© Dieter Wuschanski

Spielzeit 2018/2019

Ich bereue nichts

Ich bereue nichts

Ein NSA-Projekt von Jan-Christoph Gockel, Thomas Halle und Konstantin Küspert / Produktion des TheaterJugendClubs

 
 

2013 leakte Edward Snowden unter dem Pseudonym „Citizenfour“ 1,7 Millionen Dateien, die brisantes geheimes Material zu den Überwachungs- und Spionageprogrammen der USA und anderer Beteiligten enthielten. Seitdem ist Snowden auf der Flucht und findet bis heute Zuflucht im russischen Asyl. Während die einen seinen Kopf fordern, stilisieren ihn die anderen zum Helden. Längst ist sein Gesicht zur Personifizierung im Kampf um Privatsphäre und demokratisch-freiheitliche Prinzipien im Netz geworden: Edward Snowden – Kind im Kreis seiner Familie, amerikanischer Teenager, Ex-Soldat, IT-Mitarbeiter bei der CIA, mit seiner Freundin in der Wahlheimat Hawaii, NSA-Whistleblower, Verräter, Aufklärer, Preisträger, Ehrendoktor, 38 Seiten Material bei Wikipedia … Die Bilder, die sich über ihn zeichnen lassen, sind vielfältig und doch nur kleine Mosaiksteine, die sich dem großen Ganzen zu entziehen scheinen. Auch nach beinahe fünf Jahren reißen die Diskussionen um Datenschutz, PRISM, Deutungshoheiten und die Arbeit des NSA-Untersuchungsausschusses, die im Sommer 2017 mit einem 1800 Seiten starken Bericht abgeschlossen wurde, nicht ab. Ebenso wenig wie die Versuche, Netzzugänge zu kontrollieren, den Internetraffic abzufangen, die Video- und Telefonüberwachung auszubauen oder mittels Algorithmen, Datenspeicherung und Social Bots in den sozialen Netzwerken Einfluss auf die Nutzer zu nehmen und sie zu gläsernen Konsumenten zu machen. Und nun?

Zwischen einzelnen Puzzleteilen, Poesiealbum und Keksdose, amerikanischem Cowboy und Don Quichotte fragen Jan-Christoph Gockel, Konstantin Küspert und Thomas Halle danach, wie sich die Schlüsselfigur Snowden fassen lässt. Ergänzt um Interviews, Analysen und Tutorials finden sie mit theatralen Mitteln einprägsame Sprachbilder für jene Mechanismen, die abstrakt und nur bedingt greifbar scheinen und doch jeden von uns betreffen. Der fiktive Monolog Ich bereue nichts ist als Rechercheprojekt am Staatstheater Karlsruhe entstanden und wurde 2014 uraufgeführt. Die Digital Natives des TheaterJugendClubs nehmen sich in der Spielzeit 2017/18 unter der Leitung von Schauspieler Jan Gerrit Brüggemann und Theaterpädagogin Denise von Schön-Angerer den Text vor und zerlegen ihn in vielstimmige, hochaktuelle Gedankenbilder.

Dauer:1 h 20 min / keine Pause
Premiere:26.01.2018

Bilder zum Stückes

Bilder
© Dieter Wuschanski
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Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam

Besetzung des Stückes

Besetzung
Es spielen
Thekla Edler
Carl Geißler
Lorka Glodde
Luna Graf
Wenzel Grossinger
Anny Junghans
Martha Kallenbach
Franz Kemter
Helena Kothe
Lara Lenz
Anna Löffler
Frederike Meiser
Emmely Schöne
Susanna Seidler
Gwendolin Kyra Unger
Maximilian Voßler

