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Ein nacktes Ohr am Hasenbein der Liebe

ODER WIE MAN WIDER WILLEN KLÖTZE FLOHT
Farce von Rebekka Kricheldorf | Deutsche Erstaufführung

 
 

Der Ort: Ein WG-Wohnzimmer. Die Stimmung: verkatert. Louise und ihr Mitbewohner Momo bekommen Besuch. Durch die eingetretene Tür (der Schlüssel wurde leider verlorsoffen) kommt nicht nur der Lieferando-Män mit 500 Rollmöpsen im Gepäck (die Bestellung war ein Missverständnis), sondern auch Louises beste Freundin Amelie. Diese hat sich gerade unsterblich in Hannes Schlumberger verliebt, Verhaltenspsychologe und Autor des Vortrags „Bindungsprobleme und ihre Lösung – wie kriege ich den Skischuh ab?“. Doch da Louise selbst an Hannes Gefallen findet und der Sis Code es verbietet, dem gleichen Mann nachzustellen wie die beste Freundin, muss schleunigst ein anderes Love Interest für Amelie organisiert werden. Ein turbulentes Unterfangen: Ein 7-Gänge-Candlelight-Lunch, einen missglückten Abenteuertrip und eine Begegnung mit verirrten Furrys später kommt es zum Show Down im Romantikhotel Rosenstolz. Und wer bezahlt jetzt eigentlich die 500 Rollmöpse? 

Rebekka Kricheldorf spielt lustvoll auf der Klaviatur der Farce und transportiert sie gekonnt ins 21. Jahrhundert. Marc-Uwe Kling würde sagen: Frisch, frech und völlig absurd!

 
 

Weitere Termine

Donnerstag, 26. Februar 2026
Spinnbau - Ostflügel
Ausverkauft
Samstag, 14. März 2026
Spinnbau - Ostflügel
Ausverkauft
Donnerstag, 02. April 2026
Spinnbau - Ostflügel
Ausverkauft
Montag, 06. April 2026
Spinnbau - Ostflügel
Ausverkauft
Freitag, 10. April 2026
Spinnbau - Ostflügel
Ausverkauft
 
Bühne und Kostüme
Dramaturgie
Louise; Rosa Brodolkowitz, Frau der Fetten Möhre; Kellner
Claire; Amelie; Lieferando-Män; Professor Doktor Hilmar Frustrenius; Klischeemexikaner / Klischeefranzose / Klischeedeutscher
Momo; Leonard; Hannes Schlumberger
Lulu Rorschach-Schopenhaua; Elena; Marius-Brodolkowitz aka Die Fette Möhre
Live-Musik
 
Dauer
1 h 45 min
Spielpause
ohne Pause
Altersempfehlung
14+
Premiere
30.01.2026
 

Digitales Programmheft

Kricheldorfs Einladung zu heiterem Spektakel

Zwei Personen stehen vor einer blau gemusterten Wand. Die eine trägt ein rotes Outfit mit blauer Strumpfhose, die andere ein gestreiftes Oberteil und einen langen gemusterten Rock. Beide halten Getränke in der Hand. Rechts steht eine leuchtende grüne Kaktuslampe.
Alida Bohnen (Rosa Brodolkowitz), Ulrike Euen (Amelie) © Nasser Hashemi

Wir alle spielen Theater. Das wusste nicht nur Erving Goffman, das wusste schon Shakespeare.

Und die Weltbühne kann bisweilen ein ziemlicher Irrgarten sein. Bei Rebekka Kricheldorf verheddern sich die Figuren (16 an der Zahl, gespielt von vier Personen) in ihren Identitäten genauso wie im (Rollen)spiel des Liebeslebens. Missverständnisse, Dreiecksgeschichten und irregeleitete sexuelle Energie – in bester Boulevardtradition schreibt Kricheldorf höchst unterhaltsame Verwicklungen und nimmt eine wohlstandverwahrloste Bourgeoisie von heute aufs Korn. Dass dabei so manches Mal der französische Vaudeville-Autor Georges Feydeau mit dem Zaunpfahl zu winken scheint (Spoiler: er ist nicht der einzige), ist kein Zufall: Kricheldorf schöpft mit Vorliebe aus allem, was sie inspiriert, um daraus etwas Neues zu kreieren. Sie „verwurstet“ literarische Klassiker, Mythen und Märchen genauso wie Popkultur und Comics und schreibt dabei vor allem, um sich selbst „bei Laune zu halten“. Sie möchte weder erklären noch belehren, sondern im Gegenteil „Gewissheiten ins Wanken [...] bringen“, auch bei sich selbst. 
In der Komik sieht Kricheldorf dabei eine ganz besondere Kraft: Der Eindeutigkeit, dem Schubladen- und Schwarz-Weiß-Denken mit bunter Absurdität und lustvollem Spektakel zu begegnen, ja, sie im Lachen aufzubrechen. Kricheldorf zelebriert so auf moderne Art, was Michail Bachtin schon im mittelalterlichen Karneval entdeckte: die Möglichkeit, „das ganze offizielle System mit allen seinen Verboten und hierarchischen Schranken zeitweilig außer Kraft [zu setzen].“ Die Verbote und Schranken von heute mögen weniger offiziell, weniger sichtbar sein als im Mittelalter, doch sie existieren genauso. Seien es die Zwänge des Alltags oder der eigenen Vorstellung, die Komik bietet eine Möglichkeit des Ausbruchs. Sie schafft Raum für „Mesaillancen“, in dem sich vermengen und verbinden kann, was sonst getrennt ist. Sie schafft Raum für Ambivalenz, für Mehrdeutigkeit und Widerspruch. Vor allem ist sie aber eine Erinnerung, die Welt und sich selbst nicht zu ernst zu nehmen: Es darf gelacht werden, über alles und jeden. Mit Bachtin gesprochen ist das Lachen der „Sieg über die moralische Furcht“. Was vordergründig als banaler Slapstick, klassischer Boulevard oder auch intellektuelle Taschenspielerei erscheinen mag, birgt so in sich das Potenzial einer „utopischen Freiheit“, indem das Bewusstsein aufgehellt und die Welt auf eine neue Weise geöffnet wird – und diese plötzlich wieder Schauplatz und Bühne für Faszination, Sinnlichkeit und Inspiration ist. 

