Spielzeit 2017/2018

InnerOuterCity

Sa
30.
September
Schauspiel

InnerOuterCity

Dramatische Anrisse einer allgemeinen Verunsicherung in 29 Szenen von Azan Garo
Chemnitzer Theaterpreis für junge Dramatik 2017
Uraufführung

 
 

 

„IRGENDJEMAND HAT GEMOGELT.
IRGENDJEMAND SPIELT MIT FALSCHEN KARTEN.
IRGENDJEMAND IST DABEI DIE KATEGORIEN ZU ZERWIRBELN.“
(IOC)

Das Spiel spielt jetzt. Spielort: Theater. Kein verdecktes Spiel, offene Karten und alle Mittel auf die Bretter geknallt.
Irgendetwas ist geschehen. Gerüchte gehen um und allgemeine Verunsicherung greift um sich. Flüsterflüster. Währenddessen ist das Stadttheater zu einem Rückzugsort gegen die Angriffe von außen geworden. Aber sicher ist es dort nicht. In seinen Katakomben verbergen sich vielleicht die Aktivisten einer konspirativen Gruppe, die Fakten gegen Fakes ausspielen. Denn weit, ja weit ist das Netz ;). Selbst die Schauspieler wissen nichts Genaues. Während sie versuchen, Klarheit in die Unklarheiten zu bringen, platzen lustvoll die Blasen politischer Gewissheiten. Denn die eine Weltwahrheit scheint es nicht zu geben, sondern im besten Falle eine sensible Subjektive. Wie war das nochmal mit dem Rauchen? Und darf man seinem Chef erklären, dass der Laden völlig falsch läuft? Schläft jeder Schläfer? Ist nur Trump verpeilt? Und wie angegraut sind eigentlich die eigenen Jugendträume? Irgdendwie rumort es im Inneren… – InnerOuterCity, Preisträgerstück des Chemnitzer Theaterpreises für junge Dramatik 2017, spielt bissig bis heiter mit Versatzstücken zeitgenösischer Paranoia und politischer Korrektheit.

Im Dezember 2016 vergab eine fünfköpfige Jury, bestehend aus Harald Müller, Verlagsleiter von „Theater der Zeit“, Johannes Schulze, Vorsitzender des Theaterfördervereins und vormaliger Geschäftsführer der „Freien Presse“, Stephan Beer, freiberuflicher Regisseur, Ulrike Euen, Schauspielerin am Schauspiel Chemnitz, und René Schmidt, Dramaturg am Schauspiel Chemnitz, den mit 5000 Euro dotierten Chemnitzer Theaterpreis für junge Dramatik an Azan Garo für InnerOuterCity. Aus einer Vielzahl qualitativ hochwertiger Einsendungen entschied sie sich damit für einen provozierenden Theatertext. Nicht allein Garos dekonstruktiver Zugriff auf Terrorparanoia, postfaktische Moral, das Gefühl allgemeiner Bedrohung und westlichen Narzissmus wurden gewürdigt, sondern ebenso die offene Form des Textes. Er unterläuft Rezeptionsgewohnheiten und irritiert mit einem Pluralismus an Mitteln.

Mit freundlicher Unterstützung vom Förderverein Theater Chemnitz

Spielort:Schauspielhaus - Ostflügel
Spielzeit:1h 10 min
Altersempfehlung:ab 16 Jahren
Information:Gewinnerstück des Chemnitzer Theaterpreises für junge Dramatik 2017
Premiere:28.04.2017
Sa, 30. September | 20:00 Uhr  
Preis: 12,00 €

Weitere Termine

22.10.2017Sonntag18:00 Uhr   Schauspielhaus - Ostflügel  
18.11.2017Samstag20:00 Uhr   Schauspielhaus - Ostflügel  
29.11.2017Mittwoch20:00 Uhr   Schauspielhaus - Ostflügel  

Bilder zum Stückes

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Inszenierungsteam des Stückes

