Spielzeit 2017/2018

Das Rheingold

Sa
03.
März
Oper

Das Rheingold

Vorabend zu dem Bühnenfestspiel "Der Ring des Nibelungen" von Richard Wagner

 
 

Die Rheintöchter werden von Alberich beobachtet. Als sie ihn zurückweisen, wandelt sich sein Liebesbegehren in Hass und der Nibelung raubt ihren Schatz – das Rheingold. Der aus dem Rheingold geschmiedete Ring verhilft Alberich zu Macht. Die Brüder Fasolt und Fafner haben für Wotan Walhall gebaut und fordern die dafür versprochene Freia. Wotan bereut den Handel und sucht mit Loge nach einer Alternative. Fasolt und Fafner erklären sich bereit, Freia für Alberichs Schatz einzutauschen. Es gelingt Wotan und Loge, mit Mimes Tarnhelm Alberich das Rheingold abzunehmen; Alberich sieht sich überlistet und verflucht den Ring. Wotan beabsichtigt, das Rheingold ohne die beiden wertvollsten Stücke, Tarnhelm und Ring, an Fafner und Fasolt auszuhändigen. Die beiden bestehen auf Einhaltung der Vereinbarung und fordern den gesamten Schatz. Erdas Warnung vor dem Fluch des Rings lässt Wotan einwilligen. Als erste Opfer des Fluchs geraten Fafner und Fasolt über das Rheingold in Streit; Fafner erschlägt seinen Bruder. Wotan kann Walhall in Besitz nehmen. Das Flehen der Rheintöchter um das geraubte Gold verhallt.

Am Anfang von Richard Wagners Der Ring des Nibelungen steht das Begehren. Alberichs Griff nach den Rheintöchtern ist der Impuls, der die Rheingold-Erzählung als einen Mechanismus wachsenden Chaos in Gang setzt. Reflexhafter Motor dieses Mechanismus ist die Enttäuschung. Zweimal endet Alberichs Begehren enttäuschend: Liebe und Macht werden ihm versagt. Es bleibt ihm nur der Fluch. Wagner gelingt mit dem Beginn seiner Tetralogie ein in der Musikgeschichte einzigartiges Vexierbild: Den musikalischen Topos der Welten-Entstehung verwendet Wagner täuschend echt und komponiert mit dem Rheingold die Anti-Schöpfung als einen sich entfaltenden Kosmos der Zerstörung.

Verena Stoiber studierte Regie in München, arbeitete als Regieassistentin an der Oper Stuttgart vornehmlich mit Jossi Wieler und Calixto Bieito zusammen. 2014 gewann sie den Ring Award in Graz. Anschließend inszenierte sie die Uraufführung von Konrad Boehmers Sensor an der Deutschen Oper Berlin, Rigoletto am Staatstheater Nürnberg, das Händeloratorium Israel in Egypt im Rahmen der Winteroper in Potsdam sowie Tristan und Isolde an der Oper Graz.

Aufführung mit deutschen Übertiteln 

Gefördert von 

Spielort:Opernhaus - Saal
Dauer:2 h 30 min / keine Pause
Altersempfehlung:ab 16 Jahren
Premiere:03.02.2018
Einführung:30 Minuten vor Beginn jeder Vorstellung
Sa, 03. März | 19:00 Uhr
Preis: 27,00 bis 54,00 €
 

Weitere Termine

31.03.2018Samstag16:00 Uhr   Opernhaus - Saal  
15.04.2018Sonntag15:00 Uhr   Opernhaus - Saal  
28.04.2018Samstag19:00 Uhr   Opernhaus - Saal  
05.01.2019Samstag18:00 Uhr   Opernhaus - Saal  
27.01.2019Sonntag18:00 Uhr   Opernhaus - Saal  
18.04.2019Donnerstag18:00 Uhr   Opernhaus - Saal  
30.05.2019Donnerstag18:00 Uhr   Opernhaus - Saal  

Videomedien zum Stück

Video

Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam
Musikalische Leitung Guillermo García Calvo 03.02. / 31.03. / 15.04. / 28.04.2018
Felix Bender 22.02. / 03.03.2018

Inszenierung Verena Stoiber

Bühne und Kostüme Sophia Schneider

Dramaturgische Betreuung Carla Neppl

Besetzungsliste des Stückes

Besetzungsliste
Wotan
Krisztián Cser

Donner
Matthias Winter

Froh
Petter Wulfsberg Moen

Loge
Benjamin Bruns 03.02. / 22.02. / 03.03. / 31.03.2018
Edward Randall 15.04. / 28.04.2018

Fricka
Monika Bohinec 03.02. / 22.02. / 03.03. / 31.03. / 28.04.2018
Bernadett Fodor 15.04.2018