 

Text von Maria Kordasch unter Verwendung von Bachtin, Michail M.: Literatur und Karneval. Zur Romantheorie und Lachkultur. Frankfurt am Main: Fischer 1990, sowie Kricheldorf, Rebekka: Dem Tod ins Gesicht lachen. Ein Plädoyer für Komik und die Feier des Absurden im Theater. Berlin: Alexander Verlag 2022. Titelzitat von Arthur Schopenhauer.

 
Eine Person mit schwarzer Lockenperücke, roter Fliege und Netzoberteil telefoniert mit einem Handy neben einer großen Vase mit roten Rosen, dahinter ein blauer Hintergrund.
Konstantin Weber (Momo) © Nasser Hashemi

Rebekka Kricheldorf wurde 1974 in Freiburg im Breisgau geboren und lebt heute in Berlin. Dort studierte sie Romanistik an der Humboldt-Universität sowie Szenisches Schreiben an der Universität der Künste. Kricheldorf schrieb zahlreiche Auftragswerke, u.a. für die Staatstheater Stuttgart und Kassel und das Deutsche Theater Berlin, und übersetzte elisabethanische Dramen aus dem Englischen. 2004 war sie Hausautorin am Nationaltheater Mannheim, von 2009 bis 2011 war sie Dramaturgin und Hausautorin am Theaterhaus Jena. Kricheldorf war mehrfach zu den Mülheimer Theatertagen sowie den Autorentheatertagen in Berlin eingeladen und erhielt für ihre Werke u.a. den Kleist-Förderpreis sowie den Publikumspreis des Heidelberger Stückemarkts. 2019 übernahm sie die achte Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik der Universität des Saarlandes. Ihre dort gehaltenen Vorträge sind unter dem Titel Dem Tod ins Gesicht lachen. Ein Plädoyer für Komik und die Feier des Absurdenim Theater im Alexander Verlag Berlin erschienen. 2020 schrieb sie ihren ersten Roman, Lustprinzip.

 
Ein Mann mit gelber Mütze und gemustertem Hemd beugt sich vor, um eine Frau mit Brille und roter Jacke mit Halskrause zu küssen, und hält sie in einer dramatischen Pose vor einem blau gemusterten Hintergrund.
Sven Zinkan (Marius Brodolkowitz), Alida Bohnen (Rosa Brodolkowitz) © Nasser Hashemi

Im roten Haserl am Rosenstrauch
Da steht das Glück vor der Tür
Und ruft dir zu: Guten Abend

                

Und ruft dir zu: Guten Morgen!

Guten Abend!

                Und ruft dir zu: Guten Morgen!
                Tritt ein und vergiss deine Sorgen!

Sonst reimt es sich doch nicht, Herrgottsackra!

 

Und musst du dann einmal fort von hier
Tut dir der Abschied so weh
Dein Herz das hast du verloren
Im roten Haserl am Stolz.

 

                Wieso Stolz, hä?

 

Im roten Haserl am Rosenstolz

Da klotzt das Glück an der Tür

 

                Da floht der Klotz an der Tür!

 

Und ruft dir zu: Guten Morgen

Tritt ein und vergiss deine Sorgen!

Und bringt der Kellner dir süßen Wein

Und stehst du nackt vor der Tür

Hast du dein Herz verloren

Im roten Haserl am Ohr

 

 

Kathrin Brune

 
 

Stimmen

Warum Sie dieses Stück im Ostflügel sehen müssen

Sarah Hofmann | Freie Presse | 01.02.2026

Ein wilder Mix aus Social-Media-Sturm, Beziehungschaos und 500 Rollmöpsen: „Ein nacktes Ohr am Hasenbein der Liebe“ begeistert das Publikum im Spinnbau. […] Regisseurin Katrin Brune greift den Stoff mit leichter Hand auf, verteilt die mehr als zwanzig handelnden Figuren auf vier Spielende, packt diese in die mit psychedelischer Tapete ausgestattete Bühnenkammer von Ricarda Knödler und entfaltet ein absurdes Liebesverwirrspiel von shakespear’schem Ausmaß. […] Innerhalb weniger Minuten wechseln die Spieler ihre Rollen und Figuren und schaffen es dabei voller Spiellust, jeder einzelnen einen wiedererkennbaren, individuellen Touch zu verleihen. […] Der Musiker Bernd Sikora kommentiert das gesamte Geschehen live an Schlagwerk und Synthesizer, schafft und verstärkt Stimmungen und treibt die Absurdität der Handlung auf die Spitze. So entsteht ein filmisches – oder vielleicht eher serienähnliches – Setting.

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