© Nasser Hashemi

Wiederaufnahmen 2019/2020

Der Teufel auf Erden

Fr
04.
Oktober
Oper

Der Teufel auf Erden

Fantastisch-burleske Operette von Franz von Suppé
Libretto von Karl Juin und Julius Hopp
Textliche Neufassung von Alexander Kuchinka
Revidierte musikalische Fassung von Jakob Brenner

 
 

Was macht der gestresste Oberteufel, wenn es ihm in seinem Reich zu voll wird, weil heutzutage wirklich jeder in die Hölle will? Genau: Er lässt sich auf der Erde nieder. Kein Wunder, dass das Höllenleben ohne Regierungschef völlig aus dem Ruder gerät und die Belegschaft überfordert ist. Wieso ist er auch ausgerechnet jetzt nicht da?! Und wo, zum Teufel, steckt er eigentlich genau? Der einzige Ausweg scheint zu sein, dass einer der Unterteufel die Erdenleiter hinaufklettert, um nach dem Chef zu suchen. Auf seiner Reise streift er nicht nur durch die Kontinente, sondern auch durch die Jahrhunderte, um festzustellen, dass das Leben dort viel teuflischer ist, als er je geahnt hätte.

Mit seiner fantastisch-burlesken Operette Der Teufel auf Erden schrieb Franz von Suppé 1878 ein augenzwinkerndes, zeitkritisches Bühnenwerk in bester Offenbach-Tradition und traf damit auch inhaltlich den Nerv des Wiener Publikums. Schließlich übte der Teufel als Theaterfigur schon von jeher eine große Anziehungskraft aus. Warum sich das Werk trotz des Premierenerfolgs nicht auf der Bühne hielt, ist unklar. Der Suppé-Biograf Hans-Dieter Roser konstatiert: „Wahrscheinlich stand der Operette die unverhüllte Forderung nach mehr Liberalität im Wege, die in der Monarchie nicht gern gehört wurde, später nicht im österreichischen Ständestaat oder in der nationalsozialistischen Bewegung.“ Hinrich Horstkotte, der als Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner in Chemnitz bestens bekannt ist und zuletzt mit seiner Turandot-Inszenierung für ausverkaufte Vorstellungen sorgte, ebnet nun dem „fröhlichen, musikalisch anspruchsvollen Ganzen“ (Roser) den Weg zurück auf die Bühne und in die Herzen der Operettenfreunde.

Franz von Suppés fantastisch-burleske Operette Der Teufel auf Erden erlebte Ende April 2019 ihre Premiere in Chemnitz. Die erste komplette Bühnenaufführung seit der Entstehungszeit stößt auch überregional auf großes Interesse. Dies hat den langjährigen Medienpartner der Theater Chemnitz, Deutschlandfunk Kultur, veranlasst, gemeinsam mit der Rondeau Production GmbH eine CD zu produzieren, die voraussichtlich ab Dezember 2019 erhältlich ist.

Ausschnitte aus der Inszenierung brachte der Hörfunk in MDR Kultur in der Operette (29.06.2019) und im Operetten-Boulevard von BR Klassik (07.07.2019) mit Patrick Wurzel, Direktor für künstlerische Planung und Betriebsdirektor der Oper Chemnitz, als Gesprächsgast.

- Koproduktion der Theater Chemnitz und der Volksoper Wien -

Spielort:Opernhaus - Saal
Dauer:3 h / 1 Pause
Altersempfehlung:ab 14 Jahren
Premiere:27.04.2019
Fr, 04. Oktober | 19:00 Uhr
Preis: 15,00 bis 40,00 €
 

Weitere Termine

13.10.2019 Sonntag 15:00 Uhr    
Opernhaus - Saal
03.11.2019 Sonntag 15:00 Uhr    
Opernhaus - Saal
24.11.2019 Sonntag 15:00 Uhr    
Opernhaus - Saal
19.12.2019 Donnerstag 19:00 Uhr    
Opernhaus - Saal
12.01.2020 Sonntag 15:00 Uhr    
Opernhaus - Saal
08.03.2020 Sonntag 15:00 Uhr    
Opernhaus - Saal

