© Kirsten Nijhof

Wiederaufnahmen 2018/2019

Der Rosenkavalier

Der Rosenkavalier

Komödie für Musik von Richard Strauss
Libretto von Hugo von Hofmannsthal

 
 

„Ich habe in nur drei Nachmittagen ein komplettes, ganz frisches Szenar einer Spieloper gemacht, mit drastischer Komik in den Gestalten und Situationen ...“, schrieb Hugo von Hofmannsthal am 11. Februar 1909 an Richard Strauss. Gemeint war der zukünftige Rosenkavalier, nach Elektra die zweite Oper der fruchtbaren Zusammenarbeit von Dichter und Komponist, für die sich Strauss etwas im Sinne einer Buffo-Oper wünschte. So entstand eine Dreiecksgeschichte voller Humor und leiser Melancholie über die Zeit, über das Vergängliche und über Dinge, die sich auch nach mehr als 110 Jahren nicht verändert haben.

Die Marschallin hat einen jungen Geliebten, Octavian. Er wird auserwählt, als Rosenkavalier für den Schürzen- und Mitgiftjäger Baron Ochs auf Lerchenau um die Hand von Sophie, Tochter des reichen Herrn Faninal, anzuhalten. Doch Sophie und Octavian verlieben sich ineinander, was zu einer ganzen Reihe von Intrigen und Verwechslungen führt. Schließlich räumt aber der zudringliche Ochs blamiert das Feld, und nach dem großherzigen Verzicht der Marschallin steht der Verbindung zwischen Sophie und Octavian nichts mehr im Wege.

Die Bühnenwerke von Richard Strauss hatten schon immer einen festen Platz im Chemnitzer Opernrepertoire. Der Rosenkavalier war unmittelbar nach der Dresdner Uraufführung 1911 auch in Chemnitz zu sehen. Die Inszenierung der Neuproduktion übernimmt der gebürtige Wiener Paul Esterhazy, der seine Leidenschaft fürs Theater bereits in der Schulzeit entdeckte: Fast jeden Abend verfolgte er gebannt die Aufführungen in der Wiener Staatsoper und im Burgtheater. Später war er Dramaturg und Theaterleiter und ist nun schon seit mehr als 20 Jahren als Opernregisseur in Deutschland und Österreich unterwegs. 

Aufführung mit deutschen Übertiteln

Dauer:4 h 20 min / 2 Pausen
Altersempfehlung:ab 16 Jahren
Premiere:30.09.2017
Einführung:30 Minuten vor Beginn jeder Vorstellung

Bilder zum Stückes

Bilder
© Kirsten Nijhof
© Kirsten Nijhof
© Kirsten Nijhof
© Kirsten Nijhof
© Kirsten Nijhof
© Kirsten Nijhof
© Kirsten Nijhof
© Kirsten Nijhof
© Kirsten Nijhof
© Kirsten Nijhof
© Kirsten Nijhof
© Kirsten Nijhof

Videomedien zum Stück

Video

Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam
Musikalische Leitung Guillermo García Calvo
Christoph König 31.03.2019

Inszenierung und Bühne Paul Esterhazy

Kostüme Ursula Renzenbrink

Chor Stefan Bilz

Video Friedrich Zorn

Dramaturgie Carla Neppl

Besetzung des Stückes

Besetzung
Feldmarschallin
Astrid Kessler 09.02. / 03.03.2019
Veronika Haller 31.03.2019

Baron Ochs
David Steffens

Octavian
Sophia Maeno

Faninal / Tierhändler
Peter Schöne

Sophie / Modistin
Guibee Yang

Jungfer Marianne / Alte Kammerfrau
Franziska Krötenheerdt

Valzacchi
Reto Rosin

Annina / Adelige Witwe
Anne Schuldt

Polizeikommissar / Notar
Magnus Piontek

Haushofmeister der Marschallin / Haushofmeister bei Faninal / Wirt
Tommaso Randazzo

Ein Sänger
Valeriy Georgiev

Drei adlige Waisen
Mitglieder des Kinder- und Jugendchores

Hausmeister
Matthias Repovs
Tomasz Garbarczyk
Mathias Kunze
Stephan Hönig

Lerchenauer
Peter Krumow
Mladen Mladenov
N.N.