Inszenierungsteam

Besetzungsliste des Stückes

Besetzungsliste

Pressestimmen zum Stück

Pressestimmen

„Dresdner Neueste Nachrichten“ schreiben am 05.05.2017

Der Supergau der Unsicherheit
 Azan Garo gewinnt mit ‚InnerOuterCity‘ den Chemnitzer Jungdramatikpreis
 Das Chemnitzer Schauspiel bastelt an einer Ahnengalerie neuer Dramatik. Jährlich 5000 Euro Preisgeld und eine Uraufführung im westlichen Ostflügel locken bislang unbekannte Autoren aus der Schreibtischdeckung, wobei der Begriff junge Dramatik insofern relativ erscheint, als dass es keine Altersdiskriminierung per –begrenzung gibt. Nach Martin Bauch aus Brandenburg und Jan Peterhanwahr aus Verl steht seit dem Vorjahr Uta Bierbaum aus Berlin auf der Preisträgerliste. Und nun auch mit Azan Garo ein junger deutschsprachiger Brasilianer, der sich hätte zu Recht feiern und sein Preisgeld abholen hätte können.
Ob er da war, weiß man nicht. Denn alles, was über die Person, die den Text per Mail einreichte, bekannt scheint – ist bislang nur Netzrealität. Kurz vor der Einreichung – just zum neuen deutschen Einheitstag – richtete er, sie oder es einen dürftigen Blog ein – mit der ersten verheißungsvollen Botschaft: ‚Es ist weder zu früh noch zu spät. Irgendwann muss es beginnen. Bald wird es soweit sein. // azga“
Später, als er die nach intensiver Beratung einstimmige Juryentscheidung erfuhr, will er in ‚Einsamkeit des Unergründlichen‘ und ‚aus hinterster Reihe‘ die Splitter zur Verleihung des Theaterpreises für das ‚Phobiadrama‘ liefern: Denn der Dramatiker, so steht da eigenwillig formuliert, sei im Theater jener Künstler, der sein Werk im besten Falle ‚als kunstvoll transformiertes auf eine Bühne wiederfindet, an deren Umsetzung er nicht beteiligt ist.‘ Das Spiel um die Identität wird garniert um einen drei Wochen nach der Bekanntgabe erstellten Wikipedia-Eintrag: ‚Azan Garo (*1985 in Mongaguá, Sao Paulo, Brasilien) ist ein deutschsprachiger Dramatiker. Er lebt seit 2009 in Berlin und Brandenburg. Garo studierte Germanistik und Theaterwissenschaften. Gleichzeitig nahm er als Experte für Sound-, Noise- und Filmschnitt an OFF-theater- und Radioprojekten teil.‘ Versehen mit dem redaktionellen Hinweis, dass der Artikel einer Überarbeitung bedarf, denn: ‚Biografie, Leben und Werk fehlen nahezu vollständig‘.
So viel Spannung war sicher einigen Zuschauern der nicht ganz ausverkauften Uraufführung nicht bewusst, was dem Genuss der folgenden Stunde keinen Abbruch tat. Und wenn es anders gekommen wäre, dann hätte man keinerlei Mitleid verspürt, denn mit Stephan Beer, Ulrike Euen und René Schmidt waren drei der fünf Juroren als Regisseur, Darstellerin und Dramaturg direkt an der Chemnitzer Umsetzung beteiligt.
