Frankenstein
Von Nick Dear nach dem Roman von Mary Shelley
Deutsch von Corinna Brocher
In leidenschaftlichem Forschungsdrang erschafft Victor Frankenstein eine Sensation: Ein Wesen, nach dem Abbild des Menschen aus Leichenteilen geformt und mit Leben versetzt. Doch bei dessen Anblick ist Frankenstein nicht fasziniert, sondern entsetzt: Ein solcher Schrecken geht von der Kreatur aus, dass Frankenstein die Flucht ergreift. Und er ist nicht der Einzige. Wo auch immer das Wesen auftaucht, provoziert sein Anblick Furcht und Zurückweisung. Seine Hoffnung auf Liebe wird weder von seinem Schöpfer noch sonst jemandem erwidert. Alle Versuche, sich in der Welt zurechtzufinden und von den Menschen angenommen zu werden, scheitern. Schließlich bittet es um eine Gefährtin von seiner Art. Doch die Vorstellung, ein zweites Ungetüm zu schaffen, ist für Frankenstein unerträglich. Er verweigert sich und löst damit einen Rachefeldzug aus: Während er vergeblich versucht, seine Schöpfung wieder einzufangen, zieht das Wesen seiner Wege und tötet Frankensteins Liebste. Der Drang nach wissenschaftlicher Erkenntnis hat sich in blanken Horror verwandelt.
Inspiriert von den naturwissenschaftlichen Experimenten ihrer Zeit schuf Mary Shelley mit ihrem 1818 erschienenen Roman Weltliteratur, die bis heute die Fantasie beflügelt. Spätestens durch die Verfilmung mit Boris Karloff als Monster wurde Frankenstein zum Inbegriff des Horrors und fand Eingang in die Popkultur. Doch der Roman verhandelt auch den Umgang mit dem Neuen und dem Fremden – und stellt im Zeitalter von Gentechnik und künstlicher Intelligenz mehr denn je die Frage nach Verantwortung und den Grenzen menschlichen Schaffensdrangs.