Hausknecht
Young-Ho Jeong

Die alte Feldmarschallin
Isabelle Weh

Damen und Herren des Opernchores

Damen und Herren der Statisterie

Robert-Schumann-Philharmonie

Pressestimmen zum Stück

Pressestimmen

„Der Neue Merker“ schreibt in Ausgabe 12/2017

(…) Unaufhaltsam schwenkt die Bühne im Zeitlupentempo wie das Pendel einer Uhr von der einen auf die andere Seite. (…) Die Zeit lässt sich nicht aufhalten. Nur in Erinnerungen lebt Vergangenes weiter. Und das ist der Ansatzpunkt der Inszenierung von Paul Esterhazy, der auch für die Bühne verantwortlich zeichnet. Mit seiner Kostümbildnerin Ursula Renzenbrink verlegt er die Handlung der Oper in 2 parallel existierende Zeitebenen: einmal ins Wien des Jahres 1938(!), zum anderen in das Wien, in dem das Zeitalter der Flachbildschirme und Handys Einzug gehalten hat. Funktioniert das? (…) Die Komödie für Musik in 3 Aufzügen, die vielerorts festlichen Glanz in Weiß, Silber und Gold verbreitet, stimmt in vielen Phasen nachdenklich und wirkt bisweilen ernüchternd. Diejenigen, die sich auch gern mal auf ungewöhnliche Lesarten einlassen, werden sicherlich der Inszenierung (…) interessante Aspekte abgewinnen können.
Sobald sich der Vorhang geöffnet hat, gewahrt man 2 Erzählebenen. Die alte Feldmarschallin sinniert in ihrer mit nostalgischem Mobiliar ausgestatteten bürgerlichen Wohnung über die gute alte Zeit. (…) Die alte, fast gebrechliche Dame wird an dieses und jenes erinnert. Auch an die vermutlich flüchtige Liaison mit Octavian. Die beiden Erzählebenen korrespondieren vom Anfang bis zum Ende nahezu perfekt miteinander. Das liegt vor allem daran, dass die Darstellerin der gealterten Marschallin, Isabelle Weh, die Szene souverän beherrscht, sich nie in den Vordergrund drängt, aber dennoch eine unglaubliche Bühnenpräsenz ausstrahlt. Eine ebenso intelligente wie überzeugende Leistung ist Maraike Schröter zu bescheinigen, die die junge Marie Theres‘ mit Anmut und Grazie gestaltet. Ihre Stimme besitzt Adel und Noblesse und vor allem ein Timbre, das sie für diese Parte prädestiniert. Es ist beeindruckend, wie sich beide Frauen geradezu ergänzen. In Kauf nehmen muss man, dass sich das Bühnenbild nicht wirklich verändert. Dafür wird es mit allerlei Figuren bevölkert. Sowohl aus der einen als auch aus der anderen Zeit. Daraus entstehen Situationen, die durchaus komisch wirken. Den italienischen Sänger identifiziert man unschwer als Luciano Pavarotti. Während der Tenor sein ‚Di rigori armato il seno‘ anstimmt, wird parallel dazu die adäquate Schallplatte aufgelegt. Valeriy Georgiev, der seit 2012 Ensemblemitglied der Staatsoper Varna ist, begeistert mit seinem Vortrag und seiner höhensicheren, elegant geführten und strahlenden Stimme. Im 3. Aufzug darf er dann anstelle des Wirtes ‚Ihre hochfürstliche Gnaden, die Frau Fürstin Feldmarschallin‘ ankündigen. Der Spitzenton gerät zu einer halben Sinfonie!
Derartige Gags sind dosiert und halten sich in wohltuenden Grenzen. ‚Vom Ochs hängt der Erfolg der oper ab‘, meinte einst Strauss. Der in Klagenfurt geborene Christian Sist verzichtet als Ochs weitgehend auf belanglose Mätzchen. Das beginnt schon damit, dass er seine Rolle zwar im Wienerischen Dialekt, aber mit durchweg kultiviert klingender Stimme singt. Das Polternde streift er ab. Das Überhebliche und Herablassende (‚Musst denen Bagatelladeligen immer zeigen, dass nicht für unsersgleichen sich ansehen dürfen…‘) behält er und spielt es aus. Der Faninal von Klemens Sander bleibt dementsprechend reserviert, nicht aber die jungen Leute, die von Guibee Yang (Sophie) und Sylvia Rena Ziegler (Octavian) mit großer Leidenschaft und Intensität dargestellt und gesungen werden. Zur Erinnerung: Man schreibt das Jahr 1938! Octavian verlässt in brauner Uniform mit einer gereiften Sophie die Szene. Ihre Zukunft ist ungewiss. (…) Guibee Yang gefällt mit klarer und aufblühender Stimme. Sylvia Rena Ziegler ist als Octavian ein resoluter Bub, der weiß, was er will. Genüsslich kostet die Sängerin die Szenen aus, in denen sie ‚Mariandel‘ sein darf.
Paul Esterhazy wahrt die Balance zwischen dem Einst und dem Jetzt augenscheinlich gut. (…) Alexandra Ionis kann sich am Ende des 2. Aufzuges (…) als Annina dank ihrer satten Stimme gut in Szene setzen. (…)
Spiritus Rector der Aufführung war einmal mehr Felix Bender am Pult der Robert-Schumann-Philharmonie. Trotz aller Turbulenzen hielt er das Ganze fest in den Händen. Mit seinen Musikern ließ er Gefühlsduselei gar nicht erst aufkommen. Leicht und graziös ließ er das Orchester aufspielen. Und dieser kammermusikalische Ton trug sicher auch dazu bei, dass die Aufführung ohne Einblendung deutscher Texte auskam. Kompliment! Bei Felix Bender ist auch immer wieder erstaunlich, welchen Sinn er für bestimmte Phrasierungen entwickelt. Da verschaffen sich in bestimmten Wendungen Instrumente Gehör, die man in dieser Deutlichkeit so noch nicht vernommen hat. ‚Als müßt’s so sein.‘
Chemnitz präsentiert einen ‚Rosenkavalier‘, über den man reden wird, über den man reden muss. Je öfter man sich die Inszenierung anschauen wird, desto mehr wird sie sich einem erschließen!