Freia
Maraike Schröter

Erda
Bernadett Fodor
Anja Schlosser 15.04.2018

Alberich
Jukka Rasilainen

Mime
Edward Randall 03.02. / 22.02. / 03.03. / 31.03.2018
Benedikt Nawrath 15.04. / 28.04.2018

Fasolt
Magnus Piontek

Fafner
James Moellenhoff

Woglinde
Guibee Yang

Wellgunde
Sylvia Rena Ziegler

Floßhilde
Sophia Maeno

Damen und Herren der Statisterie

Robert-Schumann-Philharmonie

Pressestimmen zum Stück

Pressestimmen

Die „Frankfurter Rundschau“ schreibt am 07.02.2018

Verena Stoiber überzeugt (…) mit einem durchdachten und zutiefst menschlichen ‚Rheingold‘. 
(…) Lange kein so durchdachtes, gewitztes und ausgefeiltes ‚Rheingold‘ gesehen wie das von Verena Stoiber. Die musikalische Seite regelt Guillermo García Calvo gewieft (…) und Zukäufe bei den Sängern sorgen für ein beträchtliches Gesamtniveau.
‚Das Rheingold‘ (…) bietet sich natürlich an für eine Lesart, wie Stoiber sie nicht nur versucht, sondern trefflich durchführt: eine sehr menschliche, auch quasi bodenständige. Wenn Wotan von Erda an das Ende erinnert wird, schwebt ihm keine Götterdämmerung vor. Er selbst ist es als alter Mann, der sich wie in einem Spiegel entgegenkommt (…) eine erstaunlich ergreifende Szene.
Sie funktioniert, weil Bernadett Fodor eine unerwartet ausgreifende Erda-Stimme bietet, aber auch, weil die Chemnitzer einen relativ jungen Wotan eingekauft haben, den 40-jährigen Ungarn Krisztián Cser. Sängerisch ist er kernig und geschmeidig. Darstellerisch ist er eine Wucht: Jugendlich und ungezogen, ein Bruder Leichtfuß, der sich mit Fricka gut versteht, der keineswegs unsympathischen Monika Bohinec, mit der er zur Ouvertüre zu spät ins Theater kommt (grandios, Wotan schläft sofort ein). Die Begegnung mit dem eigenen Altern (damit rechnen Götter nicht) verändert ihn bereits deutlich. Das Zauselhaar gestriegelter, geht er am Ende etwas nebenbei seitlich ab: Das Bild zur pompösen Schlussmusik gehört den Rheintöchtern, die sich (nach dem Sündenfall) Kleider suchen und als Prostituierte verdingen müssen. Stoibers Blick ist psychologisch interessiert und zu Ende gedacht, aber auch politisch. Die Rheintöchter in Nacktanzügen und mit gelbgoldenem Haar – zusammen mit dem Haarschmuck ist das das Rheingold – schwingen geschickt an Seilen, Alberich ist ein Tierwesen, am Boden kröpelnd. Eine echte Urszene. Loge, auch er am Rand auf einem Theatersitz schon dabei, beendet sie, indem er Alberich ein Messer reicht. Loge als Strippenzieher (…), beglaubigt hier (…) durch Benjamin Bruns‘ lebhaftes Spiel und metallisch glänzenden Tenor.
Die Gewalt ist in der Welt, der Kapitalismus folgt auf dem Fuß, und Walhall ist dann bereits die Berliner Mauer, deren Tür Fricka vergeblich sucht. Freya war eben wieder shoppen, und Alberich lässt die Nibelungen nicht das Gold mehren, sondern Waren herstellen. Er, ein Zuhältertyp, den Jukka Rasilainen lässig darstellt und stark singt, nutzt ein Stockwerk seines Reichs zur Kinderarbeit, ein anderes als Bordell.
Niemand steht hier einfach herum: Freya – wenige Regisseure scheren sich um sie: Ist er das womöglich, der weibliche Blick? – wird von Stoiber als nölende Pubertierende gestaltet. Maraike Schröter spielt das unbedingt mit, wird von Ausstatterin Sophia Schneider auch als Püppchen eingekleidet. Man sieht die verratene und verkaufte Göttin als trotziges, verwöhntes Kind, dessen Unreife und innere Abwesenheit das Folgende – vor allemk das letztlich unveränderte Hervorgehen aus dem finsteren Handel – begreiflich macht.
(…)

