gefesselt

Nach Federico García Lorcas Drama "Bernarda Albas Haus"

Premiere: 17.03.2017

Schauspielhaus-Ostflügel


Federico García Lorca (1898-1936) erlebte die Premiere seines Stückes "Bernarda Albas Haus" nicht mehr. Er wurde 1936 auf offener Straße von spanischen Faschisten erschossen. Sein nachgelassenes, weltberühmtes Drama hatte ins Herz seiner Zeit getroffen. Exemplarisch legt er am Beispiel einer Familie Strukturen von Gewaltherrschaft frei. Seine Bernarda, die Mutter des Hauses, bekämpft in ihren Töchtern alles, was ihrer Idee von Sittsamkeit widerspricht. Die Gefühle, Wünsche und Träume ihrer Töchter sind Bernarda dabei grundsätzlich egal, aber nach innen wird brutal abgeriegelt, damit nach außen alles korrekt erscheint und keine üble Nachrede den ehrbaren Ruf der prüden Festung schmälert. Bernarda ist das dunkle Herz des Faschismus. Mit der vollen Wucht einer erstarrten Moral gibt sie die eingeübten Gewaltmechanismen an die Töchter weiter. Die jungen Frauen unterwerfen sich entweder oder revoltieren. 

Regisseurin Silke Johanna Fischer verlegt Lorcas berühmtes Stück in das Innere einer seelisch wunden Frau. Ihre Mutter ist tot und eigentlich wäre die Tochter frei, das Leben nach eigenem Wollen auszukosten, keine subtile oder offene Repression lastet mehr auf ihr. Doch das inhalierte Korsett der Mutter schnürt sie weiterhin ein und betoniert ihre Freiheit. Selbst ihre imaginären Stimmen, die sie einst erfand, um in der feindlichen Umgebung zu überleben, können ihr nur bedingt helfen. Sie weiß nicht mehr, ob ihre Träume, Gedanken und Stimmen die richtigen sind. Urplötzlich brechen die Verletzungen in alltäglichen Situationen hervor und verbiegen ihr Handeln. Dabei könnte sie frei atmen, essen, träumen, einen Mann lieben, die Orte ihrer Kindheit verlassen. Nur mühsam entledigt sie sich der inneren Gewalt und entdeckt gemeinsam mit ihren Stimmen eine neue Welt.


Dauer: ca. 1 Stunde / keine Pause 

Altersempfehlung: ab 16 Jahren 

Preis: 12,00 Euro


Pressestimmen zu dieser Inszenierung