Christoph Suhre

„orpheus“ schreibt in der Ausgabe November/Dezember 2017

Glanz und Glamour einmal anders
Filigranes Erinnerungsspiel in komödiantischer Regie
(…) Auf zwei miteinander verwobenen Erzählebenen trifft Opernspiel als musikalische Konversation auf Wirklichkeit mit Handy und TV. Und diese Wirklichkeit ist eine uralte, gebrechliche Feldmarschallin, die sich beim Herumkramen in ihrer Wiener Vorstadtwohnung an ihre Jugend und die leidenschaftliche Liaison mit dem 17-jährigen Octavian erinnert. Und während die vom Pflegedienst Umsorgte in allen drei Akten durch eine starke Bühnenpräsenz überzeugt, erlebt man quasi als wahnhafte Vorstellungen der Greisin das kunstvoll-komödiantische Spiel um das verkreuzte erotische Doppel-Abenteuer des Octavian. Esterhazy lässt die Handlung in Wien 1938, kurz vor dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, spielen. Folgerichtig trägt Octavian, wenn er nicht gerade als ‚Mariandl‘ dem Baron Ochs den Kopf verdreht, Uniform. Und auch sonst dominiert das Outfit jener Zeit die Optik (Kostüme: Ursula Renzenbrink). (…)
Paul Esterhazy, der selbst auch für das Bühnenbild verantwortlich zeichnet, hat sich dazu ein raffiniertes, stilvolles Ambiente einfallen lassen, das während der gesamten Zeit in Bewegung ist, von einer Seite zur anderen schwenkt und somit immer neue Blickwinkel eröffnet. Beeindruckend ist die filigrane Personenregie, der Wechsel von der musikalischen Konversation zwischen Marschallin, Octavian, Sophie, den polterhaften Auftritten des Ochs auf Lerchenau mit seinen Kumpanen und den hinreißenden Ensembleszenen beim Lever und in den Spukszenen des 3. Akts. Nicht die Optik sondern das Musikalische machen den Glanz und Glamour dieser ‚Rosenkavalier‘-Inszenierung aus. Die Robert-Schumann-Philharmonie unter dem jungen Dirigenten Felix Bender schwelgt vom ersten Takt an in Walzerseligkeit ohne Sentimentalität. Äußerst ausdifferenziert ist das Parlando, Felix Bender führt das Orchester souverän von graziler, inniger Poesie, musikalischem Poltern bis zur symphonischen Tondichtung. Und er begleitet ein erlesenes Solistenensemble, angeführt von einer ausdrucksvoll singenden und spielenden Maraike Schröter als Feldmarschallin mit strahlendem Sopran und einer betörenden Bühnenpräsenz. Sylvia Rena Ziegler ist der leidenschaftliche Rosenkavalier Octavian mit ungestümem, komödiantischem Spiel und viel Eros in der Stimme. (…) Christian Sist poltert, lärmt, schwadroniert und charmiert mit ‚Schmäh‘ und überzeugt neben seiner stimmlichen Präsenz durch ein hohes Maß an Textverständlichkeit. Einen tiefen Eindruck hinterlässt Isabelle weh in der stummen Rolle der greisen Feldmarschallin, die sich zwischen Wahn und Wirklichkeit ein Stück Vergangenheit zurückholt.

