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© Dieter Wuschanski

Die Räuber

Drama von Friedrich Schiller

Was hat Vater (-Staat) seinen Kindern angetan – oder was hat er nicht getan, dass das passieren konnte? Warum hat er sie für den Lebensweg so ungleich gewappnet? Wie kann so eine Brutalität und Radikalität entstehen? Diese Fragen stellt man sich, wenn es zu spät ist – wenn sich ein Riss nicht nur durch das Land, sondern auch durch die Gesellschaft zieht und rechts und links Misstrauen, Angst und Feindlichkeit wachsen. Für die Brüder Karl und Franz Moor, der eine vom Vater geliebt und bevorzugt, der andere ungeliebt und vernachlässigt, ist die alte Ordnung, für die ihr Vater steht, verfallen. Franz nutzt die Schärfe seines Verstandes und schafft es mittels klug arrangierter Intrigen, Vater und Bruder gegeneinander auszuspielen. Skrupellos setzt er sich an die Macht. Franz‘ Hybris liegt in der Überzeugung, dass seine Freiheit darin bestünde, sich und seine Welt jenseits aller bestehenden Normen und Werte neu zu erschaffen. Nun ist Karl der Ausgestoßene, die Ordnung seiner Kindheit verkehrt. Sein Blick auf die desaströsen und ungerechten Missstände der Welt rechtfertigen in seinen Augen Raub, Gewalt und Mord. Er schließt sich einer Räuberbande an, wird ihr Anführer und schwört dieser Treue und Gefolgschaft bis zum Tod. In den Räubern legt Friedrich Schiller (1759-1805) den privaten Konflikt der ungleich erzogenen Brüder als Nährboden, um zwei gesellschaftliche Radikalisierungsmuster zu hinterfragen. Er stellt Franz‘ instrumentellen Rationalismus gegen den blutigen Idealismus Karls – zwei radikale Entwürfe prallen damit aufeinander und bilden das Spannungsfeld und zugleich einen Versuchsraum, in dem sich die Inszenierung auf eine sinnliche Ursache-Wirkungs-Forschung begibt. Was wäre, wenn man irgendwann nicht mehr fragen müsste: Wie konnte das passieren? Sondern sagen könnte: Das Drama hat nicht stattgefunden!
Mi
20.
März
Schauspiel
19:30 Uhr
© Dieter Wuschanski

Sieben Geister

Familiendrama von Sören Hornung
Gewinnerstück des Chemnitzer Theaterpreises für junge Dramatik 2018

