Gedankenkarussell I
Auf der Suche nach Wahrheit: Zeitgeschichte in der Kunst
Diskussionsrunde mit Benjamin Reiners (Generalmusikdirektor der Theater Chemnitz, Dirigent von Rummelplatz) und Adina Rieckmann (Kunstkritikerin, Regisseurin der MDR-Dokumentation Schacht 371)
Moderation: Friederike Pank (Dramaturgin)
Die Wahrheit ist so ein endloses Ereignis, dass man sich ihr immer nur nähert,
ankommt man nie.
Rummelplatz, 3. Akt
Die DDR-Zeit und die Nachwendezeit wurden von verschiedenen Menschen ganz unterschiedlich erlebt: Für die einen standen im Sozialismus Aufbau und Zusammenhalt im Vordergrund, andere haben Unrecht und Unterdrückung erfahren. Viele Menschen haben die Wende als Befreiung erlebt, für viele war es aber auch ein von Verlusten geprägter Einschnitt. In Rummelplatz macht Werner Bräunig genau diese Widersprüchlichkeit von Zeitgeschichte zum Thema und verhandelt die Suche nach Wahrheit als offene Frage. Er arbeitet mit vielen Hauptfiguren, die mit ganz unterschiedlichen biografischen Hintergründen im Wismut-Bergbau aufeinandertreffen. Glühende Nationalsozialisten arbeiten neben ehemaligen KZ-Insassen, Widerständler konfrontieren Parteifunktionäre, und alles dreht sich um die Frage: Wie kann ein Neuanfang aussehen in einer zersplitterten Gesellschaft?
Anders als im politischen Kontext, wo ständiger Entscheidungsdruck herrscht, bietet die Kunst die Möglichkeit, bei diesen Widersprüchen stillzustehen und sie nebeneinander zu betrachten. Im ersten Nachgespräch widmeten wir uns den Chancen dieses ergebnisoffenen Erinnerns und spürten der in Rummelplatz verhandelten Zeitgeschichte aus verschiedenen Blickwinkeln nach.
Das Publikum ist eingeladen, sich mit persönlichen Erinnerungen, Fragen und Gedanken am Gespräch zu beteiligen.
Die Rummelplatz-Eintrittskarte gilt für den Besuch des Gedankenkarussells im Anschluss an die Vorstellung, aber auch für alle weiteren Nachgespräche dieser Diskussionsreihe.
Einen Überblick über die Reihe finden Sie hier.