Bilder zum Stückes

Bilder
Opernchor © Nasser Hashemi
Opernchor © Nasser Hashemi
Matthias Otte, Alexander Kuchinka © Nasser Hashemi
Matthias Otte, Alexander Kuchinka © Nasser Hashemi
Matthias Winter, Alexander Kuchinka © Nasser Hashemi
Matthias Winter, Alexander Kuchinka © Nasser Hashemi
Dagmar Schellenberger, Matthias Otte © Nasser Hashemi
Dagmar Schellenberger, Matthias Otte © Nasser Hashemi
Alexander Kuchinka © Nasser Hashemi
Alexander Kuchinka © Nasser Hashemi
Franziska Krötenheerdt, Dagmar Schellenberger, Sylvia Rena Ziegler © Nasser Hashemi
Franziska Krötenheerdt, Dagmar Schellenberger, Sylvia Rena Ziegler © Nasser Hashemi
Till von Orlowsky, Matthias Winter © Nasser Hashemi
Till von Orlowsky, Matthias Winter © Nasser Hashemi
Marie Hänsel, Sophia Maeno © Nasser Hashemi
Marie Hänsel, Sophia Maeno © Nasser Hashemi
Szene mit Dagmar Schellenberger, Soli und Damenchor © Nasser Hashemi
Szene mit Dagmar Schellenberger, Soli und Damenchor © Nasser Hashemi
Matthias Otte, Reto Rosin, Dagmar Schellenberger, Matthias Winter, Alexander Kuchinka © Nasser Hashemi
Matthias Otte, Reto Rosin, Dagmar Schellenberger, Matthias Winter, Alexander Kuchinka © Nasser Hashemi
Matthias Otte, Reto Rosin, Sylvia Rena Ziegler, Franziska Krötenheerdt, Andreas Beinhauer, Dagmar Schellenberger, Alexander Kuchinka, Matthias Winter © Nasser Hashemi
Matthias Otte, Reto Rosin, Sylvia Rena Ziegler, Franziska Krötenheerdt, Andreas Beinhauer, Dagmar Schellenberger, Alexander Kuchinka, Matthias Winter © Nasser Hashemi
Pascal Johann Unterschütz, Johanna Klose, Leann Fankhänel, Valentin Herzog (Mitglieder der Opernballettschule) © Nasser Hashemi
Pascal Johann Unterschütz, Johanna Klose, Leann Fankhänel, Valentin Herzog (Mitglieder der Opernballettschule) © Nasser Hashemi
Till von Orlowsky, Reto Rosin, Matthias Otte, Herrenchor © Nasser Hashemi
Till von Orlowsky, Reto Rosin, Matthias Otte, Herrenchor © Nasser Hashemi
Till von Orlowsky, Sophia Maeno, Reto Rosin, Matthias Winter, Herrenchor © Nasser Hashemi
Till von Orlowsky, Sophia Maeno, Reto Rosin, Matthias Winter, Herrenchor © Nasser Hashemi
Andreas Beinhauer, Franziska Krötenheerdt, Matthias Winter © Nasser Hashemi
Andreas Beinhauer, Franziska Krötenheerdt, Matthias Winter © Nasser Hashemi
Till von Orlowsky, Marie Hänsel © Nasser Hashemi
Till von Orlowsky, Marie Hänsel © Nasser Hashemi
Matthias Repovs, Alexander Martin, Gerhard Ernst © Nasser Hashemi
Matthias Repovs, Alexander Martin, Gerhard Ernst © Nasser Hashemi
Gerhard Ernst, Reto Rosin, Till von Orlowsky © Nasser Hashemi
Gerhard Ernst, Reto Rosin, Till von Orlowsky © Nasser Hashemi
Reto Rosin, Sophia Maeno, Marie Hänsel, Till von Orlowsky © Nasser Hashemi
Reto Rosin, Sophia Maeno, Marie Hänsel, Till von Orlowsky © Nasser Hashemi
Matthias Otte, Christoph Dittrich, Matthias Winter, Tilo Kühl-Schimmel © Nasser Hashemi
Matthias Otte, Christoph Dittrich, Matthias Winter, Tilo Kühl-Schimmel © Nasser Hashemi
Till von Orlowsky, Marie Hänsel, Sophia Maeno, Reto Rosin © Nasser Hashemi
Till von Orlowsky, Marie Hänsel, Sophia Maeno, Reto Rosin © Nasser Hashemi
Opernchor, Tilo Kühl-Schimmel, Christoph Dittrich © Nasser Hashemi
Opernchor, Tilo Kühl-Schimmel, Christoph Dittrich © Nasser Hashemi

