Spielzeit 2017/2018

Sieben Geister

Fr
11.
Mai
Schauspiel
Premiere
NONSTOP EUROPA 2018!

Sieben Geister

Familiendrama von Sören Hornung
Gewinnerstück des Chemnitzer Theaterpreises für junge Dramatik 2018

 
 

Oma ist tot. Zeit, schmutzige Wäsche zu waschen. Es ist der Tag ihrer Beerdigung und die Soljanka längst kalt. Als Omas Lieblingssohn Frank eintrifft, ist er unausstehlich. Offen provoziert er seine Schwester Elise und legt sich mit dem dementen Onkel Wolfgang an. Mit Kanonen auf Spatzen? Nur scheinbar. – Elise hatte zuletzt die Mutter voller Selbstaufgabe gepflegt, Frank als Werbefilmer notwendiges Geld beigesteuert, Onkel Wolfgang sich in die Ferne verdrückt und Franziska, Franks Tochter, sich leidlich mit Drogen über Wasser gehalten. Geredet wurde kaum, das quasselnde Schweigen der ständige Begleiter der Familie, die ganze Verbogenheit ihres Lebens unter der Decke gehalten von Oma, dieser starken Frau. Doch viel wäre zu erzählen gewesen: von der Besetzung Deutschlands durch die Russen, vom Aufbau der DDR und seiner notwendigen Grenze, von Franks Freundin Bettina, die ums Leben kam, von Onkel Wolfgangs Unschuld und Oma Ursulas mitleidloser Härte.

Sören Hornungs neues Stück „Sieben Geister“ spannt anhand dreier Generationen einen Bogen von 1945 bis heute. Es erzählt aus der Perspektive einer Familie vom Erbe sprachloser Geschichte, vom haltlosen Leben ohne Erfahrung. Seine genau gezeichneten Figuren – allesamt Erben des Unglücks – sind in Gefahr zu verblassen oder auf die falschen Feinde loszugehen. Erst die Enkelgeneration revoltiert, zunächst mit Selbstzerstörung, dann mit der konkreten Frage nach der Ursache der familiären Aggressivität und Lethargie. Und sie holt die Leichen aus dem Keller, stellt vehement die Altvorderen in Frage. 

Die deutsche Geschichte steht exemplarisch für das verdrückte Schweigen allerorten, das sich als Krankheit in Körper und soziale Beziehungen schreibt. Völlig egal, ob es sich um den im Stück benannten deutschen Krieg handelt, einen jugoslawischen, finnischen oder ukrainischen. Wenn (zutiefst verletzende) Erfahrungen nicht ausgesprochen und im besten Fall verarbeitet werden können, vererben sie sich. Irgendwann und irgendwo platzen die Wunden wieder auf. Wer sich in Europa nicht für Abschottung und die Verschärfung von Konflikten entscheiden will, wird um sehr sensible Aussprache nicht umhin kommen. 

Der Autor Sören Hornung wurde 1989 in Berlin geboren und arbeitet als Regisseur, Autor und Performer. 2010 war er als Regieassistent bei der Fernsehserie „Schloss Einstein“ und inszenierte erstmalig am Schlossplatztheater Berlin. 2012 gründete er mit Paula Thielecke das KOLLEKTIV EINS und war 2014 an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg Mitbegründer und Festival-koordinator des „ManieFest“. Seine Inszenierung von Ibsens „Ein Volksfeind“ wurde zum Körber Studio Junge Regie 2015 eingeladen. 2016 absolvierte er sein Regiestudium an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg. 2017 war er für den Osnabrücker Dramatikerpreis nominiert und mit der Produktion „Die Zauberin von Oz“ bei dem Festival „Spieltriebe 7“ am Theater Osnabrück mit dem KOLLEKTIV EINS vertreten. Seine Inszenierungen waren bisher u. a. zu sehen am Schauspiel Stuttgart, am Theater Rampe in Stuttgart, am Thalia Theater Hamburg, am Theater Augsburg und am Volkstheater Rostock. Dort ist auch die aktuelle Inszenierung „Laika – Das Chaos sei willkommen, denn die Ordnung versagt“ vom KOLLEKTIV EINS zu sehen.

Spielort:Schauspielhaus - Ostflügel
Dauer:noch nicht bekannt
Premiere:11.05.2018
Fr, 11. Mai | 20:00 Uhr
Preis: 14,00 €
ausverkauft
 

Weitere Termine

13.05.2018Sonntag20:00 Uhr   Schauspielhaus - Ostflügel  
25.05.2018Freitag20:00 Uhr   Schauspielhaus - Ostflügel  
31.05.2018Donnerstag20:00 Uhr   Schauspielhaus - Ostflügel  
29.09.2018Samstag20:00 Uhr   Schauspielhaus - Ostflügel  

Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam
Regie Laura Linnenbaum

Bühne und Kostüme Valentin Baumeister

Dramaturgie René Schmidt

Besetzung des Stückes

Besetzung
Erzählerin
Christine Gabsch

Franziska
Magda Decker

Elise
Ulrike Euen

Frank
Christian Ruth

Wolfgang
Horst Damm
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