Das Schauspielhaus

Liebes Publikum,

 

herzlich willkommen im Schauspielhaus Chemnitz – ob morgens zu unseren Kinder- und Jugendvorstellungen im Figurentheater oder abends zu unseren Schauspiel-Inszenierungen, Musikabenden und NACHTSCHICHTEN!
Als eine der großen Chemnitzer Kultureinrichtungen mit überregionaler Ausstrahlung fühlen wir uns nach wie vor besonders dem Chemnitzer Publikum verpflichtet, den Fragen und Themen, die in dieser Stadt drängend sind. Wir werden überraschen, manchmal irritieren, aber immer versuchen, untergründige Themen spannend zur Sprache zu bringen. Theater ist eines der letzten Refugien, konzentriert Lebenserfahrung zu problematisieren und zu teilen. Es entzieht sich alltäglicher Hast schon allein durch die Verabredung, gemeinsam über eine gewisse Zeit (Theater-) Kunst zu erleben. Wir werden sinnlich-berührend Geschichten erzählen, Gegenwelten erfinden und wollen mit Ihnen Neues entdecken, streiten, lachen und immer wieder staunen. Auch in diesem Jahr laden wir Sie ein, gemeinsam mit uns Theater zu erleben und Ihr Theater als Treffpunkt zu begreifen. Neben zahlreichen Einführungen, Zuschauergesprächen, Sonderveranstaltungen, Matineen und Theaterführungen können Sie den Abend im Foyer und unserem Restaurant und Theaterclub EXIL ausklingen lassen. Wenn Sie an unserem Versuch teilhaben wollen, poetisch unsere Umwelt zu reflektieren, fühlen Sie sich aufs herzlichste ins Schauspielhaus Chemnitz eingeladen.


Unsere neue Schauspiel-Spielzeit ist mit dem Thema „Festung. Ich“ überschrieben. 25 Jahre nach der Wiedervereinigung haben wir es in Europa wieder mit einer vergleichsweise restaurativen Epoche zu tun. Diese ist einerseits dem behaglichen Biedermeier nicht unähnlich, sie erhebt Traditionen, Nachhaltigkeit und individuelle Schöpfungskraft zu neuen Tugenden, zeigt aber zugleich auch enorme Risse in der Mitte einer Gesellschaft auf, die unser Zusammenleben, unsere Kommunikation und Wertevorstellungen v.a. am ökonomischen Wettbewerb bemisst. Die „Festung Europa“ wird sich behaupten und positionieren müssen und braucht umso mehr den Zusammenhalt, um ökonomisch wie sozialpolitisch zu überleben. Zugleich nehmen religiös oder politisch motivierte Kämpfe um Einflusssphären zu, werden Ängste geschürt und humanistische wie auch humanitäre Werte und Erfahrungen in Frage gestellt. Wie aber schaffen wir es, uns dagegen zu behaupten? Ist der Rückzug ins Private Ausweg oder Fluchtversuch, die Radikalisierung von Positionen Fortschritt oder rückwärtsgewandt? Welche Informationen bekommen wir, auf welche haben wir überhaupt noch Zugriff und wie verarbeiten wir sie heute, wenn Informationen und Meinungen doch immer schneller, lauter, meist flüchtig parallel und selektiv verarbeitet und aufgenommen werden können? Wie massentauglich sind die politischen, sozialen und moralischen Fragen, (Heils-)Versprechen und Verwerfungen unserer Zeit? – Und wie verhält sich der Einzelne dazu, bzw. wie steht es um wirkliche Verbindlichkeit, die individuellen Momente des Glück, des Träumens, und eben auch der Angst?


Ich freue mich auf eine spannende und anregende Spielzeit!


Ihr Carsten Knödler, Schauspieldirektor


Zu Karl-Marx-Städter Zeiten gehörte das Schauspielhaus zu den profiliertesten und fortschrittlichsten Häusern der DDR. Schauspieler wie Ulrich Mühe, Corinna Harfouch und Michael Gwisdek begannen hier ihre Laufbahn. Bedeutende zeitgenössische Regisseure wie Frank Castorf, Hasko Weber, Michael Thalheimer und Armin Petras arbeiteten in Chemnitz. Seit der Spielzeit 2013/14 leitet Carsten Knödler das Schauspielhaus als Schauspieldirektor.