Videomedien zum Stück

Video

Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam
Musikalische Leitung und Fassung Jakob Brenner

Inszenierung, Bühne und Kostüme Hinrich Horstkotte

Choreografie Sabrina Sadowska

Chor Stefan Bilz

Dramaturgie Carla Neppl

Besetzung des Stückes

Besetzung
Ruprecht
Alexander Kuchinka

Rupert
Matthias Winter

Mutter Aglaja
Dagmar Schellenberger

Oberst Donnersbach
Gerhard Ernst 13.10. / 24.11. / 29.12.2019 / 12.01. / 18.03.2020
Björn Christian Kuhn 21.09. / 04.10. / 03.11.2019

Amanda / Amalia / Amira
Franziska Krötenheerdt 04.10. / 24.11.2019 / 12.01.2020
Marie Hänsel 21.09. / 13.10. / 03.11. / 19.12.2019 / 08.03.2020

Isabella / Isolde / Iska
Sylvia Rena Ziegler 03.11. / 24.11.2019 / 08.03.2020
Sophia Maeno 21.09. / 04.10. / 13.10. / 19.12.2019 / 12.01.2020

Isidor / Isbert / Ismail
Andreas Beinhauer 04.10. / 13.10. / 03.11.2019 / 08.03.2020
Till von Orlowsky 21.09. / 24.11. / 19.12.2019 / 12.01.2020

Reinhart / Reinwald / Reiner
Reto Rosin

Haderer / Thomas / Vizeleutnant Nebel / Ballorganisator
Matthias Otte

Tanzschulleiter
Tilo Kühl-Schimmel

Intendantin
Dagmar Schellenberger

Ein Politiker
Stephan Hönig

Kasperl & Krampus, Neffen des Satans
Julia Bergen*
Leann Fankhänel*
Johanna Klose*
Josefine Peuckert*

Engel
Annabell Enzmann*
Salomé Jassner-Sehning*
Charlotte Kieschkar*
Helene Münch*

Teufel
Valentin Herzog*
Pascal Johann Unterschütz*

* Schülerinnen und Schüler der Opernballettschule

Damen und Herren des Opernchores

Tänzerinnen und Tänzer der Tanzschule Köhler-Schimmel

Kinderstatisterie der Oper Chemnitz

Robert-Schumann-Philharmonie

Pressestimmen zum Stück

Pressestimmen

„orpheus“ schreibt in der Ausgabe Juli/August 2019

(…)
Regisseur und Bühnenbildner Hinrich Horstkotte geizt nicht mit bunten Inszenierungszutaten. (…) punktet seine phantasievolle Ausstattung, die besonders in der historisierenden Kloster- und Kasernenkulisse Retro-Charme verbreitet.
(…) In puncto Präsenz und mit fulminantem Schlusston überstrahlt operetten-Urgestein Dagmar Schellenberger als kriminelle Obernonne das Ensemble, das sich gesangsdarstellerisch achtbar schlägt. Dirigent Jakob Brenner zeigt Gespür für den Charme von Suppés Musik (…)

