Ein Volksfeind

Schauspiel von Henrik Ibsen

Aus dem Norwegischen von Christel Hildebrandt

Premiere: 14.02.2015

Schauspielhaus, Große Bühne


Ein kleiner prosperierender Kurort: Die gesundheitsfördernde Wirkung des Wassers verspricht nicht nur den Kurgästen Wohlbefinden und Erholung, sondern auch den ansässigen Bewohnern lukrative Geschäfte. Da entdeckt der Badearzt Dr. Thomas Stockmann, dass das Wasser durch Industrieabwässer verseucht ist. Ein Umweltskandal droht. Stockmann hält es als Wissenschaftler für seine Pflicht, die Öffentlichkeit darüber aufzuklären. Zunächst hat er die Mehrheit auf seiner Seite. Aber die Wahrheit gefällt nicht jedem im Ort, besonders denen nicht, deren ökonomische Interessen sie torpediert. Ausgerechnet Stockmanns Bruder, der Bürgermeister der Stadt, wendet sich vehement gegen die Überzeugungen seines Bruders. Er argumentiert im Sinne des Gemeinwohls, dass notwendige Baumaßnahmen Kosten und Imageverlust für den Kurort bedeuten würden. Die Meinungsmacher der Stadt lassen sich überzeugen und erklären den Störenfried Dr. Thomas Stockmann kurzerhand zum Volksfeind. Eine Hetzkampagne beginnt, die mit der Zeit den Gegenstand selbst aus dem Auge verliert, eine Eigendynamik entwickelt und die Radikalisierung der Positionen zur Folge hat.


Henrik Ibsens 1882 entstandenes Schauspiel war schon zu Zeiten des Dramatikers eine Kampfansage an die populistische Meinung der Massen, die allzu oft als Wahrheit anerkannt und manifestiert wird. 1988 inszenierte Frank Castorf Ibsens Klassiker am Schauspiel Chemnitz (damals Karl-Marx-Stadt) und opponierte damit gegen eine diktatorische Majorität.
In multimedial geprägten Zeiten bietet Ibsens "Volksfeind" eine Steilvorlage für die kritische Auseinandersetzung mit dem vermeintlich liberalen Mehrheitsprinzip einer Demokratie, in der Überzeugungen und Eigeninteressen allzu oft eng miteinander verbunden sind. Zudem lässt sich ein fanatischer und mitunter pervertierter Kampf um „die Wahrheit“ genauso in Frage stellen wie eine Politik, die von ökonomischen Interessen und Lobbyisten geprägt ist.


Dauer: ca. 2 Stunden 15 Minuten / incl. 1 Pause 
Altersempfehlung:  ab 16 Jahren
Preis:  10,00 bis 18,00 Euro


Pressestimmen zu dieser Inszenierung