Der Bajazzo
Drama in einem Prolog und zwei Akten von Ruggero Leoncavallo
Wie viel Mensch steckt in einem Künstler? Wie viel echtes Leben fließt in eine Bühnenshow ein? Mit seinem Meisterwerk Der Bajazzo hat Ruggero Leoncavallo ein packendes Drama voller Leidenschaft, Intrigen, Verzweiflung und Melancholie erschaffen, das mit seiner thrillerartigen Handlung, großen emotionalen Bandbreite und eindringlichen Musik durch Mark und Bein geht. In einer Spieldauer von weniger als eineinhalb Stunden durchlebt eine Gruppe von Zirkusartisten sämtliche menschliche Tragödien, die man sich nur vorstellen kann: Liebe, Eifersucht, Rache, Verrat … Dabei verschwimmen die Grenzen von Kunst und Realität, bis die Figuren selbst nicht mehr wissen, ob sie sich noch in ihrer Abendvorstellung oder schon zurück auf dem grausamen Boden der Tatsachen befinden. Wenn sich der immer rasanter werdende Strudel der großen Gefühle schließlich in zwei Morden auf offener Bühne entlädt und der Bajazzo ruft „Die Komödie ist aus!“, bleibt in der plötzlichen Stille nach dem Fallen des Vorhangs nur die erschrockene Frage: War das nun echt oder doch nur gespielt?
Elisabeth Dopheide (23.11. / 13.12.2025 / 24.01.2026 / 18.04.)
Thomas Kiechle (23.11. / 13.12.2025 / 27.02. / 18.04.2026)
Robert-Schumann-Philharmonie
Stimmen
So modern kann Oper sein!
Sarah Hofmann | Freie Presse | 17.11.2025
Die Chemnitzer Inszenierung von „Der Bajazzo“ zeigt eindrucksvoll, wie zeitgemäß Oper sein kann, wie ihr moderne Lesarten einerseits nicht schaden, wie andererseits gute Stoffe und großartige Musik auch nicht aus der Mode kommen und relevant bleiben. Gleichzeitig gibt die formale Umsetzung – etwa in Form von passenden und sich ins Gedächtnis brennenden Videopassagen, der Nutzung von Licht, Drehbühne und Kleidung – eine wahre Flut an Assoziationen und Querverweisen an die Hand und macht das Stück wirklich sehenswert.
Chemnitz: „Der Bajazzo“, Ruggero Leoncavallo
Thomas Thielemann | deropernfreund.de | 16.11.2025
Die musikalische und darstellerische Umsetzung der Arbeit des Inszenierungskollektivs ließ keine Wünsche offen. […] Als Musikalischer Leiter des Abends vermittelte Johannes Braun mit der Robert-Schumann-Philharmonie die pointierte Musik. Mit deutlicher Zeichengebung sorgte er für den vorwärtsdrängenden Schwung der Entwicklung der Dramatik und sicherte in jeder Phase ein packendes Zusammenspiel des Grabens mit der Bühne[…] Mit lebhaftem Spiel und einer in allen Lagen starken Stimme füllte der Tenor Daniel Pataky die Partie des Canio glanzvoll aus […] Seine glanzvoll timbrierte Stimme bot die Rohheit ungebremster Emotionen. […] Als Nedda gelang der Sopranistin Akiho mit dem Vogellied den Lebensdurst einer jungen Frau anschaulich zu gestalten. Mit strahlender Höhe, impulsivem Klang und in besten Legato ausgesungenen Passagen belegte sie ihrer Sehnsucht nach Unabhängigkeit. […] Berückend wie Akiho Tsujii mit wenigen Tönen ihre Figur zusammenbrechen ließ. Mit einer eher intellektuellen Erscheinung, der natürlichen Art der Bewegung und seiner schönen, tragenden Stimme bot der Ensemble-Bariton Jakob Ewert einen hervorragenden Silvio. Gezielt eingesetztes Vibrato, klare Diktion und ein metallisch-leuchtkräftiger Bariton kennzeichneten seine Rollenauslegung. Für den grandios durchgestalteten Prolog der Oper ließ der Bariton Thomas Essl seine sowohl mit Schwärze als auch eindrucksvoller Höhe ausgestatteten Stimme scheinbar mühelos strömen. Sorgfältig ausbalanciert und sensibel, zeichnete Essl mit differenziertem Gesang und engagiertem Spiel die schwierigen Charakterzüge seiner Tonio-Darstellung.