60 Jahre Figurentheater

Die Chronik


3. Dezember 1951

 

Eröffnung der Städtischen Puppenbühne Chemnitz mit der Inszenierung von Wolfgang Amadeus Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ unter Mitwirkung von Sängern und einem Kammerorchester der Städtischen Theater Chemnitz, Kleines Haus am Karl-Marx-Platz, Regie: Gerhard Diezmann


Leiter des ersten kommunalen Puppentheaters in der DDR: Gerhard Diezmann (bis 1966)


Neben dem Leiter und seiner Gattin Hanna gibt es in dem fast familiären Betrieb anfangs nur 7 Mitarbeiter. Gespielt wird in verschiedenen Sälen der Stadt, hauptsächlich im Festsaal in der Handwerkerschule, Schloßstraße 3.


Der Spielplan der Anfangsjahre umfasst hauptsächlich Märchen und Geschichten in Bearbeitung von Gerhard Diezmann, später auch anderer Ensemblemitglieder, darüber hinaus wird – insbesondere in den 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahren – auf sowjetische, rumänische, bulgarische und tschechoslowakische Puppenspieldramatik zurückgegriffen.


März 1954


Der bereits 100.000 Besucher der jungen Puppenbühne wird begrüßt.


15. März 1955


Umzug in das Haus am Schillerplatz
Neuer Name: Städtische Puppenbühne Karl-Marx-Stadt  
Diese als Interimsspielstätte geplante Lösung bleibt bis 1996 bestehen.


Intensive Reisebühnentätigkeit mit Ferienaktionen gemeinsam mit dem FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) und Gastspielreisen bis in die Tschechoslowakei


September 1960


II. Internationales Festival der Puppentheater in Bukarest
Das Puppenspiel für Erwachsene „Mit 100 Sachen in die Hölle“ (Text: Gerhard Diezmann, Peter Pillep - Regie: Gerhard Diezmann) wird mit der Bronzemedaille ausgezeichnet.


1961


Umbenennung in: Städtisches Puppentheater Karl-Marx-Stadt (PUK)
Kunstpreis des Bezirkes Karl-Marx-Stadt


1966 - 1970


Theaterleiter: Manfred Elle
Der Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit ist das Marionettenspiel.


1971


Die Theaterleitung übernimmt Peter Pillep, langjähriger Spieler,
Regisseur und Autor am Hause.


1976


„Hans-Otto“- Preis
1. DDR-Festival mit internationaler Beteiligung in Magdeburg. Die Inszenierung „Das Puppenspiel vom Doktor Faust“ (Regie und Ausstattung: Carl Schröder, Staatspreisträger für Volkskunstschaffen, legendärer Puppenspieler und -bauer aus Dresden-Radebeul) erhält den 3. Preis und wird auf eine dreiwöchige Gastspielreise nach Rumänien geschickt.


Mai 1981


„Göttliche Komödie“ von Isidor Stock, erste Kooperationsinszenierung mit dem Schauspiel, Regie: Hans-Dieter Stäcker, Musik: Volker Rohde, Ausstattung: Peter Gemarius de Kepper, Puppengestaltung: Antje Hohmuth


Oktober 1983


„Undine, die Wassernixe“, ein Marionettenspiel von Franz Graf von Pocci für Erwachsene, Regie: Hans-Dieter Stäcker, Ausstattung: Peter Gemarius de Kepper, Puppen: Joana Meyer
In dieser Inszenierung einer romantischen Sage mit Gesang wird Manfred Blank, der jetzige Direktor des Figurentheaters, in seiner Rolle als Ritter Huldbrand zum ersten Mal mit dem Marionettenspiel konfrontiert, eine Herausforderung für den ausgebildeten Schauspieler. Er muss es gut gemacht haben, denn die Inszenierung erhält den Sonderpreis des 3. Leistungsvergleiches des Puppentheaters der DDR und wird 1984 zum UNIMA-Kongress delegiert (Union Internationale de la Marionette).


Juni 1986


Das  neue Ensemblemitglied Manfred Blank schreibt als Regisseur Puppentheatergeschichte. Seine Inszenierung „Striptease“ und „Auf hoher See“ von Slawomir Mrożek, Ausstattung: Peter Gemarius de Kepper, wird vom Schauspielfachblatt THEATER DER ZEIT überschwenglich gelobt: „…ein ganz schönes Stück Innovation für das Puppentheater des Landes und für dieses Ensemble im Speziellen. Eine tiefe Verbeugung vor diesem Wurf.“


1987


Hans Lange wird Intendant des PUK. 
Ensemblestärke: 27


1989


Manfred Stopf wird Intendant.


1990


Mit Umbenennung der Stadt nach der politischen Wende erhält auch das Puppentheater einen neuen Namen: Städtisches Puppentheater Chemnitz.


August 1993


Das Puppentheater wird den Städtischen Theatern Chemnitz unter der Generalintendanz von Rolf Stiska angeschlossen.


1995


Manfred Blank wird Direktor der Sparte Puppentheater an den Städtischen Theatern Chemnitz.