Herbert Henning

Die „Freie Presse“ schreibt am 25.10.2017

Paul Esterhazys Inszenierung (…) gewinnt dem komödiantischen Erfolgsstück eine feinsinnige, sehr ernste neue Sicht ab.
(…)
Dazu bedient er sich zweier Tricks. Der eine wird oft benutzt: Er verlegt die Handlung (…) nach vorn ins Wien des Jahres 1938, kurz vor der Annexion Österreichs durch Nazideutschland. Octavian, der jugendliche Held, eine ‚Hosenrolle‘, also gesungen von einer Frau – finten- und facettenreich Sylvia Rena Ziegler – tritt darüber hinaus oft in Uniform auf und erinnert damit an einen österreichischen Heimatwehrführer, der später unter den Nazis Karriere machen sollte. So bekommt die verworrene Liebesgeschichte einen politischen Akzent, der die Ur-Handlung am Ende in ein etwas anderes Licht stellt.
Die alternde Feldmarschallin, großartig souverän, Maraike Schröter, hat eine kurze Affäre mit dem jungen Octavian, wird aber nach einer Liebesnacht von Baron Ochs – herrlich aufdringlich, unbedacht und unsensibel selbstbewusst Christian Sist – überrascht, der wiederum einen ‚Rosenkavalier‘ sucht, der Sophie, Tochter eines Tierhändlers, nach altem Brauch eine silberne Rose als Zeichen seiner Heiratsabsicht überbringen soll. (…) Als Octavian die Rose überbringt, verliebt er sich selbst in Sophie – ausdrucksstark sich steigernd, von der Oligarchentochter zur karrierebewussten Frau: Elena Gorshunova – die den plumpen Ochs eh‘ nicht leiden mag. Während aller Verwicklungen dreht sich die Bühne beständig und langsam, mal links, mal rechtsherum, schwankt wie der Boden, auf dem die Akteure agieren. Die Oper ist handlungsreich angelegt, sämtliche Sängerinnen und Sänger nehmen dies dankbar an und spielen ihre Rollen im Sinne des Wortes lustvoll und mit Sinn für szenischen Humor.
Dirigent Felix Bender lässt die Robert-Schumann-Philharmonie in großer Besetzung in den beschwingt leichten Passagen ebenso brillieren wie in jenen, die schon auf die beginnende musikalische Moderne hindeuten. Text und Musik harmonieren ausgezeichnet und immer im Dienste der Handlung.
Der zweite besondere Regieeinfall verleiht dem Geschehen eine weitere Dimension: Während der ganzen Oper schlurft Isabelle Weh stumm als sehr alte Marschallin über die Bühne, besichtigt und sortiert ihre Vergangenheit. Ihre wortlose Rolle hat mitunter eine derartige Kraft, dass dahinter die Ränkespiele der anderen verblassen. Wenn am Ende die Marschallin Octavian für Sophie freigibt, hat das durchaus einen bitteren Beigeschmack. Denn es bekommt der aufstrebende Militarist eine junge, karrieristische Frau im strengen, uncoolen Hosenanzug, die durchaus ins Präsidium eines ultrarechten Parteitags passen würde. Die Ähnlichkeit mit Alice Weidel ist nicht von der Hand zu weisen. Und so gestattet auch die Großherzigkeit der Marschallin verschiedene Sichtweisen: Lässt sie die beiden jungen Leute ins Verderben laufen oder bedauert sie gar ihre großherzigkeit, weil sie fehl am platze ist und keinem nützt, sondern am Ende allen schaden wird? Eine feine Inszenierung, die während der gesamten viereinhalb Stunden nie Langeweile aufkommen lässt und auch danach für Gesprächsstoff sorgen kann.