Eine Farce, kein Skandal
Sie formten – durchaus in Mailabsprache mit dem oder der großen Unbekannten – aus der Szenensammlung eine Art Handlung, in der drei Entdecker von außen – die drei Damen gespielt von Ulrike Euen, Maria Schubert und Magda Decker – in den Moloch einer anonymen Megacity, in der irgendetwas ganz Großes oder Schlimmes passiert sein muss, eindringen, um mit ihrem Abgesandten – vielleicht Flüchtling, Spion oder Terrorist, Kontakt aufzunehmen. Der Kontakt und die Analyse, immer wieder unterbrochen von lauten und mehr oder minder absurden ‚Sicherheitshinweisen‘, die in Rauch- bis Kussverbot gipfeln, misslingen – das Ganze endet im Supergau der Ungewissheit. Der Theaterzuschauer fühlt sich als Zauberlehrling.
Soweit so gut. Denn nach der hochdynamischen und stimmigen Darstellung kann man Regie und Dramaturgie durchaus bescheinigen, eine überaus nachfühlbare Zustandsbeschreibung zu liefern. Deren Unsicherheit saugt sich aus einer Melange von Überwachungs- und erschöpfungsgefühl einer vollends ausdifferenzierten Stadtgesellschaft. In dieser kann der gemeinhin plump-populär verurteilte Populismus – hier in Phrasen persifliert – nur blühen, weil er greifbare werte in die ideelle Leere propagiert. Die Ensembleleistung beeindruckt, auch Ausstatter Georg Burger und Musikchef Steffan Claußner tragen mit Kostümen, Masken und Musik zur diffus-dystopischen Überformung bei.
Betrachtet man alle vier Uraufführungen, wobei die resonanz mit 54 Einreichungen um 22 über der des Vorjahrganges lag, so bleibt dAas Fazit: An die Brisanz des ersten Gewinnerstücks, Martin Bauchs ‚Die Erben des Galilei‘, ist immer noch kein Rankommen. Aber Rang zwei mag man Azan Garo ob der innewohnenden politischen Relevanz schon zubilligen. Der Grund findet sich, formuliert im Blog wie im Programmheft: ‚Wir wissen fühlen ahnen: Das Politische untergräbt das Private. Die Orte sind kontrolliert. Alltägliche Handlungen und selbst gesprochene Worte scheinen im Zuge einer algorithmischen Vernetzung einer permanenten Überwachung zu unterliegen. Sich empörend ausdrücken zu müssen, scheint ein Gebot der neuen Stunde. Sie ist ernst, sehr ernst. Wohin sie führt: Unklar. Klar zeigt allerdings der experimentelle Film InnerOuterCity: DER PLANET BEFINDET SICH IN EINEM ERSCHRECKENDEN ZUSTAND.‘ Wohl wahr, aber leider selten so prominent postuliert wie jetzt in Chemnitz.
(…)