August 1996


Umzug in den Luxorpalast


Januar 2001


Umbenennung in FIGURENTHEATER
Die Arbeit sprengt die Dimensionen des klassischen Puppenspiels mit Hand-, Stabpuppe und Marionette. Schatten-, Masken-, Materialtheater, Kooperationen mit Schauspiel, Tanz und Livemusik (Juli 1998 „Ein Sommernachtstraum“) machen den Weg frei zur ureigentlichen Aufgabe, der Verlebendigung, der Animation an sich lebloser Dinge.


19. November 2001


Ein „Dauerbrenner“ wird geboren: „Die Weihnachtsgans Auguste“,
Text (nach Friedrich Wolf), Regie, Bühne und Puppen: Rainer Schicktanz
Die Inszenierung spielt inzwischen in der 11. Adventszeit und in der 3. Besetzung.


September 2002


Gastspiel mit dem gesamten Ensemble und den Inszenierungen „Rotkäppchen“, „Adam, Alfons und Amalie“, „Der kleine Horrorladen“, „Der Schatz im Silbersee“ für 2 Wochen in Peking bei „Schaufenster Deutschland“ anlässlich des 30. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und der Volksrepublik China
 
3. - 13. April 2003


Gastspielreise mit dem Goethe-Institut durch Tunesien mit dem Schattenspiel „Adam, Alfons und Amalie oder Ich bin wichtiger, du Wicht“


19. April 2003


Das Figurentheater spielt im VOXXX: „Woyzeck“, ein Fragment von Georg Büchner, Regie: Manfred Blank, Ausstattung: Martin Thoms


April 2004


III. Sächsisches Theatertreffen „Alles Müller“ in Chemnitz
Das Figurentheater beteiligt sich mit „Die Hamletmaschine“, Regie: Manfred Blank, Ausstattung: Martin Thoms.


April 2005


Teilnahme am „Puppet Animation Festival“ in Schottland mit „Adam, Alfons und Amalie“ - dieses Mal in englischer Sprache


3. Oktober 2005


Walking Act mit dem gesamten Ensemble beim Botschaftsempfang „SAXONY in U.K.“ in London


13. November 2005


Premiere von „Don Giovanni“, Dramma giocoso von Lorenzo da Ponte, Musik von Wolfgang Amadeus Mozart
Regie, Bühne, Kostüme und Entwurf der Marionetten: Hinrich Horstkotte, Bau der Marionetten: Rainer Schicktanz
Marionettenspiel zur Einspielung der Aufnahme aus der Oper Chemnitz
KLEINE BÜHNE im Schauspielhaus


24. Oktober 2009


Premiere von „Rusalka“, Lyrische Oper von Antonín Dvořák, Gemeinschaftsprojekt der Oper und des Figurentheaters
Musikalische Leitung: Domonkos Héja, Inszenierung: Dominik Wilgenbus, Regie Puppenszenen: Manfred Blank, Bühne: Udo Vollmer, Kostüme: Andrea Fisser


Spielzeit 2010/11


Das Figurentheater erschließt neue Zuschauergruppen: Claudia Friedemann spielt in eigener Ausstattung für Kinder ab 3 Jahren „Sonne. Mond. Sterne“.
Gerlinde Tschersich und Ulrike Kölgen gehen mit dem Projekt „Theater von Anfang an“, einer fantasievollen, interaktiven Theaterreise für Kinder ab 2 Jahren, in die Kindereinrichtungen.


Herbst 2011


Das Figurentheater zieht um in das Schauspielhaus und hat eine eigene Spielstätte auf der ehemaligen KLEINEN BÜHNE.


3. Dezember 2011


Das Figurentheater Chemnitz feiert seinen 60. Geburtstag mit einer Puppenausstellung im Kulturkaufhaus DAStietz und Gastspielen der anderen sächsischen Puppentheater aus Bautzen, Zwickau und Leipzig.

(Die Ausstellung wurde ermöglicht durch Leihgaben der Puppentheatersammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Ausstellungskonzeption: Michael Schmidt)


Die 60-jährige Geschichte des Figurentheaters wird auch – nicht bierernst, sondern zum Schmunzeln – in einer Jubiläumsbroschüre erzählt.
Diese Broschüre gibt es HIER zum Download.


Die Fotos in der GALERIE rechts entstanden bei der Jubiläumsfeier „60 Jahre Figurentheater in Chemnitz“ am 2. Dezember 2011 im Schauspielhaus Chemnitz. Kollegen von anderen sächsischen Puppentheatern und aus den übrigen Sparten der Theater Chemnitz kamen zum Gratulieren und Feiern. Fotos: Jan Edelmann


1: Uwe Steinbach vom Theater der jungen Generation, Dresden, als „Mr. Moose“


1: Susanne Thielemann aus dem Chemnitzer Opernensemble mal als Puppe: mit der Arie der Olympia aus Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“


3: Nils Buchholz, Student im Schauspielstudio, mit „Mein Freund Uwe“ aus seinem „Nisse Barfuß“-Programm


4: Willi Reach, Violetta Czok und Dirk Baum vom Theater der Jungen Welt, Leipzig, setzen eine imaginäre große Geburtstagstorte auf die Bühne (eine echte brachten sie auch mit)


5: Bratschen-Quartett der Robert-Schumann-Philharmonie (wechselte souverän von Wagner zu Hits der 1920er-Jahre)


6: Impression von der anschließenden Party