© Dieter Wuschanski

Spielzeit 2018/2019

Und Nietzsche weinte

So
11.
November
Schauspiel

Und Nietzsche weinte

Nach dem Roman von Irvin D. Yalom in einer Bühnenfassung von Kathrin Brune
Deutsch von Uda Strätling
DEUTSCHSPRACHIGE ERSTAUFFÜHRUNG

 
 

Ende des 19. Jahrhunderts führt eine bizarre Dreiecksbeziehung dazu, dass die deutsche Philosophie auf dem Spiel steht. In einer Zeit des kulturellen Wandels, irgendwo zwischen Zukunftseuphorie und Zukunftsangst, Lebensüberdruss und Endzeitstimmung, bittet Lou Salomé den angesehenen Arzt Prof. Josef Breuer, Friedrich Nietzsche zu helfen. Er soll ihn von seiner selbstzerstörerischen Obsession für sie kurieren. Doch kann man jemandem helfen, der Hilfe als Schwäche sieht? Breuer nimmt die Herausforderung an und unterzieht Nietzsche einer ungewöhnlichen „Redekur“. Schnell kehrt sich das Verhältnis zwischen Arzt und Patient um, gewinnt an Augenhöhe und wird zu einer leidenschaftlichen und scharfen Auseinandersetzung über das Menschsein und individuelle Entwicklungsmöglichkeiten im Korsett gesellschaftlicher Zwänge. Hat man sein Leben selbst gewählt? Was bedeutet Freiheit? Warum ist Gott tot und wer hat ihn getötet? Humorvoll und in surrealen Szenarien durchforsten Breuer und Nietzsche das Sumpfgebiet versteckter Leidenschaften und Begierden – und tragen auf dem Pfad ihrer menschlichen, allzu menschlichen Abgründe unglaubliche Blüten zu Tage.

Irvin D. Yalom (*1931) verstrickt reale Figuren in eine fiktive Handlung. Die Philosophie Friedrich Nietzsches trifft auf die Anfänge der Psychoanalyse. Der scharfe und reizbare Ton von Nietzsches Schriften spricht so überbordend vom Leben und fürs Leben, dass sie – gleich einer Axt – eine tiefe Kerbe in unsere Komfortzonen schlagen und uns zwangsläufig mit Fragen unserer individuellen und gesellschaftlichen Lebensrealität konfrontieren. 

In Zusammenarbeit mit dem Ballett Chemnitz

Nach dem Buch Und Nietzsche weinte (Orig.: When Nietzsche wept) von Irvin D. Yalom © 1992, in Vereinbarung mit dem Autor.

 

 

Spielort:Schauspielhaus - Hinterbühne
Dauer:1 h 45 min / keine Pause
Altersempfehlung:ab 16 Jahren
Premiere:23.02.2018
Einführung:30 Minuten vor Beginn jeder Vorstellung
So, 11. November | 18:00 Uhr
Preis: 12,00 €
 

Weitere Termine

13.02.2019 Mittwoch 19:30 Uhr    
Schauspielhaus - Hinterbühne
11.04.2019 Donnerstag 19:30 Uhr    
Schauspielhaus - Hinterbühne
18.04.2019 Donnerstag 19:30 Uhr    
Schauspielhaus - Hinterbühne
14.05.2019 Dienstag 19:30 Uhr    
Schauspielhaus - Hinterbühne
22.05.2019 Mittwoch 19:30 Uhr    
Schauspielhaus - Hinterbühne

Bilder zum Stückes

Bilder
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Videomedien zum Stück

Video

Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam
Regie und Bühnenfassung Kathrin Brune

