Penthesilea

Trauerspiel von Heinrich von Kleist

Premiere: 22.10.2016

Schauspielhaus, Große Bühne 


Auf dem Schlachtfeld vor Troja stehen die Griechen mitten im Kampf gegen König Priamos, als plötzlich Penthesilea, Tochter des Ares und Königin der Amazonen, mit ihren Kriegerinnen über sie herfällt.
Allein aus Frauen gründet sich der Staat der Amazonen: Angetrieben vom Kriegsgott Mars erwählen sie ein Volk, um es im Kampf zu erobern. Siegreich kehren sie mit den gefangenen Männern nach Hause zurück, um mit ihnen zum Rosenfest ihre Nachkommen zu zeugen, die Jungen zu töten und die Mädchen zu neuen Kämpferinnen heranzuziehen. Die Partnerwahl erfolgt jedoch nie aus Liebe, sondern entscheidet sich allein auf dem Schlachtfeld.


Auf diesen heiligen Traditionen basieren Macht und Erfolg der Amazonen. Penthesilea aber trifft eine Wahl. Wieder und wieder verfolgt sie Achill, einen jungen griechischen Krieger, sucht ihn im Kampf, zieht ihm entgegen und verliebt sich in ihn. Doch als Königin muss sie die Gesetze achten. Als Mensch, der fühlt, befragt sie diese und bäumt sich zugleich gegen ihre Gefühle auf. Wie Wölfe fallen Penthesilea und Achill übereinander her und haben sich längst ineinander verbissen. Denn auch Achill liebt und hält dagegen. Zweimal unterliegt Penthesilea und Achill lässt ihr das Leben. Schließlich fordert er sie ein weiteres Mal heraus – bereit, ihr den Sieg zu schenken und sein Schicksal in ihre Hände zu geben. Doch Penthesilea fühlt sich betrogen und zieht wild und blind vor Wut mit Streitross, Elefanten und Hunden in die finale Schlacht.


Heinrich von Kleist (1777-1811) nutzt für seine 1808 entstandene Tragödie die reiche Motivgeschichte der griechischen Mythologie. In "Penthesilea" formuliert er den inneren Kampf des Ichs zwischen Tun, Dürfen und Fühlen als radikalen Widerspruch, der im Leben keine Auflösung erfährt. Kleist, der 1811 den Freitod wählte, zielt dabei auf den Konflikt des Einzelnen gegenüber einer bestehenden gesellschaftlichen Ordnung, deren Gesetze und Regeln längst nicht mehr das eigene Handeln motivieren und begründen können. Unvereinbar lässt er mit Penthesilea und Achill zwei Welten und gleichwertige Kräfte im Krieg aufeinanderprallen – gerade dort, wo sich Liebe nicht entfalten kann und stattdessen vernichtend wirkt. Der Mensch steht dazwischen und zerbricht.


Dauer: 1 Stunde 45 Minuten / keine Pause 

Altersempfehlung: ab 16 Jahren

Preis: 10,00 bis 18,00 Euro


Pressestimmen zu dieser Inszenierung


Einführung 30 Minuten vor Beginn jeder Vorstellung


Nachgespräch am 12.11.2016