Andreas Herrmann

Die „Freie Presse“ schreibt am 02.05.2017

Beulenpest im Ostflügel
‘InnerOuterCity‘ ist der Titel jenes Stücks, das den Chemnitzer Theaterpreis für junge Dramatik 2017 gewonnen hat. Uraufgeführt wurde es am letzten Freitag. Verdient hätten den Preis auch Regie und Schauspieler. In einer Schlüsselszene des Stücks ‚InnerOuterCity‘ kapern sich maskierte und deformierte Kreaturen den schlafenden Schönling und schieben ihm kleine Luftballons unter die ‚Haut‘, sie infizieren ihn mit jenen Beulen, die sie selbst an sich erleiden müssen. Als er erwacht, will er die Beulen natürlich loswerden. Es gelingt ihm nicht.
Nun hat er sie auch - die unschönen Wucherungen unserer Zeit, gespeist aus Flüchtlingselend, Überwachungsstaat, Versagen der Eliten, Staatsversagen, Wutbürgertum, Umweltzerstörung, Castingwahn, Terrorgefahr und die hysterische Reaktion des Staates und der Medien darauf. ‚Und was ist mit dem Leiden der Tiere?‘, so mit Pathos der junge Mann (Konstantin Weber), der gerade eben noch als Terrorist von den maskierten Kreaturen (Magda Decker, Ulrike Euen und Maria Schubert) verdächtigt wurde.
Irgendetwas ist geschehen - ein Unfall in einer chemischen Fabrik, ein Gau in einem AKW, ein Terroranschlag, gar eine Revolution? Zuweilen nehmen die Schauspielerinnen ihre Masken ab und werden zu Spionen, die nach Außen einer fremden Organisation berichten. An der Oberfläche ist alles beim Alten. ‚Keine Veränderungen im Ameisenstaat. Alles läuft wie immer. Die staatlichen Organe verrichten ihre Arbeit, Kultur mischt sich ein, die Medien berichten‘, flüstert eine ‚Mata Hari‘ in einer ‚Außenschaltung‘. Doch etwas hat sich verschoben. ‚Etwas scheint faul. Stinkt. Strömt den fiesen Geruch einer klinischen Säuberungswelle aus.‘ Und ganz plötzlich haben die Schauspielerinnen keine Lust mehr und unterhalten sich über eheliche Probleme und reflektieren über das Theater an sich.
‚InnerOuterCity - Dramatische Anrisse einer allgemeinen Verunsicherung in 29 Szenen‘ ist ein Stück des brasilianischen Preisträgers mit dem seltsamen Namen Azan Garo (Azangaro ist eine Stadt und eine Provinz in Peru). Zur Preisverleihung erschien er nicht. Seit 2009 soll er in Deutschland leben, und er muss ein guter Beobachter des politischen und kulturellen Lebens sein. Aktuelle Bezüge finden sich zuhauf im Text des noch nicht mal 30-Jährigen. Nur so richtig ernst nimmt er ihn wohl nicht. Ironisch-groteske Unterbrechungen, Versatzstücke, zuweilen Zynismus und Clownerie unterlaufen das Stück, das eigentlich nicht mehr als ein Text ist. Ein Theatertext - ohne szenischen Raum, ohne Plot.
Zum Stück machen es erst die szenische Umsetzung von Regisseur Stephan Beer, die Kostüme von Georg Burger und die Musik von Steffan Claußner. Dies sehr gekonnt. Eine orangene Wand knallt dem Zuschauer im kleinen, schwarzen Ostflügelquader entgegen, sie ist drehbar, entfärbt sich in bestimmtem Licht, und Videoprojektionen illuminieren im Nebel weitere Räume. Darin agiert das Darstellerquartett mit viel Spielfreude.
Stephan Beer führt die 29 Szenen zusammen und inszeniert ‚Inner-OuterCity‘ als Groteske mit einigem Schauwert. Dem Zuschauer wird zwar keine konventionelle, durchkomponierte Geschichte erzählt, doch wird ihm durchaus das Gefühl einer permanenten Verunsicherung und Bedrohungslage suggeriert. ‚Die Nacht ist noch lang. Sie ist längst nicht vorbei. Sie fängt gerade erst an.‘

