Chemnitzer Morgenpost, 22.03.2010:
„Sterbehilfe nach gutem alten Hausrezept: Kay Neumann
inszenierte die Kultkomödie ‚Arsen und Spitzenhäubchen‘ als sehr bekömmlichen Humor-Cocktail und ließ am Sonnabend im Chemnitzer Schauspielhaus
das Publikum kosten. Das überlebte berauscht kichernd und begeistert klatschend (...) dieses kohlrabenschwarze Kaffeekränzchen der alten Damen (...): Hier die untenrum mopslige Abby, da die steckendürre, wuselnde, aristokratische Martha - ein geradezu theatergeschichtsträchtiger Hochgenuss mit Bernd-Michael Baier und Tilo Krügel. Wie Baier
verträumt-spitzmäulig Kekse mampft und Krügel aufgeregt zur Seite hopst, dürften es Frauen in den Rollen künftig schwer haben.
Kaum Klamotte, kein Klamauk: Das Getüttel am Teetisch, das Gekussel in Familie, das Geschleppe mausetoter Männer geschieht ganz normal wie bei Hempels auf dem Sofa. Ein mordsmäßig aufgedrehtes Ensemble ist holunderweinmäßig wie auf Droge und präsentiert unvergessliche Typen: Dirk Lange
(großartig als Mortimer) sucht verschreckt nach Worten für die mörderischen Taten und nennt das dann eine „irgendwie schlechte Angewohnheit“. Marius Marx dümmlich-gefährlich mit zerhackter Visage (Jonathan Brewster), Michael Pempelforth
als verhuscht-gebückter Schönheits-Chirurg, Yves Hinrichs als Neffe Teddy mit mittelschwerer Macke reitet bekloppte Attacken, weiter inbrünstig dabei Caroline Junghanns, Urs Rechn, Bernhard Conrad, Klaus Schleiff
- auch Altschauspielchef Hartwig Albiro lässt sich ein Glas reichen.“
Freie Presse, 22.03.2010:
„Das mit dem Humor ist so eine Sache: Der eine braucht frechen Klamauk, spritzige Turbulenzen, Comedy der geistreichen Art und ein Feuerwerk an Pointen, um mal so richtig ablachen zu können. Diesem Theaterbesucher sei gesagt: Bei ‚Arsen und Spitzenhäubchen‘
in der Regie von Kay Neumann bekommt er dies alles in geballter und höchst unterhaltsamer Form. Das Publikum bei der Premiere am Samstag im Chemnitzer Schauspielhaus
war begeistert und feierte das Ensemble minutenlang. (...) Ohne Ausnahme sind alle Personen völlig überdrehte und durchgeknallte Charaktere. Das kommt an, das Zusehen ist ein Spaß ohne Ende.
Und die Schauspieler genießen dieses Treiben, jede noch so kleine Geste und unscheinbare Mimik kosten sie aus. Das macht Laune. Komisch an sich sind Männer in Frauenkleidern ohnehin, doch Bernd-Michael Baier
und Tilo Krügel als Abby und Martha Brewster setzten noch eins drauf: Mit wahnsinnig viel Gespür für die Koketterie des Augenblicks pointieren beide die Absurdität der Frauen, die Männer ermorden, weil sie lieb sein wollen.“
Blitz, 15.05.2010:
„Auch rund 70 Jahre nach der Uraufführung hat Joseph Kesselrings ‚Arsen und Spitzenhäubchen‘
nichts von seiner umwerfenden Publikumswirksamkeit eingebüßt. (...) Starker Beifall für ein starkes Stück und eine starke Aufführung.“