Matthias Zwarg

„Dresdner Neueste Nachrichten“ schreiben am 17.10.2017

(…)
Was sich nach Hofmannsthals Dichtung im Wien der ersten Jahre der Regierung Maria Theresias im Schlafzimmer der Feldmarschallin, im Palais des Herrn von Faninal oder im Extrazimmer eines Gasthauses abspielt, verlegt Regisseur Paul Esterhazy im eigenen Bühnenbild in die Wohnung seiner alten Marschallin (…). Die Zeitspanne beginnt offensichtlich, wenn Octavian in der braunen Uniform eines Korpsführers der Heimwehrorganisation ‚Junges Vaterland‘ auftritt, nach 1938, dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, und endet in der Gegenwart, Flachbildschirm und Handy, Bedienstete in Arbeitskitteln. (…) Der hier weniger auftrumpfende Herr von Faninal etwa, das könnte in der interessanten Darstellung von Klemens Sander ein gerade noch in den Adelsstand gekommener Jude sein, will durch die Heirat mit jenem Schürzenjäger Ochs wenigstens die Existenz der Tochter sichern. (…)
So überzeugt weitestgehend diese besondere Sicht vor allem durch genaue Führung der Personen, durch stimmig gearbeitete Situationen der Beziehungen. (…) Da kann man mit Christian Sist einen so präsenten wie vorzüglich, durchgehend auch textverständlich, im wienerischen Dialekt singender Ochs erleben. Maraike Schröter überzeugt mit warmer Tongebung als Marschallin, vor allem aber Sylvia Rena Ziegler mit nicht nachlassender Intensität in der höchst anspruchsvollen Partie des Octavian. Elena Gorshunova singt eine stimmlich gereifte Sophie, Regine Sturm ist die gesanglich resolute Leitmetzerin Jungfer Marianne, und Magnus Piontek hat die stimmliche Prägnanz für die Rolle des Polizeikommissärs. (…)
Am Pult der Robert-Schumann-Philharmonie sorgt (…) Felix Bender für einen der Inszenierung angemessenen zügigen Ablauf, keine Sentimentalitäten, dafür Klarheit und auf Durchsichtigkeit ausgerichtetes Musizieren, dem die Mitglieder des Orchesters konzentriert entsprechen. Die Walzerseligkeit wird gezügelt, das Brodeln unter der melancholisch-verklärenden Oberfläche dafür akzentuiert.

Boris Gruhl

Die „Sächsische Zeitung“ schreibt am 11.10.2017

(…)
Musikalisch ist Strauss bei der Robert-Schumann-Philharmonie unter Felix Bender in guten Händen. Die Farben leuchten, und meist sind auch Bühne und Graben gut abgestimmt. Maraike Schröter hat als Feldmarschallin ihre bezauberndsten Momente zu Beginn (…). Sylvia Rena Ziegler ist ein sympathischer Octavian, lebenslustig, doppelsinnig und klangschön (…).
Das betörende Terzett der Damen wird ergänzt durch Elena Gorshunova als Sophie. (…) Christian Sist gibt den Baron Ochs weniger als poltrigen Landadeligen denn als überheblichen Ignoranten unter der Maske des Gentlemans. Er war in Spiel und Gesang, nicht zuletzt wegen seiner guten Textverständlichkeit, einer der Höhepunkte des Abends. Mit herzlichem Applaus dankte das Publikum für eine musikalisch gelungene und szenisch anregende Aufführung.

