Wolken.Heim

von Elfriede Jelinek

"Wir schaudern vor den andren. Wir weichen nicht aus, denn wir gehören uns. Es gibt uns. Es gibt uns. Wir sind allein, aber schön bei uns. Wir sind bei uns zuhaus."


„Wir sind bei uns zuhaus.“ - das ist der leitmotivische Satz in Elfriede Jelineks Textcollage, die 1988 im Rahmen des Zyklus „Wir Deutschen“ als Auftragswerk am Schauspiel Bonn uraufgeführt wurde und durch die deutsche Wiedervereinigung 1989 nachträglich einen ungeheuren Aktualitätsbezug erhielt. Die Autorin vereint darin Texte und Gedanken von Autoren aus mehreren Jahrhunderten deutscher Geistesgeschichte – Hölderlin, Hegel, Heidegger, Fichte, Kleist, Briefe der RAF.


Zentrales Thema ist der Nationalismus - und wie sich nationale Identität durch Ausschluss und Vernichtung des Fremden konstituiert. Statt Figuren spricht ein „Wir“, das sich manisch die unterschiedlichsten Texte einverleibt, ein Stimmengewirr, das beschwörend und soghaft keinen anderen Bezugspunkt außer sich selbst kennt und in Wiederholungen kaum mehr als um sich selbst kreist. Ein Identitäts- und Heimatmonolog in hochartifizieller Versprosa.


Mit „Wolken.Heim“, das der Spielzeit 2010/2011 im Schauspielhaus das Motto gibt, steht zum ersten Mal im Schauspiel Chemnitz ein Stück von Elfriede Jelinek auf dem Spielplan, die zu den bedeutendsten Autoren der Gegenwart zählt und im Jahre 2004 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Sie ist eine Autorin, die polarisiert, und seit Jahren tobt eine heftige Kontroverse zwischen denen, die durch ihre Texte und auch ihre öffentlich kundgetane politische Meinung provoziert werden, und jenen, die sie als Sprachkünstlerin feiern.


Regisseur Dieter Boyer, am Chemnitzer Schauspiel Spezialist für Texte, die auf die klassische Rollen- und Figurenaufteilung verzichten, wird „Wolken.Heim“ als einen Abend inszenieren, der den Rahmen der klassischen Theateraufführung verlässt. Dafür wird er eine begehbare Installation schaffen, die das unmittelbare Erleben von Sprache möglich macht - ihre ideologische Wirkungsmacht und ihre Entlarvung in szenischer Ambivalenz. Ein Jahrmarkt deutscher Geschichte.


Dauer: 1 Stunde 15 Minuten / keine Pause


Altersempfehlung: ab 16 Jahren


Pressestimmen zu dieser Inszenierung finden Sie HIER.