Pressestimmen zum Stück

Pressestimmen

Die „Freie Presse“ schreibt am 30.01.2018

Mit Ritterrüstung ins Internet
Der Theater-Jugendclub nimmt sich in seiner jüngsten Inszenierung eines abstrakten Themas an - der totalen Überwachung. Dabei entstehen erstaunlich griffige und lustige Bilder.
Edward Snowden hatte als Systemadministrator des amerikanischen Auslandsgeheimdiensts NSA Zugriff auf streng geheime Informationen über die Überwachung der weltweiten Internetkommunikation. Sein Wissen hat er 2013 öffentlich gemacht. Seitdem wird viel über Datensicherheit, totale Überwachung des Einzelnen im Internet und über gläserne Konsumenten gesprochen. Es ist ein Thema, das jeden betrifft und jeden verärgern müsste. Müsste. Aber wen hebt es auch emotional an? Wer schützt sich mit verschlüsselten E-Mails? Und wer teilt stattdessen in sozialen Netzwerken Privates? Warum auch nicht, man hat ja nichts zu verbergen?
Diesen Fragen hat sich der Theater-Jugendclub der Theater Chemnitz angenommen. Das Stück ‚Ich bereue nichts‘ ist eine mitreißende, vielschichtige Produktion geworden. Im Gegensatz zu ihrem Thema ist sie überhaupt nicht trocken, sondern witzig und temporeich, vielleicht auch ein bisschen belehrend, auf jeden Fall anklagend gegen gedankenlosen Umgang mit Daten. Das Stück ist 2014 eigentlich als Monolog am Staatstheater Karlsruhe entstanden. Die Autoren Jan-Christoph Gockel, Konstantin Küspert und Thomas Halle gehen darin der Frage nach, wie sich die Schlüsselfigur Snowden fassen lässt. Die 19Jugendlichen aus Chemnitz im Alter zwischen 14 und 24 Jahren haben unter der Leitung der Theaterpädagogin Denise von Schön-Angerer und dem Schauspieler Jan Gerrit Brüggemann ein Stück für eine ganze Gruppe daraus gemacht. Und das bedarf keiner Hauptfigur. Jeder Einzelne trägt Verantwortung für das Gelingen, alle sind gleichwertig wichtig. Es gibt Schülerproduktionen, die sind nur für Eltern und Freunde wirklich sehenswert. Diese gehört nicht dazu.
Viele Krisen und Skandale haben Bilder. Ikonografische Bilder, die uns emotional packen und sich in den Köpfen festsetzen. Doch welches Bild gibt es für die totale Überwachung? Die Gruppe versucht verschiedene. Ein Höhepunkt im Stück ist die Versinnbildlichung des Internets mit einer Packung Kekse. Um zu zeigen, wie groß der Teil ist, den die NSA überwacht, werden Kekse rausgenommen. Doch was macht die NSA mit ihnen, fragen sich die Schauspieler. Essen die Geheimdienstler sie auf? In welcher Reihenfolge? Essen sie alle, oder nur die mit Schokolade? Den Rest der Packung kann das Publikum haben. ‚Sie dürfen das Internet jetzt aufessen.‘
Der Zuschauer erfährt viele Daten und technische Details. Zum Beispiel wird genau erklärt, warum und wie man seine E-Mails verschlüsseln sollte. Dafür wird einem Darsteller eine Ritterrüstung angelegt. Schnell merkt er, dass sie stört, wenn er Menschen nahe kommen will, die keine tragen. ‚Entweder einsam mit Helm oder nackt mit der ganzen Welt‘, stellt er fest. Sie, die Zuschauer, mögen vielleicht keine Probleme haben und deshalb freimütig Daten von sich preisgeben. Aber was ist in fünf Jahren? Und was, so fragen die Darsteller, ist mit den Menschen, die in Ägypten, Tibet oder der Ukraine gegen die Regierungen arbeiten und auf Verschlüsselungen angewiesen sind? Man solle aus Solidarität mit ihnen ebenfalls verschlüsseln.
Mit Gesang, Beatboxing, einem Boxkampf, Tanz und vielem mehr setzt das Stück auf nicht gerade subtile, aber unterhaltsame Effekte, nur um diesen Umstand selbst aufzugreifen: ‚Wie viele Effekte braucht ihr denn noch?‘, wird das Publikum gefragt.

Jana Peters
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