Die Grönholm-Methode

Chemnitzer Morgenpost, 12.10.2009:
„Das Erfolgsstück (2003) von Jordi Galcerán hat Matthias Huber in Chemnitz als spannendes Psychospiel inszeniert. In jeden Teilnehmer kann, darf, soll, muss man sich in 90 Minuten reinversetzen – wieder erfreulich hochaktuelles Theater im Schauspielhaus.
Die Hinterbühne ist mit Lederwänden bepflastert, darin nur ein Fenster, Guckloch oder Spiegel (Ausstattung: Daniela Flügge) sowie nebst Publikum drei Männer und eine Frau (Susanne Stein, Wenzel Banneyer, Marius Marx und Urs Rechn). Alle in dunklem Nadelstreifen und auch sonst aus gleichem Tuch: Zynisch macht man sich gegenseitig madig, schwindelt, geht sich an den Kragen. Denn nur einer kann Gewinner sein (Überraschung!), aber der wird zum Schluss belämmert aus der Wäsche gucken. ‚Wir suchen nicht einen guten Menschen, der nach außen ein Arschloch ist. Was wir suchen, ist ein Arschloch, das nach außen ein guter Mensch ist‘, tönt es aus der Firma. Menschen der A-Klasse gesucht? In dieser Klapsmühle sind wir alle längst angekommen, befand offensichtlich das Publikum und sparte nicht mit Beifall.“


Freie Presse, 13.10.2009:
„Die Jobsuche als Gesellschaftsspiel: Jeder gegen alle - ein aufregendes Theaterstück in Chemnitz.
‚Die Grönholm-Methode‘ läuft seit sechs Jahren mit großem Erfolg über die internationalen und deutschen Bühnen. Der spanische Autor Jordi Galcerán blickt in die Personal-Etage, einen der geheimnisvollsten Bereiche eines Unternehmens, und führt vor, worauf sich die Bewerber um eine freie Stelle gefasst machen müssen. (...)
Die verblüffende Schlussszene verkündet die Maxime der Personalentscheidung: ‚Wir suchen nicht einen guten Menschen, der nach außen ein Arschloch ist. Was wir suchen, ist ein Arschloch, das nach außen ein guter Mensch ist.‘ Hier trifft Theaterkunst auf den Alltag. Mit lebendigem, blutvollen Spiel und äußerst differenzierter Figurendarstellung geht Matthias Hubers Inszenierung auf die Mitte zu. (...)
Marius Marx, Wenzel Banneyer, Urs Rechn, in ihrer Mitte Susanne Stein, sie bieten ausdrucksstarke Schauspielkunst. Dieses misstrauische gegenseitige Belauern, der Zynismus, gezwungen zu sein, die anderen zu erledigen, die Ungewissheit des Opfers, das jeder werden oder schon sein kann - das ist alles von bestem Stoff für personifizierte Darstellung.
Und das ist nach den drei Premieren der Vorwoche ein weiteres Sympathieangebot des Ensembles - man hat im Chemnitzer Schauspielhaus wieder Freude am Spiel. Das Publikum bedankte sich mit lang anhaltendem Beifall.“