Karin Coper

„Main-Echo“ schreibt am 21.06.2019

(…)
Revolution in der Hölle: Dieses Motiv spielten die Autoren der Chemnitzer Neufassung, Darsteller Alexander Kuchinka und Regisseur Hinrich Horstkotte (von dem auch das Bühnenbild und die Kostüme stammen), lustvoll durch im Vorspiel. Höllenpförtner Haderer (Matthias Otte) ist ein verknöcherter, fieser und zynischer Bürokrat (…). Haderer verwaltet den Eintritt in die Hölle. Und der ist begehrt, besonders von Menschen in Uniform, feinem Zwirn oder purpurner Soutane. Die in Blutrot getauchte Bühne mit einem riesigen Schlund im Hintergrund und Kannibalen-Kochtöpfen auf dem Boden quillt über mit Gestalten, die man aus den Geschichtsbüchern und Nachrichten zu kennen glaubt.
(…) So werden in der Kadettenanstalt im dritten Akt Männerallianzen und Machtstrukturen mit einer gelungenen Choreografie (Sabrina Sadowska) optisch umgesetzt.
(…)
Die frisch aufspielende Robert-Schumann-Philharmonie unter Leitung von Jakob Brenner schwelgt hier in zackigen Märschen. (...)
Diabolisch gruselig ist der Auftritt von Gerhard Ernst. Der Bass an der Wiener Volksoper verkörpert den Kompaniechef Oberst Donnersbach. Unter dessen Fassade steckt Satan höchstpersönlich. (…) Wie erschrickt das Publikum, als der Höllenfürst später aus dem Dunkeln im Rang auftaucht und polternd erklärt, dass er auf der Erde bleibe!
Eine eindrucksvolle Teufelin gibt Operettendiva Dagmar Schellenberger als Nonnenstiftsleiterin Mutter Aglaia. Unter der Ordenstracht lugt ein Schwanz heraus, und bei jedem frommen Namen bekommt Aglaia Sprachstörungen.
Drei Stunden dauert das opulent ausstaffierte Höllenspektakel, das mit einem Walzer-Nachspiel in der Hölle endet. Straffen hätte dem Stück sicher gut getan. Aber eines darf auf keinem Fall dem Rotstift zum Opfer fallen: die Tanzauftritte der Opernballettschüler als Satans-Neffen Kasperl und Krampus (Julia Bergen und Josefine Peuckert), die mit zwei Teufelchen (Valentin Herzog und Pascal Johann Unterschütz) und zwei Engelchen (Annabell Enzmann und Charlotte Kieschkar) allerliebst toben, zanken und sich wieder versöhnen.

Melanie Pollinger

„Das Opernglas“ schreibt in Ausgabe 06/2019

Die Oper Chemnitz schickt den Teufel auf die Erde und das Publikum in den (…) Operettenhimmel. Als einzige Bühne in Deutschland feiert das Haus den nach Jacques Offenbach zweiten Jubilar, der 2019 seinen 200. Geburtstag gefeiert hätte: Franz von Suppé. Dies war Anlass genug, (…) mit der 1878 am Wiener Carl-Theater uraufgeführten Operette ‚Der Teufel auf Erden‘ als deutsche Erstaufführung aufzuwarten.
(…)
Dafür dass das Ganze (…) amüsant und unterhaltsam wurde, sorgte neben Suppés Musik Regisseur Hinrich Horstkotte, der die Erdenfahrt als Kaleidoskop der Jahrhunderte inszeniert hat. (…) sind in der Regie vor allem im Kloster-Bild aufgrund einer präzisen Figurenführung hinreißend komische (Streit-Duett Amanda/Isabella), aber auch intime lyrische Momente gelungen - die Stärken dieser Inszenierung. Rundum überzeugend ist das von Horstkotte selbst entworfene Bühnenbild, das an Schauwert kaum zu überbieten ist - besonders der das ganze Bühnenportal ausfüllende Höllenschlund oder die detailreich naturalistische Klosterkulisse sorgen für Atmosphäre.
Für Atmosphäre sorgte auch das Chemnitzer Opernorchester unter der Leitung des jungen Jakob Brenner, der mühevoll die Orchesterstimmen nach dem Partiturmanuskript Suppés rekonstruiert hat, ein unschätzbares Verdienst! (…)
Betörend das Chemnitzer Sängerensemble. Von einer Sängerin, einem Sänger werden jeweils mehrere Partien übernommen. Franziska Krötenheerdt gelang als Amanda/ Amalia/Amira ein kleines Kabinettstück: Ihr Spiel, ihre Bewegungen, ihre Pantomime waren derart vielseitig, von mädchenhaft grazil über die freche selbstbewusste Nonnenschülerin bis hin zum hippen ständig whatsappenden Mädchen des 21. Jahrhunderts, dass es schwer fiel zu glauben, dass alle Partien tatsächlich von ein und derselben Sängerin ausgeführt wurden. Mit leicht geführter und unforcierter Stimme, die sowohl ihre Qualität in den soubrettigen Couplets als auch den lyrischen Nummern unter Beweis stellte, erwies sie sich als ideal für dieses Repertoire. Sylvia Rena Ziegler, schauspielerisch mit Delikatesse und Haltung, überzeugte als Isabella/Isolde und Iska.
Der Tenor Reto Rosin (Reinhart/Reinwald/Reiner) sowie der Bariton Andreas Beinhauer (Isidor, Isbert/Ismail) bestachen mit schlank geführten Stimmen, die wohltuend an keiner Stelle zu viel Zuckerguss produzierten und genau den Ton der Musik trafen. Zwei Gäste vervollständigten das Ensemble: Dagmar Schellenberger als Mutter Aglaja und Gerhard Ernst als Oberst Donnerbach - beide ein Ereignis!
Die Reise nach Chemnitz lohnt jedem Falle, allein schon um Suppés Musik zu entdecken und dieses fabelhafte Ensemble zu erleben, das man gern in anderen Operetten wiedersehen möchte. (…)

