätromantischen Harmonik treu bleibt. Zugleich ist das Sextett Teil der Handlung: In der Oper wirbt der Komponist Flamand mit eben dieser Musik um die Gräfin Madeleine – ein genialer Trick, mit dem Strauss seine eigene Komposition seiner Bühnenfigur unterschiebt.
Es folgt eine kleine Reise nach Spanien – gesehen mit französisch-italienischen Augen. Ruggero Leoncavallo, sonst vor allem als Schöpfer des Bajazzo bekannt, schrieb seine nostalgische Serenade 1898 ursprünglich für Cello und wahlweise Klavier oder Harfe – die gebrochenen Begleitakkorde weisen aber eindeutig auf Letztere hin. Maurice Ravel war in seinem Leben nur zweimal kurz touristisch in Spanien. Trotzdem prägten spanische Klänge, die ihm seine baskische Mutter und spanische Freunde wie Ricardo Viñes vermittelten, viele seiner Werke – so auch die 1907 zunächst als textlose Vokalise komponierte Pièce en forme de Habanera.
Marcel Tournier, einer der führenden französischen Harfenisten seiner Zeit, überlässt in seinem Nocturne op. 21 zwar meist dem Cello die Melodie, gestaltet die Harfenstimme aber so raffiniert, dass sie weit mehr als bloße Begleitung ist.
Nach so viel imaginiertem Spanien führt Manuel de Fallas Suite populaire espagnole zu den echten Quellen: Vier der ursprünglich sieben Siete canciones populares españolas erklingen – die Asturiana als Klagelied, die tänzerische Jota, das schwebende Wiegenlied Nana und die Canción als Liebesklage. De Falla ließ sich dabei unmittelbar von authentischen spanischen Volksliedmodellen inspirieren.
Den Abschluss bildet Peter Tschaikowskys Streichsextett d-Moll op. 70, das er Souvenir de Florence nannte. Italienische Sonne sucht man darin vergeblich – slawische Klänge dominieren und nur das Hauptthema des Adagio wurde tatsächlich in Florenz notiert. „Welch ein Sextett …", schrieb Tschaikowsky begeistert an seine Gönnerin Nadeshda von Meck, „… und die Fuge am Schluss; es ist ein Vergnügen, es ist beängstigend, in welchem Maße ich mit mir zufrieden bin."
Richard Strauss
Streichsextett aus der Oper Capriccio op. 85
Ruggero Leoncavallo
Serenade für Violoncello und Harfe
Maurice Ravel
Pièce en forme de Habanera für Violoncello und Harfe
Marcel Tournier
Nocturne für Violoncello und Harfe op. 21
Manuel de Falla
Ausschnitte aus der Suite populaire espagnole
Peter Tschaikowsky
Streichsextett d-Moll op. 70 Souvenir de Florence
Therese Matschke
Ulla Walenta