Maurice Querner

„nachtkritik.de“ schreibt am 28.04.2017

Signale aus der Filterblase
Der Sound ist schon da als das Publikum die kleine Bühne im Ostflügel des Chemnitzer Schauspielhauses betritt. Eine säuselnde Stimme aus dem Off begrüßt die Zuschauer und dankt ihnen für ihre Anwesenheit. Trotz der widrigen Bedingungen. Widrige Bedingungen? Es gibt doch einen tollen Anlass! Der Förderverein des Theaters stiftet seit einigen Jahren einen Preis für Junge Dramatik inklusive Uraufführung. Gewinner diesmal: InnerOuterCity von Azan Garo. Untertitel: 'Dramatische Anrisse einer allgemeinen Verunsicherung in 29 Szenen.' Die Verunsicherungen werden Programm.
Abstrakte Bedrohung
Der Einlasssound bricht ab, es folgt ein Knallen und Wummern, ein Lichtwechsel – und dann lange nichts. Außer dem Magenknurren eines Wartenden im Zuschauerraum. Fast kommt Langeweile auf. Denn nicht mal das Bühnenbild birgt Anlass für einen Gedankensturm. Man sieht nur eine gezimmerte Kulissenwand – zunächst sogar nur von hinten. Hinter dieser lassen sich irgendwann doch leise Stimmchen vernehmen. Die zur Erheiterung des erlösten Publikums gleich mal genüsslich reflektieren, wie es den Wartenden so gehen mag. Bis eine Stimme vorschlägt, man könne doch ein Gedicht aufsagen. Was eine andere jedoch partout ausschlägt: 'Kein Gedicht in dieser poesiefeindlichen Stadt'. Ausgelassene Erheiterung im Chemnitzer Publikum.
Irgendwann schälen sich aus dem Bühnendunkel drei weiße Gestalten in Spusi-Anzügen, die scheinbar als Neuankommende unsicheres Terrain betreten. Letztlich bleiben aber sie selbst Unerklärliche: Als die Frauen Atemmasken und Kapuzen abstreifen, kommen zombiehaft maskierte Gesichter zum Vorschein. Die Spusi-Zombies treten an, die Intention des Abends zu vertiefen: Der Ernst der Stunde wird beschworen, eine abstrakte Bedrohung benannt aber nicht weiter beschrieben und schließlich ein Zuschauer zum hypothetischen Schläfer erklärt, an dem die entsprechenden Klischees – 'die lernen sogar oberflächlich zu schlafen' – durchexerziert werden. Dabei offenbart der Autor ein gutes Händchen fürs Sampeln und situative Komik. Die Phrasen sind bekannt, sie sind aber klug geschachtelt und etwas überformt, so dass eine interessante Bühnensprache entsteht.
Performer-Futter
Im Publikum schläft natürlich niemand. Schon gar nicht Konstantin Weber, der sich als einziger Mann im Ensemble in der letzten Reihe erhebt und die nächste Szene anreißt. Plötzlich entsteht eine Schauspielprüfungssituation. Ulrike Euen, Maria Schubert und Magda Decker, die Damen auf der Bühne, werden zur Jury, die das Vorspiel des Kollegen bewertet. Irgendwie geht das für ihn gut aus, denn von nun an darf er mitspielen, auch wenn er neben dem Dreigestirn immer ein wenig außen vor bleibt. Jetzt wird die ernste, unsichere Lage weiter beschworen. Denn die kommenden Szenen sind ein kluges Doku-Sample aus Arabischem Frühling, zeitlosem Aufstand, Attentats-Berichterstattung und allerlei Berichten zur Lage der Gesellschaft. Die Texte bleiben immer nebulös und benennen keine konkreten Ereignisse.
Regisseur Stephan Beer und sein Team zeigen schöne Einfälle zur Anreicherung der 29-Szenen-Collage. Zumal sie es bei 'InnerOuterCity' eher mit Performer-Futter zu tun haben als mit geformten Theaterfiguren und Situationen. Die vierte Wand etwa existiert niemals, die Akteure verhandeln ihre Inhalte fast immer mit einem intensiven Blick ins Publikum. Nur, wenn ein Maskenträger zum Rapport antritt und im Live-Video von der 'Lage' in der 'InnerOuterCity' berichtet, von der es aber nur ein diffuses 'irgendwas passiert hier, die Lage ist unübersichtlich' zu berichten gibt, entsteht eine Art Handlung.
Vorurteilsrhetorik der medial ausgebreiteten Gegenwart
Viel lieber als Handlungsbögen widmet sich Azan Garo in seinem Debutstück selbstreferenziell dem Theater als dem Ort seiner Versuchsanordnung: Beispielsweise steigt Ulrike Euen, scheinbar als sie selbst, im Zenit der Szenenfolge aus ihrer 'Rolle' aus, um sich über das Nichtvorhandensein einer Figur mit echten Emotionen und richtigen Themen zu beschweren. Die 'Pause', die sich die drei Spielerinnen daraufhin vom maskierten Nichtfiguren-Sein nehmen, ist dank ihrer pseudo-privaten Gespräche der Höhepunkt der Verunsicherung. Jedenfalls für das Publikum.
Dem präsentiert Garo einen Blick auf die Welt, dem sich schwer widersprechen lässt. Das ist schade. Da ist 'InnerOuterCity' wie eine Theater gewordene Filterblase. Mit der Essenz, dass es immer irgendwie absurd wird, wenn die unmittelbare Realität im Theater behandelt wird. Mindestens so absurd, wie die Angstschürer- und Vorurteilsrhetorik der medial ausgebreiteten Gegenwart. Obwohl der Abend wirklich anregend und streckenweise urkomisch ist, fehlt ihm der Nachhall. Wenn das Stück nach einer Stunde vorbei ist, könnte eigentlich eine zweite folgen, in der die Blase zerplatzt und man den verhandelten Themen unter die Oberfläche schaut. Das Potenzial wäre bei den Spielenden und der Inszenierung allemal gegeben. Allein dem Text mangelt es dann an einer tieferen Ebene.

Lukas Pohlmann

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