Spielplan

Denkfabrik III

So
06.
Mai
Schauspiel

Denkfabrik III

mit dem Dresdner Soziologen Dr. Tino Heim

 
 

 

Zum dritten Mal in dieser Spielzeit findet am 6. Mai um 15.00 Uhr auf der großen Bühne die Denkfabrik statt. Als Gastredner begrüßen wir den Dresdner Soziologen Dr. Tino Heim:

Verdrängte Krisen – autoritäre Krisenreaktionen – projektive Feindbilder

Hintergründe populistischer Mobilisierungen und autoritärer Verschiebungen

Dr. Tino Heim

Die ostentativen Abgrenzungen vom ‚Rechtspopulismus‘ bei ‚Pegida‘ oder AfD verdecken kaum mehr die generellen autoritären, nationalistischen und (neo-)rassistischen Verschiebungen in den Parteien der ‚Mitte‘. Zugleich haben die im Rechtspopulismus verschärft reproduzierten projektiven Angst- und Feindbilder (‚Islamismus‘, ‚Asylmissbrauch‘, ‚Überfremdung‘, ‚Sozialschmarotzertum‘ etc.), eine lange Tradition in ‚normalen‘ medialen und politischen Diskursen. Das lautstarke Beschwören der ‚Flüchtlingskrise‘, die sicherheitspolitische Aufrüstung gegen ‚Fremde‘ und ‚Gefährder*innen‘ oder die Renationalisierung der staatlichen Interessenpolitik überdecken und ersetzen dabei die Auseinandersetzung mit zahlreichen innergesellschaftlichen Krisen, für die auch die etablierte Politik keine tragfähigen Lösungen zu bieten hat. Die Krise der Wirtschafts-, Bildungs- und Sozialsysteme oder der geopolitischen Beziehungen, aber auch die globalen Fluchtbewegungen haben schließlich geteilte Hintergründe in einer generellen Krise des globalen Kapitalismus, in der neoliberalen Politik der letzten Dekaden und in jenen Konsum-, Wirtschafts- und Wachstumsmodellen, die auch unseren alltäglichen Lebensgewohnheiten und Orientierungen zugrunde liegen. Ein Angehen der Ursachen würde hier die konflikthafte Suche nach gesellschaftlichen Alternativen erfordern – eine Aufgabe die weit schwerer zu bewältigen sein dürfte als projektive Abwehrkämpfe und Stellvertreterkriege gegen ‚Fremde‘.

Der Vortrag fragt nach den Hintergründen dieser generellen politischen Verschiebung und der ihnen zugrunde liegenden sozialen, ökonomischen und politischen Spaltungen im bundes- und EU-weiten sowie im genuin sächsischen Kontext. Die Frage wie die vielfältigen Krisendynamiken und Konfliktlinien unserer Gesellschaft zum Gegenstand einer demokratischen Auseinandersetzung werden könnten, die auch dem Rechtspopulismus den Nährboden entzieht, soll Anlass einer offenen Diskussion sein.

Tino Heim (Dr. phil.) ist Sozialwissenschaftler mit Arbeitsschwerpunkten in der Kritik der politischen Ökonomie, der kritischen Diskursanalyse, der Ungleichheits-, Konflikt- und Protestforschung sowie in der Kultur- und Geschlechtersoziologie. Nach einem Studium der Soziologie, Philosophie und Erziehungswissenschaften in Dresden und New York hat er zunächst zur Institutionalisierung von Kunst im Staatssozialismus und Kapitalismus geforscht und zur „‚Realität‘ der Klassengesellschaft“ (mit G. Gebhard und K.S. Rehberg, Münster 2007) publiziert. Seine Promotion „Metamorphosen des Kapitals. Kapitalistische Vergesellschaftung und Perspektiven einer kritischen Sozialwissenschaft nach Marx, Foucault und Bourdieu“ erschien 2013 bei transcript. In den letzten Jahren hat er sich vielfältig mit den Ausformungen von Nationalismus, Autoritarismus, Rassismus und Sexismus im Kontext jüngster globaler Krisendynamiken sowie mit den Mechanismen der politischen Verdrängung und Verdeckung gesellschaftlicher Antagonismen und Konfliktlagen beschäftigt – etwa im Band „Pegida als Spiegel und Projektionsfläche“ (Wiesbaden: Springer VS 2016). Derzeit arbeitet er an einer Habilitation über rechtspopulistische und neokonservative Geschlechterdiskurse und -politiken im Kontext einer verschärften Krise der Reproduktionsarbeit. Er schreibt u.a. regelmäßig für die ‚kultuRRevolution – Zeitschrift für angewandte Diskurstheorie‘.

Aktuelle Monograhpie: Heim, Tino: Metamorphosen des Kapitals. Kapitalistische Vergesellschaftung und Perspektiven einer kritischen Sozialwissenschaft nach Marx, Foucault und Bordieu. Bielefeld 2013.

 

Spielort:Schauspielhaus - Große Bühne
Information:Kostenfreie Eintrittskarten erhalten Sie ausschließlich über unsere Vorverkaufsstellen.
So, 06. Mai | 15:00 Uhr
Eintritt frei Anmeldung
 
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