Stella

Schauspiel für Liebende von Johann Wolfgang von Goethe

Premiere 04.03.2016

Schauspielhaus-Ostflügel


Wenn zwei Frauen den gleichen Mann lieben, kann das tragisch enden. Das Objekt der Begierde ist der Offizier Fernando. Er hat seine Frau Cäcilie und die gemeinsame Tochter Lucie verlassen und sich in die Baronesse Stella verliebt. Für die junge Stella ist Fernando die große Liebe. Doch nach fünf Jahren seligen Glücks verlässt Fernando auch sie und zieht in den Krieg. Eines Tages erscheint Cäcilie mit ihrer Tochter Lucie zufällig bei der jungen Baronesse, um gerade in ihrem Haus für Lucie eine Anstellung zu erbitten. Noch wissen beide Frauen nicht, welche Leidens- und Liebesgenossinnen sie sind und freunden sich an. Als dann Fernando aus dem Krieg zurückkehrt, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Es wird geliebt und gelitten. Unbändige Liebe, Sehnsüchte, Begehren und Zweifel treiben fortan die Figuren an. Gibt es einen anderen Ausweg als den Tod?


Goethes (1749 – 1832) "Stella" hält einen modernen und zugleich provokanten Gegenentwurf parat: Eine offene Dreiecksbeziehung – die Ehe zu dritt statt Tod und Verzweiflung! Goethe schrieb "Stella" 1775. Ein Jahr zuvor hatte ihn die Geschichte einer Frau zwischen zwei Männern berühmt gemacht. Im "Werther" erzählte er noch das Drama eines Mannes, der sich in die Frau seines Freundes verliebt und am Ende keinen anderen Ausweg sieht als den Selbstmord. Nun wählte Goethe die Perspektive der Frau. Stella und Cäcilie lieben Fernando. Das macht sie zu Schicksalsgefährtinnen, die einen ungewöhnlichen Weg gehen: Statt auf den zurückgekehrten Fernando zu verzichten, verzichten sie auf den Wunsch, ihn für sich allein zu besitzen und stellen sich damit gegen die Konventionen. Für Goethes Zeitgenossen war das ein Schock und ein so unvorstellbarer Ausgang, dass Goethe seinem Stück 1806 einen anderen Schluss geben musste: Fernando wählte den Freitod durch die Waffe und Stella durch Gift. So war die bürgerliche Ordnung zumindest für das Publikum wieder hergestellt.


Sind wir heute bereit für derartige Modelle? Inwieweit empfinden wir diese – in Zeiten von Patchwork-Familien und polyamoren Lebensentwürfen – überhaupt noch verwerflich? Ganz sicher nicht im gleichen Maße wie Goethes Zeitgenossen. Aber sind wir wirklich bereit, uns von Besitzansprüchen und Verlustängsten zu lösen? Oder gibt es nicht in jedem von uns diesen kleinen Teufel namens Eifersucht, der sich immer dann einschleicht, wenn wir glauben, nicht genug zu bekommen – nicht genug Liebe, Aufmerksamkeit, Begehren …?


Dauer: ca. 1 Stunde 30 Minuten / keine Pause


Altersempfehlung: ab 16 Jahren


Preis: 12,00 Euro


Pressestimmen zu dieser Inszenierung