Bühne und Kostüme Pia Wessels

Musik Steffan Claußner

Choreografie Sabrina Sadowska

Dramaturgie Friederike Spindler

Besetzung des Stückes

Besetzung
Friedrich Nietzsche
Philipp Otto

Josef Breuer
Dirk Glodde

Mathilde Breuer
Katka Kurze

Sigmund Freud
Dominik Puhl

Lou Salomé
Magda Decker

Bertha Pappenheim
Savanna Haberland

Pressestimmen zum Stück

Pressestimmen

„Dresdner Neueste Nachrichten“ schreiben am 05.03.2018

‚(…) Ihre Triebe lechzen nach Freiheit (…). Hören Sie sie nicht?‘ Das ruft Nietzsche seinem soeben an ihm, an sich und am Leben gescheiterten Therapeuten namens Josef Breuer nach. (…) Kathrin Brune (…) schuf nicht nur eine lesenswerte Fassung, sondern veredelte sie zu einem hundertminütigen Geistgewitter anregendster Art als Kammerspiel auf der Hinterbühne. (…) innerhalb eines Jahres ein drittes packendes Duell zweier Schauspieler (…), die Dresdnern aus Hasko-Weber-Zeiten bestens bekannt sind: Dirk Glodde und Philipp Otto liefern sich nach ‚Faust I‘ als Mephisto und Doktor Faust (…) und (…) ‚Homo faber‘ als Herbert und Walter (…) nun einen dritten Zweikampf (…).
Dabei entgleist Glodde bei der Flucht aus der Bürgerlichkeit auch mimisch mehrfach grandios in seiner pathologischen Emphase, während Otto einen dermaßen soziopathischen Philosophen als eigentlichen Patienten spielt, dass er in seiner Logik begeisternd frösteln lässt. Beide als genüsslich jede Nuance des eher nüchtern-spannenden Textes auskostendes Gespann zu beobachten – wobei Regisseurin Brune ihnen keine der zahlreichen intellektuellen Zumutungen und Finten als unverständlich durchgehen lässt –, verheißt pure Dramatik.
Dazu kommen noch vier vermeintliche Nebenrollen, die punktgenau der Geschichte dienen. Zuallererst Dominik Puhl als junger, frecher Sigmund Freud, der beide Herren als Beispiel seiner späteren Exegese genauestens analysierend aufs Korn nimmt und als cooler bis kühler Moderator wie Kommentator dem Zuschauer (…) soviel Freude bereitet wie Magda Decker als Lou Andreas-Salomé. Sie spielt die vierte Prominente in der Versuchsanordnung – einerseits die poetische Alternative zu Freud, andererseits (…) platonische Muse von Nietzsche (…) sie (…) bekommt (…) das leise Schlusswort vorm verdienten, etwas ergriffen-gehemmten Schlussapplaus: ‚Licht bin ich. Ach, dass ich Nacht wäre.‘
Dazu tanzt Savanna Haberland als Breuers Fatima morgana namens Bertha, die als Anna O. in die Psycho-Lehrbücher gerät (…), in kurzen Sequenzen, die Ballettdirektorin Sabrina Sadowska und Hauskompositeur Steffan Claußner stiften. (…) Und nicht zuletzt Katka Kurze als Breuers (also Gloddes) Mathilde, die zwar wohlhabend und frei sowie ‚jung, anziehend und gesund‘ sei, aber als ‚36-jährige Jüdin mit fünf Kindern‘ nicht den von ihrem Mann vorgeschlagenen Weg gen Italien vorzieht.
Pia Wessels schuf farblich klare, recht zeitübergreifende Kostüme und eine Bühne, die als Behandlungsraum aller Art dient, aber oben – über den vier durchsichtigen Bewusstseinskammern als Parkplatz für die stets quasipräsenten Nebendarsteller – eine Art Arena-Traverse zur Flucht wie Beobachtung und hinten ein großes doppeltes Einfallstor mit Türklinken genau über Nietzsches Scheitelhöhe zeigt.
(...)

Andreas Herrmann

Die "Freie Presse" schreibt am 01.03.2018

Geistreiche Rede-Duelle
Das Stück (…) geht ohne Tränen dem Konflikt zwischen Freiheit und Verantwortung nach.
(…)
Lou Salomé, selbstbewusst und klug gespielt von Magda Decker, bittet den berühmten Wiener Arzt Josef Breuer (wandlungsreich: Dirk Glodde) den selbstmordgefährdeten Freund Nietzsche zu heilen. Philipp Otto setzt den unter zahllosen Beschwerden leidenden Philosophen mit zuckenden Lidern hervorragend in Szene. So wie beide auch überzeugen, als sich die Verhältnisse plötzlich umkehren, nun Nietzsche dem Arzt ein freies, selbstbestimmtes, damit aber auch rücksichtsloses Leben einreden möchte. Denn Breuer hat sich in seine Patientin Bertha Pappenheim verliebt - die Tänzerin Savanna Haberland umgarnt ihn zart und hell- wie dünnhäutig (Choreographie: Sabrina Sadowska). Als es Breuer wagt, sich dieser Liebe auszuliefern, hält ihm seine Frau und Mutter ihrer fünf Kinder Mathilde Breuer entgegen, dass sie ihre Freiheit, etwa die der Berufswahl, auch nicht leben durfte. Katka Kurze spielt dies so unprätentiös, wie es immer noch ist. Kommentiert werden die geistreichen Rededuelle zwischen Breuer und Nietzsche vom jungen Sigmund Freud, den Dominik Puhl als aufgeweckten, neunmalklugen Eleven spielt, der seinen künftigen Ruhm schon ahnen lässt.
Kathrin Brune hat die Dialoge intelligent und spannend komponiert, lässt die Protagonisten immer wieder aus den engen Glashäusern der bürgerlichen Konventionen - die Bühnen- und Kostümbildnerin Pia Wessels schlicht, aber wirkungsvoll neben eine übergroße Tür gestellt hat - heraustreten. (…) Ansonsten wird unablässig ausdrucksstark gesprochen, was auch an der Vorlage liegt, die eben ein wortreicher Roman über die fiktive Begegnung Nietzsches und Breuers ist. Diese ‚Leidenschaft zum Antasten, kein Werk sein zu lassen, was es ist, ein jegliches herzurichten‘, hatte schon Theodor W. Adorno als Zeichen der ‚Einreihung der Kunst unter die Konsumgüter‘ verstanden. ‚Als Nietzsche weinte‘ ist dennoch eine Konsumempfehlung; Nietzsche weint zwar nicht, hätte das Stück aber vielleicht gemocht, denn es (…) hält den Konflikt zwischen Freiheit und Verantwortung offen.

Matthias Zwarg

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