D. Hirschel

„Der neue Merker“ schreibt in Ausgabe 06/2019

(…)
Wieder einmal ist dem Theater Chemnitz eine Ausgrabung gelungen, die beschwingt und unterhaltsam über die Bühne geht (…) In der textlichen Neufassung von Alexander Kuchinka finden sich erstaunliche Bezüge zur Gegenwart. Es darf gelacht werden! (…) Und mit Hinrich Horstkotte hatte man einen Regisseur gefunden, der nicht nur eine Fülle szenischer Einfälle hatte, sondern auch die Bühne und die Kostüme farbenprächtig und opulent gestaltete. (…) Zum Glück spielt das 4. Bild im 21. Jh. Sehr zur Freude des Publikums in Chemnitz, denn die lokalen Bezüge des Textes sitzen und kommen an. Tatsächlich bewirbt sich Chemnitz als Europäische Kulturhauptstadt 2025. Hat man denn überhaupt etwas zu bieten?! Klar, die Oper hat z.B. einen hervorragenden überregionalen Ruf. Bei solchen Passagen ist der Beifall vorprogrammiert.
Das Ensemble ist mit sichtbarem Vergnügen bei der Sache. (…) Eine Vielzahl von Solisten, die Damen und Herren des Opernchores, Tänzerinnen und Tänzer der Tanzschule Köhler-Schimmel, Schülerinnen und Schüler der Opernballettschule sowie die Kinderstatisterie bewegen sich temperamentvoll über die Bühne. Aber nicht planlos! Hinrich Horstkotte verliert zu keiner Zeit die Geschichte aus den Augen. Selbst Uneingeweihte erkennen schnell, worum es geht und welche Aufgabe die jeweilige Figur zu erfüllen hat. Dabei wird er von Jakob Brenner am Pult unterstützt. Das Orchester spielt mit dem nötigen Charme und manche der Musiknummern klingt nach. Die meisten Solisten erhalten musikalisch dankbare Nummer und kosten das aus.
Alexander Kuchinka (…) und Matthias Winter (…) sind ein sehr ungleiches Paar, aber sie ergänzen sich trefflich. Matthias Otte, der einst am Opernhaus in keinem Musical fehlen durfte, steht nach langer Zeit endlich wieder auf den Brettern des Hauses, und zwar in sehr ambivalenten Rollen. Aber der Künstler ist sehr wandlungsfähig. Man nimmt ihm seine Figuren ab. Wandlungsfähig müssen auch die jungen Paare sein. Ihre Auftritte sind sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart angesiedelt. In früheren Jahrhunderten war man noch in der Lage miteinander zu sprechen (und zu singen). Heute ist das Smartphone wichtiger als der Partner! Immer dann, wenn sich derartige aktuell zeitkritische Ansätze finden, kommt die Botschaft an. Marie Hänsel und Sophia Maeno wie Reto Rosin und Till von Orlowsky verleihen ihren Figuren eine schöne Individualität und gefallen auch durch ihre musikalischen Vorträge. Schließlich ist in jedem Bild auch eine Figur enthalten, die überaus prominent besetzt wird. Dagmar Schellenberger darf im Kloster die bigotte Mutter Aglaja sein. Freilich hat sie es faustdick hinter den Ohren, denn sie ist keine Geringere als Satans Tochter. Und der wiederum erscheint im Kasernenbild, das im 19 Jahrhundert angesiedelt ist, höchst selbst in der Peron des Oberst Donnersbach auf der Szene und im Zuschauerraum. Mit Gerhard Ernst hat man ein Ensemblemitglied der Volksoper Wien verpflichten können, das vollsaftig in die Handlung einsteigt und der Szene Esprit verleiht. (…) Schließlich wird in den letzten Bildern auch der Intendant des Hauses, Christoph Dittrich, auf die Bühne beordert. Mit dem Tanzschulleiter Herrn Schimmel und dem Ballorganisator (Matthias Otte) sinniert und fachsimpelt er, wie man Stargäste, die zum Opernball abgesagt haben, möglicherweise kompensieren könnte. Das (…) ist kurzweilig (…). ‚Der Teufel auf Erden‘ (…) wird sein dankbares Publikum finden.