Jens Daniel Schubert

Der „Online Merker“ schreibt am 08.10.2017

(…)
Insgesamt beherrschte die Bühne (…) ein frohgemutes Treiben, (…) gleichermaßen (…) imponierte beim genauen Hinschauen, mit welcher Akribie der Regisseur manches Detail in den Beziehungen der Figuren ausfeilte und dabei unermüdliche Kleinstarbeit leistete. (…) Einen hübschen Gag bildete die Anlage des Italienischen Sängers, den Valeriy Georgiev als zwerchfellerschütternde Pavarotti-Knallcharge servierte (…). Und als dieser gute Mann im letzten Akt in das Beisl stürzt, um dem Wirt bei der Ankündigung der Feldmarschallin mit einem „C“ auszuhelfen, war der Jubel groß.
In gesanglicher Hinsicht sei ein gediegenes bis gutes Niveau konstatiert. Mit ihrem klangschönen, in allen Lagen ausgewogenen Sopran vermochte Maraike Schröter (Marschallin) ohne Abstriche für sich einzunehmen, eine Leistung, der die die Vorzüge ihres apart timbrierten Mezzos auskostenden Sylvia Rena Ziegler (Octavian) kaum nachstand. (…) Jelena Gorschunowa (Sophie) (…) berührte besonders im Terzett des letzten Akt (…). Einen relativ eleganten, auf poltrige und billige Effekte verzichtenden Ochs führte Christian Sist im auf die ländliche Herkunft der Figur verweisenden Janker vor (…). Von den übrigen Mitwirkenden möchte ich wenigstens die mit einem voluminösen Mezzo aufwartende Alexandra Ionis (Annina) und Magnus Piontek als bassgewaltigen Polizeikommissar erwähnen.
(…) sorgte Felix Bender erneut für eine orchestrale Wiedergabe, die allein schon den Besuch der Aufführung lohnt. Da klang nichts verwischt und übertönt, wurden kammermusikalische Feinheiten bewusst herausgestellt, ohne den Blick auf das Ganze zu verlieren, geriet das Forte an keiner Stelle lärmig, so dass man gern Kurt Pahlens Worte vom ‚klanggewordenen Bild und bildgewordenem Klang‘ bemühen mag.
(...)

Joachim Weise

Die „Morgenpost Chemnitz“ schreibt am 02.10.2017

So bewegt war der Rosenkavalier noch nie
Der Rosenkavalier an der Chemnitzer Oper bewegte das Publikum. (…)
Die Inszenierung von Peter Esterhazy ist alles andere als gewöhnlich: In zwei Zeitlinien erzählt er in rund vier Stunden das Stück. Die alte Feldmarschallin (beeindruckend Isabelle Weh als klapprige Greisin) erinnert sich an ihre Jugend, gleichzeitig agieren die Sänger der eigentlichen Handlung auf der Bühne. Dabei trifft die klassische Oper auf Gegenwart – Flachbildschirm und Handy inklusive. Während der ganzen Zeit ist die Bühne in Bewegung, schwenkt immer von der einen Seite zur anderen, sodass sich neue Blickwinkel ergeben.
Maraike Schröter läuft als junge Feldmarschallin zu Höchstform auf, mädchenhaft leicht mit klarem Sopran und unglaublicher Bühnenpräsenz. Sylvia Rena Ziegler ist der leidenschaftliche Liebhaber Octavian und macht auch in Hosen eine hervorragende Figur. Baron Ochs wird als österreichische Frohnatur gespielt von Christian Sist. Die musikalische Leitung hatte Felix Bender inne, der mit der Robert-Schumann-Philharmonie Großes leistete.

wv

Startseite
Suche Zusatzinformationen
Teilen
nach oben eine Seite zurück

Was suchen Sie?

Suche schließen
Exit
nach oben eine Seite zurück