Struwwelpeter

Musical von den "The Tiger Lillies", Julian Crouch und Phelim McDermott, Musik von Martyn Jacques 

Deutsch von Andreas Marber

Premiere: 17.09.2016

Schauspielhaus, Große Bühne 


Als der Frankfurter Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann 1844 seinem dreijährigen Sohn Carl ein schmales Bilderbüchlein unter den Weihnachtsbaum legte, ahnte er nicht, dass es unter dem Titel "Struwwelpeter" weltberühmt werden würde. Seither gibt es keine Generation, die ohne den Schauer des Buches aufwuchs. Und keine Pädagogengeneration, die nicht über den Inhalt gestritten hätte, denn derart mortale Konsequenzen für kindliches Fehlverhalten passen so gar nicht ins Weltbild humanistisch-bürgerlicher Erziehung. Immerhin ertrinkt da Hanns Guck-in-die-Luft im nahen Fluss, verbrennt das zündelnde Paulinchen mit Haut und Haar bis auf die roten Schuhe und werden dem Daumenlutscher die süßen Fingerchen mit der großen Schere abgeschnitten. Nein, das ist nicht gut, gar nicht gut, wenn man den "Struwwelpeter" als pädagogische Drohschrift liest. Der Clou des lustvoll-morbiden Musicals liegt jedoch in der Umkehrung. Papa und Mama Biedermann sehnen sich nach einem Kind. Als der Storch den erhofften Sprössling endlich in ihre Bilderbuchidylle bringt, entpuppt er sich als Struwwelpeter und stellt das ach so artige Weltbild der Eltern höchst anarchisch in Frage. Oh Schreck, oh Graus. Plötzlich sind es nicht mehr die Kinder, die ihr Fett abkriegen, sondern die Eltern, die ihren Kindern nur ein hohles Erziehungsgebäude auf den Weg zu geben vermögen, weil sie sich ihren eigenen Ängsten nicht stellen. Unvorbereitet werden sie mit kindlicher Anarchie und Vitalität konfrontiert, vor der sie in Aspik und Alkohol erstarren.


Die preisgekrönte Band "The Tiger Lillies" gründete sich 1989 auf eine Anzeige des charismatischen Sängers Martyn Jacques hin. Stilistisch beheimatet irgendwo zwischen englischer Clownstradition und dem skandalösen Berliner Kabarett der 1920er Jahre, wird ihr Sound von der wundervollen Falsettstimme Martyn Jacques‘ geprägt. Und diesen Sound holen wir uns auf die Bühne – live! Wir öffnen die Tore zur schillernden Nachtseite der Fantasie.


Dauer: ca. 1 Stunde 15 Minuten / keine Pause 

Altersempfehlung: ab 14 Jahren 

Preis: 10,00 bis 18,00 Euro 


Pressestimmen zu dieser Inszenierung