Christoph Suhre

Der „Stadtstreicher“ schreibt in Ausgabe 06/2019

(...) Zusammen mit Dramaturgin Carla Neppl, der nebenbei das exzellente Programmheft zu danken ist, hat Hinrich Horstkotte, gleichzeitig Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner, den irdischen Aufenthaltsort des Satans mit viel Witz zuletzt unmittelbar nach Chemnitz verlegt – in eine hier wohlbekannte Tanzschule mit dem sanft redigierten Namen Höller-Schummel und in ein nicht minder bekanntes Opernhaus daselbst. Herausgekommen ist eine ganz fabelhafte Aufführung dieser ‚fantastisch-burlesken‘ und, wie ich sie nennen würde, durch und durch Komischen Oper. Bestens ausgestattet, in krachend bunten, aber auch in sehr fein bedachten, atmosphärischen Bildern, die jeweils reizvoll gestaffelt sind in Vorder-, Mittel- und in einen Hintergrund, wo entweder die prospektiven Höllenbraten à la Trump ihrer Zulassung entgegenschmoren oder wo auch mit so hübschen Einzelheiten aufgewartet wird wie den bewegten Schattenrissen der beiden Nichten des bösen Obersten-Onkels am Fenster ihres streng behüteten Zimmers. Musikalisch überzeugen alle Protagonisten – und werden sie voller Esprit und Schönheit getragen und begleitet von der Philharmonie unter Jakob Brenner.
(...) Gerade die Akkuratesse, die feine und durchsichtige Genauigkeit gehört (...) zu den lebendigsten Qualitäten unserer Philharmonie. Die Suppésche Musik macht schon genug ‚uffta-uffta‘, wie es eine der Nichten einmal singen muss, da ist es nur richtig, wenn das Orchester nicht noch kräftiger zulangt. Überhaupt ist bewundernswert, wie die Musiker zwischen Ring-Zyklus und einem Zwei-Sinfoniekonzerte-plus-Lange-Nacht-der-Klassik-Marathon auch noch diesen holden Unsinn – o ja: wunderbar akkurat – meistern. Ein eigenes Bravo aber muss Matthias Otte gelten: als Höllen- und Klosterpförtner und trunkenem Spieß.