Oma ist tot. Zeit, schmutzige Wäsche zu waschen. Es ist der Tag ihrer Beerdigung und die Soljanka längst kalt. Als Omas Lieblingssohn Frank eintrifft, ist er unausstehlich. Offen provoziert er seine Schwester Elise und legt sich mit dem dementen Onkel Wolfgang an. Mit Kanonen auf Spatzen? Nur scheinbar. – Elise hatte zuletzt die Mutter voller Selbstaufgabe gepflegt, Frank als Werbefilmer notwendiges Geld beigesteuert, Onkel Wolfgang sich in die Ferne verdrückt und Franziska, Franks Tochter, sich leidlich mit Drogen über Wasser gehalten. Geredet wurde kaum, das quasselnde Schweigen der ständige Begleiter der Familie, die ganze Verbogenheit ihres Lebens unter der Decke gehalten von Oma, dieser starken Frau. Doch viel wäre zu erzählen gewesen: von der Besetzung Deutschlands durch die Russen, vom Aufbau der DDR und ihrer notwendigen Grenze, von Franks Freundin Bettina, die ums Leben kam, von Onkel Wolfgangs Unschuld und Oma Ursulas mitleidloser Härte. Sören Hornungs neues Stück „Sieben Geister“ spannt anhand dreier Generationen einen Bogen von 1945 bis heute. Es erzählt aus der Perspektive einer Familie vom Erbe sprachloser Geschichte, vom haltlosen Leben ohne Erfahrung. Seine genau gezeichneten Figuren – allesamt Erben des Unglücks – sind in Gefahr zu verblassen oder auf die falschen Feinde loszugehen. Erst die Enkelgeneration revoltiert, zunächst mit Selbstzerstörung, dann mit der konkreten Frage nach der Ursache der familiären Aggressivität und Lethargie. Und sie holt die Leichen aus dem Keller, stellt vehement die Altvorderen in Frage. Die deutsche Geschichte steht exemplarisch für das verdrückte Schweigen allerorten, das sich als Krankheit in Körper und soziale Beziehungen schreibt. Völlig egal, ob es sich um den im Stück benannten deutschen Krieg handelt, einen jugoslawischen, finnischen oder ukrainischen. Wenn (zutiefst verletzende) Erfahrungen nicht ausgesprochen und im besten Fall verarbeitet werden können, vererben sie sich. Irgendwann und irgendwo platzen die Wunden wieder auf. Wer sich in Europa nicht für Abschottung und die Verschärfung von Konflikten entscheiden will, wird um sehr sensible Aussprache nicht umhin kommen. Der Autor Sören Hornung wurde 1989 in Berlin geboren und arbeitet als Regisseur, Autor und Performer. 2010 war er als Regieassistent bei der Fernsehserie „Schloss Einstein“ und inszenierte erstmalig am Schlossplatztheater Berlin. 2012 gründete er mit Paula Thielecke das KOLLEKTIV EINS und war 2014 an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg Mitbegründer und Festival-Koordinator des „ManieFest“. Seine Inszenierung von Ibsens „Ein Volksfeind“ wurde zum Körber Studio Junge Regie 2015 eingeladen. 2016 absolvierte er sein Regiestudium an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg. 2017 war er für den Osnabrücker Dramatikerpreis nominiert und mit der Produktion „Die Zauberin von Oz“ bei dem Festival „Spieltriebe 7“ am Theater Osnabrück mit dem KOLLEKTIV EINS vertreten. Seine Inszenierungen waren bisher u. a. zu sehen am Schauspiel Stuttgart, am Theater Rampe in Stuttgart, am Thalia Theater Hamburg, am Theater Augsburg und am Volkstheater Rostock. Dort ist auch die aktuelle Inszenierung „Laika – Das Chaos sei willkommen, denn die Ordnung versagt“ vom KOLLEKTIV EINS zu sehen.
Mi
20.
März
Schauspiel
20:00 Uhr
© Dieter Wuschanski

Einsame Menschen

Drama von Gerhart Hauptmann nach der Fassung von Michael Thalheimer
unter Mitarbeit von Oliver Reese

Die Familie: Ein Refugium. Ein wärmender Schutzraum, ein Bollwerk in Zeiten des Leistungsdrucks. Ein Ort des Rückzugs und der Geborgenheit. Doch die Familie, das ist auch: Enge. Unfreiheit. Ein Nährboden für tiefe Verletzungen. Mit Gerhart Hauptmanns Einsame Menschen spürt Regisseurin Nina Mattenklotz der Entstehung von Einsamkeit und Kommunikationslosigkeit, von Sprachlosigkeit und Vereinzelung im nächsten Familienkreis nach. Dabei scheint das Glück von Johannes und seiner Frau Käthe zunächst recht idyllisch: eine junge Familie, der Sohn ist gerade geboren – doch die Freude will sich nicht einstellen. Johannes steckt mit seiner Arbeit in einer Schaffenskrise. In Käthe findet er nicht die Partnerin mit der er darüber reden könnte. Käthe wiederum steckt in einer tiefen Kindbettdepression – ein Tabuthema unserer Gesellschaft. So kann auch sie darüber nicht reden. Die Eltern von Johannes versuchen mit aller Kraft die Fassade der guten Familie aufrecht zu halten. Doch mehr als hilflose Versuche, die brüchige Beziehung mit guten Ratschlägen und alten Floskeln zu kitten, bringen sie nicht zustande. Eines Tages steht überraschend die junge und emanzipierte Studentin Anna Mahr vor der Tür, die auf der Durchreise nach Zürich Johannes‘ Freund, den Maler Braun, besuchen will. Johannes bittet sie zu bleiben. Schnell erweist sie sich für Johannes als wichtige Gesprächspartnerin, eine ersehnte Verwandte des Geistes. Doch anstatt Anna als Eindringling zu betrachten, als konkurrierende Frau, die die Familienidylle zu bedrohen scheint, untersucht Mattenklotz mit ihr den „Einbruch des Fremden“ und so auch die Möglichkeit, alte Lebensformen zu hinterfragen und neue auszuloten. Gerhart Hauptmanns Einsame Menschen entstand 1891 in einer Zeit des industriellen und kulturellen Wandels, in der gesellschaftliche Positionen und soziale Systeme im Um- und Aufbruch waren. Die damit verbundene Verunsicherung und notwendige Neuorientierung untersucht Hauptmann im Kern einer Familie. Und weil die Familie der engste Bezugskreis ist, tritt in ihr die wachsende Entfremdung umso schmerzlicher zu Tage.
Do
21.
März
Schauspiel
19:30 Uhr
© Dieter Wuschanski

