Wiederaufnahmen

Stella

Di
05.
Dezember
Schauspiel

Stella

Schauspiel für Liebende von Johann Wolfgang von Goethe

 
 

Wenn zwei Frauen den gleichen Mann lieben, kann das tragisch enden. Das Objekt der Begierde ist der Offizier Fernando. Er hat seine Frau Cäcilie und die gemeinsame Tochter Lucie verlassen und sich in die Baronesse Stella verliebt. Für die junge Stella ist Fernando die große Liebe. Doch nach fünf Jahren seligen Glücks verlässt Fernando auch sie und zieht in den Krieg. Eines Tages erscheint Cäcilie mit ihrer Tochter Lucie zufällig bei der jungen Baronesse, um gerade in ihrem Haus für Lucie eine Anstellung zu erbitten. Noch wissen beide Frauen nicht, welche Leidens- und Liebesgenossinnen sie sind und freunden sich an. Als dann Fernando aus dem Krieg zurückkehrt, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Es wird geliebt und gelitten. Unbändige Liebe, Sehnsüchte, Begehren und Zweifel treiben fortan die Figuren an. Gibt es einen anderen Ausweg als den Tod?

Goethes (1749 – 1832) Stella hält einen modernen und zugleich provokanten Gegenentwurf parat: Eine offene Dreiecksbeziehung – die Ehe zu dritt statt Tod und Verzweiflung! Goethe schrieb Stella 1775. Ein Jahr zuvor hatte ihn die Geschichte einer Frau zwischen zwei Männern berühmt gemacht. Im "Werther" erzählte er noch das Drama eines Mannes, der sich in die Frau seines Freundes verliebt und am Ende keinen anderen Ausweg sieht als den Selbstmord. Nun wählte Goethe die Perspektive der Frau. Stella und Cäcilie lieben Fernando. Das macht sie zu Schicksalsgefährtinnen, die einen ungewöhnlichen Weg gehen: Statt auf den zurückgekehrten Fernando zu verzichten, verzichten sie auf den Wunsch, ihn für sich allein zu besitzen und stellen sich damit gegen die Konventionen. Für Goethes Zeitgenossen war das ein Schock und ein so unvorstellbarer Ausgang, dass Goethe seinem Stück 1806 einen anderen Schluss geben musste: Fernando wählte den Freitod durch die Waffe und Stella durch Gift. So war die bürgerliche Ordnung zumindest für das Publikum wieder hergestellt.

Sind wir heute bereit für derartige Modelle? Inwieweit empfinden wir diese – in Zeiten von Patchwork-Familien und polyamoren Lebensentwürfen – überhaupt noch verwerflich? Ganz sicher nicht im gleichen Maße wie Goethes Zeitgenossen. Aber sind wir wirklich bereit, uns von Besitzansprüchen und Verlustängsten zu lösen? Oder gibt es nicht in jedem von uns diesen kleinen Teufel namens Eifersucht, der sich immer dann einschleicht, wenn wir glauben, nicht genug zu bekommen – nicht genug Liebe, Aufmerksamkeit, Begehren …?

Spielort:Schauspielhaus - Ostflügel
Spielzeit:1 h 30 min / keine Pause
Altersempfehlung:ab 16 Jahren
Premiere:04.03.2016
Di, 05. Dezember | 20:00 Uhr  
Preis: 12,00 €

Weitere Termine

30.12.2017Samstag20:00 Uhr   Schauspielhaus - Ostflügel  
14.01.2018Sonntag18:00 Uhr   Schauspielhaus - Ostflügel  

Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam
Regie Alexander Flache

Bühne und Kostüme Anja Furthmann

Dramaturgie Kathrin Brune

Besetzungsliste des Stückes

Besetzungsliste

Pressestimmen zum Stück

Pressestimmen

„Karacho“ schreibt in Ausgabe 04/05 2016

Sehnsucht und Verzweiflung
Alles dreht sich um Fernando – Goethes ‚Stella‘ im Schauspiel

In der Mitte ein rundes Podest voller Sand. Drumherum vier Glaskästen. Das ist der LANDSITZ; auf dem Stella leidet. Blutjung und schon verlassen. Von Fernando, der vor ihr schon Frau und Tochter aufgab. Irgendwie kann er nicht anders. Er braucht seine Freiheit. Doch nun kommen sie alle wieder zusammen – und die Haushälterin von Stella noch dazu. Nun ja…