Eske Bockelmann

Die „Freie Presse“ schreibt am 29.04.2019

(...)
In der Chemnitzer Fassung ist textlich und dramaturgisch das Original kräftig bearbeitet worden, Figuren wurden umbenannt, der dritte von vier Akten spielt im 21. Jahrhundert, in einer Chemnitzer Tanzschule, das Nachspiel (der Opernball) gar in der Chemnitzer Oper, deren Generalintendant persönlich (Christoph Dittrich) als ‚Intendant‘ mit Selbstironie auftritt. Regisseur und Ausstatter Hinrich Horstkotte hat eine prachtvolle, liebevoll ironische Reverenz ans Kulissentheater des 19. Jahrhunderts auf die Bühne gezaubert, gemalte Hängekulissen, die mit Anleihen bei Hieronymus Bosch Hölle, Nonnenkloster, Kadettenanstalt und Tanzschule sowie Opernhaus zeigen, eingerahmt in ein aufgerissenes Höllenmaul. Auch kostümlich ist das ein fantasievolles Panoptikum, das Figuren aus Antike und Neuzeit erkennen lässt. Der dreieinhalbstündige Abend amüsiert und unterhält, augenzwinkernd auf schmalem Grat zwischen Komödienstadel und Ausstattungsrevue. Es darf gelacht werden, zumal die zeitnah aktualisierten, frechen, gelegentlich schnoddrigen Dialoge und Gesangstexte der gesellschaftskritischen Marschroute des Stücks entsprechen. Politiker, Religion und Kirche, Reliquienhandel und Militär werden durch den Kakao gezogen, aber auch Donald Trump, der in der Hölle um Einlass begehrt, Priester, die des Missbrauchs von Minderjährigen angeklagt sind und selbst der Brexit kommen zur Sprache. Der Schlussakt ist eine Abrechnung mit unserer Wohlstands- und Spaßgesellschaft, vor allem mit dem Narzissmus der Generation Facebook.
Die Aufführung ist ein teuflisches Vergnügen, bei dem Alexander Kuchinka als Höllenknecht Ruprecht in Teufels-Krampus-Habit (der in die Menschen fährt, um unsichtbar zu werden) und Matthias Winter als per se unsichtbarer Engel Rupert (ohne Auftrag, und nicht an Gott glaubend) den Vogel abschießen und aufs Komischste durch die Zeit- und Ortsreise führen, einer dem anderen helfend, über Gott und Teufel lästernd. Köstlich deren Dialoge und Spiel. Auch Gerhard Ernst als Oberst Donnersbach ist eine begnadete Knallcharge von Gottes beziehungsweise Teufels Gnaden. (…)
Insgesamt eine glänzende Ensembleleistung (…).
Das Premierenpublikum war außer Rand und Band vor Begeisterung. Diese Chemnitzer Operettenausgrabung darf wohl als die herausragende Suppé-Huldigung im Suppé-Jahr 2019 bezeichnet werden.

Dieter David Scholz

Die „Morgenpost Chemnitz“ schreibt am 29.04.2019

Höllischer Operetten-Spaß (…)
Was passiert, wenn der Teufel auf die Erde kommt? Es gibt einen höllischen Spaß! Den hatte auch das Publikum (…) bei der ausverkauften Premiere von ‚Der Teufel auf Erden‘ (…).
Hinrich Horstkotte inszeniert die Operette als fantastischen Schwank im Stil des Wiener Volkstheaters (…). Die Freude des gesamten Ensembles übertrug sich schnell auf das Publikum und vor allem das Gespann Rupert-Ruprecht konnte die Herzen im Sturm erobern. Publikumsliebling Matthias Winter schlüpft in die Rolle des Engels und als Ruprecht betört der Österreicher Alexander Kuchinka mit seinem Wiener Schmäh die Zuschauer.
So heiter sich das Thema anlässt, spart die Operette am Ende aber auch nicht mit Zeitkritik und erntet dafür großen Zuspruch. Nachdem der Vorhang gefallen war, gab es für das Publikum eine kleine Zugabe, bevor ein rund 15-minütiger Applaus losbrauste. (…)

vw

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