Judith von Sternburg

Die „Mitteldeutsche Zeitung“ schreibt am 06.02.2018

(…)
Bei der Bewertung von Regie geht es (…) nach Kriterien wie Stringenz, gesellschaftliche Relevanz, Witz, Musikalität, Erkenntnisgewinn und Handwerk. Und davon findet sich im ‚Rheingold‘ (…) jede Menge.
Der neue Chemnitzer Generalmusikdirektor Guillermo García Calvo hat am Pult der Robert-Schumann-Philharmonie sekundiert. Mit Liebe und Respekt zur Musik des Meisters. Ohne mit Götterpomp zu übertreiben, immer dicht bei den Sängern. (…)
Verena Stoiber liefert einen beherzten Zugriff auf das Komödiantische in ‚Rheingold‘, feuert jede Menge witzig-kluger Einfälle ab und punktet mit einer Personenführung, wo etwa die vom nahen Ende der Götter orgelnde Erda (Bernadett Fodor) bewusst als konzertanter Fremdkörper eingesetzt wird.
In diesem ‚Rheingold‘ sind sie alle, was sie wirklich sind. Verführerisch in hautfarbenen Trikots die Rheintöchter an ihren Lianen. Animalisch verwildert der Grabscher Alberich, der ihnen ihr Gold brutal raubt. Das Götterpaar Wotan (Krisztián Cser) und Fricka (Monika Bohinec) ist ein taffes Führungsduo von heute. Erzkomödiantisch der pfiffige und stimmschöne Loge von Benjamin Bruns. Sinnfällig: Walhall als Abbild der Mauer und die Bordell-Etage eines Nibelheim, das aus der Unterbühne hochfährt. Alles spannend und auch witzig. (…)

Joachim Lange

Die „Leipziger Volkszeitung“ schreibt am 05.02.2018

(…) Langeweile? Keine Sekunde! Spannungs- und Anspruchspotenzial sind enorm (…) Calvo (…) mischt frische Farben in die wagnererprobte Robert-Schumann-Philharmonie, die das freudig aufgreift. Man hört es deutlich. Calvo favorisiert einen durchsichtigen Zug, der die führende Rolle der Blechbläser herausmodelliert. Bis in die kräftigsten Aufwallungen agiert er sehr sängerfreundlich, mit deutlicher Gliederung musikalischer Perioden (…). Aus der ariosen Prosa heraus gewährt Calvo den Solisten immer wieder geschlossene Perioden. Der meist sehr guten Textverständlichkeit schadet das nicht. Vorbildlich sind die reaktionssicheren Verzahnungen von Szene und Musik: Calvo zeigt einen tieflotenden Theaterpuls.
(…) Die Welt ist in Verena Stoibers Regie ein einziges Horrorszenarium. Die ‚seligen Götter‘: Eine bildungsferne Superreichen-Meute, die Ressourcen und Finanzen ihren allerbilligsten Lüsten opfert. Am Ende bleiben sie gefangen in einer Burg Walhall, die als Betonmauer die Öffnung zum Rest der Welt verhindert. Richtige Arbeit gibt es nicht mehr: Nibelheim ist nach Sicht der Bühnenbildnerin Sophia Schneider ein Versanddepot, in dem Kinder Schnürsenkel in Schuhe winden und sich trostlose Nutten zur ‚Sexflat‘ darbieten. Männer sind dumpfe Machtbolzen, Frauen psychisch deformierte Zicken wie die leere First Lady Fricka (Monika Bohinec) und die eklig infantile Shopping-Queen Freia (Maraike Schröter). Ein trauriger Riss geht durch die Welt seit dem Raub des Rheingolds: Der Grund des Rheins gleicht einer fast jugendstilhaften Naturszenerie. Unschuldig nackte Rheintöchter schwingen auf Seilen, ein riesiges Gemächt raubt dem borstig-hässlichen Satyr Alberich (Jukka Rasilainen) den allerletzten Rest Besinnung. Das Rheingold sind die wallenden Haare der Rheintöchter, die Alberich brutal skalpiert. Diese Urszene trennt die Geschlechter für immer. Deshalb wird Alberich zum Jack the Ripper des Online-Handels und schlachtet Sexarbeiterinnen.
Sex-Gier und Sekt-Gier im wechsel. In dieser Verrohung schaffen Waren lediglich Kurzzeit-Befriedigung. Fafner (von Leipzig nach Chemnitz: James Moellenhoff) tötet Fasolt (Magnus Piontek) mit einem Golfschläger. Nur eine einzige anrührende Szene gibt es, wenn die bewegend ausladende Bernadett Fodor als Erda den windigen Finanzmagnaten Wotan (Krisztián Cser) mit seinem vergreisten Alter Ego konfrontiert. Trübe Zukunft! (…) Gesungen wird auf beeindruckendem bis (…) sehr hohem Niveau.