Eigentlich geht es bei ‚Stella‘-Inszenierungen ja immer nur ums Ende. Welchen Schluss wird die Regie wählen? Goethe hat zwei vorgeschlagen: eine praktische Dreierbeziehung oder den Freitod von Stella und Fernando. Das Schauspiel Chemnitz hat eine dritte Idee. Und die ist durchaus nachvollziehbar. All dieses weibliche Liebesleid, dieser entrückte Gefühlsrausch ist einfach zu anstrengend, um Glück zu verheißen. Wer soll diese Stella aushalten, die nichts weiter vom Leben will als den einen Mann und die geradezu hyperaktiv um ihn kreist, wenn sie nicht gerade anderweitig ihr Herz ausschüttet. Und wer soll Cäcilie ertragen, die sich so nüchtern und gefasst für den Spatz in der Hand entscheidet, dass die Vermutung nahe liegt, dass es weniger um Liebe als um Sicherheit geht. Und wenn dann noch die Haushälterin daneben steht, ein recht unberechenbares Weib, das auch gern als blanker Vorwurf daher kommt, dann bleiben dem Mann nicht viele Optionen. Ach ja…

Das Programmheft dreht die Idee von polyamourösen Beziehungen hin und her, aber darum geht es nur in den letzten paar Minuten der Inszenierung. Zuvor schauen wir anderthalb Stunden lang zu, wie vier Schauspielerinnen und ein Schauspieler schöne Wesenszüge für ihre Figuren erarbeiten, Facetten von Gefühl und Herzeleid – oder eben jugendlicher Unbekümmertheit. Nur fügt sich das alles nicht zu einem spielerischen Ganzen. Viel zu sehr wird da das Bühnenbild inszeniert als der Goethe-Text, so bleibt nicht nur die Poesie der Zeilen auf der Strecke, die Schönheit der Sprache, die Erhabenheit der ehrlichen Liebe, sondern auch der Reiz der verschiedenen Beziehungen untereinander. Auch wenn da manches schöne Bild gestellt ist, es wirkt weder tief noch nach. Nun ja…

Jenny Zichner

Die „Freie Presse“ schreibt am 09.03.2016

Peepshow der Gefühle

Drei Liebende - haben sie gemeinsam eine Chance? Im Chemnitzer Schauspiel sucht man mit Goethes ‚Stella‘ eine Antwort.

Das kann nicht gutgehen: ein Mann zwischen zwei Frauen, große Gefühlswallung und der Vorschlag, es doch zusammen zu versuchen. Dieser Vorstoß Goethes in der ersten Fassung seiner ‚Stella‘ (1776) kollidierte mit den moralischen Vorstellungen des damaligen Publikums, was eine zweite Version nach sich zog. Der Weimarer Dichterfürst, der sich auch anderweitig, etwa in dem Roman ‚Wahlverwandtschaften‘, mit dem Schicksal von Paaren auseinandersetzte, ließ in dem Schauspiel für Liebende schließlich den Tod den Schlusspunkt setzen - hinter eine Qual der Wahl, der Fernando nicht gewachsen war. Nachdem 1997 der damals aufstrebende Jungregisseur Michael Thalheimer eine grandiose ‚Stella‘-Version in Chemnitz auf die große Bühne stellte, brachte jetzt Regisseur Alexander Flache das Stück im Ostflügel des Hauses heraus. Ein Mann von Illusionen ist Flache ganz offensichtlich nicht, denn er wählte nicht den Goetheschen Ursprungstext. In seiner Inszenierung zerreißt ein Schuss die gerade zaghaft in den Raum geworfene Vision einer Ménage-à-trois in blutgetränkte Stücke.

Vier winzige Plexiglashäuser, in denen die Figuren sitzen. Dazwischen kleine Blöcke mit den Sitzreihen fürs Publikum. Und in der Mitte dreht sich ein kleines rundes Podest. Ausstatterin Anja Furthmann hat dem Ostflügel ein Peepshow-Flair verpasst. Gefühlsmäßig wird hier blank gezogen: Liebe, Leidenschaft und Leid fahren Karussell. Wie liebt man, wie lebt man zusammen? Da hat sich seit Goethes Zeiten wohl einiges verändert - und vieles doch auch nicht. Flache sucht einen Zugang zu dem wohl nie auserzählten Stoff, der moderner Befindlichkeit nahe kommt - ein flüchtiger Frauenkuss inklusive. Und doch geht es eigentlich nur um Leonardo. Jan Gerrit Brüggemann zeigt ihn als schnell erschöpften Mann, dessen Unfähigkeit, sich für eine der Frauen zu entscheiden und in der Konsequenz die andere zu verletzen, im Freitod mündet. Dass er sie einst verließ, hat Ehefrau Cäcilie (Maria Schubert) hart gemacht. Stella (Magda Decker) dagegen ist der leicht entflammbare Widerpart. Den kurzen Liebestaumel der drei Unglücklichen und den Vorschlag einer Beziehung zu dritt kommentiert die erfrischend unbekümmerte Nochnichtfrau Lucie (wunderbar: Lysann Schläfke) mit zunehmend skeptischem Blick.

Es gab langen Beifall vom Premierenpublikum.

Uta Trinks

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