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An die Stadtratsfraktionen der Stadt Chemnitz sowie die fraktionslosen Stadträte

 

Chemnitz, den 13.04.2026

Stellungnahme der Theaterleitung

Chemnitz ohne Schauspielhaus ist nicht vorstellbar.

Mit Fassungslosigkeit und Empörung haben wir den Vorschlag von Teilen des Stadtrates zur Kenntnis genommen, für alle fünf Sparten des Chemnitzer Theaters nur noch die Bühne des Opernhauses vorzusehen und künftig gar kein Schauspielhaus mehr in Chemnitz zu unterhalten. 

Was würde es bedeuten, die Sparten Musiktheater (Oper, Operette, Musical), Ballett, Schauspiel, Figurentheater und Philharmonie auf eine Bühne im Opernhaus einzuschränken? Bisher stehen traditionell im Schauspiel weitere drei Bühnen zur Verfügung: große Bühne, Studiobühne und Figurentheater.

Es würde mindestens die Halbierung des künstlerischen Angebots darstellen, bei derzeit 250 Veranstaltungen im Opernhaus und 450 bis 500 Veranstaltungen im Schauspielhau/Spinnbau. Es würde eine Reduktion in allen Sparten bedeuten, die zudem eine hohe Auslastung aufweisen. 

Tausende Zuschauerplätze würden verschwinden. Das Weihnachtmärchen wäre undurchführbar, die Schultheaterwoche, die Theaterfestivals. Der Theaterjugendclub, die Opernballettschule würden wegfallen. Großes Musiktheater wie die Oper Rummelplatz über die Geschichte der Wismut AG wäre wegen der zeitlichen Einschränkungen auf der Bühne kaum mehr aufführbar. 

Eine räumliche Trennung des Figurentheaters von den anderen Bühnen wäre personell dauerhaft nicht leistbar. Damit würden gerade das Kinder- und Jugendtheater und die kulturelle Bildung für junges Publikum in Frage gestellt. Das Theater wäre, in allen Sparten, in Sachsen nicht mehr konkurrenzfähig.

Abgesehen davon ist das Opernhaus keine Schauspielbühne und kann auch keine werden. Der Orchestergraben gibt einen großen Abstand und Sichtlinien vor, die die Nähe des Schauspiels verhindern. Auch die akustischen Bedingungen sind für Sprechtheater nur sehr bedingt geeignet.

Da auf den Bühnen auch Proben stattfinden müssen, wäre ein Spielbetrieb bei einer Zusammenlegung am Theaterplatz noch weiter reduziert als auf den ersten Blick ersichtlich. 

Nicht zuletzt: Was macht dieser Vorschlag mit all jenen, die sich in den letzten Wochen und Monaten in der Diskussion Sanierung oder Neubau des Schauspielhauses ganz klar für ein starkes, attraktives Schauspielhaus ausgesprochen haben, welches der Stadt Chemnitz würdig ist?

Der Vorschlag der Bündelung am Theaterplatz erscheint auch völlig undurchdacht, da für einen Sanierungszeitraum der Oper dann gar keine adäquaten Bühnen mehr zur Verfügung stünde. 

Die Theaterleitung appelliert an den Stadtrat,

  • eine tragfähige Lösung für ein Schauspielhaus und das Opernhaus zu entwickeln, 
  • die realen Auswirkungen auf den Spielbetrieb in allen Sparten im Sinne des Publikums in die Entscheidungen einzubeziehen
  • die kulturelle Strahlkraft von Chemnitz nach dem Kulturhauptstadtjahr nachhaltig zu sichern
  • Planungssicherheit zu schaffen, um langfristige Qualität zu gewährleisten
  • und die Entscheidung als Investition in die Zukunft der Stadtgesellschaft zu begreifen

     

Wir stehen für Gespräche und für gemeinsame Lösungen bereit.Nur wenn es gelingt, jetzt eine tragfähige Struktur zu schaffen, kann das Theater auch in den kommenden Jahrzehnten seine Rolle als kulturelles Herz der Stadt erfüllen.

Das Schauspielhaus ist nicht nur ein Spielort, sondern ein zentraler Bestandteil der kulturellen Identität dieser Stadt. Seit nahezu 200 Jahren ist das Theater in Chemnitz ein Ort gesellschaftlicher Auseinandersetzung, künstlerischer Produktion und öffentlicher Verständigung. In einer Phase politischer Kontrolle und eingeschränkter öffentlicher Debatte wurde das Theater zu einem Raum des „offenen Wortes“, in dem gesellschaftliche Fragen, Spannungen und Sehnsüchte verhandelt werden konnten. Es hat politische Umbrüche, Zerstörung und Transformation überdauert und war dabei immer ein stabilisierender Faktor für die Stadtgesellschaft.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich: Das Theater in Chemnitz ist keine austauschbare Institution, sondern ein über Generationen gewachsener kultureller Anker. Es steht für die Fähigkeit der Stadt, Krisen zu überstehen, sich neu zu erfinden und dabei ihre kulturelle Identität zu bewahren. Es ist eine Begegnungsstätte der heutigen Stadtgesellschaft für alle Generationen und ist für den demokratischen Dialog unabdingbar.

 

Dr. Christoph Dittrich
Generalintendant

Ronny Guhlmann
Verwaltungsdirektor

Gundula Hoffmann
Direktorin Figurentheater

Carsten Knödler
Schauspieldirektor

Christine Marquardt
Operndirektorin

Stefanie Müller-Lietzau
Orchesterdirektorin

Benjamin Reiners
Generalmusikdirektor und Chefdirigent
der Robert-Schumann-Philharmonie

Sabrina Sadowska
Ballettdirektorin

Raj Ullrich
Technischer Direktor

 

 

 
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