Roland H. Dippel

Die „Freie Presse“ schreibt am 05.02.2018

(...)
Man muss lange suchen, um eine zweite Oper zu finden, der es so eklatant an positiven Identifikationsfiguren mangelt, wie dem ‚Rheingold‘. Die Inszenierung von Richard Wagners Oper durch Verena Stoiber, die (…) im ausverkauften Chemnitzer Opernhaus Premiere feierte, macht das deutlich. Ob Götter, ob Zwerge, ob Riesen - am Ende suchen alle ihren Vorteil auf Kosten des anderen. (…) Der von Sophia Schneider ausgestatteten Inszenierung gelingt es mittels Kenntlichmachung durch Verfremdung sehr anschaulich, die mythische Geschichte um Geld, Gold und Macht ins Hier und Jetzt zu holen.
(...) Wotan, von Krisztián Cser mit der nötigen Machtattitüde als Jungmanager im blauen Business-Einreiher sinnfällig verkörpert, hat sich von Fasolt (Magnus Piontek) und Fafner (James Moellenhoff), zwei mausgrauen Buchhaltertypen, die jedem dienen, der sie bezahlt, eine Götterburg hinklotzen lassen. Deren auf der Bühne sichtbarer Teil sieht aus wie die Berliner Mauer, nur ohne Betonrolle obendrauf. So irdisch-bodenständig wie die Götterarchitektur zeigt sich auch die Familie. Darunter Fricka, Wotans Frau (Monika Bohinec), setzt ihre Macht über den Gemahl diskret ein, ihre Schwester Freia (Maraike Schröter), das Faustpfand für die Burg, ist ein naiver kleiner Trampel im Backfischalter, Loge (Benjamin Bruns) ein schmieriger Rechtsberater, von dem man keinen Gebrauchtwagen kaufen würde.
Nicht viel besser steht es mit Alberich (...): Ein Selfmademan mit gegeltem Haar und Goldkettchen, der die Macht, die ihm das Rheingold schenkt, dazu nutzt, die Nibelungen zu versklaven - als Zuhälter und Profiteur von Kinderarbeit. Das deutet die umfangreiche Statisterie im doppelstöckigen Bühnenaufbau seines Firmensitzes an - quasi eine Firma Alberich. Der Schatz, den er angehäuft hat, ist von der Natur jener kurzlebigen Waren, die sich der Kunde heute online ins Haus holt - von Schuhen über den Mixer bis zum LED-Fernseher.
In diesem Umfeld ‚funktioniert‘ die Geschichte, und indem Verena Stoiber sie aus der Märchenwelt holt, erkennt der Zuschauer, dass er sich hier in einem Schurkenstück befindet, vom unrecht Gut, das nicht gedeihet: Ein sittenwidriger Bauvertrag soll geheilt werden, indem den Gläubigern Raubgut zukommen soll, das schon der Beraubte unredlich erworben hat. (...) Interpretationen bietet so ein Stoff zuhauf. Man muss nur in die Zeitung schauen.
(...) höchste Anerkennung (...) für eine zweieinhalbstündige Teamleistung, die gesanglich, an Bühnenpräsenz und Glaubwürdigkeit der Charaktere keine Wünsche offen ließ. Da ragten indes auch ob ihrer Schlüsselrollen Jukka Rasilainen, Krisztián Cser, Monika Bohinec, Bernadett Fodor und Benjamin Bruns noch ein Stück heraus.
Mit Leistungen, die ohne die Robert-Schumann-Philharmonie unter ihrem für Richard Wagners Musik glühenden Zuchtmeister Guillermo García Calvo freilich nicht diesen Glanz ausgestrahlt hätten. Das Orchester stellte den Gesang auf einen so farbigen wie transparenten, dynamisch stets angemessenen Klangteppich. (...)

Torsten Kohlschein

Die „Morgenpost Chemnitz“ schreibt am 05.02.2018

(…)
Alberich wird machtvoll gesungen von Jukka Rasilainen. Benjamin Bruns spielt den listigen Loge geschmeidig wie eine Katze. Eindrucksvoll ist Bernadett Fodor (Erda), die mit ihrer Stimme das Publikum in ihren Bann zieht.
Verena Stoiber hat das rund zweieinhalbstündige Stück (ohne Pause) modern-provokativ und mit viel Zeitkritik inszeniert. So wird der machthungrige Alberich Herr einer Art Arbeitslager und Bordell, Gott Wotan schießt Selfies der Götterburg und aus der Gier nach Gold wird Konsumgier.
(…) Sänger und Musiker (musikalische Leitung: Guillermo García Calvo) mit tosendem Applaus und Bravo-Rufen gefeiert (…)

vw

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