Die vier Himmelsrichtungen

Ein Spiel über Leben und Zufall von Roland Schimmelpfennig
STUDIOINSZENIERUNG

Vier Menschen treffen scheinbar zufällig aufeinander. Ein Mann aus dem Norden verunglückt mit seinem LKW und verliert eine ganze Ladung Modellierballons im Straßengraben. Ein zweiter, von Süden kommend, hofft mit ihnen auf eine bessere Zukunft. Beide verlieben sich in dieselbe Frau, eine Kellnerin mit Locken wie Schlangenhaaren, die der Wind aus dem Westen zu ihnen getragen hat. Mit einem Mal hat das Schicksal ihre Lebenswege untrennbar miteinander verbunden. Einer wird am Ende des Tages nicht mehr leben. Doch das weiß nur Madame Oiseau, die Wahrsagerin, die einst mit Schnee und Eis aus dem Osten kam, sich fort sehnt und doch nicht fliegen kann. Roland Schimmelpfennig zählt zu den erfolgreichsten und meistgespielten Gegenwartsautoren. Die vier Himmelsrichtungen entstand in Kooperation mit dem Deutschen Theater Berlin und wurde 2011 in der Regie des Autors bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt. Wie in einem Puzzlespiel verschachtelt er Sehnsüchte und Ängste seiner Figuren, lässt sie in Monologen kreiselnd aufeinanderprallen und entfaltet einen poetischen Sog, der auf essentielle Themen und Fragestellungen unserer Zeit zielt – nach einem eigenen Platz in der Welt, in der alles möglich scheint, der Sehnsucht nach Liebe oder dem Kampf um das Leben und nicht zuletzt den Träumen, die so schmerzlich mit unseren Entscheidungen verbunden sind. Erneut kooperieren wir für diese Produktion mit den Studierenden des Masterstudienganges Bühnenbild_Szenischer Raum der TU Berlin. Unter Leitung des TU-Dozenten Norman Heinrich entstehen während des Sommersemesters 2018 mögliche Bühnen- und Kostümbildentwürfe, von denen dann ein Konzept ausgewählt und für die Studioinszenierung realisiert wird. In der Spielzeit 2018/2019 setzen wir die jahrzehntelange Studiotradition am Schauspiel Chemnitz fort. Vier Studierende der mit uns kooperierenden Hochschulen aus Linz und Zürich sowie der Universität in Osijek werden als Teil unseres Ensembles lernen und sich auf ihr Berufsleben vorbereiten. Neben der Studioproduktion sind sie in unseren Schauspielinszenierungen zu sehen und präsentieren eigene Arbeiten im Rahmen der NACHTSCHICHT-Reihe auf dem weg sowie zum NONSTOP FESTIVAL 2019! In Kooperation mit:
TU Berlin Mit freundlicher Unterstützung: 
Do
21.
März
Schauspiel
20:00 Uhr
© Arnold Bagdasar

JOAQUÍN RODRIGO

Joaquín Rodrigo – Der Junge, der von Musik träumte

Die berührende musikalische Geschichte „Der Junge, der von Musik träumte“ erzählt von dem spanischen Komponisten Joaquin Rodrigo, der als dreijähriger Junge erblindet. Fortan begleitet ihn die Musik wie ein Freund durch alle Höhen und Tiefen des Lebens und erleuchtet die Dunkelheit, die ihn umgibt, mit den schönsten Farben. Er erfüllt sich seinen Traum und wird ein berühmter Komponist. Seine Musik schafft es sogar bis zu einer Reise auf den Mond! Joaquin Rodrigos Lebensgeschichte steht für die Kraft, die von Musik ausgeht, und ermutigt, an sich zu glauben und nicht aufzugeben, wenn es schwierig wird.In Kooperation mit der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresdenfür Klasse 4-6
Fr
22.
März
Philharmonie
10:00 Uhr

