"Die goldene Gans"

Die „Freie Presse“ schreibt am 15.09.2016:
„Besuch bei einer witzigen 'Klebegesellschaft'
‚Die goldene Gans‘ ist ins Chemnitzer Figurentheater eingezogen - in Form von Sperrholzpüppchen. Sperrig ist diese amüsante Geschichte aber überhaupt nicht.
Wunderbare Ideen am laufenden Band - das bietet wieder einmal das Chemnitzer Figurentheater. Und diesmal ist das sogar wörtlich zu nehmen. Denn eine Frau und ein Mann sitzen sich an einem langen schwarzen Tisch gegenüber, in dessen Mitte sich ein Laufband hin- und herbewegen lässt. Darauf wandern, mal mehr, mal weniger geschwind die Figuren des Stücks ‚Die goldene Gans‘ nach links und rechts. Genauso wie die Texte von Tobias Eisenkrämer und Mona Krueger, die als versierte Puppenspieler nicht nur die Püppchen der jüngsten Inszenierung des Chemnitzer Figurentheaters zum Leben erwecken, nein, sie liefern sich auch noch ein sowohl für die Kinder als auch ihre erwachsenen Begleiter amüsantes Wortgefecht über den Fortgang der Geschichte. Denn jeder der beiden glaubt, besser erzählen zu können.
Regisseurin Ines Heinrich-Frank hat die Bearbeitung des Grimmschen Märchens von Peter Brasch schon für das Puppentheater Halle in Szene gesetzt und damit mehrere Preise gewonnen. Dass die Produktion für Zuschauer ab vier Jahren nun auch hier gezeigt wird, ist ein Glück, denn erstens erfreuen Märchenklassiker immer wieder, und zweitens ist es überaus erfrischend, Altbekanntem in neuem Kleid zu begegnen. Und das besteht hier vor allem aus Sperrholz. Ausstatter Robert Voss ist da ganz schlicht geblieben. Er wechselt aber mehrfach die Größenverhältnisse, um das Geschehen perspektivisch ranzuholen oder weiter wegzuschieben. Und auch mit den übrigen Kulissen wie Bäumen oder Palastmauern zaubert er eindrückliche Bilder.
Die sehr jungen Zuschauer finden es witzig, wenn eine Brotdose voller Gummibärchen steckt, verfolgen wie gebannt, wenn die an der goldenen Gans hängende gierige ‚Klebegesellschaft‘ durch die Landschaft zieht, und zeigen sich ganz entzückt von dem traumhaft schönen Sternenhimmel, unter dem sich die einst traurige Prinzessin und der für dumm gehaltene Junge als glückliches Paar finden. Die Liebe ist der Gewinner des Stücks. Und das ist doch die Hauptsache. Oder?“ (Uta Trinks)