Ticket-Aktion zum Sommertheater-Verkaufsstart

Karten für "Die kleine Hexe" ab 21. März buchbar - mit Überraschung

Die kleine Hexe: Magda Decker. Foto: Nasser Hashemi

Auch 2019 gibt es unser Sommertheater auf der Küchwaldbühne. Titelheldin des diesjährigen Open-Air-Stücks ist Die kleine Hexe aus dem berühmten Kinderbuch von Otfried Preußler. Ein Jahr lang gibt sie sich alle Mühe, damit sie die Prüfung besteht und zur Walpurgisnacht mit den anderen Hexen hexen darf. Premiere feiert das Kinderabenteuer am 22. Juni.

Der Verkauf für die Vorstellungen beginnt in vier Tagen, am 21. März. Unser Angebot: Zu jedem Erwachsenen-Ticket, das Sie vom 21. bis zum 30. März kaufen, bekommen Sie eine Kinderkarte gratis – nur in unseren Vorverkaufsstellen.

Abschied von zwei Inszenierungen

„Die Räuber und „Sieben Geister“ am 20. März zum letzten Mal

"Die Räuber": Szene mit Philipp von Schön-Angerer. Foto: Dieter Wuschanski
"Sieben Geister": Szene mit Magda Decker. Foto: Dieter Wuschanski
Von zwei Inszenierungen im Schauspiel Chemnitz heißt es am Mittwoch, 20. März 2019 Abschied nehmen – Sie haben die Wahl. Um 19.30 Uhr stellt auf der Großen Bühne im Schauspielhaus zum letzten Mal Friedrich Schillers Drama Die Räuber die aktuelle Frage: Wie kann idealistischer Protest gegen ungerechte Zustände Raub, Gewalt und Mord rechtfertigen? Um 20.00 Uhr im Schauspielhaus-Ostflügel: das Gewinnerstück des Chemnitzer Theaterpreises für junge Dramatik 2018, Sören Hornungs Sieben Geister. Anhand dreier Generationen einer Familie spannt es einen Bogen von 1945 bis heute und zeigt, wie erst auf einer Beerdigung ein Jahrzehnte langes Schweigen durchbrochen wird: über das Kriegsende, den Aufbau der DDR und einen Tod an ihrer Grenze.

Guillermo García Calvo dirigiert Gedenkkonzert für Montserrat Caballé in Barcelona

"The Smile Of Montserrat Caballé" am 12. April 2019

Guillermo García Calvo. Foto: Nasser Hashemi

Guillermo García Calvo, Generalmusikdirektor der Oper Chemnitz und der Robert-Schumann-Philharmonie, wird am 12. April 2019, 20.00 Uhr im Gran Teatre del Liceu in Barcelona das Gedenkkonzert „The Smile Of Montserrat Caballé“ als Hommage an die am 12. April 1933 in Barcelona geborene und am 6. Oktober 2018 in ihrer Heimatstadt verstorbene legendäre Sopranistin dirigieren.

Die außergewöhnliche Sängerin mit ansteckend herzlichem Temperament verzauberte mit ihrer filigranen Stimme weltweit Millionen Menschen mit einem unglaublich vielseitigen Repertoire, das mit etwa 90 Opernpartien von Gluck über Mozart, wiederentdeckte Belcanto-Opern und Richard Strauss sowie hunderten von Liedern bis hin zu ihrem legendären Auftritt mit Freddy Mercury zur Eröffnung der Olympischen Spiele 1992 in ihrer Heimatstadt mit dem Titel „Barcelona“ reichte.

Kollegen und Freunde, die während der beispielhaften, 55 Jahre währenden Karriere von Montserrat Caballé auf den großen Opern- und Konzertbühnen der ganzen Welt mit ihr zu erleben waren, werden bei diesem Konzert live unter der dem Dirigat des Spaniers Guillermo Garcia Calvo auftreten, darunter José Carreras, Jaume Aragall, Joan Pons, Al Bano, Paata Burchuladze, Begoña Alberdi, María Gallego und Josep Bros.

Weitere namhafte Wegbegleiter wie Plácido Domingo, Riccardo Muti, Zubin Mehta, Roberto Alagna und Juan Diego Flórez werden Videobotschaften übermitteln. Das Gedenkkonzert wird live im spanischen Fernsehen übertragen.

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